Lesen und Arbeiten mit dem iPad (2)

Dass das Lesen von digitalen Büchern mit einem Tablet PC sehr ordentlich funktioniert, hatten wir unlängst beschrieben. Für das iPad gibt es unterschiedliche Apps, die nicht nur den Zugriff auf das Buchangebot von Apple erlauben, sondern auch den weitaus größeren Bestand von Amazon auf den Flachrechner holen. Es bleiben die Nachteile eines Tablet PC: Er ist schwerer als ein E-Book-Reader, er verwendet nicht die fürs Auge angenehme „elektronische Tinte“, und seine Akkulaufzeit ist kürzer.

Hier geht es nun um das Lesen von aktuellen Nachrichten mit dem Tablet PC. Die richtigen Apps sind entscheidend, und man muss einige Umwege gehen. Denn das Lesen mit dem Internetbrowser des iPad kann schnell anstrengend werden. Viele Seiten werden auf dem kleinen Display nicht ordentlich dargestellt, Werbung und Navigationsleisten stören mehr als am PC-Monitor, und zum Speichern oder Drucken gibt es nur rudimentäre Lösungen.

Wer oft von einer Seite zur anderen springt, also unterschiedliche Nachrichtenquellen von faz.net über Heise.de bis hin zu einzelnen Blogs im Blick haben will, greift doch wieder zum Notebook. Oder entwickelt einen besseren „Workflow“ mit RSS-Feeds. RSS heißt „Really Simple Syndication“ und ist ein seit vielen Jahren bestehendes Internetprotokoll. Man kann es sich wie eine besonders schlanke Variante der gewohnten www-Seiten vorstellen: kein Ballast, kaum Grafiken, wenig Werbung.

Ausgangspunkt: Google Reader sammelt RSS-Feeds (Fotos Spehr)

Alle wichtigen Internetseiten sind auch in einer RSS-Variante abrufbar, und man nutzt dazu ein besonderes Leseprogramm, einen RSS-Reader. Diese Software zeigt dann neue Artikel – beispielsweise auf den großen Nachrichten-Portalen – wie eine E-Mail-Liste. Untereinander sind ordentlich die aktuellen Themen mit ihren Schlagzeilen aufgeführt. Man muss nicht lange surfen, sondern sieht in diesem „Feed“ sofort die Neuheiten wie die Betreffzeilen der E-Mail. Interessiert das Thema, klickt man auf die Zeile, und schon erscheint entweder ein Artikel-Vorspann oder das Original aus dem Netz. RSS stellt also quasi die Überschriften und Anreißer von Nachrichtenseiten parat, und wer sich fortwährend durch das Dickicht Hunderter von www-Seiten schlägt, kommt damit schneller voran.

Um RSS auf dem iPad zu nutzen, muss man den Umweg über den Google Reader am PC gehen, der wiederum zu einem Google-Mail-Konto gehört und, einmal eingerichtet, unabhängig von Gerät und Standort überall funktioniert. Um beispielsweise den RSS-Feed von faz.net zu abonnieren, gibt man im Reader am PC unter „Abonnieren“ die Zeile „faz.net“ ein, und schon sieht man alle aktuellen Artikel.

Der zweite Schritt: Fürs iPad kaufe man die App „Reeder“ von Silvio Rizzi, die 2,39 Euro kostet und auch auf dem iPhone läuft. Hier gibt man in den Einstellungen das betreffende Googlemail-Konto an, das ist schon alles. Der Reeder greift auf die RSS-Daten zu und erlaubt mit wenigen Fingerbewegungen ein flüssiges Navigieren durch einzelne Nachrichtenkanäle.

Für jeden Nachrichtenstrom gibt es eine eigene Kachel im Hauptbildschirm

Konventionell ist der Reeder bestenfalls in der Anordnung von Nachrichtenübersicht links und den Inhalten rechts auf dem Bildschirm. Alle wichtigen Funktionen lassen sich schnell aufrufen, man kann einzelne Beiträge markieren, weiterleiten oder mit anderen teilen (etwa über Twitter). Optisch hält sich diese App dezent im Hintergrund, man sieht viel von den Inhalten, und insgesamt ergibt sich damit ein ganz neues Leseerlebnis. Schon nach kurzer Zeit stellt man fest: Mit dieser App arbeitet man auf dem iPad schneller als am PC. Und da alles stets in der Cloud synchronisiert ist, kann man unterwegs in der Bahn auf dem iPhone weiterlesen – oder am PC im Fenster des Google Readers. Der Datenabgleich erfolgt fortwährend und automatisch.

