Die iPhone-Integration bei Mercedes-Benz startet mit der neuen A-Klasse

Wer sein Smartphone an das Comand-Online-System von Mercedes-Benz andocken will, ist bislang bei Datendiensten auf ein Gerät mit dem Bluetooth-Protokoll DUN angewiesen. Somit bleiben das iPhone und fast alle Androiden außen vor. Jetzt bietet Mercedes-Benz auch eine iPhone-Integration.

Gekürzter und redigierter Auszug aus der Pressemeldung:

Mercedes-Benz macht Smartphones mobil und bindet die elektronischen Begleiter künftig voll in die Infotainmentsysteme im Auto ein. Den Auftakt macht das iPhone. Mit der „Digital Drive Style App“ und dem „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ hat der Fahrer Zugriff auf die wesentlichen Inhalte seines iPhone, die im Fahrzeugdisplay angezeigt werden und sich über den Controller auf der Mittelarmlehne bedienen lassen. Ferner bringt Mercedes-Benz die Spracherkennung Siri ins Fahrzeug. Über eine natürliche Spracheingabe lassen sich damit zum Beispiel Nachrichten senden, eine Musikauswahl treffen, Wetternachrichten und Aktienkurse abfragen sowie Termine vereinbaren. Sämtliche Funktionen der iPhone-Integration können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden.

So sieht das aus: iPhone in der neuen A-Klasse (Foto Hersteller)

Die App unterstützt ferner Facebook und Twitter sowie das Internetradio Aupeo, eine Garmin-Navigation und einen Car-Finder.

Angeschlossen wird das iPhone über eine von der Mercedes-Benz Accessories GmbH entwickelte Schnittstelle. So lassen sich die Inhalte direkt über den Grafikausgang des Gerätes auf das Display des Fahrzeugs einspeisen. Zugleich wird das iPhone während der Nutzung im Fahrzeug automatisch mit Strom versorgt und geladen.

Die iPhone-Integration ist nicht nur in Kombination mit dem Comand Online erhältlich, sondern alle Funktionen inklusive Navigation können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden. Die „Digital DriveStyle App“ und das „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ debütieren in der neuen A-Klasse, die auf dem Genfer Salon ihre Weltpremiere feiert, und sind ab Herbst 2012 auch für B-, C- und E-Klasse geplant.

 

Die neue Präzision des Staus

Informationen über Staus, Unfälle und Straßensperrungen erhielt man jahrzehntelang über das Radio. Jetzt kommen die Meldungen über den Mobilfunk ins Auto. Tom Tom, BMW und Audi fahren voran. Störungen sind nun metergenau in den Navi-Landkarten zu sehen. Aber wir standen bei unseren Testfahrten trotzdem im Stau.

BMW mit RTTI: Verkehrsstörungen sind in Ampelfarben dargestellt, jedes Segment misst 500 Meter (Foto Hersteller)

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Test: Fiat Doblò Natural Power (Erdgasantrieb)

Handwerker und Großfamilien dürfen sich besonders angesprochen fühlen, wenn es um den Doblò geht, den Fiat hübsch als “Hochdachkombi” bezeichnet, während das gemeine Publikum von einem Kastenwagen spricht. Die kantige Kiste wurde vor zwei Jahren grundlegend renoviert, sie will nun mehr Auto als Transporter sein. Wir erprobten den Doblò in der Erdgasvariante, die bei Fiat günstig ist. Der italienische Familien-Van mit dem Etikett “Natural Power” steht für 22 550 Euro in der Preisliste, bringt aber gleich die hochwertige Sonderausstattung Emotion inklusive Klimaanlage und Bluetooth-Freisprecher mit.

Der Erdgas-Benziner ist nur unwesentlich teurer als ein Doblò mit Dieseltriebwerk und vergleichbaren Fahrleistungen (Fotos Hersteller)

Der Erdgas-Benziner bietet eine Leistung von 88 kW (120 PS) und ein maximales Drehmoment von 206 Newtonmeter bei 2000/min. Er ist also nur unwesentlich teurer als ein Doblò mit Dieseltriebwerk und vergleichbaren Fahrleistungen. Zugegeben: Der 1,4-Liter Benziner ist noch günstiger (von 16 750 Euro an in der Active-Ausstattung). Er fährt aber mit seinem schwachen Motor in einer ganz anderen Liga. Kurzum: Während man bei anderen Erdgasfahrzeugen wegen üppiger Preisaufschläge erst nach 40 000 Kilometer und mehr von dem geringer besteuerten Treibstoff profitiert, kann man hier mit dem Sparen gleich loslegen.

