Lesen und Arbeiten mit dem iPad (2)

Dass das Lesen von digitalen Büchern mit einem Tablet PC sehr ordentlich funktioniert, hatten wir unlängst beschrieben. Für das iPad gibt es unterschiedliche Apps, die nicht nur den Zugriff auf das Buchangebot von Apple erlauben, sondern auch den weitaus größeren Bestand von Amazon auf den Flachrechner holen. Es bleiben die Nachteile eines Tablet PC: Er ist schwerer als ein E-Book-Reader, er verwendet nicht die fürs Auge angenehme „elektronische Tinte“, und seine Akkulaufzeit ist kürzer.

Hier geht es nun um das Lesen von aktuellen Nachrichten mit dem Tablet PC. Die richtigen Apps sind entscheidend, und man muss einige Umwege gehen. Denn das Lesen mit dem Internetbrowser des iPad kann schnell anstrengend werden. Viele Seiten werden auf dem kleinen Display nicht ordentlich dargestellt, Werbung und Navigationsleisten stören mehr als am PC-Monitor, und zum Speichern oder Drucken gibt es nur rudimentäre Lösungen.

Wer oft von einer Seite zur anderen springt, also unterschiedliche Nachrichtenquellen von faz.net über Heise.de bis hin zu einzelnen Blogs im Blick haben will, greift doch wieder zum Notebook. Oder entwickelt einen besseren „Workflow“ mit RSS-Feeds. RSS heißt „Really Simple Syndication“ und ist ein seit vielen Jahren bestehendes Internetprotokoll. Man kann es sich wie eine besonders schlanke Variante der gewohnten www-Seiten vorstellen: kein Ballast, kaum Grafiken, wenig Werbung.

Ausgangspunkt: Google Reader sammelt RSS-Feeds (Fotos Spehr)

Alle wichtigen Internetseiten sind auch in einer RSS-Variante abrufbar, und man nutzt dazu ein besonderes Leseprogramm, einen RSS-Reader. Diese Software zeigt dann neue Artikel – beispielsweise auf den großen Nachrichten-Portalen – wie eine E-Mail-Liste. Untereinander sind ordentlich die aktuellen Themen mit ihren Schlagzeilen aufgeführt. Man muss nicht lange surfen, sondern sieht in diesem „Feed“ sofort die Neuheiten wie die Betreffzeilen der E-Mail. Interessiert das Thema, klickt man auf die Zeile, und schon erscheint entweder ein Artikel-Vorspann oder das Original aus dem Netz. RSS stellt also quasi die Überschriften und Anreißer von Nachrichtenseiten parat, und wer sich fortwährend durch das Dickicht Hunderter von www-Seiten schlägt, kommt damit schneller voran.

Um RSS auf dem iPad zu nutzen, muss man den Umweg über den Google Reader am PC gehen, der wiederum zu einem Google-Mail-Konto gehört und, einmal eingerichtet, unabhängig von Gerät und Standort überall funktioniert. Um beispielsweise den RSS-Feed von faz.net zu abonnieren, gibt man im Reader am PC unter „Abonnieren“ die Zeile „faz.net“ ein, und schon sieht man alle aktuellen Artikel.

Der zweite Schritt: Fürs iPad kaufe man die App „Reeder“ von Silvio Rizzi, die 2,39 Euro kostet und auch auf dem iPhone läuft. Hier gibt man in den Einstellungen das betreffende Googlemail-Konto an, das ist schon alles. Der Reeder greift auf die RSS-Daten zu und erlaubt mit wenigen Fingerbewegungen ein flüssiges Navigieren durch einzelne Nachrichtenkanäle.

Für jeden Nachrichtenstrom gibt es eine eigene Kachel im Hauptbildschirm

Konventionell ist der Reeder bestenfalls in der Anordnung von Nachrichtenübersicht links und den Inhalten rechts auf dem Bildschirm. Alle wichtigen Funktionen lassen sich schnell aufrufen, man kann einzelne Beiträge markieren, weiterleiten oder mit anderen teilen (etwa über Twitter). Optisch hält sich diese App dezent im Hintergrund, man sieht viel von den Inhalten, und insgesamt ergibt sich damit ein ganz neues Leseerlebnis. Schon nach kurzer Zeit stellt man fest: Mit dieser App arbeitet man auf dem iPad schneller als am PC. Und da alles stets in der Cloud synchronisiert ist, kann man unterwegs in der Bahn auf dem iPhone weiterlesen – oder am PC im Fenster des Google Readers. Der Datenabgleich erfolgt fortwährend und automatisch.