Übersicht: Schlagzeilen links, Inhalte rechts

Geht es um das Weiterbearbeiten oder Archivieren von Artikeln, können wir eine zweite App uneingeschränkt empfehlen. Sie speist ihr Funktionsprinzip aus der Erfahrung, dass man tagsüber im Netz zwar viel Interessantes sieht, aber nicht immer die Zeit und Muße für die Lektüre hat. Hier setzt Instapaper von Marco Arment an: Man markiert wichtige Artikel zum Späterlesen, und sie werden gebündelt im eigenen Instapaper-Account zusammengefasst. In mehrfacher Hinsicht ist Instapaper genial: Man kann sowohl am PC im Internetbrowser wie auch in ungezählten Apps fürs iPhone oder iPad eine solche Lesemarkierung setzen. Nicht nur im oben erwähnten Reeder, sondern auch in Nachrichten-Apps wie Flipboard, Zite, Pulse oder in Twitter-Software wie Hootsuite und Seesmic. Und in der Instapaper-App (die 3,99 Euro kostet) werden die eigenen Lieblingsartikel besonders lesefreundlich aufbereitet, nämlich von sämtlichem Ballast wie Werbung, Kopfzeilen und Navigationsleisten befreit.

Instapaper, die Sammelstelle zum Späterlesen

Übrig bleibt der reine Text, und damit bietet sich dann eine weitere Verknüpfung geradezu an: Die gesammelten Inhalte lassen sich an einen E-Book-Reader wie den Kindle von Amazon schicken. Synchronisiert wird einmal am Tag drahtlos mit Amazons „Whispernet“, das mit Wireless-Lan oder Mobilfunk funktioniert. Am PC wiederum kann man den Lesestoff in Ordner verteilen oder archivieren, beispielsweise als HTML-Datei. Die App „Read it later“ arbeitet übrigens ganz ähnlich.

Alles in allem entsteht aus der Kombination von Google Reader, der Reeder-App und Instapaper ein sehr effektiver Arbeitsablauf beim Manövrieren durch unterschiedliche Nachrichtenseiten. Der Unterbau von Google sammelt die Inhalte, Reeder ist die Kommandobrücke für den Lesewütigen. Schließlich bündelt und archiviert Instapaper, was man behalten möchte.

Lesen und Arbeiten mit dem iPad (1)

Man kann natürlich den Untergang des Abendlandes oder zumindest der jahrhundertealten europäischen Buchkultur beschwören, wenn es um elektronische Bücher oder das Lesen auf einem Tablet PC geht. Es fehlt eben vieles: Der haptische und sinnliche Eindruck, wenn man ein Buch in die Hand nimmt, eine liebevoll gestaltete Typographie, das schnelle Blättern und die Möglichkeit, ein Lesezeichen mit Eselsohr zu setzen. Wer es als Autor gewohnt ist, Dutzende von Büchern aufgeschlagen auf, neben und unter dem Schreibtisch liegen zu haben, flink von einem zum anderen zu wechseln, und dabei im Kopf hat, dass das gesuchte Zitat im ersten Viertel des Buches links unten auf der Seite steht und mit Bleistift markiert ist, der liegt hier völlig falsch.

Schon der Wechsel von einem digitalen Buch zum nächsten dauert deutlich länger als der gewohnte Handgriff in der realen Welt. Elektronische Bücher sprechen also Nutzer an, die ihre Bücher nacheinander “weglesen”, etwa Pendler. Und dann das Elend der digitalen Rechteminderung (DRM). Man erwirbt keine E-Books, man kann sie nach der Lektüre nicht verkaufen oder verschenken, sondern erhält allein die Lizenz zum Lesen, die an einen Account gebunden ist.

Lesen auf dem iPad wie das iPad und andere Apple-Produkte entstanden sind (Fotos Spehr)

Während die Buchhändler ihre kleinen E-Book-Reader mit aller Macht in den Markt drücken, haben wir das Lesen am iPad während der Weihnachtsferien ausgiebig erprobt: Die opulente Steve-Jobs-Biographie von Walter Isaacson und ein nicht weniger umfangreicher Roman wurden rein elektronisch konsumiert. Im Unterschied zu einem Reader kommt bei Apples Flachcomputer nicht die stromsparende E-Ink-Displaytechnik mit extrem hohen Kontrasten zum Einsatz, sondern eine gewöhnliche Flüssigkristall-Anzeige mit eigener Beleuchtung. Die anfängliche Skepsis, ob damit stundenlanges Lesevergnügen ohne Kopfschmerzen überhaupt möglich ist, stellte sich als unbegründet heraus. Zugegeben: Bei hellem Sonnenschein ist man mit dem iPad schlecht beraten, auch stört, je nach Leseposition und Beleuchtung, manche Reflexion und Spiegelung. Dass das iPad mit seinen 600 Gramm schwerer als die meisten elektronischen Lesegeräte ist und sein Akku nur rund zehn Stunden durchhält, sind weitere Minuspunkte.

Aber auf dem heimischen Sofa macht das Ganze durchaus Spaß. Für das iPad stehen unterschiedliche Lese-Apps zur Verfügung. Die zum Betriebssystem gehörende iBooks-Software von Apple ist mit dem eigenen iTunes-Konto verknüpft, und man liest, was Cupertino im Angebot hat. Im Herbst sprach Apple von 25 000 deutschsprachigen Titeln, mittlerweile sind es deutlich mehr. Je populärer ein Buch, desto wahrscheinlicher ist es hier anzutreffen. Bei allen elektronischen Büchern gilt in Deutschland die Preisbindung. Aber für die Lizenz zum Lesen zahlt man 10 bis 20 Prozent weniger als für das gedruckte Werk.