Reserverad fehlt

Ein Kilogramm Erdgas, das den Energiegehalt von 1,5 Liter Superbenzin hat, kostete im Testzeitraum 1,09 Euro. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 6,8 Kilogramm reisen also vier bis fünf Personen für 7,40 Euro auf 100 Kilometer – günstiger als jede Bahnfahrt und vermutlich auch ökologischer. Von der Umrüstung sieht man auf den ersten Blick nicht viel. Das “Natural Power”-Logo auf der Rückseite ist ein dezenter Hinweis und der zweite Erdgas-Stutzen hinter der Tankklappe ein weiterer. Ferner fehlt das Reserverad, denn die Erdgastanks mit einem Fassungsvermögen von rund 20 Kilogramm beanspruchen Platz. Sie sind unterflur eingebaut, die Kofferraumgröße von 790 Liter bleibt erhalten.

Wer zu zweit auf Tour geht, kann sogar auf ein Ladevolumen von bis zu 3200 Liter zurückgreifen. Auch im Innern zeigt sich das gewohnte Bild: Farblich abgesetzte Applikationen auf den Armaturen und bunte Sitzbezüge treten gegen das Transporter-Image an. Ablagen gibt es reichlich, und das hintere Gestühl lässt sich demontieren. Mit einer Taste neben der Handbremse schaltet man zwischen Benzin- und Erdgasbetrieb um, die zuletzt gewählte Einstellung ist automatisch gespeichert.

Der Tanknadel beim Wandern zusehen

Fiat spricht von einem bivalenten Antrieb, der also die uneingeschränkte Nutzung beider Kraftstoffe erlauben soll. Das hat insofern seine Berechtigung, als der Benzintank deutlich größer ist als die meist sehr kleine (14 Liter) Benzinreserve der monovalenten Erdgasfahrzeuge. Aber auch die 22 Liter Benzinvorrat des Doblò sind wenig. Bei einem Verbrauch von etwas mehr als 10 Liter kann man der Tanknadel beim Wandern nach unten zusehen. Im Erdgasbetrieb kommt man auf rund 280 Kilometer Reichweite, dann meldet sich warnend der Bordmonitor. Der gibt ansonsten übrigens weder Hinweise auf den aktuellen Verbrauch noch zur geschätzten Reichweite. Allein eine Balkengrafik informiert mit vier Segmenten über den Füllstand der Erdgasanlage.

Nur 280 Kilometer Reichweite im Erdgasbetrieb

Innen ein Kessel Buntes

Wir waren jeden zweiten Tag an der Erdgastankstelle, und man sollte wissen, dass nur 900 der 15000 Tankstellen in Deutschland CNG “Compressed Natural Gas” anbieten. Das erfordert gegebenenfalls lange Umwege. Im täglichen Betrieb kann man mit den Leistungen des Motors zufrieden sein. Man schwimmt gut im Verkehr mit, der Standardspurt von 0 auf 100 km/h ist in 12,5 Sekunden absolviert. Auf der Autobahn ist die Richtgeschwindigkeit flink erreicht, aber danach quält sich der Doblò unüberhörbar bis zur Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Ja, 1615 Kilogramm sind ein Päckchen, mit dem Benzinmotor sind es 200 Kilogramm weniger. Aber im Großen und Ganzen ist der Erdgas-Doblò eine vernünftige Alternative zum Diesel, wenn man sich mit den Tücken des lückenhaften Erdgasnetzes abfinden kann.

Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App “Car Together” von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind “Themes”, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes “Sync“-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit “blind” zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die “Orte” unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi “Mitteldisplay” nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das “kontextanaloge” Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Der ärgerlichste Fehler des Samsung Galaxy Nexus: Das Kontakte-Chaos von Android

Wie beim Samsung Galaxy S2 ist auch beim neuen Samsung Galaxy Nexus mit dem brandneuen Android 4 ein Wirrwarr bei der Adressverwaltung zu beobachten, das mehr als ärgerlich ist. Um das Problem einzukreisen sei Google-Konto A das Konto, das zuerst auf dem Gerät angelegt wird und üblicherweise die Verknüpfung mit dem Android Market enthält. Die in diesem Konto hinterlegten Adressen werden in jedem Falle synchronisiert, auch wenn man unter “Einstellungen”, “Konten und Synchronisierung” die Synchronisierung der Kontakte verneint, also das grüne Häkchen nicht setzt. Auch wenn man direkt nach dem Anlegen des Kontos sofort in die “Einstellungen” geht, sofort das Häkchen löscht: Es wird synchronisiert, ob man das will oder nicht.

Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Nun lege man ein Konto B an, etwa ein weiteres Google-Konto, oder ein Exchange-Konto oder ein Business-Konto aus Google Apps. Hier sollen die Adressen synchronisiert werden. So weit, so gut.

Geht man jetzt auf die Kontakte, sind alle Adressen aller Konten sichtbar. Man kann über das Kontext-Menü “Kontakte zum Anzeigen” und “Anpassen” abermals nachjustieren, Unerwünschtes abwählen: Es bleibt folgenlos. Spätestens beim Start einer Suche sind die Kontakte aus Konto A wieder da. Noch schlimmer wird das Ganze im Auto beim Einsatz einer Bluetooth-Freisprechanlage: Alle Einträge aller Konten sind auf dem Monitor sichtbar. Wer in Konto A beispielsweise seine privaten Adressen pflegt und in B seine beruflichen, darf sich über ein Chaos ohnegleichen freuen.

Noch ärgerlicher: Installiert man What’sApp oder einen anderen Messenger, der auf das Kontaktverzeichnis zugreift, haben nun die privaten Kontakte aus A auch Zugriff auf das Dienst-Smartphone.

Ergänzung: Bindet man Google Apps (die Business-Lösung) als Exchange-Account ein, gibt es keinen Zugriff auf die E-Mails im Posteingang. Man kann nur über einzelne Label auf die Nachrichten zugreifen. Der Posteingang bleibt (mit Fehlermeldung) leer. Zudem kann man keine Kalender zur Synchronisation auswählen.

Audi bringt Internetradio und Google Streetview ins Fahrzeug

Unten der Auszug aus der Pressemeldung. Und gleich die offenen Fragen: Die Musikübertragung erfolgt mit W-Lan, nicht mit Bluetooth A2DP? Wird mit W-Lan dann auch der vorhandene iTunes-Musikbestand gestreamt? Schick wäre es natürlich auch, wenn man Musikstreaming-Dienste integrieren könnte, also etwa die Stücke der Napster-App ins MMI schaufeln könnte. 

“Mit der neuen Applikation „Audi music stream“ können internationale Radiosender über das Internet im Auto empfangen werden. Bereits im Auto ein Bild davon haben, wie es am Zielort aussieht? Auch das ist kein Problem: Einfach mittels Street View die Straßenansichten aufrufen.

Mit „Audi music stream” startet ein neuer Dienst von Audi connect. Mit der Smartphone-App kann der Fahrer Radiosender über das Internet empfangen und diese in das Audi Infotainment integrieren. Via WLAN wird das eigene Smartphone mit der MMI Navigation plus verknüpft. Wenn nichts Interessantes im UKW-Radio läuft: Einfach über das MMI drahtlos auf die Musikbibliothek des Telefons zugreifen und die gewünschte Datei abspielen oder aus dem weltweiten Internet-Radio-Angebot den gewünschten Sender wählen.

Dank der Navigation mit Google Earth-Bildern und Street View können hochauf­lösende Luft- und Satellitenbilder, Fotos, Geländeformationen, Straßen und ihre Bezeichnungen und Geschäftseinträge betrachtet werden. Das System greift im Voraus auf die Daten der ausgewählten Strecke zu und kombiniert diese mit den Informationen der MMI Navigation plus. Über das UMTS-Modul des Bluetooth-Autotelefons online werden realitätsgetreue 360°-Panoramabilder aus der Fußgängerperspektive im Auto dargestellt.”