Übersicht: Schlagzeilen links, Inhalte rechts

Geht es um das Weiterbearbeiten oder Archivieren von Artikeln, können wir eine zweite App uneingeschränkt empfehlen. Sie speist ihr Funktionsprinzip aus der Erfahrung, dass man tagsüber im Netz zwar viel Interessantes sieht, aber nicht immer die Zeit und Muße für die Lektüre hat. Hier setzt Instapaper von Marco Arment an: Man markiert wichtige Artikel zum Späterlesen, und sie werden gebündelt im eigenen Instapaper-Account zusammengefasst. In mehrfacher Hinsicht ist Instapaper genial: Man kann sowohl am PC im Internetbrowser wie auch in ungezählten Apps fürs iPhone oder iPad eine solche Lesemarkierung setzen. Nicht nur im oben erwähnten Reeder, sondern auch in Nachrichten-Apps wie Flipboard, Zite, Pulse oder in Twitter-Software wie Hootsuite und Seesmic. Und in der Instapaper-App (die 3,99 Euro kostet) werden die eigenen Lieblingsartikel besonders lesefreundlich aufbereitet, nämlich von sämtlichem Ballast wie Werbung, Kopfzeilen und Navigationsleisten befreit.

Instapaper, die Sammelstelle zum Späterlesen

Übrig bleibt der reine Text, und damit bietet sich dann eine weitere Verknüpfung geradezu an: Die gesammelten Inhalte lassen sich an einen E-Book-Reader wie den Kindle von Amazon schicken. Synchronisiert wird einmal am Tag drahtlos mit Amazons „Whispernet“, das mit Wireless-Lan oder Mobilfunk funktioniert. Am PC wiederum kann man den Lesestoff in Ordner verteilen oder archivieren, beispielsweise als HTML-Datei. Die App „Read it later“ arbeitet übrigens ganz ähnlich.

Alles in allem entsteht aus der Kombination von Google Reader, der Reeder-App und Instapaper ein sehr effektiver Arbeitsablauf beim Manövrieren durch unterschiedliche Nachrichtenseiten. Der Unterbau von Google sammelt die Inhalte, Reeder ist die Kommandobrücke für den Lesewütigen. Schließlich bündelt und archiviert Instapaper, was man behalten möchte.

Lesen und Arbeiten mit dem iPad (1)

Man kann natürlich den Untergang des Abendlandes oder zumindest der jahrhundertealten europäischen Buchkultur beschwören, wenn es um elektronische Bücher oder das Lesen auf einem Tablet PC geht. Es fehlt eben vieles: Der haptische und sinnliche Eindruck, wenn man ein Buch in die Hand nimmt, eine liebevoll gestaltete Typographie, das schnelle Blättern und die Möglichkeit, ein Lesezeichen mit Eselsohr zu setzen. Wer es als Autor gewohnt ist, Dutzende von Büchern aufgeschlagen auf, neben und unter dem Schreibtisch liegen zu haben, flink von einem zum anderen zu wechseln, und dabei im Kopf hat, dass das gesuchte Zitat im ersten Viertel des Buches links unten auf der Seite steht und mit Bleistift markiert ist, der liegt hier völlig falsch.

Schon der Wechsel von einem digitalen Buch zum nächsten dauert deutlich länger als der gewohnte Handgriff in der realen Welt. Elektronische Bücher sprechen also Nutzer an, die ihre Bücher nacheinander “weglesen”, etwa Pendler. Und dann das Elend der digitalen Rechteminderung (DRM). Man erwirbt keine E-Books, man kann sie nach der Lektüre nicht verkaufen oder verschenken, sondern erhält allein die Lizenz zum Lesen, die an einen Account gebunden ist.

Lesen auf dem iPad wie das iPad und andere Apple-Produkte entstanden sind (Fotos Spehr)

Während die Buchhändler ihre kleinen E-Book-Reader mit aller Macht in den Markt drücken, haben wir das Lesen am iPad während der Weihnachtsferien ausgiebig erprobt: Die opulente Steve-Jobs-Biographie von Walter Isaacson und ein nicht weniger umfangreicher Roman wurden rein elektronisch konsumiert. Im Unterschied zu einem Reader kommt bei Apples Flachcomputer nicht die stromsparende E-Ink-Displaytechnik mit extrem hohen Kontrasten zum Einsatz, sondern eine gewöhnliche Flüssigkristall-Anzeige mit eigener Beleuchtung. Die anfängliche Skepsis, ob damit stundenlanges Lesevergnügen ohne Kopfschmerzen überhaupt möglich ist, stellte sich als unbegründet heraus. Zugegeben: Bei hellem Sonnenschein ist man mit dem iPad schlecht beraten, auch stört, je nach Leseposition und Beleuchtung, manche Reflexion und Spiegelung. Dass das iPad mit seinen 600 Gramm schwerer als die meisten elektronischen Lesegeräte ist und sein Akku nur rund zehn Stunden durchhält, sind weitere Minuspunkte.

