Test: Device Control Center von Philips

Dumm gelaufen: Wer sich eines der teuren Handmikrofone für Diktate am PC kauft, stellt bei den beiden Marktführern Philips und Olympus fest, dass er zwar feinste Hardware erworben hat, aber zusammen mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking genau das nicht funktioniert, was für den Vieldiktierer selbstverständlich ist: das Nutzen des Schiebeschalters für Aufnahmestopp und -pause. Warum ist das wichtig? Weil man damit arbeiten kann wie mit einem Diktiergerät. Nach oben geschoben startet die Aufnahme, nach unten hält sie an, und mit zwei weiteren Positionen lassen sich der schnelle Rücklauf sowie die Wiedergabe starten. Also eine perfekte Einhandbedienung, die bald in Fleisch und Blut übergeht. Nur mit dem Spracherkenner klappt das alles nicht, und wer auch immer die Schuld hat: Dragon-Hersteller Nuance oder die beiden Hardware-Lieferanten, es ist zum Verzweifeln.

Wir haben darüber schon öfter geklagt, und nun hat uns jemand erhört. Philips bietet seit kurzem für seine Speech Mike-Reihe unentgeltlich eine Windows-Software, die grundlegend Abhilfe schafft. Sie heißt „Speech Control“ und installiert sich kurioserweise als „Device Control Center“ am PC. Für das Laden der 300-Megabyte-Datei sollte ein schneller DSL-Anschluss vorhanden sein (www.philips.com/dictation). Nach dem Installieren wird das Programm im Autostart-Modus stets geladen, der Windows-PC fährt deshalb etwas langsamer hoch. Der Vorteil indes: Nach dem Start von Dragon ist das Diktiermikrofon sofort einsatzbereit.

Im Hauptmenü der Steuerungszentrale kann man nun das Speech Mike individuell konfigurieren, und zwar für verschiedene Anwendungen, nicht nur für Dragon Naturally Speaking. Es lässt sich das Verhalten des Schiebeschalters einstellen, aber auch die Belegung der Tasten am Gerät programmieren. Dabei gibt es verschiedene Befehlsarten: Tastenkombinationen, Mausaktionen, Text oder – im Fall Dragon – etwa ein Dutzend Kommandos für die Spracherkennung. Dass nicht das gesamte Befehlsrepertoire von Naturally Speaking aufrufbar ist, sei als kleine Kritik angemerkt. Aber schon mit der Voreinstellung des Herstellers kommt man prima zurecht: Eine Taste ruft etwa direkt den Korrekturmodus auf, wenn ein Wort oder eine Phrase falsch erkannt wurde. Und mit einer weiteren sendet man „Nimm 2“ und wählt damit den zweitbesten Treffer. Kurzum: Diese Software erlaubt ein nahezu optimales Zusammenspiel mit Dragon, man spart viele Kommandos und komplizierte Aktionen, ein großes Lob an die Entwickler.

Bei uns zeigte sich zudem im täglichen Einsatz ein weiterer Pluspunkt, nämlich die Entdeckung des Trackballs auf dem Speech Mike. Bislang hatten wir die Rollkugel stets vernachlässigt. Aber nun offenbarte sie beim Diktieren ins Dragon Pad ihre Vorzüge: Ohne zur Maus greifen zu müssen, lässt sich flink im Text manövrieren oder der Cursor verschieben, das klappt mit einer Hand bestens. Für konzentriertes Arbeiten reichen Bildschirm und Speech Mike vollkommen aus, ein Pluspunkt etwa für die Ärzte, die an einem PC-Terminal stehen.

Alles in allem arbeitet die Kombination aus Dragon Naturally Speaking und Philips Speech Mike wunderbar zusammen. Auf Dauer wird es sich kein Hardware-Hersteller leisten können, Produkte für Spracherkennung und -verarbeitung ohne Dragon-Anbindung auf den Markt zu bringen. Wer ein Olympus-Handmikro einsetzt, muss sich indes nicht grämen, sondern nur etwas Geld in die Hand nehmen. Die Software „Local“ von 4 Voice (www.4voice.de, F.A.Z. vom 16. Oktober 2007) leistet Ähnliches (und einiges mehr), kostet zwar ebenso viel wie ein gutes Handmikrofon, kann von uns aber nach wie vor empfohlen werden.

Test: SpeechMike Air von Philips

Beim digitalen Diktieren hat man die Qual der Wahl des passenden Eingabegeräts. Bewährt haben sich das Headset mit einem kleinen Mikrofonsteg, das kabelgebundene Handmikrofon und für den mobilen Einsatz das Diktiergerät. Jede Art hat ihre Vor- und Nachteile. Was zum eigenen Diktierstil passt, muss jeder selbst herausfinden. Beim Headset und beim Handmikrofon arbeitet man direkt am PC, sieht sofort das Diktierte auf dem Bildschirm und hat den Kontext im Blick. Andere Vieldiktierer arbeiten so konzentriert, dass die Anzeige nur stört. Sie nehmen deshalb ein Diktiergerät und übertragen später zum Computer. Philips bringt nun sein erstes schnurloses Handmikrofon auf den Markt, das Speechmike Air. Es vereint die Vorteile eines Diktiergeräts – man kann im Raum umhergehen und ist nicht an den Arbeitsplatz gefesselt – mit den Vorzügen des Direktdiktats in den Rechner: Beim Einsatz einer Spracherkennung ist alles sofort transkribiert, man muss nicht auf die Umsetzung warten.

Die Referenz: SpeechMike Air von Philips, hier mit Tastensteuerung (Foto: Hersteller)

Ein solches Schnurlosgerät kann jedoch auch Nachteile mitbringen: Wie sieht es bei der drahtlosen Übertragung mit der Akustik aus? Herkömmliche Bluetooth-Protokolle beschneiden das Frequenzspektrum und scheiden aus, wenn es um höchste Qualität geht. Und was passiert, wenn sich der in Gedanken vertiefte Professor versehentlich aus der Reichweite des Funkmoduls herausbewegt? Diktiert er dann ins Nichts?

So waren wir auf das Speechmike Air sehr gespannt. Es ist in verschiedenen Varianten erhältlich, etwa mit einer reinen Tastensteuerung oder in der von uns ausprobierten Version mit internationaler Schiebeschalter-Belegung. Das Paket besteht aus mehreren Komponenten: An den PC wird eine Docking-Station mit einem USB-Kabel angeschlossen, sie dient zum Laden des Handgeräts und nimmt weiterhin einen Bluetooth-Empfänger namens Airbridge auf. Dieser lässt sich herausnehmen, so dass man beispielsweise für den mobilen Einsatz mit dem Notebook allein das streichholzschachtelgroße Airbridge und das Mikrofon braucht. Alle Komponenten sind hochwertig verarbeitet und wirken robust.

Das Speechmike Air liegt mit 16,5 × 4,5 × 2,5 Zentimeter und 130 Gramm Gewicht sehr gut in der Hand. Die Rückseite mit ihrer geschwungenen Form lässt genug Platz für Zeige- und Mittelfinger, der Daumen landet automatisch an der richtigen Stelle über dem Schiebeschalter. Dessen Mechanik ist ordentlich, er reagiert präzise und satt. Noch besser gefällt der Trackball mit seiner schmutzabweisenden Beschichtung und einer phantastischen Haptik. Die Rollkugel in Verbindung mit den neben ihr liegenden Tasten ist ein vollwertiger Maus-Ersatz. Ein schönes Extra, denn während des Diktats kann man schnell ein paar Windows-Befehle geben, ohne das Gerät in der Hand zu wechseln. Zwei Standardakkus versorgen das Air stundenlang mit Strom, der Hersteller gibt rund einen Arbeitstag Betriebszeit an. Die Inbetriebnahme des Speechmike ist einfach und schnell erledigt. Das bewährte „Device Control Center“ (DCC) fungiert als Treiber und Anlaufstelle für die Konfiguration. Wer das Air ohne Spracherkennung einsetzt, findet mit der aufpreispflichtigen Software „Speech Exec Pro Dictate“ alles für einen reibungslosen Workflow vom Diktat über die Weiterbearbeitung im Schreibpool bis hin zum E-Mail-Versand der transkribierten Dokumente.

