Audi bringt Internetradio und Google Streetview ins Fahrzeug

Unten der Auszug aus der Pressemeldung. Und gleich die offenen Fragen: Die Musikübertragung erfolgt mit W-Lan, nicht mit Bluetooth A2DP? Wird mit W-Lan dann auch der vorhandene iTunes-Musikbestand gestreamt? Schick wäre es natürlich auch, wenn man Musikstreaming-Dienste integrieren könnte, also etwa die Stücke der Napster-App ins MMI schaufeln könnte. 

“Mit der neuen Applikation „Audi music stream“ können internationale Radiosender über das Internet im Auto empfangen werden. Bereits im Auto ein Bild davon haben, wie es am Zielort aussieht? Auch das ist kein Problem: Einfach mittels Street View die Straßenansichten aufrufen.

Mit „Audi music stream” startet ein neuer Dienst von Audi connect. Mit der Smartphone-App kann der Fahrer Radiosender über das Internet empfangen und diese in das Audi Infotainment integrieren. Via WLAN wird das eigene Smartphone mit der MMI Navigation plus verknüpft. Wenn nichts Interessantes im UKW-Radio läuft: Einfach über das MMI drahtlos auf die Musikbibliothek des Telefons zugreifen und die gewünschte Datei abspielen oder aus dem weltweiten Internet-Radio-Angebot den gewünschten Sender wählen.

Dank der Navigation mit Google Earth-Bildern und Street View können hochauf­lösende Luft- und Satellitenbilder, Fotos, Geländeformationen, Straßen und ihre Bezeichnungen und Geschäftseinträge betrachtet werden. Das System greift im Voraus auf die Daten der ausgewählten Strecke zu und kombiniert diese mit den Informationen der MMI Navigation plus. Über das UMTS-Modul des Bluetooth-Autotelefons online werden realitätsgetreue 360°-Panoramabilder aus der Fußgängerperspektive im Auto dargestellt.”

 

Test: Navigation und Infotainment im Range Rover 2011

Das feine Fahren: Der Range Rover (Fotos Hersteller)

Es sind gleich mehrere Extras, die im großen Range Rover hervorstechen. Der Inbegriff des luxuriösen Geländewagens ist hinsichtlich Navigation und Unterhaltung wunderbar ausgestattet, er duftet nach altem Geld und feiner Elektronik. Das erste schöne Detail zeigt sich schon beim Betreten des Fahrzeugs mit einem Blick auf die Armaturenlandschaft. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht man zunächst nichts. Nach wenigen Sekunden erscheint ein prachtvolles Hintergrundbild, bevor schließlich die virtuellen Instrumente und Anzeigen zum Leben erwecken. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Ein “Spotlight” hebt die aktuelle Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftiger Beleuchtung hervor, bei 120 km/h rückt beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h sofort in den Blick. Schade nur, dass die große Fläche zwischen Tachometer und Drehzahlmesser den größten Teil der Zeit schwarz bleibt. Weitere Zusatzinformationen, etwa zur Fahrzeugkonfiguration, lassen sich nur temporär einblenden, und die Anzeige des Bordcomputers versteckt sich während der Fahrt in einer kleinen Fußzeile.

Das tolle Display wird ergänzt um eine zweite Anzeige in der Mittelkonsole, deren Raffinesse sich nicht unmittelbar erschließt. Es handelt sich nämlich um ein Dual-View-Display, das zwei Anzeigen gleichzeitig liefert. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt und eine zweite für den Beifahrer, der eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nicht-durchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einem Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Dual View: Nur im Stand zeigt sich das TV-Bild für Fahrer und Beifahrer (Foto Spehr)

Im Range Rover muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht an seiner Position nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Kein Controller: Der Wählschalter für das Automatikgetriebe auf der Mittelkonsole

Als dritten Pluspunkt zählen wir die umfassende Serienausstattung. Zwar kostet der Dual-View-Monitor einen Aufpreis von 800 Euro. Aber alles andere bringt der Range Rover, der in der kleinsten Modellvariante mit 90 000 Euro zu Buche schlägt, serienmäßig mit: CD-Wechsler, Navigationssystem, TV-Empfänger, Sprachbedienung und Bluetooth-Freisprecher. Die HiFi-Anlage stammt von Harman-Kardon und kommt mit mindestens 11 Lautsprechern sowie Anschlüssen für alle nur denkbaren Zuspieler. Man muss schon lange in der Preisliste blättern, um noch weitere kostenpflichtige Extras zu entdecken. Etwa ein Premium-HiFi-System mit 13 Lautsprechern und einer Verstärkerleistung von 720 Watt (1540 Euro, serienmäßig im “Vogue” aufwärts) oder ein System mit 19 Lautsprechern, 1200-Watt-Verstärker und Subwoofer für 1700 Euro. Ferner gibt es ein Multimedia-System für die Fondspassagiere mit Bildschirmen in den Kopfstützen (3900 Euro).