Aber auf dem heimischen Sofa macht das Ganze durchaus Spaß. Für das iPad stehen unterschiedliche Lese-Apps zur Verfügung. Die zum Betriebssystem gehörende iBooks-Software von Apple ist mit dem eigenen iTunes-Konto verknüpft, und man liest, was Cupertino im Angebot hat. Im Herbst sprach Apple von 25 000 deutschsprachigen Titeln, mittlerweile sind es deutlich mehr. Je populärer ein Buch, desto wahrscheinlicher ist es hier anzutreffen. Bei allen elektronischen Büchern gilt in Deutschland die Preisbindung. Aber für die Lizenz zum Lesen zahlt man 10 bis 20 Prozent weniger als für das gedruckte Werk.

Der Charme von iBooks gründet nicht nur in seiner tiefen Integration in das iOS-Betriebssystem und die iTunes-Medienbibliothek. Die App ist nett und schnörkellos gestaltet, verschiedene Bildschirmschriften und Hintergrundfarben stehen zur Verfügung, und man kann die Display-Helligkeit für die App individuell einstellen. Mit einer optional einblendbaren Navigationsleiste sieht man die ungefähre Leseposition im Buch. Seitenzahlen zum Zitieren gibt es allerdings nicht, weil der Text abhängig von der Schriftgröße umbrochen wird. Man muss also auf ein Kapitel verweisen. Zu den kleineren Extras gehört die Suchfunktion sowie die Möglichkeit, Fremdwörter schnell in Online-Lexika oder der Wikipedia nachschlagen zu können. Ferner lassen sich Notizzettel an einzelne Passagen anhängen.

Das in Deutschland weit verbreitete Epub-Format für elektronische Bücher wird von iBooks ebenfalls unterstützt. Epub basiert auf XML und kann mit geringem Aufwand von jedermann erstellt werden (etwa mit Calibre). Die Strukturen und Spezifikationen sind frei einsehbar. Epub ist ein besonders kompaktes Format und erlaubt einen dynamischen Zeilen- und Seitenumbruch unabhängig von der jeweils eingestellten Textgröße. Allerdings versteht iBooks nur “Epub pur” ohne digitale Rechteminderung. Es lassen sich also allein die gemeinfreien Epubs mit iBooks auf dem iPad installieren.

Bücher lesen ohne Bücher: Tablet-PC wie das iPad machen es möglich

Die kommerziellen Titel des deutschen Buchhandels im Epub-Format sind stets mit der DRM-Technik von Adobe versehen. Das umstrittene Kopierschutzsystem “Digital Editions” ist an jeweils einen einzigen PC gebunden, der mitsamt seiner einzelnen Hardware-Komponenten von Adobe überwacht wird. Um ein Epub-Buch mit Adobes DRM auf dem Apple-Gerät zu lesen, benötigt man die Gratis-App Bluefire und ein Adobe-Konto mit den entsprechenden Nutzungsrechten. Das alles ist sehr kompliziert, bringt aber einen großen Pluspunkt: Mit Bluefire lässt sich die digitale “E-Ausleihe” vieler Bibliotheken nutzen. Mit dem Bibliotheksausweis und seinem Kennwort kann man digitale Werke direkt am iPad laden und im Bluefire-Leser öffnen. Ein Verzeichnis der Bibliotheken, die dieses Verfahren anbieten, findet sich unter www.onleihe.net. Allerdings sollte man nicht damit rechnen, dass jedes Buch seiner Bibliothek schon elektronisch zur Verfügung steht. Die Stadtbibliothek Frankfurt hat beispielsweise nur 3000 elektronische Titel im Angebot. Ein zweiter Vorteil von Bluefire: Direkt aus der App heraus lassen sich ungezählte gemeinfreie Epubs aus verschiedenen Quellen auf das iPad laden. Eine der bekanntesten Anlaufstellen ist feedbooks.com.

Gut zu lesen: Der Bluefire Reader unterstützt auch PDF

Geht es um mehr Auswahl, ungetrübten Lesespaß unabhängig von der Hardware sowie flexible Nutzung, ist Amazon mit seinem Kindle-Buchladen die klare Nummer 1. Seit dem Marktstart des ersten Kindle-Lesegeräts vor vier Jahren hat der amerikanische Versandhändler sein “Ökosystem” rund um das Lesen in vielfacher Weise ausgebaut. Hier greift nahtlos eins ins andere, und der Kopierschutz der elektronischen Bücher im proprietären Amazon-Format bleibt für den Nutzer unsichtbar. Man kann auf der Amazon-Internetseite mit einem Mausklick neue Titel kaufen, und diese werden dann automatisch ohne weitere Kosten an verknüpfte Amazon-Geräte und -Apps übertragen. Um seine Einkäufe auf dem iPad zu lesen, benötigt man allein die gratis bereitgestellte Amazon App, die wie Apples iBooks aufgebaut ist und ähnlichen Komfort bietet.