Der Charme von iBooks gründet nicht nur in seiner tiefen Integration in das iOS-Betriebssystem und die iTunes-Medienbibliothek. Die App ist nett und schnörkellos gestaltet, verschiedene Bildschirmschriften und Hintergrundfarben stehen zur Verfügung, und man kann die Display-Helligkeit für die App individuell einstellen. Mit einer optional einblendbaren Navigationsleiste sieht man die ungefähre Leseposition im Buch. Seitenzahlen zum Zitieren gibt es allerdings nicht, weil der Text abhängig von der Schriftgröße umbrochen wird. Man muss also auf ein Kapitel verweisen. Zu den kleineren Extras gehört die Suchfunktion sowie die Möglichkeit, Fremdwörter schnell in Online-Lexika oder der Wikipedia nachschlagen zu können. Ferner lassen sich Notizzettel an einzelne Passagen anhängen.

Das in Deutschland weit verbreitete Epub-Format für elektronische Bücher wird von iBooks ebenfalls unterstützt. Epub basiert auf XML und kann mit geringem Aufwand von jedermann erstellt werden (etwa mit Calibre). Die Strukturen und Spezifikationen sind frei einsehbar. Epub ist ein besonders kompaktes Format und erlaubt einen dynamischen Zeilen- und Seitenumbruch unabhängig von der jeweils eingestellten Textgröße. Allerdings versteht iBooks nur “Epub pur” ohne digitale Rechteminderung. Es lassen sich also allein die gemeinfreien Epubs mit iBooks auf dem iPad installieren.

Bücher lesen ohne Bücher: Tablet-PC wie das iPad machen es möglich

Die kommerziellen Titel des deutschen Buchhandels im Epub-Format sind stets mit der DRM-Technik von Adobe versehen. Das umstrittene Kopierschutzsystem “Digital Editions” ist an jeweils einen einzigen PC gebunden, der mitsamt seiner einzelnen Hardware-Komponenten von Adobe überwacht wird. Um ein Epub-Buch mit Adobes DRM auf dem Apple-Gerät zu lesen, benötigt man die Gratis-App Bluefire und ein Adobe-Konto mit den entsprechenden Nutzungsrechten. Das alles ist sehr kompliziert, bringt aber einen großen Pluspunkt: Mit Bluefire lässt sich die digitale “E-Ausleihe” vieler Bibliotheken nutzen. Mit dem Bibliotheksausweis und seinem Kennwort kann man digitale Werke direkt am iPad laden und im Bluefire-Leser öffnen. Ein Verzeichnis der Bibliotheken, die dieses Verfahren anbieten, findet sich unter www.onleihe.net. Allerdings sollte man nicht damit rechnen, dass jedes Buch seiner Bibliothek schon elektronisch zur Verfügung steht. Die Stadtbibliothek Frankfurt hat beispielsweise nur 3000 elektronische Titel im Angebot. Ein zweiter Vorteil von Bluefire: Direkt aus der App heraus lassen sich ungezählte gemeinfreie Epubs aus verschiedenen Quellen auf das iPad laden. Eine der bekanntesten Anlaufstellen ist feedbooks.com.

Gut zu lesen: Der Bluefire Reader unterstützt auch PDF

Geht es um mehr Auswahl, ungetrübten Lesespaß unabhängig von der Hardware sowie flexible Nutzung, ist Amazon mit seinem Kindle-Buchladen die klare Nummer 1. Seit dem Marktstart des ersten Kindle-Lesegeräts vor vier Jahren hat der amerikanische Versandhändler sein “Ökosystem” rund um das Lesen in vielfacher Weise ausgebaut. Hier greift nahtlos eins ins andere, und der Kopierschutz der elektronischen Bücher im proprietären Amazon-Format bleibt für den Nutzer unsichtbar. Man kann auf der Amazon-Internetseite mit einem Mausklick neue Titel kaufen, und diese werden dann automatisch ohne weitere Kosten an verknüpfte Amazon-Geräte und -Apps übertragen. Um seine Einkäufe auf dem iPad zu lesen, benötigt man allein die gratis bereitgestellte Amazon App, die wie Apples iBooks aufgebaut ist und ähnlichen Komfort bietet.

Der Gewinn ist jedoch die Plattform-Unabhängigkeit: Im Urlaub kann man problemlos auf einem Kindle-E-Book-Reader weiterlesen. Der Akku des Kindle hält länger durch, und die Anzeige ist dank “elektronischer Tinte” auch bei hellem Sonnenschein am Strand bestens ablesbar. Wer einen Tablet PC mit Android-Betriebssystem kauft, nimmt seine Amazon-Bibliothek mit, und selbst im Browser-Fenster am PC gelingt das Schmökern mit dem “Cloud Reader”. Rund 50 000 deutsche Titel sind derzeit bei Amazon im Angebot.