Wir haben die Anlage im “Vogue” ausprobiert, und waren von der Akustik sehr angetan. Die Musik kam bei uns von CD und vom iPhone, das sich kabelgebunden problemlos anbinden lässt. Der Zugriff auf Alben, Titel und Wiedergabelisten erfolgt dann ganz bequem am Monitor. Wer ein anderes Smartphone einsetzt, wird allerdings Bluetooth A2DP zur drahtlosen Musikübertragung vermissen. Und in der Telefonabteilung wäre das Sim-Access-Profil für den Blauzahn ebenfalls hilfreich, wenn es um störungsfreien Empfang in widriger Umgebung geht.

Am Arbeitsplatz: Das feine Extra ist die Lenkradheizung

Alle anderen Komponenten spielen auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlt die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Range Rover mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive. Der Staugeplagte sucht im Range Rover vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit fehlen.  Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Kontakte aus dem Telefonbuch lassen sich nur nach vorherigem Anlernen wählen, und bei der Eingabe des Navigationsziels steht der praktische Helfer nicht parat.

Überzeugend wiederum die Gelände-Navigation für den Einsatz jenseits der Straße. Ist sie aktiv, sieht man einen Kompass mit Fahrtrichtung. Es lassen sich Spurmarkierungen in Intervallen setzen, und Routen im Gelände können aus bis zu 35 Etappenzielen bestehen, wobei letztere über geographische Koordinaten oder die Entfernung und Peilung der aktuellen Fahrzeugposition erfasst werden. Im Geländeeinsatz mag sich auch die sogenannte Venture-Cam bewähren: Das sind Videokameras (bis zu 16), die sich im Fahrzeug oder am Anhänger anbringen lassen, und ihre Bilder drahtlos an den Monitor übertragen. Sie sollen das Rückwärtsfahren mit einem Anhänger erleichtern, können aber auch schwierige Fahrmanöver aus einer zweiten Perspektive auf den Monitor bringen.

Alles in allem sind die HiFi-Abteilung, der Dual-View-Monitor und die Geländenavigation die Pluspunkte der Elektronik im Range Rover. Bei der  Straßennavigation geht man Kompromisse ein, aber angesichts der reichhaltigen Serienausstattung ist das eine Nörgelei auf hohem Niveau.

Test: TomTom D-A-CH Version 1.9 für iOS

„Man verfährt sich ständig“, lautete die vernichtende Bilanz eines Kollegen, der zwei Wochen mit einem Tom-Tom-Navigationssystem im Testwagen unterwegs war. Dass der elektronische Kopilot ausgerechnet dort patzt, wo seine Kernkompetenz liegt, ist schon ein starkes Stück, soll doch ein Navi das Fahren in fremder Umgebung möglichst angenehm und stressfrei gestalten. Auch wenn die harsche Kritik gewiss etwas übertrieben ist: Die Präzision der Ansagen und Hinweise gilt seit Jahren bei Tom Tom als Schwachpunkt. Wir haben jetzt ein modernisiertes System ausprobiert, nämlich die Tom-Tom-Navigation 1.9, die für das iPhone und das iPad zur Verfügung steht.

Auf dem iPad: TomTom im Querformat, so sieht man mehr (Fotos Spehr)

Für 50 Euro bekommt man eine fast 500 Megabyte große App, die sich auf beiden Geräten einsetzen lässt, wenn ein- und dieselbe Apple-ID verwendet wird. Darin ist das Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz enthalten. Wer 70 Euro investiert und 1,6 Gigabyte auf seinem Mobilgerät zur Verfügung stellt, bekommt die Westeuropa-Variante, und für 90 Euro ist ganz Europa im Angebot. Schon diese Hinweise zeigen: Es handelt sich um eine „Onboard“-Navigation, bei der Kartenmaterial und Routendaten im Gerät gespeichert sind. Eine zusätzliche kostenpflichtige Mobilfunkverbindung im Einsatz unterwegs ist also nicht erforderlich.

Zwei- oder dreidimensionale Darstellung der Karte

Allerdings benötigt man unabdingbar eine Stromversorgung fürs Auto, denn Bildschirm plus GPS-Empfänger sind permanent eingeschaltet und strapazieren den Kraftspender aufs äußerste. Nach dem Start verhält sich die App, die wir mit dem iPhone 4S ausprobiert haben, mustergültig. Bei der Adresseingabe gibt es, wie bei den Anlagen in der Werksausstattung, eine Wortergänzung, die den gewünschten Ort schon nach der Eingabe weniger Buchstaben einblendet. Nötigenfalls kann man sogar auf Umlaute verzichten. Neben der manuellen Erfassung von Ort und Straße lassen sich auch die Adressangaben der im iPhone gespeicherten Kontakte übernehmen. Kurios, aber vielleicht sinnvoll: Die in Fotos hinterlegten GPS-Daten können ebenfalls für die Zielführung hinzugezogen werden. Man wird also zum Ort der Aufnahme geführt. Ferner gibt es natürlich eine Suche nach Sonderzielen, wahlweise in der Nähe oder in einer Stadt. Was die Sonderziel-Suche nicht findet, etwa Tankstellen mit Erd- oder Autogas, zeigt gegebenenfalls die Google-Online-Suche, für die allerdings eine Datenverbindung benötigt wird.