Wir haben das Ganze mit der Spracherkennung Dragon Naturally Speaking ausprobiert. Hier ist „Speech Exec Pro Dictate“ im Einzelplatzbetrieb zwar bei manchen Gelegenheiten nützlich, aber nicht unbedingt erforderlich. Allein mit dem DCC kann man jedoch sehr glücklich werden. Was andere Hersteller jahrelang vergeblich versucht haben, ist hier perfekt umgesetzt. Das Speechmike Air arbeitet aus dem Stand heraus einwandfrei mit dem Drachen zusammen. Das heißt unter anderem: Der Schiebeschalter regelt Aufnahme und -pause, eine rote Leuchtdiode signalisiert den Aufnahmebetrieb, man kann im Diktat zurückspulen, und die zahlreichen Funktionstasten des Speechmike sind ab Werk mit sinnvollen und naheliegenden Dragon-Kommandos belegt. Mit der oberen rechten Funktionstaste lässt sich etwa sofort das Korrekturmenü aufrufen.

Wer noch mehr Raffinesse sucht, kann im DCC alle Tasten nach eigenem Gusto umprogrammieren. Das funktioniert mit üblichen Windows-Tastenkombinationen einwandfrei. Etliche Dragon-Kommandos stehen ebenfalls zur Auswahl, leider nicht alle. Wir hätten uns zum Beispiel gewünscht, die Tasten so belegen zu können, dass das markierte Wort wahlweise groß oder klein geschrieben wird, denn Fehler in der Groß- und Kleinschreibung kommen bei Dragon Naturally Speaking mit am häufigsten vor. Das ist indes keine Schludrigkeit von Philips, sondern dem eingeschränkten Repertoire der Dragon-Schnittstelle geschuldet. Von unseren Extrawünschen abgesehen, waren wir jedoch begeistert über die nahtlose drahtlose Integration von Hard- und Software. Da merkt man mal wieder: Philips ist in diesem Bereich der Innovationsführer.

Die Liebe zum raffinierten Detail zeigt sich auch bei der Akustik. Das Air verwendet zwar Bluetooth mit einer Reichweite von mehr als zehn Meter. Aber die Programmierer haben ein eigenes abhörsicheres Blauzahn-Profil mit Verschlüsselung entwickelt, das eine erstklassige Audioqualität bietet. Im praktischen Einsatz mit Dragon Naturally Speaking lag die Erkennungsgenauigkeit über der des kabelgebundenen alten Speechmike (vorsichtige Naturen legen eine neue „Diktierquelle“ für das Air an. So kann man sein altes Sprachprofil am einfachsten mit der neuen Hardware nutzen). Und schließlich die Funkreichweite: Philips macht es pfiffig, das Handgerät warnt mit einem dezenten Vibrieren. Nicht etwa, wenn man den Radius des Airbridge-Empfängers verlassen hat – dann wäre es zu spät -, sondern vorher, so dass kein Wort verlorengeht. Wer die Umstandskrämerei kennt, mit der andere Hersteller dieses Problem angegangen sind, kann angesichts der verblüffenden Philips-Lösung nur staunen.

Alles in allem meinen wir nach mehrwöchiger Erprobung, dass es derzeit kein besseres schnurloses Handmikrofon für den professionellen Einsatz gibt. Die 475 Euro sind gut angelegt, das Speechmike macht Spaß und die Arbeit spürbar leichter. Diktieren mit Kabelanschluss kommt einem schon bald als Technik von gestern vor. Für uns bleiben neben dem erwähnten nur zwei weitere Wünsche: Wenn die Docking Station zusätzlich als Ladeschale für die Philips-Diktiergeräte dienen könnte, würde man Platz auf dem Schreibtisch und ein zweites Netzteil sparen. Und schließlich haben es die Ingenieure mit den Kontrolllämpchen zu gut gemeint: Da leuchtet und blinkt es, selbst dann, wenn alles funktioniert. Das lenkt ab, vor allem wenn beim Arzt oder Anwalt ein sehr persönliches oder vertrauliches Gespräch geführt wird.

Test: Dragon NaturallySpeaking 11

Dreimal schneller als Tippen: Dragon NaturallySpeaking 11 (Foto: Hersteller)
Dreimal schneller als Tippen: Dragon NaturallySpeaking 11 (Foto: Hersteller)

Nach ungefähr zwei Stunden stellen sich die ersten Aha-Effekte ein, und dann kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dass man sich nicht nur oberflächlich mit dieser Software beschäftigen muss und eine gewisse Übung benötigt – das ist der größte Nachteil der Spracherkennung am Computer. Wir haben es in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt: Wer mit der Technik allein herumexperimentiert, ungeduldig ist und elementare Regeln missachtet, gibt nach kurzer Zeit auf. Wer jedoch Spracherkennung bei einem erfahrenen Benutzer im praktischen Einsatz sieht, will sie haben, die Faszination ist groß.

Spracherkennung wird von Jahr zu Jahr besser, derzeit hat sie ihren Durchbruch auf den modernen Smartphones. Mit dem offenen Betriebssystem Android in der aktuellen Variante 2.2 und mit dem iPhone von Apple kann man SMS und andere Nachrichten diktieren, die passenden „Apps“ vorausgesetzt. Die beste und zuverlässigste Lösung mit hoher Erkennungsrate ist „Dragon Dictation“ für das iPhone. Das Mini-Programm steht gratis parat, der Hersteller Nuance will damit für seine PC-Spracherkennung Dragon Naturally Speaking werben. Dass dies gelingt, zeigt die Plazierung der App als eine der meistgeladenen in Apples Online-Geschäft.

Nun bringt Nuance seine Windows-Software in der Version 11 auf den Markt und zeigt, was sich in den vergangenen zwei Jahren getan hat: Das vielfach verbesserte Programm ist der Maßstab, es gibt keine andere Software mit vergleichbarer Leistungsfähigkeit, man mag diese Monopolstellung bedauern. Wir haben den neuen Drachen zunächst an seiner Erkennungsleistung gemessen: Wie viel Prozent der Worte werden richtig erkannt? Das hört sich trivial an, ist es aber nicht. Berücksichtigt man, dass eine Spracherkennung nur jene Begriffe fehlerfrei umsetzen kann, die in ihrem Vokabular gespeichert sind, hängt die Beurteilung von den Texten und Inhalten ab. Eine prägnante Zusammenfassung der Art „98 Prozent Genauigkeit“ ist also unsinnig. Ein Arzt, Anwalt oder Gutachter, der für seine Diktate ein begrenztes Fachvokabular verwendet und dies sinnvollerweise gleich mit Dragon dazukauft, erreicht spielend 99 Prozent und mehr. Ein Nutzer mit einem reichhaltigen Vokabular, sagen wir ein Schriftsteller oder Journalist, wird eher bei 97 Prozent liegen. Er wird vermutlich eigene Ad-hoc-Begriffe (wie diesen hier) verwenden und vielleicht nur einmal und dann nie wieder. Kein Wörterbuch kann da mithalten.