 

Test: Navigation und Infotainment im Range Rover 2011

Das feine Fahren: Der Range Rover (Fotos Hersteller)

Es sind gleich mehrere Extras, die im großen Range Rover hervorstechen. Der Inbegriff des luxuriösen Geländewagens ist hinsichtlich Navigation und Unterhaltung wunderbar ausgestattet, er duftet nach altem Geld und feiner Elektronik. Das erste schöne Detail zeigt sich schon beim Betreten des Fahrzeugs mit einem Blick auf die Armaturenlandschaft. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht man zunächst nichts. Nach wenigen Sekunden erscheint ein prachtvolles Hintergrundbild, bevor schließlich die virtuellen Instrumente und Anzeigen zum Leben erwecken. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Ein “Spotlight” hebt die aktuelle Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftiger Beleuchtung hervor, bei 120 km/h rückt beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h sofort in den Blick. Schade nur, dass die große Fläche zwischen Tachometer und Drehzahlmesser den größten Teil der Zeit schwarz bleibt. Weitere Zusatzinformationen, etwa zur Fahrzeugkonfiguration, lassen sich nur temporär einblenden, und die Anzeige des Bordcomputers versteckt sich während der Fahrt in einer kleinen Fußzeile.

Das tolle Display wird ergänzt um eine zweite Anzeige in der Mittelkonsole, deren Raffinesse sich nicht unmittelbar erschließt. Es handelt sich nämlich um ein Dual-View-Display, das zwei Anzeigen gleichzeitig liefert. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt und eine zweite für den Beifahrer, der eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nicht-durchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einem Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Dual View: Nur im Stand zeigt sich das TV-Bild für Fahrer und Beifahrer (Foto Spehr)

Im Range Rover muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht an seiner Position nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Kein Controller: Der Wählschalter für das Automatikgetriebe auf der Mittelkonsole

Als dritten Pluspunkt zählen wir die umfassende Serienausstattung. Zwar kostet der Dual-View-Monitor einen Aufpreis von 800 Euro. Aber alles andere bringt der Range Rover, der in der kleinsten Modellvariante mit 90 000 Euro zu Buche schlägt, serienmäßig mit: CD-Wechsler, Navigationssystem, TV-Empfänger, Sprachbedienung und Bluetooth-Freisprecher. Die HiFi-Anlage stammt von Harman-Kardon und kommt mit mindestens 11 Lautsprechern sowie Anschlüssen für alle nur denkbaren Zuspieler. Man muss schon lange in der Preisliste blättern, um noch weitere kostenpflichtige Extras zu entdecken. Etwa ein Premium-HiFi-System mit 13 Lautsprechern und einer Verstärkerleistung von 720 Watt (1540 Euro, serienmäßig im “Vogue” aufwärts) oder ein System mit 19 Lautsprechern, 1200-Watt-Verstärker und Subwoofer für 1700 Euro. Ferner gibt es ein Multimedia-System für die Fondspassagiere mit Bildschirmen in den Kopfstützen (3900 Euro).

Wir haben die Anlage im “Vogue” ausprobiert, und waren von der Akustik sehr angetan. Die Musik kam bei uns von CD und vom iPhone, das sich kabelgebunden problemlos anbinden lässt. Der Zugriff auf Alben, Titel und Wiedergabelisten erfolgt dann ganz bequem am Monitor. Wer ein anderes Smartphone einsetzt, wird allerdings Bluetooth A2DP zur drahtlosen Musikübertragung vermissen. Und in der Telefonabteilung wäre das Sim-Access-Profil für den Blauzahn ebenfalls hilfreich, wenn es um störungsfreien Empfang in widriger Umgebung geht.

Am Arbeitsplatz: Das feine Extra ist die Lenkradheizung

Alle anderen Komponenten spielen auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlt die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Range Rover mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive. Der Staugeplagte sucht im Range Rover vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit fehlen.  Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich nur nach vorherigem Anlernen wählen, und bei der Eingabe des Navigationsziels steht der praktische Helfer nicht parat.

Überzeugend wiederum die Gelände-Navigation für den Einsatz jenseits der Straße. Ist sie aktiv, sieht man einen Kompass mit Fahrtrichtung. Es lassen sich Spurmarkierungen in Intervallen setzen, und Routen im Gelände können aus bis zu 35 Etappenzielen bestehen, wobei letztere über geographische Koordinaten oder die Entfernung und Peilung der aktuellen Fahrzeugposition erfasst werden. Im Geländeeinsatz mag sich auch die sogenannte Venture-Cam bewähren: Das sind Videokameras (bis zu 16), die sich im Fahrzeug oder am Anhänger anbringen lassen, und ihre Bilder drahtlos an den Monitor übertragen. Sie sollen das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger erleichtern, können aber auch schwierige Fahrmanöver aus einer zweiten Perspektive auf den Monitor bringen.