In der App: Die Zusatzprogramme

Nach der Zielerfassung erfolgt in wenigen Sekunden die Routenberechnung, anschließend zeigt Tom Tom in einer wahlweise zwei- oder dreidimensionalen Darstellung seine Karte. Das alles ist dann mehr oder weniger identisch mit den Tom-Tom-Navis zur Nachrüstung. Und wie gehabt gilt: Die Ansagen und die Hinweise auf dem Display sind nicht gut. Altbekannte und typische Tom-Tom-Unzulänglichkeiten wurden nicht behoben. Man verfährt sich in der Tat öfter als mit anderen Systemen, hier fehlt der Feinschliff und die Liebe zum Detail – das hatten wir schon mehrfach beklagt.

HD Traffic bester Verkehrsdienst in Deutschland

Der große Pluspunkt sind indes die Verkehrsinformationen. Zum einen setzt Tom Tom auf historisches Material, auf Daten und Statistiken zu jedem einzelnen Straßenabschnitt in Deutschland mitsamt den erzielten Geschwindigkeiten. Damit werden die „IQ Routes“ erstellt, Tempoprofile einzelner Segmente in Abhängigkeit von der Tageszeit. Zu jeder Straße kennen die Niederländer das typische Fahrtempo, und zwar, man höre und staune, im Fünf-Minuten-Takt. Dieser Dienst ist unentgeltlich in der App enthalten. Aktuelle Informationen bieten indes die mit Mobilfunk empfangenen HD-Traffic-Dienste. Dahinter steckt eine bunte Mischung unterschiedlicher Nachrichtenquellen, die zentral zusammengefasst und ausgewertet werden.

Das Ergebnis überzeugt: HD Traffic ist nach unserer Einschätzung der mit Abstand beste Verkehrsdienst in Deutschland. Uns wurden nicht nur größere Störungen auf der Autobahn präzise angezeigt, sondern auch Störungen auf der Landstraße und selbst mancher Feierabendstau in der Kleinstadt. Nicht etwa, dass man dann jedes Mal eine Umleitung wählt. Entscheidend ist die Genauigkeit im Gesamtpaket: Fahre ich über die A648 in die Frankfurter Innenstadt, oder nehme ich den längeren Weg über die Autobahnabfahrt „Westhafen“? Wir haben bei der Beantwortung dieser Frage den Kopiloten jeden Morgen auf die Probe gestellt, fuhren bisweilen mit Absicht konträr zu den Empfehlungen – und waren von den Ergebnissen sehr angetan.

Tom Tom sollte die Staudaten für Nutzer besser aufbereiten

Nur wünscht man sich mehr Transparenz bei der Anzeige und Auswertung der Verkehrsstörungen. Im Unterschied zu den Windschutzscheiben-Navis von Tom Tom kann man die App nicht so programmieren, dass automatisch und selbsttätig stets die schnellste Route unter Berücksichtigung der Verkehrslage gewählt wird. Vielmehr wird man nach im Hintergrund laufenden Neuberechnungen auf eine schnellere Strecke hingewiesen und kann diese dann mit einem Fingertipp aufs Display bestätigen. Der auf Wunsch einblendbare Verzögerungs-Balken am rechten Rand des Bildschirms ist keine große Hilfe und wirft mit seiner Darstellung mehr Fragen auf, als er beantwortet. Insgesamt meinen wir, dass Tom Tom die vorhandenen Staudaten für den Nutzer besser aufbereiten sollte. Eine zusammenfassende Analyse – etwa mit Sprachausgabe – könnte ein Pluspunkt sein.

HD Traffic für die Tom-Tom-App kostet 5 Euro im Monat oder 30 Euro im Jahr. Zu den gleichen Konditionen kann man auch Informationen über Gefahrenstellen hinzubuchen. Allerdings laufen diese Dienste nur auf einem einzigen Gerät. Wer zwischendurch das iPad zur Routenführung einsetzen möchte, muss ein zweites Abonnement abschließen. Hier scheint Tom Tom die Spielregeln der Apple-Welt noch nicht verstanden zu haben. Alles in allem: Die Navi-App lohnt sich vor allem in Verbindung mit den Verkehrsinformationen. Denn die Routenführung an sich gibt es anderswo besser und günstiger.