Der Gewinn ist jedoch die Plattform-Unabhängigkeit: Im Urlaub kann man problemlos auf einem Kindle-E-Book-Reader weiterlesen. Der Akku des Kindle hält länger durch, und die Anzeige ist dank “elektronischer Tinte” auch bei hellem Sonnenschein am Strand bestens ablesbar. Wer einen Tablet PC mit Android-Betriebssystem kauft, nimmt seine Amazon-Bibliothek mit, und selbst im Browser-Fenster am PC gelingt das Schmökern mit dem “Cloud Reader”. Rund 50 000 deutsche Titel sind derzeit bei Amazon im Angebot.

Wer gern in alten Büchern stöbert, sollte einen Blick auf die “British Library 19th Century Books” werfen. In dieser virtuellen Bibliothek findet man historische Schätze aus allen nur denkbaren Disziplinen, wissenschaftliche Literatur und Belletristik, Skurriles neben Klassikern. Die App ist ebenfalls gratis und bietet in der kostenpflichtigen Variante einen erweiterten Zugriff auf 60 000 Titel im Rahmen eines Abonnements.

Digitalisiertes aus der British Library

Geht es nach dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, ist im vergangenen Jahr “die Schwelle zum E-Book überschritten”. Für 2012 erwartet man eine Verdoppelung oder gar Verdreifachung der Umsätze mit elektronischen Büchern. Derzeit beträgt der Anteil jedoch weniger als fünf Prozent. Es werden also in diesem Jahr maßgebliche Richtungsentscheidungen gefällt. Buchhandelsketten wie Hugendubel, Weltbild, Thalia und andere setzen auf sehr billige E-Book-Reader, die mit ihrer schlechten Verarbeitungsqualität nur wenig Freude bereiten und mit anachronistischen Kopierschutz-Kapriolen gängeln. So fällt die Entscheidung für einen teureren Tablet PC leicht. Er kann deutlich mehr als ein elektronisches Lesegerät, und nach unserer Einschätzung gewinnt am Ende der Anbieter mit einer offenen und bequem zu nutzenden Plattform. So wundert kaum, dass der jüngste Kindle von Amazon, der bislang nur in Amerika erhältliche “Fire”, eine Mischung aus Tablet PC und E-Reader ist.

BMW Real Time Traffic Verkehrsinformationen gegen TomTom HD Traffic

Am heutigen Freitagnachmittag konnte ich zwei Premium-Verkehrsdienste unter widrigen Bedingungen erproben: Im BMW X1 kam RTTI (Real Time Traffic Information) zusammen mit dem iDrive-Bordsystem zum Einsatz. Wie bei den Google-Karten auf Android-Smartphones werden Verkehrsstörungen straßengenau angezeigt, es lässt sich ein Overlay auf der Karte aktivieren, so dass der Status jeder erfassten Straße farblich markiert ist.

Abends ohne Stau: TomTom App auf dem iPhone (Fotos Spehr)

Parallel dazu nutzte ich die TomTom-App auf dem iPhone mit den kostenpflichtigen HD Traffic-Infos (1 Monat für 5 Euro, ein Jahr für 30 Euro). Dass auf dem Heimweg von Frankfurt nach Waldsolms durch Schneefall ab Bad Homburg gewisse Störungen zu erwarten waren, war klar. Dank an @Freeskier1978 bei Twitter.

Zu Fahrtbeginn um 15 Uhr waren beide Systeme optimistisch: geringfügige Verzögerungen, kein Anlass zur Sorge. Tatsächlich war ab Usingen auf der B456 die Hölle los, wie ich via Twitter erfahren hatte.

Schon vor Bad Homburg wollte mich TomTom partout von der B456 herunterholen und über die (längere, schlechtere) Feldberg-Route Richtung Schmitten schicken. Kaum ein Navi-System kennt diese Ausweichstrecke. Ich hielt diesen Vorschlag für ziemlich idiotisch. Doch etwa 2 Kilometer vor der Saalburg ging dann tatsächlich nichts mehr. Das kommt sehr, sehr selten vor. Also gewendet, zurück nach Bad Homburg, von dort auf die A661 und dann in Richtung Feldberg gefahren.