Wie gut die Erkennungsleistung von Dragon 11 im Vergleich mit der Vorgängerversion 10 ist, haben wir mit unseren eigenen Diktaten ermittelt, das ist eine subjektive Komponente im Test. Aber wir suchten reproduzierbare Ergebnisse. Deshalb wurde aus Hunderten von Diktiergerät-Aufzeichnungen im DSS-Pro-Format eine Auswahl erstellt. Neben kurzen, knappen E-Mails auch längere mit privatem Inhalt, Nachrichtenmeldungen, ein Protokoll einer Testfahrt im Auto und spaßeshalber ein wissenschaftlicher Aufsatz aus der DDR-Geschichtsschreibung in einer aus heutiger Sicht merkwürdigen Sprache. Ein und dieselbe Diktat-Datei ließen wir der Reihe nach erkennen, und zwar mit der alten und der neuen Version, so wie sie der Nutzer nach der Installation vorfindet (also ohne benutzerspezifische Anpassungen). Die Ergebnisse: Die Fehlerrate ist in etwa halbiert, die Genauigkeit liegt – je nach Text – bei bis zu 99 Prozent, ein vorzügliches Ergebnis. Es fußt auf zwei Verbesserungen: Zum einen ist das Vokabular mehr als doppelt so groß. Rund 300 000 Einträge zählt das „Bestmatch IV“ der aktuellen Version, 135 000 waren es bei „Bastmatch III“ in Dragon 10. Zum anderen wurde die Abtastrate des Mikrofons von 11 auf 22 Kilohertz ebenfalls verdoppelt, und so verschwinden viele Probleme mit undeutlich gesprochenen Wortendungen quasi von allein.

Schon wegen des größeren Vokabulars empfiehlt es sich nicht, ein altes Dragon-Profil für die neue Version zu aktualisieren. Man fange von vorn an. Bei uns arbeitete das neue 11er-Profil besser als das zwei Jahre lang gepflegte und persönlich angepasste 10er-Profil. Gegebenenfalls exportiere man seine Wortliste und importiere sie in die neue Version. Das gilt aber nur für Anwender, die ein eigenes opulentes Fachvokabular aufgebaut haben. Die typischen Schwierigkeiten sind übrigens in beiden Versionen gleich: Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Abkürzungen, Produkt- und Eigennamen bereiten noch immer Kopfzerbrechen. Mit ein bisschen Erfahrung kennt man im Laufe der Zeit die Stolpersteine und wird dann beispielsweise „ist vom Feinsten“ dahingehend diktieren, dass man dem „Feinsten“ das Kommando „groß“ voranstellt.

Die neue Version erfüllt zudem viele alte Wünsche, an erster Stelle der Import von DSS-Pro-Dateien professioneller Diktiergeräte: das ist für Ärzte und Anwälte ein Schritt nach vorn. Um Handmikrofone der Hersteller Philips und Olympus perfekt einzubinden, benötigt man wie gehabt Zusatzsoftware, hier hat vor allem Philips mit seinem „Device Control Center“ gute Arbeit geleistet, es funktioniert auch mit Dragon 11 prima.

Die „Verarbeitungsanzeige“ während der laufenden Erkennung wurde durch ein kleines, sich drehendes Nuance-Symbol ersetzt, man wird also weniger abgelenkt. Deutlich einfacher gerät nun die Verwaltung unterschiedlicher Benutzerprofile, und bei der Korrektur sind ebenfalls zahlreiche Verbesserungen zu beobachten. Richtiges Korrigieren bleibt entscheidend für die Lernfähigkeit von Dragon – und hier wird leider der Einsteiger mit der zwar erweiterten, aber noch immer dürren Online-Hilfe nicht besonders weit kommen. Wer den Drachen perfekt beherrschen will, muss einem Profi über die Schulter gucken.

Jenseits der Erkennung gesprochener Texte hat Dragon Naturally Speaking auch bei der PC-Bedienung zugelegt: „Durchsuche Wikipedia nach Frankfurter Allgemeine Zeitung“ versteht die Software auf Anhieb, aber auch „Durchsuche Facebook nach Max Müller“. Für uns der wichtigste neue Befehl: „Programme auflisten“ zeigt alle geöffneten Windows-Fenster. Wir probierten das Programm mit einem Core-2-Duo-Prozessor T5250 (1,5 Gigahertz) unter Windows 7 sowie einem T6300 (1,8 Gigahertz) unter Windows XP – das geht gerade noch ordentlich, etwas mehr Rechenleistung kann nicht schaden. Endlich werden mit Version 11 auch Mehrkern-Prozessoren optimal angesprochen.

Die amerikanische Software ist in mehreren Varianten erhältlich: Die teuren juristischen und medizinischen Versionen sollte man ebenso wie Professional (830 Euro) nur im Fachhandel nach entsprechender Beratung kaufen. Die von uns geprüfte Premium-Variante für 200 Euro ist das Paket der Wahl für die meisten Käufer. Sie unterstützt mehrere Audioquellen an einem Benutzerprofil, ferner das Diktat in so gut wie alle Anwendungsprogramme, auch in Microsoft Word, Excel und Outlook sowie in Open Office Writer. Mit Googlemail funktioniert es nach Angaben des Herstellers ebenfalls, bei uns aber nicht zufriedenstellend. Skeptisch sind wir bei der Einsteigerversion „Home“ für 100 Euro mit stark reduziertem Funktionsumfang. Auch „Premium Mobile“, die für 300 Euro ein billiges Diktiergerät mitbringt, würden wir nicht nehmen.

Mit Dragon Naturally Speaking 11 erfasst der Vielschreiber seine Texte dreimal schneller als mit der Tastatur. Die Ausrede, Spracherkennung sei noch unausgereift, gilt nicht mehr. Die größte Hürde ist das Diktieren selbst, also die im Textverarbeitungszeitalter verlernte Fähigkeit, im Kopf klar zu formulieren.

Test: MacBook Air 2010

Man kann sich dem neuen Macbook Air der zweiten Generation auf verschiedenen Wegen nähern. Da ist bei diesem Mini-Notebook zunächst die typische Begeisterung, wie sie sich bei vielen Apple-Produkten einstellt. Der Air ist kein gewöhnlicher Notebook, kein simples Arbeitsgerät und kein technisches Produkt, das man im Labor mit anderen vergleichen könnte. Er ist eine Versuchung. Er kann einen blenden und betören. Er ruft Entzücken hervor, er ist ja so klein und leicht. Er hat trotzdem eine gute Tastatur in Normalgröße und ein hervorragendes (wenngleich spiegelndes) Display im Breitbildformat. Im Reisegepäck fällt er kaum auf, und das Design mit klaren Linien ohne Schnörkel ist atemraubend. Da gibt es eben nicht das übliche Durcheinander von Tasten und Anschlüssen, sondern lediglich die glatte Silberhaut des robusten Aluminiumgehäuses. Das Macbook Air ist ein Traum von Notebook, ein Objekt der Begierde, das man einfach haben muss.

Zwei kleine Air ganz groß: Die neuen Modelle sind in jeder Hinsicht tragbar, und der Bildschirm überzeugt mit hoher Auflösung (Foto: Hersteller)

Die Neuauflage kommt in zwei Varianten, wahlweise mit 11- oder 13-Zoll-Display. Nur 30 × 19,2 Zentimeter Grundfläche beansprucht das von uns erprobte kleine Modell, es ist 0,3 bis 1,7 Zentimeter dünn und wiegt gerade mal ein Kilogramm. Also ein Macbook, das quasi nur etwas breiter als ein iPad ist. Beim 13-Zöller bekommt man 300 Gramm mehr bei Maßen von 32,5 × 22,7 Zentimeter und identischer Stärke. Beide Geräte sind leichter als das erste Macbook Air (1,4 Kilo) und in Sachen Konnektivität alles andere als üppig bestückt: Zweimal USB und der Mini-Display-Port für den Anschluss eines externen Monitors sind alles. Zugegeben, man kann einen Kopfhörer anschließen, es gibt Stereolautsprecher sowie ein kleines Mikro. Aber nur der große Air kommt mit einem Laufwerk für SD-Karten. Ferner fehlen Firewire, Ethernet-Lan und ein optisches Laufwerk. Wireless Lan, Bluetooth und eine Webcam sind hingegen eingebaut – eine sparsame Ausstattung unter dem Primat des Designs. Den Akku kann der Anwender nicht wechseln, und der Arbeitsspeicher der Basisversionen (2 Gigabyte) lässt sich maximal nur bis 4 Gigabyte aufstocken. Wie gehabt lässt sich der Bildschirm nur begrenzt nach hinten klappen, und es fehlt die für Apple typische Hintergrundbeleuchtung der Tastatur.