Die Konkurrenz:

Die Navigon-App mit europäischen Landkarten ist für 75 Euro (derzeit: 60 Euro) zu haben und überzeugt vor allem mit klaren und präzisen Hinweisen. Wer in unbekannten Gefilden sicher und stressfrei zum Ziel geführt werden will, ist hier bestens aufgehoben. Die nahezu identische „Select“- Edition steht für Kunden der Telekom gratis zur Verfügung. Die Stau-Informationen von Navigon reichen allerdings nicht an Tom Tom heran. Sehr günstig ist „GPS Navigation 2“ von Skobbler für 1,60 Euro. Der Trick: Diese App nutzt die Gratis-Karten von „Open Street Map“. Die neueste Version hat auch einen Onboard-Modus, der ohne Mobilfunkverbindung auskommt. Dann enstehen aber weitere Kosten für das vorab zu ladende Kartenmaterial.

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.

 

Car-to-X-Kommunikation: Das Auto spricht mit seinen Artgenossen

Das Auto der Gegenwart kann dank seiner Sensorik und Assistenzsysteme fühlen. Es kann mit seinem Radar sehen. Von 2015 an wird das Auto auch mit den Fahrzeugen der Umgebung sprechen und ihnen zuhören. Das ist die Technik der Car-to-Car-Kommunikation, die unter dem Namen Car-to-X serienreif werden soll. Es handelt sich um ein aktives Sicherheitssystem, das die bewährten passiven (wie Airbag oder Gurtstraffer) ergänzt. Die neuen Systeme helfen dem Fahrer beim Einschätzen der Verkehrssituation und verschaffen ihm eine zusätzliche Zeitreserve, damit er rechtzeitig reagieren kann.

Ein Szenario: Das Auto erfährt schon 300 Meter vor der Kurve, dass es dort spiegelglatt ist. Der Fahrer wird gewarnt und verringert frühzeitig das Tempo. Die Idee besticht durch ihre Einfachheit. Der erste Trick: Jedes neue Fahrzeug weiß ohnehin über seine elektronischen Sensoren viel mehr über die Umgebung und die Straße, als der Fahrer ahnt. ABS, ASR, ESP heißen die bekanntesten Helfer, aber auch das Außenthermometer sowie die Sensoren für Warnblinker, Licht, Regen und Lenkwinkel sind unermüdliche Datensammler. Ihre Informationen liegen am Can-Bus des Fahrzeugs an. Und nun der zweite Trick: Das Auto soll künftig diese Daten mit seiner Umgebung austauschen. Also entsteht ein selbstorganisiertes, autonomes Netzwerk, das gleich einer Internet-Tauschbörse arbeitet, wo die Nutzer untereinander direkt und ohne Umwege Daten verschicken. Dazu wird das Fahrzeug mit einer Wireless-Lan-Einheit ausgerüstet, ähnlich der im Notebook. Das Auto ist zugleich Sender und Empfänger. Wichtige Gefahrenmeldungen werden wie ein Staffelstab von einem Fahrzeug zum nächsten weitergereicht.

Zwei Anzeigen: Die obere für Car-to-X ist ein Provisorium für den Testbetrieb (Foto Hersteller)

Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel

Die Idee der Car-to-X-Kommunikation wird von einem Konsortium getragen, in dem deutsche Fahrzeughersteller, Zulieferer wie Bosch und Continental sowie wissenschaftliche Forschungseinrichtungen versammelt sind. Im Frühjahr 2012 wird im Rhein-Main-Gebiet mit einer Flotte von 120 Fahrzeugen ein breit angelegter Feldversuch aufgenommen. Das von mehreren Bundesministerien geförderte Projekt heißt „Sim TD“ – „Sichere intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“. Sim TD soll mehrere Dinge zeigen: dass die Idee technisch zu verwirklichen, seriennah und marktreif ist und welche Strategie der Einführung sinnvoll ist. Der neue Zusatz „X“ steht für Notrufzentralen und Einrichtungen zur Verkehrssteuerung. Die ursprüngliche Idee der autonomen Selbstorganisation wird also ergänzt um die Mobilfunktechnik, die Verkehrsinformationen von einer Leitzentrale ins Auto übertragen soll.

Wir haben Car-to-X während einiger Fahrten auf dem Testgelände im hessischen Friedberg bereits ausprobieren können. Im Cockpit der 120 Versuchsfahrzeuge findet sich ein neuer Monitor, auf dem alle relevanten Warnungen und Hinweise angezeigt werden. Das ist allerdings nur ein Provisorium. Im Serienbetrieb wird jeder Fahrzeughersteller Car-to-X in die Bedienlandschaft seiner Elektronik integrieren. Einzelne Funktionen sind dann im Audi über das MMI-System oder bei Mercedes-Benz über Comand aufrufbar. Im Feldversuch hingegen nutzen alle dieselbe Infrastruktur, so ist Chancengleichheit hergestellt. Das W-Lan-Modul der Fahrzeuge arbeitet nicht auf den gewohnten PC-Frequenzen, sondern hat seine eigene bei 5,9 Gigahertz. Es reicht bis zu zwei Kilometer weit. Wie am Computer verbinden sich die W-Lans im Ad-hoc-Modus, allerdings ist der komplizierte beiderseitige „Handshake“ drastisch vereinfacht. Es gibt feste Kanäle, und eine der großen Herausforderungen besteht darin, das System gegen Hacker zu sichern. Störsender könnten den Frequenzbereich blockieren, auch sind gefälschte Nachrichten denkbar. Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel, der aber keine Verbindung zur Fahrgestellnummer hat.