Morgens war die Welt noch in Ordnung: BMW RTTI mit straßengenauer Markierung von Verkehrsstörungen

BMW mit RTTI zeigte die ganze Zeit Behinderungen durch Schneefall vor Usingen. Tatsächlich war (Quelle: Twitter) die B456 von Usingen bis Grävenwiesbach kaum befahrbar, etliche Lastwagen blockierten die Straße. Auch während ich auf den Feldberg zusteuerte, zeigte RTTI ein Wende-Kommando nach dem anderen, ich sollte also zurückgelotst werden.

Fazit: Hätte ich gleich auf TomTom gehört, wäre ich eine halbe Stunde früher zu Hause gewesen. Das Problem bei den TomTom-Daten ist nicht deren Zuverlässigkeit, sondern die psychologische Hemmschwelle, den Anweisungen auch dann zu folgen, wenn man sie nach eigener Erfahrung und Ortskenntnis für falsch hält.

Fünf Finger für Windows 8

Auf der CES in Las Vegas konnten wir sie bereits in die Hand nehmen und für kurze Zeit ausprobieren: Die ersten Tablet PC mit Windows 8. Da prickelt es schon, wenn aus dem Flachrechner mit einem Fingerwisch ein vollwertiges Arbeitsgerät wird, auf dem unter anderem Outlook läuft. Der Tablet wird erwachsen, könnte man sagen, er verspricht einen gewissen Mehrwert.

Vor einigen Wochen hat Microsoft die Richtlinien für diese neue Gerätegattung vorgestellt. Alle Hardwarehersteller und Entwickler müssen die bis ins Detail aufgeführten Bedingungen erfüllen. Demnach hat ein Windows-8-Tablet mindestens eine Bildschirmauflösung von 1366 × 768 Pixel. Die zwangsläufig sehr breiten Geräte sind damit für die Wiedergabe von HD-Filmen bestens gerüstet. Mindestens 10 Gigabyte freier Speicher stehen ferner im Pflichtenheft, Sensoren aller Art kommen dazu, und Bluetooth muss in der aktuellen Version 4.0 implementiert sein. Aber die Regulierungswut von Microsoft geht noch weiter. Es gibt Vorschriften zur Lage und Anordnung der einzelnen Tasten, und der berührungsempfindliche Bildschirm muss in der Lage sein, die Gesten von mindestens fünf Fingern zu erkennen, die sich gleichzeitig auf dem Display bewegen. Man kann sich darüber amüsieren, keine Frage.

Erfahrene Marktbeobachter sehen jedoch verblüffende Parallelen zu Windows Phone 7, dem jungen Microsoft-Betriebssystem für Smartphones. Auch hier haben die Amerikaner den „Basteleien“ der unterschiedlichen Hersteller einen Riegel vorgeschoben. Mit strengen Regeln will man dafür sorgen, dass der Nutzer einen stimmigen und konsistenten Eindruck erhält, der nicht durch weitere Zutaten verwässert oder verändert wird. Windows Phone 7 ist zwar nicht erfolgreich. Aber mit einem Blick auf die Fragmentierung in der Android-Welt kann man das enge Korsett von Microsoft nur begrüßen.

Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App “Car Together” von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind “Themes”, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes “Sync“-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit “blind” zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die “Orte” unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi “Mitteldisplay” nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das “kontextanaloge” Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

“Selbstheilende” iPhone-Hülle von Nissan

Auszug aus der deutschen Pressemitteilung:

Nissan überträgt Innovation aus der Automobilbranche in die Technologiewelt: Das weltweit erste iPhone Case, das feine Kratzer selbst repariert

Nissans selbstheilende iPhone-Hülle (Foto Hersteller)

  • Nissan kündigt das erste iPhone Case mit selbstheilender Lackoberfläche an – das Nissan Scratch Shield iPhone Case.
  • Die Nissan Scratch Shield Lackoberfläche ist die weltweit
    erste Farbtechnologie, die feine Kratzer selbst reparieren kann.
  • Die ersten 100 Prototypen des Nissan Scratch Shield iPhone Case werden in diesen Tagen im Rahmen einer in Kooperation mit Ministry of Sound ausgerichteten Race-Party in Dubai ausgegeben.

Rolle (Schweiz), 16. Januar 2012 – Nissan stellt heute das neueste Must-have unter den iPhone-Accessoires* vor – das erste selbstheilende iPhone Case. Das neue Nissan Scratch Shield iPhone Case zeichnet sich durch eine innovative selbstheilende Lackoberfläche aus: die weltweit erste Farbtechnologie, die feine Kratzer schnell selbst reparieren kann. Mit dem neuen Nissan Scratch Shield Case sieht das iPhone länger wie neu aus.