An dieser Stelle könnte man also ein erstes Fazit ziehen: Wer sich für die überarbeiteten Leichtgewichte von Apple entscheidet, bekommt in erster Linie schöne Technik für einen scheinbar hohen Preis: 1000 Euro kostet der 11-Zöller, mindestens 1300 Euro der größere. Schon hören wir die Polemik, dass man für so viel Geld doch zwei oder drei Windows-Netbooks mit mehr Schnittstellen und Funktionen bekomme, dass Apple wieder mal unverschämt teuer sei, und überhaupt. Bevor man sich auf dieses Lamento einlässt, sollte man indes einen Blick auf die inneren Werte richten. Zunächst das Display. Schon der 11-Zöller bietet mit 1366 × 768 Pixel fast die Auflösung des 13-Zoll-Macbook Pro mit seiner konventionellen Bauform. Also viel Inhalt auf kleiner Fläche. Und beim 13-Zoll-Air erreicht die Bildschirmauflösung genau die 1440 × 900 Pixel des 15-Zoll-Macbook Pro, der 1750 Euro kostet. Aus dieser Perspektive können die neuen Air-Modelle ihren großen Geschwistern die Show stehlen, und das gilt sogar für die Arbeitsgeschwindigkeit. Die Prozessorleistung allein macht es bekanntlich nicht. Die neuen Flachmänner kommen mit gemütlichen Core-2- Duo-Prozessoren bis 2,13 Gigahertz und hauen einen nicht vom Hocker.

Der Kniff von Apple besteht vielmehr darin, für die aktuellen Air-Modelle nur Flash-Speicher einzusetzen, in der kleinsten Variante mit mickrigen 64 Gigabyte, maximal 256. Flash-Speicher sind deutlich schneller als herkömmliche Festplatten. So wundert kaum, dass im Labortest der amerikanischen Fachzeitschrift „Macworld“ der 13-Zoll-Air mit 1,86 Gigahertz ein Macbook Pro mit 2,4 Gigahertz in den Schatten stellte. Bei prozessorintensiven Anwendungen gilt dieser Befund nicht, aber in der Gesamtschau und bei der „gefühlten Leistung“ wirkt der Air verflixt schnell. Wir spielten auf unser Testgerät das ganz neue Office 2011 von Microsoft auf, ließen Word, Excel und Outlook gleichzeitig laufen – und hatten zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass da irgendetwas zu langsam wäre. Schon der 11-Zöller ist alles andere als ein Spielzeug, bewährte sich bei uns tagelang als ernstzunehmendes Arbeitsgerät – und kann im Übrigen natürlich mehr als ein nur auf passiven Konsum ausgerichtetes iPad.

Zudem bringt der Flash-Speicher zwei überaus angenehme Nebeneffekte mit. Erstens ist der Rechner bereits 10 bis 15 Sekunden nach dem Einschalten betriebsbereit, und wer ihn aus dem Ruhezustand weckt, kann mit dem Aufklappen des Displays schon loslegen. Zweitens arbeiten Flash-Laufwerke lautlos. Bei dem von uns erprobten 11-Zoll-Modell hörten wir selbst in absolut ruhiger Umgebung stundenlang nichts, während ein Macbook Pro zwar sehr leise, aber durchaus vernehmlich zur Sache geht. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, ließen wir den Air mit der Schnittsoftware iMovie einen Film im Format HD 1080p exportieren – und starteten gleichzeitig alle verfügbaren Programme. So war der Kleine wirklich gut ausgelastet, und wir hörten tatsächlich das erste Mal den Lüfter – oder besser gesagt den Luftstrom, der zwischen Tastatur und Display nach außen gedrückt wird. Aber selbst bei dieser extremen Prozedur war der neue Air leiser als der Pro.

Rüstet man wegen Geräuscharmut und Tempogewinn die herkömmlichen Pro-Modelle mit Flash-Laufwerken aus, liegen die Einstandspreise bei 1465 (13 Zoll) und 2020 Euro (15 Zoll). So gesehen ist also der 13-Zoll-Air für 1300 Euro ein höchst attraktives Angebot. Er bietet nur geringfügig weniger Leistung als der 15-Zöller, aber die gleiche Display-Auflösung. Er arbeitet fast immer lautlos und wiegt nur die Hälfte des großen Modells (das aber wiederum mehr Schnittstellen und ein optisches Laufwerk mitbringt). Auch ist die Akkuleistung etwas geringer, man darf mit fünf bis sieben Stunden Einsatzzeit abseits der Steckdose rechnen. Nur sollte man eins bedenken: Die höhere Auflösung auf kleiner Fläche ist nicht jedermanns Sache. Im Dauereinsatz fanden wir die Darstellung bei manchen Programmen zu filigran und mussten häufig den Bildschirm-Zoom bemühen. Unser Tipp also: das Gerät der Wahl zunächst im Apple Store während des laufenden Betriebs ausprobieren – oder gleich noch einen Zweitmonitor für den stationären Einsatz dazukaufen. (F.A.Z. vom 9.11.10)

Test: Opel Astra mit DVD 800 Europa-Navi

Der Preis ist heiß. Wer sich für den neuen Opel Astra entscheidet, bekommt in der Werksausstattung schon von 750 Euro an eine HiFi-Anlage mit CD-Spieler und Navigation. Wir würden indes nicht das günstige CD-500-System mit Deutschlandkarte nehmen, sondern empfehlen das DVD 800 Europa Navi. Der Name deutet es an: Damit gelingt die Routenführung in ganz Europa, und zu Preisen von 1150 Euro an erhält man Radio, CD-Spieler, sieben Lautsprecher und eine USB-Schnittstelle für portable Musikspieler. Die etwas teurere Anlage bringt ferner einen großen 18-Zentimeter-Farbbildschirm mit, und das Sahnehäubchen ist der Merian-Reiseführer nicht nur mit Restaurantbewertungen, sondern auch mit Hinweisen zu Zehntausenden von Sonderzielen. Hier kann man detaillierte Suchvorgänge starten, in einer fremden Großstadt ist dies eine große Hilfe, geradezu ein Oberklasse-Merkmal.

Alles im Blick: DVD-Navigation im Opel Astra (Foto Spehr)

Was mit DVD 800 geboten wird, ist ausgereift, im Alltagseinsatz gut und einfach zu bedienen. Ein Controller dient als zentrales Bedienelement, klar beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs, und mit Drehen und Drücken des Drehreglers lassen sich alle Aufgaben rasch erledigen. Die Navigation arbeitet schnell und zuverlässig, die Kartendarstellung wirkt modern, und die Sprachanweisungen kommen präzise zum richtigen Zeitpunkt.

