Test: Windows 10 Creators Update / Redstone 2

Im April kommt das nächste große Update: 3D für jedermann heißt das Motto, mit dem 400 Millionen Windows-Geräte ein neues Betriebssystem erhalten.

Nein, es kommt vorerst kein Windows 11, sondern Microsoft aktualisiert sein Windows 10 mit jährlichen großen Updates, die neue Funktionen und manche Verbesserung bringen. Statt einer einmal zu erwerbenden Software erhält man ein Produkt, das fortwährend angepasst wird. Die Version 1511 von Windows 10 kam im November 2015, das Anniversary Update 1607 brachte im Juli vergangenen Jahres mehr als hundert weitere Funktionen und Fehlerbeseitigungen. Die Versionsnummer gibt Jahr und Monat des Updates an. Welche Version auf dem eigenen Rechner läuft, erfährt man in den Windows-Einstellungen.

Nicht jeder ist mit dieser Vorgehensweise von Microsoft einverstanden, zumal sich die automatischen Updates nicht komplett deaktivieren lassen. Bisweilen beginnt ein längerer Update-Prozess im ungünstigsten Moment, laufende Arbeit wird unterbrochen, der Rechner steht 30 Minuten und länger nicht zur Verfügung. Oft werden Einstellungen des Nutzers von Microsoft wieder zurückgesetzt, damit man zum Beispiel den hauseigenen Browser aus Redmond nutzt und nicht etwa die Alternativen Firefox oder Chrome. Ferner geht es ums Prinzip: Einen Rechner kaufen, mit Betriebssystem ausstatten und in Ruhe laufen lassen, das geht jetzt nicht mehr.

Der nächste große Sprung heißt Creators Update, wird intern auch Redstone 2 genannt und geht wahrscheinlich im April an den Start, trägt also die Kennziffer 1704. Im Oktober vergangenen Jahres gab Microsoft bereits einen ersten Einblick. Demnach soll die verjüngte Windows-Plattform das Rüstzeug für die dreidimensionale Realität bieten und sich problemlos mit der Hololens und Windows-VR-Brillen bedienen lassen. 3D für jedermann heißt die Maxime. Zum Erstellen eigener 3D-Objekte dient eine überarbeitete Version der Software Paint, und das Smartphone wird mit einer App zum 3D-Scanner. Auch hinsichtlich der Updates gibt es mit dem Update ein Update: Sie lassen sich bis zu 35 Tage lang aufschieben. Allerdings werden Sicherheits-Updates und die Datenbanken der Virenabwehr namens Windows Defender weiter installiert, die Pause funktioniert also nur für neue Funktionen und weniger wichtige Aktualisierungen.

Neu ist das Windows Defender Security Center. Es handelt sich um eine App-Version des Windows Defender, der bislang über das Startmenü zu erreichen ist. In diesem Sicherheitszentrum lassen sich Einstellungen zur Firewall und für den Netzwerkschutz vornehmen. Die neue Zentrale bietet mehr Übersicht. Mit der Schaltfläche Viren- und Bedrohungsschutz sieht man sofort, wie viele Dateien geprüft und welche Bedrohungen erfasst wurden. Nach wie vor gilt: Dank Windows Defender kann man getrost auf andere Virensoftware von McAfee oder Kaspersky verzichten.

Über das Untermenü Geräteleistung und -integrität kann man Programme löschen, die zugehörigen Einstellungen und Dateien bleiben indes erhalten. Mit dem Offline-Scan gibt es die Möglichkeit, den Rechner in einer Defender-Umgebung hochzufahren, ohne Windows zu starten. Das funktioniert im Prinzip bereits mit Windows 10 Version 1607, bietet hier aber nun eine deutlich einfachere Möglichkeit, den Rechner nach Schadsoftware zu scannen, die huckepack mit Windows gestartet wird. In der Sicherheitszentrale nimmt man sodann auch die Einstellungen für die Familienkonten vor.

Mehr Leistung und Laufzeit versprechen die neuen Energiespareinstellungen mit einem Power Slider genannten Tool. Dank Schieberegler soll sich einstellen lassen, wie viel Leistung für das Betriebssystem zur Verfügung steht. Voraussetzung für mehr Energieeffizienz ist freilich, dass die Hersteller der einzelnen Hardware-Komponenten ihre Treiber aktualisieren.

Im wiederbelebten Startmenü lassen sich künftig Ordner für die Kachel-Icons erstellen. Man zieht dafür eine Kachel-App im Startmenü auf eine andere, wie beim Smartphone. Die Größe der Kacheln ist anpassbar. Der bislang erfolglose Browser Edge soll besser bedienbar werden: Fährt man mit der Maus über einen Tab, zeigt sich eine Vorschau der Internetseite. Nicht mehr benötigte Tabs lassen sich beiseiteschieben und einfacher denn je wieder öffnen. Mit dem Kontextmenü von Edge in der Taskleiste gelingt das Öffnen neuer Fenster. Wie in anderen zeitgemäßen Browsern ist künftig das automatische Abspielen von Flash-Elementen blockiert, schon aus Gründen der Sicherheit. Nur nach ausdrücklicher Bestätigung startet die Wiedergabe. Im Zweitjob soll Edge künftig als E-Book-Reader dienen. Microsoft will eine neue Buchhandlung in Windows 10 einrichten, und der Browser soll als Lesegerät dienen.

Zu den kleineren Verbesserungen gehört die Option, dass sich Bereiche des Bildschirms mit der Tastenkombination Windows plus Shift plus S als Screenshot in der Zwischenablage speichern lassen. Programme und Icons werden besser dargestellt, insbesondere bei hohen Bildschirmauflösungen. Mit Storage Sense lässt sich automatisch Festplattenplatz freischaufeln. Ferner kann Windows temporäre Dateien und solche im Papierkorb automatisch löschen. Die Sprachassistentin Cortana wird tiefer ins Betriebssystem eingebunden, sie soll mehr Apps unterstützen. Wer Cortana einsetzt, muss viel von sich preisgeben. Aber vielleicht leistet das ebenfalls neu gestaltete Privacy-Dashboard mit besserer Übersicht und mehr Optionen die notwendige Überzeugungsarbeit.

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