Der einzigartige Scratch Shield Lack wurde 2005 von Nissan in Zusammenarbeit mit der Universität Tokio und der Advanced Softmaterials Inc. entwickelt. Er wird bereits bei den Fahrzeugmodellen Nissan Murano, 370Z und X-TRAIL sowie bei den Fahrzeugen der Infiniti-Serie eingesetzt. 

Jetzt findet die innovative Lacktechnologie bei einem Produkt Einsatz, das durch den alltäglichen Gebrauch besonders anfällig für Kratzer ist: dem Smartphone. Die Lacktechnologie wird dabei erstmals in Europa an einem Produkt außerhalb des Automobilbereichs getestet.

 In die Entwicklung des Nissan Scratch Shield iPhone Case sind verschiedene Innovationen aus dem Automobilbereich eingeflossen. Ziel ist es, eine robustere und haltbarere Farboberfläche zu schaffen und ein Case, das besonders eng anliegt. Das Case hat drei Hauptvorteile: 

Der geschmeidige und elastische Scratch Shield Lack kann feine Kratzer schnell selbst ausbessern**. Durch eine gel-ähnliche Oberfläche ist diese kratzbeständiger und griffiger als konventionelle Farbe. Zudem ist das Case aus ABS-Plastik hergestellt. Dabei handelt es sich um einen hochwertigen Werkstoff, der in der Automobilindustrie häufig eingesetzt wird. ABS-Plastik ist weniger elastisch und robuster als andere Plastikarten. Die äußere 
Farbschicht ist aus Polyrotaxan hergestellt. Die chemische Struktur des Polyrotaxan ist in der Lage, Schönheitsfehler im Lack selbst zu beheben.

Eine erste Serie von Prototypen des Scratch Shield iPhone Cases wurde von Nissan für einen BETA-Test produziert. Die ersten 100 Prototypen werden im Rahmen einer in Kooperation mit Ministry of Sound ausgerichteten Race-Party mit dem international bekannten DJ Pete Tong in Dubai ausgegeben. In Dubai wird in diesen Tagen der neue Nissan JUKE-R getestet. Er kombiniert den Motor, das Getriebe und das Antriebssystem des Nissan GT-R mit einem JUKE. Bei entsprechender Nachfrage plant Nissan die Markteinführung des Scratch Shield iPhone Case noch in diesem Jahr.

*Das Nissan Scratch Shield iPhone Case ist für das iPhone 4 und iPhone 4 S erhältlich.

**Scratch Shield Lack kann kleine Kratzer in zirka einer Stunde heilen, bei tiefen Kratzern kann der Prozess bis zu einer Woche dauern.


Test: Samsung Galaxy Nexus

Man nähert sich diesem Smartphone in zwei Phasen. Die erste ist die des Staunens: ein Riese! Das iPhone 4 wirkt geradezu zierlich neben dem neuen Samsung Galaxy Nexus, und selbst ein üppig dimensioniertes HTC Sensation ist deutlich schlanker als dieses Google-Gerät, das von Samsung hergestellt wird und die neue Android-Software 4 mitbringt. 11,8 Zentimeter misst das leicht gebogene Display in der Diagonale, und es zeigt satte 1280 × 720 Pixel, also mehr als mancher kleine Netbook. Auch seine 13,6 × 6,9 Zentimeter sind opulent, aber das Gewicht von 135 Gramm und die flache Konstruktion (1 Zentimeter an der dicksten Stelle) lassen nicht den Eindruck eines Moppelchens aufkommen.

Ein Riese mit tollem Display: Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Das neue Galaxy Nexus ist ein Schönling mit elegantem und minimalistischem Design, nichts tritt störend hervor und bricht die klaren Linien. Zum gelungenen ersten Eindruck trägt auch bei, dass physikalische Tasten mit Android 4 überflüssig werden, Softkeys zwacken sich einen Teil des Bildschirms ab. Micro-USB- und Audioanschluss sind am unteren Ende des Geräts dezent eingelassen, seitlich befinden sich nur der Ein- und Ausschalter sowie die Wippe zur Lautstärkeregulierung. Ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten fehlt, 16 Gigabyte sind fest eingebaut, und eine zweite Variante mit 32 Gigabyte ist angekündigt. Alle tragenden Elemente sind aus einem robust wirkenden Kunststoff gefertigt, lediglich die hauchzarte Abdeckung der Rückseite, unter der sich der (wechselbare) Akku und der Sim-Kartenleser befinden, trübt das Bild. Zugegeben, ein iPhone 4 oder 4S mit Metallrahmen wirkt solider, aber mit der Verarbeitungsqualität des Koreaners kann man zufrieden sein.