Wer gern in alten Büchern stöbert, sollte einen Blick auf die “British Library 19th Century Books” werfen. In dieser virtuellen Bibliothek findet man historische Schätze aus allen nur denkbaren Disziplinen, wissenschaftliche Literatur und Belletristik, Skurriles neben Klassikern. Die App ist ebenfalls gratis und bietet in der kostenpflichtigen Variante einen erweiterten Zugriff auf 60 000 Titel im Rahmen eines Abonnements.

Digitalisiertes aus der British Library

Geht es nach dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, ist im vergangenen Jahr “die Schwelle zum E-Book überschritten”. Für 2012 erwartet man eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Umsätze mit elektronischen Büchern. Derzeit beträgt der Anteil jedoch weniger als fünf Prozent. Es werden also in diesem Jahr maßgebliche Richtungsentscheidungen gefällt. Buchhandelsketten wie Hugendubel, Weltbild, Thalia und andere setzen auf sehr billige E-Book-Reader, die mit ihrer schlechten Verarbeitungsqualität nur wenig Freude bereiten und mit anachronistischen Kopierschutz-Kapriolen gängeln. So fällt die Entscheidung für einen teureren Tablet PC leicht. Er kann deutlich mehr als ein elektronisches Lesegerät, und nach unserer Einschätzung gewinnt am Ende der Anbieter mit einer offenen und bequem zu nutzenden Plattform. So wundert kaum, dass der jüngste Kindle von Amazon, der bislang nur in Amerika erhältliche “Fire”, eine Mischung aus Tablet PC und E-Reader ist.

Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App “Car Together” von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind “Themes”, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes “Sync“-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit “blind” zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die “Orte” unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi “Mitteldisplay” nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das “kontextanaloge” Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Test: Samsung Galaxy Nexus

Man nähert sich diesem Smartphone in zwei Phasen. Die erste ist die des Staunens: ein Riese! Das iPhone 4 wirkt geradezu zierlich neben dem neuen Samsung Galaxy Nexus, und selbst ein üppig dimensioniertes HTC Sensation ist deutlich schlanker als dieses Google-Gerät, das von Samsung hergestellt wird und die neue Android-Software 4 mitbringt. 11,8 Zentimeter misst das leicht gebogene Display in der Diagonale, und es zeigt satte 1280 × 720 Pixel, also mehr als mancher kleine Netbook. Auch seine 13,6 × 6,9 Zentimeter sind opulent, aber das Gewicht von 135 Gramm und die flache Konstruktion (1 Zentimeter an der dicksten Stelle) lassen nicht den Eindruck eines Moppelchens aufkommen.

Ein Riese mit tollem Display: Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Das neue Galaxy Nexus ist ein Schönling mit elegantem und minimalistischem Design, nichts tritt störend hervor und bricht die klaren Linien. Zum gelungenen ersten Eindruck trägt auch bei, dass physikalische Tasten mit Android 4 überflüssig werden, Softkeys zwacken sich einen Teil des Bildschirms ab. Micro-USB- und Audioanschluss sind am unteren Ende des Geräts dezent eingelassen, seitlich befinden sich nur der Ein- und Ausschalter sowie die Wippe zur Lautstärkeregulierung. Ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten fehlt, 16 Gigabyte sind fest eingebaut, und eine zweite Variante mit 32 Gigabyte ist angekündigt. Alle tragenden Elemente sind aus einem robust wirkenden Kunststoff gefertigt, lediglich die hauchzarte Abdeckung der Rückseite, unter der sich der (wechselbare) Akku und der Sim-Kartenleser befinden, trübt das Bild. Zugegeben, ein iPhone 4 oder 4S mit Metallrahmen wirkt solider, aber mit der Verarbeitungsqualität des Koreaners kann man zufrieden sein.

Android 4 “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht

Und dann setzt sich das Staunen beim Einschalten fort: Android 4 mit dem Codenamen “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht. Google führt damit sein Smartphone- und sein Tablet-Betriebssystem zusammen, die Überarbeitung gefällt. Sie betrifft an erster Stelle das Design. Die neue Bildschirmschrift ist klar und schnörkellos, nun dominieren zarte Linien und Andeutungen. Der rustikale Charme von Android wurde aufgegeben, der Blick der Entwickler zielt unverkennbar in Richtung Windows Phone 7.5, das mit seinem Minimalismus neue Maßstäbe setzt, auch gegenüber dem iPhone übrigens. Wie beim Vorgänger Nexus S kommt “Android pur” ohne jede “Verbastelung” zum Einsatz, in diesem Sinne ist das Galaxy Nexus ein Referenzgerät. Wer nach einem Blick auf dieses Gerät die Betriebssystem-Aufsätze von Samsung, HTC, Motorola oder Sony Ericsson inspiziert, riskiert Augenschmerzen.