„Virtuelles Blaulicht“

Auf dem Testgelände stellte sich das so dar: Wir fahren auf eine unübersichtliche Kurve zu. Zwei Smart sind dort in einen Unfall verwickelt, und über das vorausfahrende Fahrzeug werden wir rechtzeitig akustisch und mit Meldungen auf dem Display gewarnt. Auch das herbeieilende Rettungsfahrzeug wird mitsamt seiner Fahrtrichtung angekündigt. „Virtuelles Blaulicht“ heißt die Funktion. Beim dritten Experiment kommt die Warnmeldung allerdings zu spät: Als der BMW vor uns eine Vollbremsung absolviert, sind wir schon ausgewichen, bevor der Hinweis kommt. Kleine Minisender am Straßenrand sollen die W-Lan-Struktur ergänzen. Diese „Roadside Units“ bilden verstärkende Knotenpunkte im Netz und kommen an jenen Orten zum Einsatz, die für Stau oder gefährliche Situationen bekannt sind. So will man dafür sorgen, dass die Technik selbst dann funktioniert, wenn noch nicht alle Fahrzeuge mit W-Lan ausgestattet sind. Weitere Komponenten in der Stadt sind Ampelanlagen mit Funkmodul. Auf dem Testgelände übertragen sie bei der Annäherung die weitere Dauer der Rotphase und gegebenenfalls die optimale Geschwindigkeit. Dass mit der „Lichtsignalanlagen-Netzsteuerung“, wie es im Bürokraten-Deutsch heißt, eine Bevorzugung von Bussen einhergeht, wird nicht jeder goutieren.

Andere Details könnten ebenfalls zur Diskussion stehen. Der Kreuzungsassistent weist vorab auf ein Stoppschild hin, dergleichen erscheint überflüssig. Wer Stoppschilder nicht selbst wahrnehmen kann, hat am Lenkrad nichts verloren. Auch die Einfädelhinweise an Baustellen mögen gut gemeint sein, sind aber für wachsame Verkehrsteilnehmer nicht notwendig. Und wenn die Hinderniswarnung auf einen „verlorenen Spanngurt“ hinweisen sollte, wird gewiss mancher die Car-to-X-Meldungen als lästige Störung empfinden. Aber: Um solche und andere Erfahrungen zu sammeln, gibt es ja den Versuchsbetrieb. Die Ergebnisse sollen Ende 2013 vorliegen.

Test: Audi Connect mit W-Lan-Hotspot

Dass das Internet ins Auto einzieht, darf nach der IAA als Selbstverständlichkeit gelten. Spannend ist nicht mehr die Frage nach dem “Warum?”, sondern das “Wie?”. Telematikdienste, Verkehrsinformationen und die Notruffunktion E-Call sorgen dafür, dass spätestens von 2015 an jedes Neufahrzeug mit Mobilfunk und Internet ausgerüstet sein wird. Derzeit steht Wireless-Lan auf der Agenda aller Hersteller, und damit ist die Idee verbunden, eine ohnehin vorhandene Datenverbindung nutzbringend den Passagieren zur Verfügung zu stellen. Sie können mit ihrem Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos sehen. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben und loslegen. Peugeot und Citroen setzen dazu auf eine W-Lan-Box in Verbindung mit einem UMTS-Stick, und das französische System wird einmalig mit einem Notebook konfiguriert, der wiederum mit einem Ethernet-Kabel an die Box im Handschuhfach andockt. Eine Umstandskrämerei.

Keine Fummelei am Notebook, alles geht einfach

Das ganz neue “Audi Connect” mit UMTS-Modul verwendet eine andere Technik, wir haben sie im ebenfalls neuen Audi A6 ausprobiert. Der Netzzugang ist ein Baustein des bekannten MMI-Systems und fügt sich nahtlos in die vorhandene Architektur ein. Auf den ersten Blick ist MMI mit Audi Connect nicht von den bisherigen Anlagen zu unterscheiden: Der Drehsteller und das große Farbdisplay, das im A6 motorbetrieben aus dem Armaturenbrett ausfährt, bilden die Kommandozentrale. Wie im A8 kommt ein opulentes, farbiges Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser hinzu. Ferner hat man aus der Ingolstädter Oberklasse das Karussellmenü sowie das Touchpad übernommen. Es reagiert auf safte Fingerbewegungen, man malt hier einen Buchstaben nach dem anderen, und eine Handschrifterkennung wertet die Eingabe aus.

