Test: Ford Focus 2016 mit Sync 3, Applink und Touchscreen

Die Preisliste umfasst üppige 44 Seiten in kleiner Schrift, und wir haben für den Ford Focus einen Weg durchs Dickicht der Kommunikationstechnik geschlagen. Im Grunde genommen muss man nur eine einzige Entscheidung fällen: Benötigt man ein eigenständiges Navigationssystem, das unabhängig vom Smartphone jederzeit zur Verfügung steht, keine Mobilfunk-Anbindung erfordert und einfach zu bedienen ist?

Ford Focus Modelljahr 2016. Foto Hersteller

Wer diese Frage bejaht, weil er oft in ihm unbekannte Regionen fährt und auf der sicheren Seite bleiben will, bestelle das Ford Navigationssystem mit Ford Sync, Applink und Touchscreen. Das ist die lange Bezeichnung für ein Extra, das je nach Modellvariante zwischen 350 und 1600 Euro kostet. Auf der großen berührungsempfindlichen Anzeige mit einer Diagonale von 20,5 Zentimeter zeigt sich die elektronische Landkarte in schöner Übersicht, die Menüführung des Systems lässt kaum Fragen offen. Die Sync-Spracherkennung, die früher Dreh- und Angelpunkt des Ford-Systems war, erfasst fast alle Kommandos auf Anhieb und in einem Rutsch.

Ein Michelin-Reiseführer mit Hotel- und Restaurantinformationen gehört dazu, Darstellung und Ansagen sind gelungen. Abzüge gibt es für die Qualität der Verkehrsinfos, denn TMC Pro ist zwar besser als der Basisdienst TMC, kann aber mit den Echtzeitdaten anderer Anbieter nicht mithalten. Ein weiterer Minuspunkt: Im Telefonmodul fehlt eine Namenssuche, indes umschifft abermals die Ford-Spracherkennung diese Klippe.

Für ordentlichen Klang sorgen sechs Lautsprecher, und wir waren überrascht: Die Stimme von Gwen Stefani stand präzise und klar im Raum, gute Laune ist garantiert. Neugierig geworden, ließen wir schwere Kost vorfahren, Wagners Parsifal in der Solti-Einspielung von 1972. Gar nicht mal so schlecht, lautete das Urteil, wenngleich ein bisschen mehr Transparenz und Klarheit insbesondere den Mitten guttun würde. HiFi-Freunde sollten die Premium-Ausstattung Probe hören, sie bringt neun Sony-Lautsprecher mit: vier Tieftöner in den Türen, vier Hochtöner und ein weiterer auf dem Armaturenbrett. Der Fünf-Kanal-Audioverstärker leistet dann 125 Watt. Für einen Aufpreis von 700 bis 1200 Euro könnte sich dieses Extra lohnen.

Ford Sync 3 im Ford Focus. Foto Spehr

Soll es nicht die große und etwas teurere Lösung sein, weil man ohnehin nur selten in die Ferne schweift, reicht vielleicht die Smartphone-Lösung für den Focus: Sync 3 mit Applink und Touchscreen gehört entweder zur Serienausstattung oder kostet, je nach Modellvariante, zwischen 350 und 1400 Euro. Ein iPhone oder ein neuerer Androide mit Google-Betriebssystem müssen dazu per Kabel angebunden werden. Anschließend laufen Carplay oder Android Auto. Die Besonderheit der beiden Auto-Systeme aus Amerika hatten wir bereits des Öfteren geschildert: Sie übernehmen mit ihren Smartphone-Daten das Bordsystem, man bedient sie in erster Linie mit der Google- oder Apple-Sprachsteuerung. Es gibt nur wenige Optionen auf dem Display, das mit seiner reduzierten Darstellung und Funktionalität den Fahrer möglichst wenig ablenken soll. Das Navi von Google und Apple erfüllt durchaus seinen Zweck, lässt aber an Übersicht vermissen, das ist der größte Nachteil.

Vom Sommer an zieht noch ein dritter Assistent der amerikanischen Internetkonzerne in den Ford ein: Amazons Alexa wird derzeit in Sync integriert und ermöglicht im Auto das Abspielen von Hörbüchern, Musik und Nachrichten sowie eine Ortssuche oder das Einkaufen bei Amazon. Die sprachgesteuerten Amazon-Geräte für zu Hause (Echo oder Echo Dot) bieten die Option, noch in der Küche nach dem Kraftstoffvorrat des Autos zu fragen oder die Türen zu entriegeln. Eine schöne Zukunft mit Google, Alexa, Siri und Snyc. Man muss nur aufpassen, dass man jedem der vier Spracherkenner die richtigen Kommandos gibt. Sonst unterhalten sie sich vielleicht noch untereinander.

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