Der neue Charme von Android 4: Nun mit Apps in Ordnern (Fotos Spehr)

Android 4 weist etliche Verbesserungen auf. Eine Wischfunktion bietet nun einen einfacheren Umgang mit laufenden Apps und Statusmeldungen, beide lassen sich nach links oder rechts “wegziehen”. Auf den Startbildschirmen können Apps in Ordnern zusammengefasst werden, in der Programmliste bleiben sie allerdings statisch und alphabetisch sortiert an ihrem Platz. Der Internet-Browser bietet eine Offline-Lesefunktion und einen privaten Modus, mehrere geöffnete Tabs lassen sich einfacher verwalten und abermals mit der Wischfunktion schließen. Für die Ermittlung des Datenverbrauchs gibt es einen eingebauten Zähler, eine Screenshot-Funktion ist nun ebenfalls dabei. Mit biometrischer Gesichtserkennung kann man das Gerät entsperren, aber die Fehlerquote ist sehr hoch, und sicher ist das Verfahren ebenfalls nicht: Mit einem vor die Frontkamera gehaltenen Foto lässt sich der Algorithmus überlisten.

Das junge Android 4 ist ein großer Schritt nach vorn, und in Verbindung mit der leistungsfähigen Hardware entsteht ein überzeugendes Ganzes. Der Koreaner reagiert dank Doppelkernprozessor (1,2 Gigahertz) in jeder Situation flink, und das Super-Amoled-Display gefällt hinsichtlich Farbbrillanz und Schärfe. Zu den kleinen Widrigkeiten gehört, dass man am Mac und unter Linux nicht mit einem USB-Kabel auf seinen Speicher zugreifen kann. Wie beim Samsung Galaxy S2 ist die Adressverwaltung fehlerhaft, die Details haben wir hier beschrieben.

Dank hoher Bildschirmauflösung: ganze Artikel auf einer Seite

Von der sehr hohen Bildschirmauflösung profitiert man vor allem bei konventionellen Websites. Man sieht mehr als auf einem iPhone, muss aber, wie bei diesem, zum Lesen die Schrift mit Fingerbewegungen vergrößern. Bei Apps hält sich der Vorteil der üppigen Auflösung jedoch in Grenzen. Hootsuite beispielsweise zeigt fünf bis sechs Twitter-Meldungen untereinander, beim iPhone sind es fünf.

Alles im Blick: Die üppige Display-Auflösung fasziniert

Alles in allem wird also der stolze Galaxy-Nexus-Neubesitzer tagelang hocherfreut sein Kleinod bewundern. Es kostet um die 550 Euro und kann bei Netzbetreiber O2 auch mit 24 Monatsraten à 25 Euro erworben werden. Aber dann setzte bei uns die zweite Phase mit der Frage ein, wo der grundlegende Fortschritt liegt, insbesondere im Vergleich mit dem iPhone 4S. Die übergroße Bauform empfanden wir schon bald als Last, die Einhand-Bedienung gelingt nicht immer. Und was sind die spektakulären Alleinstellungsmerkmale, die hervorstechenden Neuerungen? Bei iPhone 4S fällt einem sofort die hervorragende Kamera ein. Hier bietet das Galaxy Nexus bestenfalls Mittelmaß. Nicht nur, weil die Optik auf der Rückseite lediglich mit 5 Megapixel auflöst. Das ist kein Beinbruch. Aber die Bildqualität ist insbesondere bei Innenaufnahmen nicht überzeugend.

Zum anderen Apples Spracherkennung Siri. Das Pendant von Android 4 fällt abermals weit zurück. Der Spracherkenner – er wird mit einem Symbol auf der virtuellen Bildschirmtastatur aufgerufen – setzt Diktate deutlich schlechter um. Die Interpunktion wird nur sehr selten erkannt, eine Großschreibung der Substantive fehlt. Von einer semantischen Analyse und Integration in die Apps wollen wir gar nicht reden. Wer sich am iPhone 4S schnell daran gewöhnt hat, einen Kalendereintrag à la “Neuer Termin mit Max Muster übermorgen um 10 Uhr” zu erstellen, findet auf dem Galaxy Nexus nichts Gleichwertiges vor. Zudem fehlt eine Taste, um Sprachkommandos unterwegs, beispielsweise im Auto, mit einem einzigen Handgriff abzusetzen.

Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem

Welche Vorteile bietet Android 4 gegenüber iOS 5? Uns fallen nur die umfangreicheren Möglichkeiten der Personalisierung von Android ein. Mit alternativen “Launchern” kann man die Oberfläche individuell anpassen und weitaus tiefer ins Betriebssystem eingreifen als bei Apple. Das gilt auch für manche Android-Apps, hier gibt es also mehr Freiräume für Programmierer und Tüftler. Aber damit ist im Grunde genommen schon alles gesagt.