Für Fingermaler: Das Audi-Touchpad links neben dem Schalthebel (Fotos Spehr)

Audi Connect ist in den Tiefen der Menüs versteckt, und bevor man aus der Fülle der Möglichkeiten schöpft, muss man sich mit den Kommunikationsfähigkeiten seines Mobiltelefons beschäftigen. Im einfachsten Fall unterstützt das Gerät das Bluetooth-Profil Sim Access, wie etwa einige Blackberrys, viele Nokias und sehr wenige Android-Smartphones. Das iPhone von Apple bleibt außen vor. Mit Sim Access sind sämtliche Online-Dienste im Audi verfügbar, und man kann über die Freisprechanlage telefonieren. In Verbindung mit einer Daten-Flatrate legt man quasi sofort los. Komplizierter wird das Ganze ohne Sim Access: In diesem Fall benötigt man eine zweite Sim-Karte, die in den entsprechenden Leseschacht von MMI eingesetzt wird. Das ist sozusagen die Rückfall-Lösung, aber sie hat einen gewaltigen Haken: Die Telefonie mit dem Freisprecher erfolgt dann unabdingbar über diese Sim-Karte. Das vorhandene Handy lässt sich zwar weiterhin über Bluetooth ankoppeln. Man kann auch die Musikwiedergabe über Bluetooth A2DP starten. Aber nicht telefonieren. Wer sich darüber aufregt, sollte wissen, dass auch beim neuen Comand Online von Mercedes-Benz ähnliche Einschränkungen bestehen. Hier benötigt man ein Mobiltelefon mit dem Bluetooth-Dun-Protokoll für Online-Verbindungen.

Ist diese Hürde genommen, geht es an die Konfiguration der Datenverbindung. Im Unterschied zum Peugeot muss man so gut wie nichts manuell einstellen. MMI erkennt automatisch den Mobilfunkprovider, gibt den Zugangspunkt (APN) vor und setzt den netzseitigen Benutzernamen mitsamt Kennwort ein. Manuell einzugeben ist lediglich, ob ein Daten-Verbindungsaufbau automatisch oder auf Nachfrage erfolgen soll, ob Online-Verkehrsdaten empfangen werden, und es gibt ferner eine Roaming-Option sowie einen Verbrauchszähler. Diese Lösung gefällt.

Keine Fummelei: W-Lan-Parameter bei Audi

Der W-Lan-Hotspot ist ebenfalls kinderleicht eingerichtet. Es gibt keine Fummelei mit dem Notebook, sondern man sollte nur das vorgegebene simple Kennwort “AudiAudi” ändern. Anschließend steht den Passagieren während der Fahrt ein W-Lan zur Verfügung, das so einfach zu handhaben ist wie der Netzzugang im Café. Mit der Haifischzahn-Antenne auf dem Dach ist die Anlage deutlich empfangsstärker als ein Smartphone im Innern, und wir hatten im Fahrbetrieb sehr ordentliche Durchsatzraten. Eine Messung ergab sage und schreibe 5,8 MBit/s, mehr bietet auch mancher DSL-Anschluss zu Hause nicht.

Datenraten je nach Provider und Ort

Die Datenraten hängen natürlich maßgeblich von der Funkversorgung im mobilen Netz ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Man beachte auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen. Wenn einer Videos lädt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein. Kleine Unterbrechungen beim Zellenwechsel können zu Rucklern beim Audio- oder Videostreaming führen. Geht es nur um das Surfen im Netz, um E-Mail oder andere Dienste, fallen die Aussetzer in der Regel nicht auf. Die Datenrate hängt im Übrigen nicht von der Geschwindigkeit des Fahrzeugs ab, auf der Autobahn bei hohem Tempo ist die Funkversorgung in der Regel besser als auf dem Land.

Google-Suche: Die Ergebnisse landen bei Bedarf im Navi

So gesehen waren wir mit dem W-Lan-Hotspot ausgesprochen zufrieden. Dazu kommen aber noch jene Dienste, von denen auch der Fahrer profitiert. In der Navi-Abteilung gibt es nun schöne dreidimensionale Stadt- und Landschaftsansichten, die von Google Earth geladen werden. Die Aufnahmen werden als einzelne Kacheln dynamisch nachgeladen, und ein zwei Gigabyte großer Cache (Zwischenspeicher) reduziert das Online-Volumen. Google Earth im Navi erfreut das Auge, vor allem der Passagiere, bringt dem Fahrer aber nichts.