Geht man ins Detail, sieht man allerdings auch Minuspunkte. Dass eine Sprachbedienung für die Navigation fehlt, lässt sich verschmerzen. Aber Fahrspurassistenten sind bei allen neueren Systemen mittlerweile selbstverständlich. Dass die Info-Taste bei aktiver Navigation nicht zur Anzeige von Verkehrsstörungen dient, fanden wir irritierend. Sie ruft allein Infos zum laufenden Radio- oder Musikprogramm auf. Der Weg zu den TMC-Meldungen geht vielmehr durch die Menüs, dann lassen sich allerdings die Staudaten auch im Klartext abrufen. Überzeugend fanden wir die akustische Warnung vor Störungen in der näheren Umgebung selbst bei ausgeschalteter Navigation. Bei einer Fahrt hatten wir den Routenführer nicht eingeschaltet und erfuhren auf diese Weise rechtzeitig von einer Vollsperrung der auf dem Weg liegenden Bundesstraße. Nachteilig wiederum: Das präzise TMC Pro ist nicht eingebaut, aber in Sachen Stau-Umfahrung hat Opel gegenüber älteren Versionen einiges getan. Nun kann man in einer Routenliste einzelne Straßen gezielt ausschließen und die Funktion „Stau voraus“ arbeitet besser als in der ähnlichen Anlage des Opel Insignia. Nur muss sich, wie gehabt, während der Routenführung die Karten-CD unbedingt im Laufwerk befinden. Die kameragestützte Verkehrsschilderkennung mit Spurassistent war leider in unserem Fahrzeug nicht eingebaut. Ob und wie sie mit der Navigation zusammenarbeitet, bleibt auf einer weiteren Testrunde zu klären.

Mit der USB-Anbindung, die sich andere deutsche Hersteller gern mit unverschämten Aufpreisen bezahlen lassen, hatten wir viel Freude. Wir nahmen das iPhone 4 und das USB-Kabel von Apple, und siehe da: Sofort wurde die Musikabteilung des Smartphones von der Anlage erkannt, wir hatten mit DVD 800 und dem Controller Zugriff auf Alben, Interpreten und Wiedergabelisten. Die Podcast-Sammlung scheint zunächst zu fehlen, aber man kann die entsprechenden Stücke als Alben oder Interpreten dennoch finden. Kleiner Software-Fehler: Mit eingehenden Telefonaten bricht die USB-Verbindung ab. Schade auch, dass die HiFi-Abteilung in Sachen Akustik bestenfalls Mittelmaß bietet. Wer höhere Ansprüche hat, nehme das Infinity-Soundsystem für 580 Euro.

Als Zusatzausstattung bietet Opel ferner einen Bluetooth-Freisprecher für das Handy an (300 Euro), der ebenfalls den großen Farbbildschirm verwendet und sogar eine rudimentäre Sprachsteuerung sowie die Bedienung mit den Lenkradtasten zur Verfügung stellt. Bemerkenswert ist die Mobiltelefon-Anlage mit Sim-Access-Profil (500 Euro) inklusive Dachantenne. Hier wird das Handy, das Sim Access unterstützen muss, während der Fahrt schlafen gelegt, und die Funkeinheit des Fahrzeugs übernimmt die Kontrolle. Auf diese Weise wird die „Strahlenbelastung“ im Innenraum drastisch reduziert, und in Gebieten mit schlechter Funkversorgung brechen Telefonate deutlich seltener ab. (F.A.Z. vom 2.11.10)

Test: iDrive im 5er-BMW 2010

Als BMW vor zwei Jahren das modernisierte 7er-Modell vorstellte, zog auch ein rundum verbessertes iDrive-System für Kommunikation, Routenführung und Unterhaltung in die bayrische Oberklasse ein. Mit dem jetzt neuen 5er-BMW, der seit Januar im Handel ist, gibt es für die Freunde der Marke eine verflixt gute Nachricht: Auch in der oberen Mittelklasse lässt sich jetzt aus dem Vollen schöpfen – vorausgesetzt, man hat eine Flatrate für die Ausstattung mit Sonderzubehör, denn die Liste der Möglichkeiten und Optionen ist geradezu erschlagend.

Das ganze Internet: BMW macht's vor (Foto Spehr)

Was uns im zweiwöchigen Fahrbetrieb am besten gefiel, war das Head-up-Display (1390 Euro). Es projiziert Informationen in die Frontscheibe: ein virtuelles Bild wird mit der realen Sicht nach draußen überlagert. Um die Inhalte zu erfassen, muss man nicht den Blick von der Fahrbahn abwenden, sondern sieht diese unaufdringlich und dezent mit der gewohnten Fokussierung des Auges auf Fernsicht. Ein Navigationspfeil erscheint etwa so, als schwebte er durchsichtig über der Straße. Der immense Vorteil des Head-up-Displays ist also die minimale Ablenkung vom Verkehrsgeschehen, und die mehrfarbige Darstellung mitsamt raffinierter Piktogramme für die Navigation, Fahrspurassistenten, die Spurverlassens-Warnung und die Einstellungen der aktiven Geschwindigkeitsregelung ist ein klarer Pluspunkt. Ferner werden Geschwindigkeitsbeschränkungen mit einer Kamera erfasst und ebenfalls eingeblendet. Diese Tempolimit-Erkennung (320 Euro) funktioniert zwar, wie bei allen Herstellern, nicht immer einwandfrei, ist aber eine große Hilfe für den Vielfahrer.

Das neue iDrive im 5er-BMW ist wie beim großen Bruder eine Abkehr vom zentralistischen System der Einknopf-Bedienung mit strenger Menüstruktur und bietet nun einen Pluralismus der Bedienmöglichkeiten und unterschiedlicher Wege zum Ziel. Die neue Offenheit zeigt sich in vielerlei Hinsicht: Der deutlich verkleinerte Controller ist umgeben von einzelnen Tasten, die unmittelbar in die Funktionsbereiche CD, Radio, Navigation und Telefon führen. Mit weiteren Tasten geht man einen Schritt zurück, springt direkt ins Hauptmenü oder ruft zugehörige Optionen auf.

Controller: Der schnelle Weg in die Menüs (Foto Spehr)

Die wichtigsten Einstellungen für Klima und Belüftung werden wieder ganz konventionell mit Schaltern in der Mittelkonsole vorgenommen, und die Bewegungsrichtungen des Controllers wurden reduziert. Weiterhin lassen sich acht Favoritentasten frei programmieren, etwa mit dem Lieblingssender des Radios, der Büroanschrift für die Navigation oder einer Telefonnummer. Dazu kommt eine nahezu perfekte Sprachbedienung, die sich in allen Situationen und Programm-Modulen als rettender Helfer bewährt, wenn man mal nicht weiterweiß. Sie versteht so gut wie alles, auch Straße und Ort bei der Zieleingabe der Navigation, und nervt im Unterschied zu anderen Systemen nicht mit geschwätziger Schulmeisterei. Für 410 Euro ein sehr empfehlenswertes Extra.

Das Leben mit dem von uns erprobten „Professional“-System (3800 Euro, mit Handyvorbereitung) spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Die Flüssigkristallanzeige in der Mittelkonsole hat die atemraubende Diagonale von 26 Zentimeter und löst mit 1280×480 Pixel auf, das ist spektakulär, insbesondere wenn auf dem Navi-Bildschirm in dreidimensionaler Darstellung sogar Höhenprofile oder fotorealistische Abbildungen von Sehenswürdigkeiten erscheinen. Die Anzeige auf dem Bildschirm lässt sich teilen, um beispielsweise neben der aktiven Routenführung zusätzlich Details des laufenden Unterhaltungsprogramms abzulesen. Das Manövrieren auf dem Bildschirm mit dem Controller ist einfacher geworden, man bewegt quasi einzelne Menü-Arbeitsflächen in der Horizontalen. Das zweite Anzeigefeld sind die Hauptinstrumente im Cockpit rund um Tachometer und Drehzahlmesser, die auf einem Black-Panel-Display mit homogener schwarzer Fläche erscheinen. Welche Details dann sichtbar sind, etwa Daten des Bordcomputers, kann man in gewissen Grenzen selbst programmieren.