Detailinformationen wie gehabt: Das Beispiel Hootsuite

Bei der Laufzeit des wechselbaren Akkus, der eine Kapazität von 1750 Milliamperestunden hat, bleibt das Galaxy Nexus auf dem Niveau anderer Androiden: Wird das Gerät intensiv genutzt, muss es nach 12 Stunden an die Steckdose. Nur bei sehr vorsichtigem Umgang kamen wir auf Laufzeiten bis zu 20 Stunden. Das iPhone 4S hat mit der aktuellen Betriebssoftware einen längeren Atem und absolviert bei uns mittlerweile fast zwei Tage.

Keine Frage: Das Galaxy Nexus ist das neue Android-Flaggschiff, und das Google-Betriebssystem spielt hier so gut wie nie mit einer beeindruckenden Performance auf. Der Android-Fan muss dieses Gerät haben. Alle anderen kommen ins Grübeln, vor allem angesichts der unhandlichen Bauform. Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem.

 

Review auf ZD Net: “Galaxy Nexus rocks, but I don’t recommend you buy one”

 

Audi bringt Internetradio und Google Streetview ins Fahrzeug

Unten der Auszug aus der Pressemeldung. Und gleich die offenen Fragen: Die Musikübertragung erfolgt mit W-Lan, nicht mit Bluetooth A2DP? Wird mit W-Lan dann auch der vorhandene iTunes-Musikbestand gestreamt? Schick wäre es natürlich auch, wenn man Musikstreaming-Dienste integrieren könnte, also etwa die Stücke der Napster-App ins MMI schaufeln könnte. 

“Mit der neuen Applikation „Audi music stream“ können internationale Radiosender über das Internet im Auto empfangen werden. Bereits im Auto ein Bild davon haben, wie es am Zielort aussieht? Auch das ist kein Problem: Einfach mittels Street View die Straßenansichten aufrufen.

Mit „Audi music stream” startet ein neuer Dienst von Audi connect. Mit der Smartphone-App kann der Fahrer Radiosender über das Internet empfangen und diese in das Audi Infotainment integrieren. Via WLAN wird das eigene Smartphone mit der MMI Navigation plus verknüpft. Wenn nichts Interessantes im UKW-Radio läuft: Einfach über das MMI drahtlos auf die Musikbibliothek des Telefons zugreifen und die gewünschte Datei abspielen oder aus dem weltweiten Internet-Radio-Angebot den gewünschten Sender wählen.

Dank der Navigation mit Google Earth-Bildern und Street View können hochauf­lösende Luft- und Satellitenbilder, Fotos, Geländeformationen, Straßen und ihre Bezeichnungen und Geschäftseinträge betrachtet werden. Das System greift im Voraus auf die Daten der ausgewählten Strecke zu und kombiniert diese mit den Informationen der MMI Navigation plus. Über das UMTS-Modul des Bluetooth-Autotelefons online werden realitätsgetreue 360°-Panoramabilder aus der Fußgängerperspektive im Auto dargestellt.”

 

Leistungsschutzrecht für Twitter

Viele Verlage fordern ein Leistungsschutzrecht für ihre gedruckten und im Internet erschienenen Publikationen. Der sperrige Begriff bezeichnet jene Leistungen, die nicht von den Urhebern, sondern von den “Nachschaffenden” erbracht werden. Hat die Meldung der Nachrichtenagentur dpa einen Urheber, nämlich den Autor, ist der Nachschaffende zum Beispiel ein Redakteur, der sie aus der Vielzahl der Meldungen auswählt und – vielleicht mit einer prägnanteren Überschrift versehen – auf seine Internetseite stellt. Das Leistungsschutzrecht soll den zweiten Schritt belohnen. Bezahlen wiederum sollen Nachrichtenaggregatoren, die maschinell die Früchte dieser Handarbeit ernten, auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen, damit “Traffic” generieren und an diesem durch zugeschaltete Werbung verdienen. Das hört sich zunächst sehr konsequent an, hat aber etliche Tücken im Detail. Denn zum Beispiel Google mit seiner News-Seite verlinkt nur. Wer sich von einem Beitrag angesprochen fühlt und auf die Überschrift klickt, landet auf der Seite des Nachschaffenden. Den Online-Portalen der Verlage werden also neue Besucher zugeführt, von denen auch sie unmittelbar profitieren.

Ferner ist die Frage aufgeworfen, wie das Leistungsschutzrecht auf die sozialen Netzwerke anzuwenden ist. Denn die “Elite” bei Twitter, Facebook oder Google+ besteht aus Nachschaffenden, die unentgeltlich arbeiten. Diese Kuratoren “scannen” fortwährend die spannendsten Themen des Tages, sie verlinken auf die nach ihrer Meinung besten Artikel, und ob der Begrenzungen von Twitter und Co. ist manche Überschrift in 140 Zeichen ein kleines Kunstwerk. Die Leistung dieser Nachschaffenden ist klar und präzise ermittelbar. Nämlich über die Statistiken der “Linkverkürzer” wie bit.ly und die “Retweets” durch andere. Zum Funktionsprinzip der sozialen Netzwerke gehört, dass sich Interessantes auch dann in Windeseile verbreitet, wenn es nicht prominent plaziert wurde. Es kommt auf den Inhalt an, nicht auf die Form oder das Medium, manche Nachrichten brechen sich wie eine Flutwelle ihren Weg. Wenn es bei einem Leistungsschutzrecht nicht um Polemik oder eine symbolische Auseinandersetzung gehen sollte und man sich an den nackten Tatsachen der Klickzahlen orientiert, sind die Gewinner eines solchen Schutzrechtes also dort zu suchen, wo man sie nicht auf den ersten Blick vermutet. (F.A.S. vom 4.12.11)