Android 4 “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht

Und dann setzt sich das Staunen beim Einschalten fort: Android 4 mit dem Codenamen “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht. Google führt damit sein Smartphone- und sein Tablet-Betriebssystem zusammen, die Überarbeitung gefällt. Sie betrifft an erster Stelle das Design. Die neue Bildschirmschrift ist klar und schnörkellos, nun dominieren zarte Linien und Andeutungen. Der rustikale Charme von Android wurde aufgegeben, der Blick der Entwickler zielt unverkennbar in Richtung Windows Phone 7.5, das mit seinem Minimalismus neue Maßstäbe setzt, auch gegenüber dem iPhone übrigens. Wie beim Vorgänger Nexus S kommt “Android pur” ohne jede “Verbastelung” zum Einsatz, in diesem Sinne ist das Galaxy Nexus ein Referenzgerät. Wer nach einem Blick auf dieses Gerät die Betriebssystem-Aufsätze von Samsung, HTC, Motorola oder Sony Ericsson inspiziert, riskiert Augenschmerzen.

Der neue Charme von Android 4: Nun mit Apps in Ordnern (Fotos Spehr)

Android 4 weist etliche Verbesserungen auf. Eine Wischfunktion bietet nun einen einfacheren Umgang mit laufenden Apps und Statusmeldungen, beide lassen sich nach links oder rechts “wegziehen”. Auf den Startbildschirmen können Apps in Ordnern zusammengefasst werden, in der Programmliste bleiben sie allerdings statisch und alphabetisch sortiert an ihrem Platz. Der Internet-Browser bietet eine Offline-Lesefunktion und einen privaten Modus, mehrere geöffnete Tabs lassen sich einfacher verwalten und abermals mit der Wischfunktion schließen. Für die Ermittlung des Datenverbrauchs gibt es einen eingebauten Zähler, eine Screenshot-Funktion ist nun ebenfalls dabei. Mit biometrischer Gesichtserkennung kann man das Gerät entsperren, aber die Fehlerquote ist sehr hoch, und sicher ist das Verfahren ebenfalls nicht: Mit einem vor die Frontkamera gehaltenen Foto lässt sich der Algorithmus überlisten.

Das junge Android 4 ist ein großer Schritt nach vorn, und in Verbindung mit der leistungsfähigen Hardware entsteht ein überzeugendes Ganzes. Der Koreaner reagiert dank Doppelkernprozessor (1,2 Gigahertz) in jeder Situation flink, und das Super-Amoled-Display gefällt hinsichtlich Farbbrillanz und Schärfe. Zu den kleinen Widrigkeiten gehört, dass man am Mac und unter Linux nicht mit einem USB-Kabel auf seinen Speicher zugreifen kann. Wie beim Samsung Galaxy S2 ist die Adressverwaltung fehlerhaft, die Details haben wir hier beschrieben.

Dank hoher Bildschirmauflösung: ganze Artikel auf einer Seite

Von der sehr hohen Bildschirmauflösung profitiert man vor allem bei konventionellen Websites. Man sieht mehr als auf einem iPhone, muss aber, wie bei diesem, zum Lesen die Schrift mit Fingerbewegungen vergrößern. Bei Apps hält sich der Vorteil der üppigen Auflösung jedoch in Grenzen. Hootsuite beispielsweise zeigt fünf bis sechs Twitter-Meldungen untereinander, beim iPhone sind es fünf.

Alles im Blick: Die üppige Display-Auflösung fasziniert

Alles in allem wird also der stolze Galaxy-Nexus-Neubesitzer tagelang hocherfreut sein Kleinod bewundern. Es kostet um die 550 Euro und kann bei Netzbetreiber O2 auch mit 24 Monatsraten à 25 Euro erworben werden. Aber dann setzte bei uns die zweite Phase mit der Frage ein, wo der grundlegende Fortschritt liegt, insbesondere im Vergleich mit dem iPhone 4S. Die übergroße Bauform empfanden wir schon bald als Last, die Einhand-Bedienung gelingt nicht immer. Und was sind die spektakulären Alleinstellungsmerkmale, die hervorstechenden Neuerungen? Bei iPhone 4S fällt einem sofort die hervorragende Kamera ein. Hier bietet das Galaxy Nexus bestenfalls Mittelmaß. Nicht nur, weil die Optik auf der Rückseite lediglich mit 5 Megapixel auflöst. Das ist kein Beinbruch. Aber die Bildqualität ist insbesondere bei Innenaufnahmen nicht überzeugend.