Den Internetzugang mitsamt Browser halten wir nicht für eine Weltsensation. Während sich Audi für den Gang ins Netz auf eine Google-Suche fokussiert, sind bei BMW ganze WWW-Seiten wie am PC abrufbar, allerdings nur im stehenden Fahrzeug und nach mühseliger Adresseingabe mit dem Controller (Audi hält dazu ein Touchpad mit Handschrifterkennung bereit). Dank eingebauter Sim-Karte von T-Mobile konnten wir in der Frankfurter Innenstadt mit Edge-Tempo surfen, UMTS fehlt bislang. Ehrlich gesagt: Der Browser ist eine nette Zugabe, aber wir haben ihn nie gebraucht. Deutlich sinnvoller im geschäftlichen Einsatz ist der Abruf von E-Mail, RSS-Nachrichten oder Wetterberichten im Fahrzeug. Diese Angebote von BMW Online und Connected Drive gibt es schon länger, sie lassen sich auch während der Fahrt nutzen.

Dass die Navigation höchsten Ansprüchen genügt und sämtliche Eingaben flink von der Hand gehen, versteht sich von selbst. Man kann mit den Online-Paketen die Zieleingabe im Internet vornehmen und ins Fahrzeug übertragen oder Ziele von einem USB-Stick laden. Es gibt nun eine Suche nach Tankstellen entlang der Route und wie gehabt die besonders präzisen Verkehrsinformationen von TMC Pro. Letztere waren während unserer zweiwöchigen Fahrten wieder einmal den kostenlosen TMC-Nachrichten der Rundfunkanstalten deutlich überlegen, vor allem bei der Meldung der Aufhebung von Verkehrsstörungen. Die Ansagen sind erfreulich knapp und präzise, die Zurückhaltung des Kopiloten ist ein klarer Vorzug gegenüber dem penetranten Geplapper, dem man vor allem in asiatischen Fahrzeugen ausgesetzt ist. Wir ließen uns meist nur mit den Piktogrammen im Head-up-Display führen: Unseres Erachtens ist die Reduzierung auf das Wesentliche dienlicher als der Fotorealismus auf dem großen Display.

Die Navi-Abteilung hält das Kartenmaterial auf einer 80-Gigabyte-Festplatte vor, 12 Gigabyte bleiben davon frei für eigene Musikaufnahmen. Man kann also mehr als 100 CDs im Auto „rippen“, wobei BMW keine Angaben zum komprimierenden Datenformat macht. Die Titel werden von der Gracenote-Datenbank automatisch bezogen, und anschließend findet man eine Musikverwaltung à la iPod auf dem Bildschirm vor, wo sich nach Interpreten, Alben oder Titeln suchen lässt. Dass sich auch MP3-Dateien vom USB-Stick importieren lassen, ist ein schöner Luxus. Als Sahnehäubchen darf das Bluetooth-Protokoll A2DP gelten, es sorgt für die drahtlose Musikübertragung vom Handy in die HiFi-Anlage des 5er-BMW – und funktionierte im Zusammenspiel mit einem iPhone 4 prima.

Hat sich BMW in allen Abteilungen und Details größte Mühe gegeben und den neuen 5er mit einer Fülle von Finessen ausgestattet, gilt das leider nicht für die mobile Telefonie und Handy-Anbindung. Bietet Audi eine perfekte Anbindung von Business-Telefonen mit dem Sim-Access-Profil und separatem Funkmodul, muss man bei BMW wie gehabt auf den letzten Feinschliff verzichten und die schlichten Freisprech-Profile nehmen oder den „Snap in“-Adapter SAP für die Mittelkonsole wählen, eine mechanische Halterung, die wiederum nur für sehr wenige Telefone verfügbar ist. Indes bietet der neue 5er ein Extra, das unseres Wissens einzigartig ist: In Verbindung mit Connected Drive lassen sich einige Funktionen des Fahrzeugs mit einem iPhone fernsteuern. Die App „My BMW Remote“ erlaubt beispielsweise die Einschaltung der Standheizung oder die Betätigung von Verriegelung, Lichthupe oder Hupe sowie die Ortung des geparkten Wagens. Unglaublich cool, und schon arbeiten die Bayern an einer Automatik, die selbsttätig das Einparken per Fernbedienung erlaubt. (F.A.Z. vom 19.10.10)

Test: PCM im Porsche Panamera 2010

Da stellt sich gleich das typische Wohlfühlgefühl ein. Es stimmt einfach alles: Haptik, Anmutung, Verarbeitungsqualität und die Technik im Detail. Zwei Wochen im Panamera waren porsche. Die viersitzige Schräghecklimousine hatte PCM an Bord, das „Porsche Communication Management“ mit großem (18 Zentimeter) Farbdisplay, Radio, CD- und DVD-Laufwerk sowie Navigation. Mit dieser Basisausstattung für 3100 Euro ist man schon bestens bedient. Man nimmt Platz in der Oberklasse – und kommt sofort klar. Was auf den ersten Blick etwas erschlagend wirkt, nämlich die zahlreichen Tasten rund um den Wählhebel des Schaltgetriebes, zeigt bei genauem Hinsehen eine feine Logik als Folge einer Grundsatzentscheidung: eigene Tasten für wichtige Dinge, mit einem Handgriff schnell erreicht, keine Controllerbasierte Kommunikationstechnik, kein Overkill an Funktionen, sondern geradlinige Technik für jene, die an erster Stelle fahren und nicht spielen wollen.

Ein ganzer Kerl: Porsche Panamera (Fotos Hersteller)

PCM im Panamera ist seinen Geschwistern im 911er und im Boxster sehr ähnlich. Markantester Unterschied ist das zusätzliche runde, farbige Display rechts vom Drehzahlmesser, das unabhängig von der Hauptanzeige die Inhalte anderer Module zeigt und mit den Lenkradtasten bedient wird. Es löst höher auf als bei den Geschwistern und zeigt zur Navigation gar eine Minikarte. Die Steuerungseinheit für PCM liegt gut erreichbar in der Armaturentafel, klar beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs. Die Bedienung des Ganzen ist einfach, haptisch ist das ein Genuss. Mit dem rechten Drehsteller fährt man durch die Menüs, eine Zurücktaste führt einen Schritt retour. Dazu wird die Menüstruktur stets auf dem Bildschirm angezeigt, für wichtige Funktionen wie „Naviansage wiederholen“ oder „Landkartendarstellung einblenden“ gibt es eigene Tasten.

Radioempfänger und HiFi-Abteilung überzeugen, wir hatten das Bose-Surroundsystem (1350 Euro) mit 14 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 585 Watt im Testwagen. Als Zuspieler neben CDs und DVDs kann auch ein iPhone dienen mit Hilfe der „universellen Audioschnittstelle“ für 330 Euro. Im Ablagefach der vorderen Mittelarmlehne sind dann zwei Anschlüsse vorhanden: Mit USB kann man Speichersticks und diverse MP-Spieler andocken, aber auch die Apple-Geräte mit dem proprietären Stecker.