5 Tipps zu Windows Phone 7.5 (Mango) / Nokia Lumia 800

Keine Frage, das neue Nokia Lumia 800 mit Windows Phone 7.5 gefällt. Mein Review findet sich hier, ich mag das Gerät. Vor allem das minimalistische Design hat seinen ganz eigenen Charme. Obwohl Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick nicht so reichhaltig mit Funktionen bestückt ist wie ein iPhone oder Androide, gibt es unter der Oberfläche doch einiges zu entdecken. Hier einige Tipps:

1. Facebook-Veranstaltungen im Kalender

In der Standardeinstellung werden alle Facebook-Veranstaltungen im Kalender angezeigt, zu denen man eingeladen worden ist. Mehr Übersicht schafft die Option, “Nur Facebook-Veranstaltungen anzeigen, auf die ich geantwortet habe”. Dazu in der Kalenderansicht auf die drei Pünktchen tippen, und “Einstellungen” wählen. Hier lassen sich auch die zu synchronisierenden Kalender auswählen.

2. Den Taskmanager aufrufen

Dazu die Softkey-Taste “Pfeil nach links” unterhalb der Anzeige etwas länger drücken. Die zuletzt aufgerufenen Programme erscheinen als Kacheln nebeneinander.

Verknüpfte Posteingänge: So geht's (Foto Microsoft)

3. Die Sprachsteuerung aufrufen

Sie erscheint manchmal, etwa im Chat-System, als kleines Mikrofonsymbol am unteren Bildschirmrand. Aber nicht immer. Die globale Spracherkennung ruft man mit längerem Festhalten der Softkey-Taste “Windows” unterhalb der Anzeige auf. Das Gerät muss dazu (im Unterschied zum iPhone 4S mit Siri) entsperrt sein.

4. Podcasts laden

Fürs erste Mal müssen Podcasts mit der Windows-Software “Zune” auf das Gerät geladen werden. Neue Folgen kann man aber mit dem Button “Abonnieren” ohne PC-Verbindung holen.

 5. Globaler / verknüpfter Posteingang

Auf der Startseite ein E-Mai-Konto aufrufen, auf die drei Pünktchen tippen, auf “Posteingänge verknüpfen” tippen und die gewünschten Posteingänge auswählen. Das Konto wird auf der Startseite umbenannt in “Posteingänge”.

 

 

 

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.

 

Car-to-X-Kommunikation: Das Auto spricht mit seinen Artgenossen

Das Auto der Gegenwart kann dank seiner Sensorik und Assistenzsysteme fühlen. Es kann mit seinem Radar sehen. Von 2015 an wird das Auto auch mit den Fahrzeugen der Umgebung sprechen und ihnen zuhören. Das ist die Technik der Car-to-Car-Kommunikation, die unter dem Namen Car-to-X serienreif werden soll. Es handelt sich um ein aktives Sicherheitssystem, das die bewährten passiven (wie Airbag oder Gurtstraffer) ergänzt. Die neuen Systeme helfen dem Fahrer beim Einschätzen der Verkehrssituation und verschaffen ihm eine zusätzliche Zeitreserve, damit er rechtzeitig reagieren kann.

Ein Szenario: Das Auto erfährt schon 300 Meter vor der Kurve, dass es dort spiegelglatt ist. Der Fahrer wird gewarnt und verringert frühzeitig das Tempo. Die Idee besticht durch ihre Einfachheit. Der erste Trick: Jedes neue Fahrzeug weiß ohnehin über seine elektronischen Sensoren viel mehr über die Umgebung und die Straße, als der Fahrer ahnt. ABS, ASR, ESP heißen die bekanntesten Helfer, aber auch das Außenthermometer sowie die Sensoren für Warnblinker, Licht, Regen und Lenkwinkel sind unermüdliche Datensammler. Ihre Informationen liegen am Can-Bus des Fahrzeugs an. Und nun der zweite Trick: Das Auto soll künftig diese Daten mit seiner Umgebung austauschen. Also entsteht ein selbstorganisiertes, autonomes Netzwerk, das gleich einer Internet-Tauschbörse arbeitet, wo die Nutzer untereinander direkt und ohne Umwege Daten verschicken. Dazu wird das Fahrzeug mit einer Wireless-Lan-Einheit ausgerüstet, ähnlich der im Notebook. Das Auto ist zugleich Sender und Empfänger. Wichtige Gefahrenmeldungen werden wie ein Staffelstab von einem Fahrzeug zum nächsten weitergereicht.