Zum anderen Apples Spracherkennung Siri. Das Pendant von Android 4 fällt abermals weit zurück. Der Spracherkenner – er wird mit einem Symbol auf der virtuellen Bildschirmtastatur aufgerufen – setzt Diktate deutlich schlechter um. Die Interpunktion wird nur sehr selten erkannt, eine Großschreibung der Substantive fehlt. Von einer semantischen Analyse und Integration in die Apps wollen wir gar nicht reden. Wer sich am iPhone 4S schnell daran gewöhnt hat, einen Kalendereintrag à la “Neuer Termin mit Max Muster übermorgen um 10 Uhr” zu erstellen, findet auf dem Galaxy Nexus nichts Gleichwertiges vor. Zudem fehlt eine Taste, um Sprachkommandos unterwegs, beispielsweise im Auto, mit einem einzigen Handgriff abzusetzen.

Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem

Welche Vorteile bietet Android 4 gegenüber iOS 5? Uns fallen nur die umfangreicheren Möglichkeiten der Personalisierung von Android ein. Mit alternativen “Launchern” kann man die Oberfläche individuell anpassen und weitaus tiefer ins Betriebssystem eingreifen als bei Apple. Das gilt auch für manche Android-Apps, hier gibt es also mehr Freiräume für Programmierer und Tüftler. Aber damit ist im Grunde genommen schon alles gesagt.

Detailinformationen wie gehabt: Das Beispiel Hootsuite

Bei der Laufzeit des wechselbaren Akkus, der eine Kapazität von 1750 Milliamperestunden hat, bleibt das Galaxy Nexus auf dem Niveau anderer Androiden: Wird das Gerät intensiv genutzt, muss es nach 12 Stunden an die Steckdose. Nur bei sehr vorsichtigem Umgang kamen wir auf Laufzeiten bis zu 20 Stunden. Das iPhone 4S hat mit der aktuellen Betriebssoftware einen längeren Atem und absolviert bei uns mittlerweile fast zwei Tage.

Keine Frage: Das Galaxy Nexus ist das neue Android-Flaggschiff, und das Google-Betriebssystem spielt hier so gut wie nie mit einer beeindruckenden Performance auf. Der Android-Fan muss dieses Gerät haben. Alle anderen kommen ins Grübeln, vor allem angesichts der unhandlichen Bauform. Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem.

 

Review auf ZD Net: “Galaxy Nexus rocks, but I don’t recommend you buy one”

 

Öffentlichen Feiertags-Kalender dem iOS-Gerät hinzufügen / Kalenderabo hinzufügen

Ich möchte gern einen öffentlichen Kalender mit Feiertagen auf meinem iPad oder iPhone integrieren. Mit iOS 5 geht das zum Beispiel so:

1. Adresse eines öffentlichen Kalenders suchen. Google bietet etwa die Deutschen Feiertage unter folgender URL an:

http://www.google.com/calendar/ical/de.german%23holiday%40group.v.calendar.google.com/public/basic.ics

2. URL kopieren und auf dem iOS-Gerät in die “Einstellungen” gehen, dort auf “Mail, Kontakte, Kalender”, dann auf “Account hinzufügen” und “Andere” und “Kalenderabo hinzufügen”. Die ICS-URL von oben einsetzen, bestätigen, und das ist schon alles.

Android 4.0.3 auf dem Samsung / Google Nexus S

Ich habe heute das OTA angebotene Update auf das ältere Samsung Nexus S aufgespielt, trotz einiger Warnungen, etwa hier. Das Gerät kommt aus den USA. Der erste Eindruck ist überwältigend. Man hat quasi ein neues Gerät, das schicke Design von Android 4 überzeugt auch hier. Auch beim Tempo macht man im Vergleich mit dem Galaxy Nexus nur wenige Kompromisse, man kann damit leben. Also insgesamt ein tolles Update für ein älteres Modell. Einige Beobachtungen:

- Die Bildschirmsperre mit Gesichtserkennung wird nicht unterstützt.

- Im Unterschied zum Galaxy Nexus wird kein Platz am unteren Bildschirmrand für die Softkeys abgeknapst, die Softkeys des Nexus S bleiben also mit der gewohnten Belegung erhalten.

- Ankopplung an den Bluetooth-Freisprecher Nissan Connect klappt nicht. Testwagen: Neuer Nissan Quashqai.

Klappt nicht: Bluetooth-Anbindung im Fahrzeug (Foto Spehr)

- Screenshots funktionieren auch auf diesem Gerät!

- Das hier beschriebene Kontakte-Chaos tritt auch mit dem Nexus S auf.

- Apps und Einstellungen bleiben erhalten, auch Kennwörter etc.

-Fast alle alten Apps laufen auch unter Android 4.

- Spracherkennung arbeitet wie auf dem Galaxy Nexus.

- Deutlich kürzere Akkulaufzeit!!