Ein iPhone 4 wurde sofort von PCM erkannt. Am Bildschirm lässt sich durch sämtliche Alben blättern, die Wiedergabelisten stehen parat, und es gibt sogar eine Volltextsuche. Kurioses Detail: Die Abteilung „Podcast“ des iPhone 4 wird nicht angezeigt, man muss die entsprechenden Sendungen manuell suchen. Das iPhone wird zudem über den USB-Adapter geladen. Wer einen anderen MP3-Spieler einsetzen will, nimmt die Aux-Schnittstelle mit Klinkenbuchse oder die moderne drahtlose Musikübertragung mit dem Bluetoothprofil A2DP. Das Handy oder Smartphone bleibt in der Jackentasche, nur fehlt natürlich die Musikauswahl über PCM, sie muss am Gerät erfolgen. Und um die Vielfalt auf die Spitze zu treiben: Wir koppelten das iPhone mit Bluetooth an die Telefonabteilung von PCM an – und vermochten gleichzeitig mit A2DP unsere Musik hören.

In diesem Sinne ist der Porsche Panamera für alle Anforderungen bestens gerüstet, und wer noch besseren Klang sucht, sollte beim Händler das High-End-Soundsystem von Burmester zur Probe hören, das für 4800 Euro in der Aufpreisliste steht. Der Panamera ist das erste Fahrzeug, das sich ab Werk mit einer Anlage der berühmten Berliner Manufaktur schmückt. Kleine Kritik: Mit dem Einschalten der Zündung aktiviert PCM automatisch das Radio, auch wenn es beim Verlassen des Fahrzeugs ausgeschaltet wurde. Und mit A2DP muss man einige Sekunden warten, bis das Bluetooth-Gerät von PCM erkannt ist.

Das feine Fahren: Innenansicht des Panamera

Telefoniert wird im Panamera wahlweise mit dem internen Telefonmodul von PCM (dazu steckt man seine Sim-Karte in die Anlage) oder mit Bluetooth – im Testbetrieb reibungslos mit Übernahme des Telefonbuchs und der Ruflisten. Wer das professionelle Sim-Access-Profil nutzen will, benötigt das „Telefonmodul mit Bedienhörer“ für 1250 Euro, das einfachere Bluetoothprofil „Handsfree“ wird von der „Handyvorbereitung“ (650 Euro) abgedeckt.

Auch in Sachen Navigation muss man im Panamera keine Kompromisse eingehen. Klare Ansagen und eine ordentliche Landkartendarstellung werden geboten, Fahrspurassistenten gehören im Unterschied zu älteren PCM-Anlagen nun ebenfalls dazu. Hochwertige Verkehrsinformationen à la TMC Pro oder den Einsatz von Floating-Car-Data zur Stau-Erfassung hat Porsche nicht im Angebot. Neu aber: Hinweise auf das geltende Tempolimit, die sich im Zweitdisplay permanent einblenden lassen. Eine praktische Sache – allerdings kommen die Geschwindigkeitsinformationen aus dem Kartenmaterial der Navi-DVD und sind alles andere als aktuell. Eine kameragestützte Auswertung der realen Verkehrszeichen gibt es bei Porsche derzeit noch nicht, von einem Internetzugang und anderen Oberklassediensten wie bei BMW und Audi gar nicht zu reden. Aber das ist für einen Porsche-Fahrer möglicherweise ja ohnehin überflüssiger Schnickschnack. (F.A.Z. vom 28.09.10)

Test: HiFi und Navi im Lexus LS 600h

11 bis 12 Liter Super im täglichen Verbrauch: Das ist ein respektabler Wert für diese Oberklasse-Limousine, die ein Leergewicht von fast 2,4 Tonnen mitbringt und mit ihrem Achtzylindermotor in nur 6,9 Sekunden den Standardspurt auf 100 km/h zurücklegt. Das Geheimnis ist der Hybridantrieb des Lexus LS 600h, der vor allem in der Stadt, beim Anfahren oder langsamen Dahingleiten den Verbrauch drastisch reduziert. Aber auch in Sachen Kommunikation und Unterhaltung weiß der teure Lexus – Basispreis 109 400 Euro – mit insgesamt 327 kW (445 PS) durch einige Extras zu überzeugen.

Das Konzertgebäude: Lexus LS 600h (Fotos: Hersteller)

Das wohl spektakulärste davon ist die Ambience-Ausstattung für 16 250 Euro. Sie bietet nicht nur eine feinere Lederausstattung, sondern den hinten Sitzenden voll elektrifizierte Sessel (mit Massagefunktion) sowie einen DVD- und Fernsehbildschirm, der motorbetrieben aus dem Dachhimmel ausfährt. Drahtlose Kopfhörer gehören ebenfalls dazu. Doch auch Fahrer und Beifahrer müssen auf gute Unterhaltung nicht verzichten. Serienmäßig bringt der Lexus LS 600h eine High-End-Audioanlage der amerikanischen Spezialisten von Mark Levinson mit: 19 Lautsprecher spielen mit bis zu 450 Watt auf, Surround-Sound und sechsfach-DVD-Wechsler inklusive.

Hier sitzt der Dirigent: Taktstock und einiges mehr

Dieses mobile Hörstudio hat es uns im zweiwöchigen Fahrbetrieb angetan: Bei jeder Musikrichtung war der Auftritt souverän, die Anlage ist nicht auf schnell ermüdende Effekte aus, sondern bietet einen sehr präzisen und ausgewogenen Klang. Gezupfte Kontrabässe oder satt getretene Bass Drums kommen geradezu mühelos aus den Lautsprechern, bei Stimmen oder Soloinstrumenten steht jedes musikalische Detail mit anstreckender Frische und Lebendigkeit im Raum. Eine feine Leistung, man sollte den Lexus Probe hören.

Als Zuspieler für die Musik kommt neben der CD oder der mit MP3-Titeln bestückten DVD auch die Festplatte des Navi-Systems zum Einsatz. Von ihren 40 Gigabyte bleiben zehn für eigene Stücke übrig. Audio-CDs lassen sich also „rippen“, sie werden automatisch in das platzsparende WMA-Format eingedampft (128 KBit/s) und bei Bedarf mit Titelinformationen aus der im Lexus hinterlegten Gracenote-Musikdatenbank versehen. Die private Bibliothek lässt sich mit geradezu unendlich vielen Möglichkeiten sortieren, man kann Wiedergabelisten anlegen und sich den Bestand beispielsweise nach Genre oder Interpret anzeigen lassen.

Wer all diese angenehmen Verwaltungsaufgaben rund um die Musik lieber am iPod oder iPhone erledigt, kommt ebenfalls zum Zug. Die Apple-Produkte docken mit einem USB-Kabel an, ihre Musikbibliothek ist sodann mitsamt Alben und Wiedergabelisten über den berührungsempfindlichen Bildschirm zugänglich. Noch mehr Annehmlichkeiten gefällig? Wer ein iPhone oder ein anderes Smartphone mit dem Bluetooth-Profil A2DP hat, überträgt Titel und Alben drahtlos an die HiFi-Abteilung des Lexus, muss aber auf die komfortable Steuerung mit dem Touchscreen verzichten.

In Sachen Telefonie und Navigation bietet der Lexus gute Mittelklasse-Leistungen, das gesamte Paket gehört zur Serienausstattung und wird weitgehend mit dem Touchscreen bedient, der bei Bedarf übrigens auch den Energiefluss der Hybridanlage schön visualisiert. Klar beschriftete Tasten rings um das LED-beleuchtete Display führen in die Hauptmenüs. Bei der Routenführung durch ganz Europa überzeugt der Kopilot mit flink zu erledigender Zieleingabe und flotter Streckenberechnung. Die Ausstattung ist ordentlich wie bei anderen Toyota-Anlagen. Das Navi bietet bei Bedarf drei verschiedene Routen an, zwei schnelle und eine kurze, und mit Beginn der Fahrt lassen sich sämtliche Inhalte individuell konfigurieren. So stehen etwa eine zwei- oder dreidimensionale Kartendarstellung parat, wahlweise um Zusatzinfos oder Abbiegelisten ergänzt, und in Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Schemadiagramm des Straßenverlaufs auf.