Zwei Anzeigen: Die obere für Car-to-X ist ein Provisorium für den Testbetrieb (Foto Hersteller)

Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel

Die Idee der Car-to-X-Kommunikation wird von einem Konsortium getragen, in dem deutsche Fahrzeughersteller, Zulieferer wie Bosch und Continental sowie wissenschaftliche Forschungseinrichtungen versammelt sind. Im Frühjahr 2012 wird im Rhein-Main-Gebiet mit einer Flotte von 120 Fahrzeugen ein breit angelegter Feldversuch aufgenommen. Das von mehreren Bundesministerien geförderte Projekt heißt „Sim TD“ – „Sichere intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland“. Sim TD soll mehrere Dinge zeigen: dass die Idee technisch zu verwirklichen, seriennah und marktreif ist und welche Strategie der Einführung sinnvoll ist. Der neue Zusatz „X“ steht für Notrufzentralen und Einrichtungen zur Verkehrssteuerung. Die ursprüngliche Idee der autonomen Selbstorganisation wird also ergänzt um die Mobilfunktechnik, die Verkehrsinformationen von einer Leitzentrale ins Auto übertragen soll.

Wir haben Car-to-X während einiger Fahrten auf dem Testgelände im hessischen Friedberg bereits ausprobieren können. Im Cockpit der 120 Versuchsfahrzeuge findet sich ein neuer Monitor, auf dem alle relevanten Warnungen und Hinweise angezeigt werden. Das ist allerdings nur ein Provisorium. Im Serienbetrieb wird jeder Fahrzeughersteller Car-to-X in die Bedienlandschaft seiner Elektronik integrieren. Einzelne Funktionen sind dann im Audi über das MMI-System oder bei Mercedes-Benz über Comand aufrufbar. Im Feldversuch hingegen nutzen alle dieselbe Infrastruktur, so ist Chancengleichheit hergestellt. Das W-Lan-Modul der Fahrzeuge arbeitet nicht auf den gewohnten PC-Frequenzen, sondern hat seine eigene bei 5,9 Gigahertz. Es reicht bis zu zwei Kilometer weit. Wie am Computer verbinden sich die W-Lans im Ad-hoc-Modus, allerdings ist der komplizierte beiderseitige „Handshake“ drastisch vereinfacht. Es gibt feste Kanäle, und eine der großen Herausforderungen besteht darin, das System gegen Hacker zu sichern. Störsender könnten den Frequenzbereich blockieren, auch sind gefälschte Nachrichten denkbar. Jede Sendeeinheit erhält einen einzigartigen Schlüssel, der aber keine Verbindung zur Fahrgestellnummer hat.

„Virtuelles Blaulicht“

Auf dem Testgelände stellte sich das so dar: Wir fahren auf eine unübersichtliche Kurve zu. Zwei Smart sind dort in einen Unfall verwickelt, und über das vorausfahrende Fahrzeug werden wir rechtzeitig akustisch und mit Meldungen auf dem Display gewarnt. Auch das herbeieilende Rettungsfahrzeug wird mitsamt seiner Fahrtrichtung angekündigt. „Virtuelles Blaulicht“ heißt die Funktion. Beim dritten Experiment kommt die Warnmeldung allerdings zu spät: Als der BMW vor uns eine Vollbremsung absolviert, sind wir schon ausgewichen, bevor der Hinweis kommt. Kleine Minisender am Straßenrand sollen die W-Lan-Struktur ergänzen. Diese „Roadside Units“ bilden verstärkende Knotenpunkte im Netz und kommen an jenen Orten zum Einsatz, die für Stau oder gefährliche Situationen bekannt sind. So will man dafür sorgen, dass die Technik selbst dann funktioniert, wenn noch nicht alle Fahrzeuge mit W-Lan ausgestattet sind. Weitere Komponenten in der Stadt sind Ampelanlagen mit Funkmodul. Auf dem Testgelände übertragen sie bei der Annäherung die weitere Dauer der Rotphase und gegebenenfalls die optimale Geschwindigkeit. Dass mit der „Lichtsignalanlagen-Netzsteuerung“, wie es im Bürokraten-Deutsch heißt, eine Bevorzugung von Bussen einhergeht, wird nicht jeder goutieren.

Andere Details könnten ebenfalls zur Diskussion stehen. Der Kreuzungsassistent weist vorab auf ein Stoppschild hin, dergleichen erscheint überflüssig. Wer Stoppschilder nicht selbst wahrnehmen kann, hat am Lenkrad nichts verloren. Auch die Einfädelhinweise an Baustellen mögen gut gemeint sein, sind aber für wachsame Verkehrsteilnehmer nicht notwendig. Und wenn die Hinderniswarnung auf einen „verlorenen Spanngurt“ hinweisen sollte, wird gewiss mancher die Car-to-X-Meldungen als lästige Störung empfinden. Aber: Um solche und andere Erfahrungen zu sammeln, gibt es ja den Versuchsbetrieb. Die Ergebnisse sollen Ende 2013 vorliegen.