Wichtiger sind die Premium-Verkehrsinformationen, die ein kleiner Anbieter namens Inrix zusammenstellt. Im Unterschied zu den (ebenfalls verfügbaren) Meldungen von TMC und TMC Pro sind sie nicht auf die Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen beschränkt, sondern auch kleinräumig innenstädtisch verfügbar. In Frankfurt sahen wir etliche Störungen im Stadtgebiet, aber selbst manche Baustelle auf dem Land wurde richtig angezeigt. Bei Bedarf werden die erfassten Straßen mit Staumeldungen farblich markiert, man sieht also genau, wie weit das Auge von Inrix reicht. Ein abschließendes Urteil über die Güte der Daten kann man nach zweiwöchiger Erprobung noch nicht abgeben. Unsere Eindrücke reichen von “sehr ordentlich” bis “sehr ärgerlich”. Die Infos sind deutlich besser als die von TMC und TMC Pro, aber sie erreichen nicht die Qualität der Tom-Tom-Daten.

In einem Mini-Browser zeigt Audi Connect (auch während der Fahrt) weitere Reiseinformationen, den wohl unvermeidlichen Wetterbericht sowie Nachrichten in komprimierter Form. Sinnvoller ist unseres Erachtens die W-Lan-Anbindung von Musikspielern und die Google-Suche für Sonderziele am Standort, Zielort oder in einem Umkreis. Hier findet man also beispielsweise über den Suchmaschinen-Betreiber den Namen, die Adresse und vielleicht sogar die Telefonnummer des Steuerberaters oder Arztes, die allesamt eben nicht im klassischen Kartenmaterial der Navi-Hersteller verzeichnet sind.

Weil eine sprecherunabhängige Spracherkennung an solchen Herausforderungen scheitern würde, springt das Touchpad ein. Man malt einen Buchstaben nach dem anderen auf der Fläche, das Erkannte wird noch einmal vom System leise vorgesprochen – und die Erkennungsrate ist großartig. Das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl über den Controller mit entsetzlich vielen Drehbewegungen, und wenn man das Prinzip verstanden hat, kann man während der Fahrt fröhlich vor sich hinschreiben, ohne auch nur einmal den Blick von der Straße nehmen zu müssen. Dass man die Fundstellen sofort in die Routenführung übernehmen kann, ist klar, und angezeigte Telefonnummern lassen sich direkt aus der Trefferliste heraus anrufen.

Mit Wetterbericht: Schmalspursurfen während der Fahrt

Alles in allem hat Audi ein gelungenes Paket zusammengestellt. Die nächste Stufe sind weitere Apps, die entweder auf Servern im Internet oder auf dem Smartphone im Auto laufen sollen. Wir warten jetzt auf E-Mail, Facebook und Twitter.

Apples Siri auf dem iPhone 4S im Auto mit Bluetooth-Freisprechern nutzen

Nach meinen bisherigen (kurzen) Erfahrungen gibt es keine gravierenden Probleme mit den gängigen Bluetooth-Freisprechanlagen im Auto. Etwas länger habe ich das iPhone 4S mit dem Comand-System in der neuen E-Klasse von Mercedes-Benz ausprobiert.

Der Siri-Sprachassistent kann sich gerade im Auto besonders nützlich machen. Etwa zum Diktieren von E-Mail oder SMS, zur Abfrage von Kalendereinträgen oder zum Erstellen von Erinnerungen. Wer allein fährt, kann also im Auto mit Siri sprechen und seine Dinge organisieren. Hier einige Hinweise:

1. Das iPhone 4S wie jedes andere Bluetooth-Telefon ankoppeln. Für Siri-Eingaben ist jetzt das Mikrofon des Fahrzeugs aktiviert und zuständig.

2. Für Siri nicht die Spracherkennungs-Taste des Fahrzeugs betätigen, sondern die Home-Taste des iPhone 4S länger drücken. Das funktioniert auch mit aktivem Sperrbildschirm.

3. Das gewünschte Kommando (“Welche Termine habe ich heute”, “E-Mail schreiben an Klaus Mustermann”, “Erinnere mich an Blumen für die Sekretärin”) in das Fahrzeug-Mikrofon sprechen.

4. Siri zeigt erkannte Kommandos und Befehle nicht nur auf dem iPhone-Bildschirm an, sondern antwortet mit Sprachausgabe. Unter “Einstellungen”, “Allgemein”, “Siri” gibt es den Menüeintrag “Sprach-Feedback”. Hier kann man den Menüpunkt “Nur Freisprecheinrichtung” wählen. Das heißt: Siris Sprachausgabe ist nur mit aktiver Bluetooth-Kopplung eingeschaltet. Sonst bleibt es bei der Bildschirmdarstellung.

5. Beim Einsatz im Auto ist zu beachten, dass sämtliche Befehle, Kommandos, Texteingaben über eine Mobilfunkverbindung auf Apple-Servern transkribiert werden. Wenn die Datenverbindung des iPhone 4S nicht funktioniert, gelingt auch die Spracherkennung nicht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man einem Ort zwar telefonieren kann, sich aber eine Datenverbindung nicht aufbauen lässt.