Alles in allem sind die HiFi-Abteilung, der Dual-View-Monitor und die Geländenavigation die Pluspunkte der Elektronik im Range Rover. Bei der  Straßennavigation geht man Kompromisse ein, aber angesichts der reichhaltigen Serienausstattung ist das eine Nörgelei auf hohem Niveau.

Test: TomTom D-A-CH Version 1.9 für iOS

„Man verfährt sich ständig“, lautete die vernichtende Bilanz eines Kollegen, der zwei Wochen mit einem Tom-Tom-Navigationssystem im Testwagen unterwegs war. Dass der elektronische Kopilot ausgerechnet dort patzt, wo seine Kernkompetenz liegt, ist schon ein starkes Stück, soll doch ein Navi das Fahren in fremder Umgebung möglichst angenehm und stressfrei gestalten. Auch wenn die harsche Kritik gewiss etwas übertrieben ist: Die Präzision der Ansagen und Hinweise gilt seit Jahren bei Tom Tom als Schwachpunkt. Wir haben jetzt ein modernisiertes System ausprobiert, nämlich die Tom-Tom-Navigation 1.9, die für das iPhone und das iPad zur Verfügung steht.

Auf dem iPad: TomTom im Querformat, so sieht man mehr (Fotos Spehr)

Für 50 Euro bekommt man eine fast 500 Megabyte große App, die sich auf beiden Geräten einsetzen lässt, wenn ein- und dieselbe Apple-ID verwendet wird. Darin ist das Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz enthalten. Wer 70 Euro investiert und 1,6 Gigabyte auf seinem Mobilgerät zur Verfügung stellt, bekommt die Westeuropa-Variante, und für 90 Euro ist ganz Europa im Angebot. Schon diese Hinweise zeigen: Es handelt sich um eine „Onboard“-Navigation, bei der Kartenmaterial und Routendaten im Gerät gespeichert sind. Eine zusätzliche kostenpflichtige Mobilfunkverbindung im Einsatz unterwegs ist also nicht erforderlich.

Zwei- oder dreidimensionale Darstellung der Karte

Allerdings benötigt man unabdingbar eine Stromversorgung fürs Auto, denn Bildschirm plus GPS-Empfänger sind permanent eingeschaltet und strapazieren den Kraftspender aufs äußerste. Nach dem Start verhält sich die App, die wir mit dem iPhone 4S ausprobiert haben, mustergültig. Bei der Adresseingabe gibt es, wie bei den Anlagen in der Werksausstattung, eine Wortergänzung, die den gewünschten Ort schon nach der Eingabe weniger Buchstaben einblendet. Nötigenfalls kann man sogar auf Umlaute verzichten. Neben der manuellen Erfassung von Ort und Straße lassen sich auch die Adressangaben der im iPhone gespeicherten Kontakte übernehmen. Kurios, aber vielleicht sinnvoll: Die in Fotos hinterlegten GPS-Daten können ebenfalls für die Zielführung hinzugezogen werden. Man wird also zum Ort der Aufnahme geführt. Ferner gibt es natürlich eine Suche nach Sonderzielen, wahlweise in der Nähe oder in einer Stadt. Was die Sonderziel-Suche nicht findet, etwa Tankstellen mit Erd- oder Autogas, zeigt gegebenenfalls die Google-Online-Suche, für die allerdings eine Datenverbindung benötigt wird.

In der App: Die Zusatzprogramme

Nach der Zielerfassung erfolgt in wenigen Sekunden die Routenberechnung, anschließend zeigt Tom Tom in einer wahlweise zwei- oder dreidimensionalen Darstellung seine Karte. Das alles ist dann mehr oder weniger identisch mit den Tom-Tom-Navis zur Nachrüstung. Und wie gehabt gilt: Die Ansagen und die Hinweise auf dem Display sind nicht gut. Altbekannte und typische Tom-Tom-Unzulänglichkeiten wurden nicht behoben. Man verfährt sich in der Tat öfter als mit anderen Systemen, hier fehlt der Feinschliff und die Liebe zum Detail – das hatten wir schon mehrfach beklagt.