6. Marginalie: Bei der Musikwiedergabe mit A2DP im Mercedes gab es gelegentlich kurze Aussetzer.

Nuance: E-Mail und SMS im Auto diktieren

Während der IAA in Frankfurt war das Projekt unter Verschluss. Aber spätestens auf dem Genfer Automobilsalon im Frühjahr zeigt ein großer Automobilhersteller den nächsten Trend der Kommunikationstechnik im Fahrzeug: Das Diktieren während der Fahrt und die Beantwortung von E-Mails oder SMS mit Sprache. Nachrichten aller Art kann man sich derzeit in einigen Fahrzeugen bereits mit einer synthetischen Stimme vorlesen lassen. Nun kommt der nächste Schritt: Man beantwortet sie, das Gesagte wird von einer Spracherkennung automatisch transkribiert. Auf diese Weise lässt sich die eine oder E-Mail schon auf dem Weg ins Büro beantworten, die Zeit im Auto wird produktiv genutzt. Dergleichen gibt es am PC schon lange, und neuerdings wird Spracherkennung auf Android-Smartphones und dem iPhone von Apple populär. Diese kleinen Apps sind zwar nicht so leistungsfähig wie die Windows-Software, weil die Rechenleistung der Kleingeräte gering ist. Der Trick besteht deshalb in der Transkription auf externen Servern, etwa von Google oder von jenen des amerikanischen Spracherkennungs-Spezialisten Nuance.

Das neue System, das von Nuance entwickelt wird, arbeitet zunächst wie die Smartphone-App. Man diktiert einige Sätze, sie werden als Audiodatei über eine Mobilfunkverbindung auf Transkriptions-Server geschickt, und das Erkannte kommt als Text zurück. Nur ist die neue Lösung in das Bediensystem des Fahrzeugs eingebunden, man muss also kein Smartphone in die Hand nehmen, sondern arbeitet mit dem Mikrofon sowie den vorhandenen Tasten des Fahrzeug-Interface‘ und erhält – das ist der erste Unterschied zu den Smartphone-Apps – eine Korrekturmöglichkeit in Verbindung mit einer Audiowiedergabe des Erkannten. Auch ist die Länge für eigene Diktate nicht begrenzt, beim iPhone und „Dragon Dictation“ beträgt sie derzeit 60 Sekunden.

Ob und wie die Fahrzeug-Spracherkennung mit einem persönlichen Benutzerprofil ausgestattet sein wird, steht noch nicht fest. Am PC erfasst dieses Profil alle nachträglich vorgenommenen Korrekturen und „lernt“ auf diese Weise dazu. Die Smartphone-Apps kennen kein Benutzerprofil. Eigennamen und im Wörterbuch des Servers nicht hinterlegte Begriffe werden also auch nicht fehlerfrei erkannt. Für längere Texte mit komplizierten Sachverhalten sind die Apps also kaum geeignet, und die spannende Frage bleibt also zunächst unbeantwortet, ob die Fahrzeug-Spracherkennung eher ein Gimmick für die SMS-Generation oder ein sinnvolles Tool für Manager wird.

 

Twitter, Facebook und mehr im BMW mit Connected Drive

So sehen dann Facebook und Twitter bei dem aktuellen Connected Drive von BMW auf dem Navi-Monitor aus. Das iPhone wird mit dem USB-Kabel ans Fahrzeug angebunden, und die einzelnen Apps laufen auf dem iPhone. Dort konfiguriert man auch Facebook und Twitter.

Im Fahrzeug sucht man das entsprechende Online-Menü (es gibt verschiedene) und navigiert dann mit dem Controller zur gewünschten BMW App.

Die Timeline von Twitter:

Also nur wenige Einträge untereinander, aber dafür: mit Bild. Es gibt keinen Zugriff auf Twitter-Listen, vielmehr wird stets die gesamte Timeline angezeigt.

Die Einzeldarstellung eines Tweets:

Das Menü links bietet die Option, den Tweet zu favorisieren, ihn vorlesen zu lassen oder zu retweeten. Ferner kann man die Timeline des jeweiligen Twitterers aufrufen. Links werden übrigens auch mit einer synthetischen Stimme vorgelesen, und das hört sich ziemlich ulkig an.

Und bei Facebook:

Das Kontextmenü links erlaubt abermals das Vorlesen des Eintrags, außerdem kann man mit dem Controller den Gefällt-mir-Button drücken.

Eigene Statusmeldungen bei Facebook oder Twitter lassen sich ebenfalls während der Fahrt absetzen. Dafür gibt es Textbausteine und Variablen. Letztere etwa: der aktuelle Ort, der zuletzt angerufene Gesprächspartner, die Außentemperatur. All das wird am iPhone administriert. Die App muss während der Nutzung laufen, wechselt man zu einer anderen App, verschwinden die Inhalte.

 

 

 

 

 

 

IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.