HD Traffic bester Verkehrsdienst in Deutschland

Der große Pluspunkt sind indes die Verkehrsinformationen. Zum einen setzt Tom Tom auf historisches Material, auf Daten und Statistiken zu jedem einzelnen Straßenabschnitt in Deutschland mitsamt den erzielten Geschwindigkeiten. Damit werden die „IQ Routes“ erstellt, Tempoprofile einzelner Segmente in Abhängigkeit von der Tageszeit. Zu jeder Straße kennen die Niederländer das typische Fahrtempo, und zwar, man höre und staune, im Fünf-Minuten-Takt. Dieser Dienst ist unentgeltlich in der App enthalten. Aktuelle Informationen bieten indes die mit Mobilfunk empfangenen HD-Traffic-Dienste. Dahinter steckt eine bunte Mischung unterschiedlicher Nachrichtenquellen, die zentral zusammengefasst und ausgewertet werden.

Das Ergebnis überzeugt: HD Traffic ist nach unserer Einschätzung der mit Abstand beste Verkehrsdienst in Deutschland. Uns wurden nicht nur größere Störungen auf der Autobahn präzise angezeigt, sondern auch Störungen auf der Landstraße und selbst mancher Feierabendstau in der Kleinstadt. Nicht etwa, dass man dann jedes Mal eine Umleitung wählt. Entscheidend ist die Genauigkeit im Gesamtpaket: Fahre ich über die A648 in die Frankfurter Innenstadt, oder nehme ich den längeren Weg über die Autobahnabfahrt „Westhafen“? Wir haben bei der Beantwortung dieser Frage den Kopiloten jeden Morgen auf die Probe gestellt, fuhren bisweilen mit Absicht konträr zu den Empfehlungen – und waren von den Ergebnissen sehr angetan.

Tom Tom sollte die Staudaten für Nutzer besser aufbereiten

Nur wünscht man sich mehr Transparenz bei der Anzeige und Auswertung der Verkehrsstörungen. Im Unterschied zu den Windschutzscheiben-Navis von Tom Tom kann man die App nicht so programmieren, dass automatisch und selbsttätig stets die schnellste Route unter Berücksichtigung der Verkehrslage gewählt wird. Vielmehr wird man nach im Hintergrund laufenden Neuberechnungen auf eine schnellere Strecke hingewiesen und kann diese dann mit einem Fingertipp aufs Display bestätigen. Der auf Wunsch einblendbare Verzögerungs-Balken am rechten Rand des Bildschirms ist keine große Hilfe und wirft mit seiner Darstellung mehr Fragen auf, als er beantwortet. Insgesamt meinen wir, dass Tom Tom die vorhandenen Staudaten für den Nutzer besser aufbereiten sollte. Eine zusammenfassende Analyse – etwa mit Sprachausgabe – könnte ein Pluspunkt sein.

HD Traffic für die Tom-Tom-App kostet 5 Euro im Monat oder 30 Euro im Jahr. Zu den gleichen Konditionen kann man auch Informationen über Gefahrenstellen hinzubuchen. Allerdings laufen diese Dienste nur auf einem einzigen Gerät. Wer zwischendurch das iPad zur Routenführung einsetzen möchte, muss ein zweites Abonnement abschließen. Hier scheint Tom Tom die Spielregeln der Apple-Welt noch nicht verstanden zu haben. Alles in allem: Die Navi-App lohnt sich vor allem in Verbindung mit den Verkehrsinformationen. Denn die Routenführung an sich gibt es anderswo besser und günstiger.

Die Konkurrenz:

Die Navigon-App mit europäischen Landkarten ist für 75 Euro (derzeit: 60 Euro) zu haben und überzeugt vor allem mit klaren und präzisen Hinweisen. Wer in unbekannten Gefilden sicher und stressfrei zum Ziel geführt werden will, ist hier bestens aufgehoben. Die nahezu identische „Select“- Edition steht für Kunden der Telekom gratis zur Verfügung. Die Stau-Informationen von Navigon reichen allerdings nicht an Tom Tom heran. Sehr günstig ist „GPS Navigation 2“ von Skobbler für 1,60 Euro. Der Trick: Diese App nutzt die Gratis-Karten von „Open Street Map“. Die neueste Version hat auch einen Onboard-Modus, der ohne Mobilfunkverbindung auskommt. Dann enstehen aber weitere Kosten für das vorab zu ladende Kartenmaterial.

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.