Eine TMC-Funktion hilft beim Erkennen und Umfahren von Stauungen. Nur könnte die Beschreibung der einzelnen Verkehrshindernisse etwas detailreicher ausfallen, und es fehlen Hinweise auf das gerade geltende Tempolimit. Weitere Kritik: Zwar ist eine Sprachbedienung vorhanden, aber sie versteht nur wenige Kommandos, geschweige denn die gesprochene Eingabe von Straße und Ort. Das präzisere TMC-Pro ist für den Lexus nicht zu haben, und wer bei „Oberklasse“ an Gimmicks wie einen Internetzugang, E-Mail oder gar ein Head-up-Display denkt, liegt hier falsch. Der Fokus der Japaner liegt also ganz klar auf der Musikanlage und der Unterhaltung für die Fond-Passagiere. Vermutlich, weil man sich in diesem Premiumfahrzeug ohnehin am besten chauffieren lässt. (F.A.Z. vom 16.11.10)

Test: Olympus DS 5000 Diktiergerät (2008)

Einige Kleinode liegen auf dem Schreibtisch. Sie haben rund 600 Euro gekostet, und nun werden sie nach monatelangem Einsatz inspiziert. Dem teuren Handy sieht man den täglichen Gebrauch überdeutlich an: Kratzer auf der Display-Abdeckung, Staub hinter der Anzeige, und die Ecken sind angestoßen. Eine Taste wackelt leicht. Und nun das Kontrastprogramm: Das nicht weniger intensiv eingesetzte Diktiergerät sieht aus wie neu. Keine Kratzspuren, kein Staub, nichts. Und mit seiner exzellenten Verarbeitungsqualität begeistert es wie am ersten Tag. Wie kann es sein, dass ein solches Gerät der Oberklasse, dessen mechanischer Schiebeschalter jeden Tag einige tausend Mal strapaziert wird, so günstig ist, fragen wir uns.

Profi-Gerät: Olympus DS 5000 (Foto: Hersteller)

Das Olympus DS 5000 richtet sich an den Vieldiktierer, meist ein Arzt oder Anwalt. So wundert kaum, dass diese Pretiose höchsten Ansprüchen gerecht werden muss, wenn man berücksichtigt, dass sie an jedem Arbeitstag stundenlang in der Hand gehalten wird. Es ist das erste Olympus-Gerät mit DSS Pro, also mit verbesserter Akustik und Echtzeitverschlüsselung der Diktate, und der schärfste Konkurrent des Philips-Spitzengeräts DPM 9600 mit DSS Pro, das schon länger auf dem Markt ist und das wir hier noch einmal vergleichend hinzuziehen, weil sie die besten Diktiergeräte sind, die man derzeit kaufen kann.

Hinsichtlich Anmutung, Ergonomie, Verarbeitung und Bedienung gibt es kaum Kompromisse. Es sind keine Plastikspielzeuge aus der Ex- und Hopp-Welt der Elektronikmärkte, sondern hochwertige Arbeitsinstrumente für den Dauereinsatz. Das große, beleuchtete Display zeigt im Klartext alle Aktionen und Menüs unmissverständlich an, Olympus mit deutlich mehr Details. Beim DS 5000 lassen sich drei Tasten unterhalb der Anzeige (am PC mit der beiliegenden Software) programmieren, und zwar abhängig vom Menü-Status. Ein weiterer Pluspunkt ist der Schiebeschalter des DS 5000: ein Meisterstück der Feinmechanik. Er arbeitet im Unterschied zur Konkurrenz geräuschlos und fährt absolut leichtgängig und geschmeidig auf seine vier Positionen. Beim Philips hingegen ist deutlich mehr Widerstand zu spüren (was als taktile Rückmeldung sinnvoll sein kann). Beide Produkte visualisieren den Stand des Schalters auf ihrem Display, so dass der ungeübte Nutzer eine optische Rückmeldung bekommt.

Olympus und Philips spielen souverän alle Vorzüge der digitalen Diktiertechnik aus: Die stark eingedampften Sprachdateien lassen sich flink auf den PC kopieren, beim neuen Olympus superschnell dank USB High-Speed. Man kann mit Index-Markierungen arbeiten, sieht den Diktatfluss auf einem Laufband, es gibt eine sprachgesteuerte Aufzeichnung (mit variablem Auslösepegel) und nicht zuletzt eine regelbare Mikrofonempfindlichkeit (beim Philips in drei, beim Olympus in zwei Stufen mit besserer Nebengeräuschunterdrückung).

Beide Geräte sind im täglichen Umgang phantastisch, sie unterscheiden sich aber in Details. Während bei Philips alle Aufnahmen im Stammverzeichnis der Speicherkarte landen, bietet Olympus bis zu sieben Ordner (sie lassen sich gegebenenfalls ausblenden), um schon vor der Aufnahme thematisch oder nach Autor zu sortieren. Und man kann einen oder mehrere Ordner (am PC) so programmieren, dass alles, was darin landet, gleich verschlüsselt wird. Bei Philips wiederum muss man öfter ins Menü gehen, und die Dateiverschlüsselung lässt sich nicht fallweise, sondern nur für alle Diktate ein- oder ausschalten. Pluspunkte des DPM 9600 zeigen sich beim Vor- und Zurückspulen durch die Aufnahmen – hier ist es schneller und präziser als das DS 5000 – und beim Umgang mit Indexmarkierungen, die optisch auf dem virtuellen Laufband angezeigt werden.

Beide Diktiergeräte nutzen Secure-Digital-Medien, schon eine kleine 1-Gigabyte-Karte bietet Platz für mehr als 80 Stunden Aufnahme in höchster Qualität. Olympus spendiert seinem DS 5000 eine zweite Micro-SD-Karte, die mit chirurgischem Werkzeug aus dem Batteriefach herausgepfriemelt werden kann: Da Speicherplatz weder knapp noch teuer ist, sehen wir hier keinen Gewinn (es sei denn, dass es irgendwann Erweiterungen für den SD-Schacht geben würde) und den Nachteil, dass beim Andocken an Windows gleich zwei störende „Was soll ich nun mit dem Laufwerk anfangen?“-Meldungen aufploppen. Auch irritiert, dass man hier zwischen verschiedenen USB-Klassen umschalten muss.

Im Dauereinsatz hat das Olympus die längere Akkulaufzeit, die wir auf rund 25 Stunden schätzen (beim Philips etwa 10). Die Modellvariante DS-5000 iD (für 50 Euro Aufpreis) bietet zusätzlich einen Fingerabdruckscanner auf der Rückseite, der neben einer (optionalen) Pin-Code-Eingabe das Gerät bei Diebstahl schützt. Er speichert bis zu 10 Fingerabdrücke und funktioniert selten beim ersten Anlauf. Für das Diktieren im Auto ist er hinderlich, wir würden darauf verzichten.

Zum Lieferumfang gehört jeweils eine Docking-Station, in die das Gerät ohne Fummelei hineingesetzt und geladen wird, mit ihr erfolgt auch der Datentransport zum PC (wahlweise zusätzlich über Mini-USB). Was dann mit den Diktaten geschieht, ist eine Sache des digitalen Workflows in Kanzlei oder Praxis, der mittlerweile zu einer Wissenschaft für sich geworden ist. Um es in Kürze anzudeuten: Die Sprachdateien lassen sich automatisch anhand von Benutzerkennungen, die am Diktiergerät eingestellt wurden, per E-Mail oder FTP verschicken: beispielsweise an die Sekretärin im Haus oder ein externes Schreibbüro. Ganze Befehlsketten und Regeln sind programmierbar, auch in Abhängigkeit vom Diktierer und seinem Kürzel. Das alles macht die Philips-Software schnell, schlicht und schnörkellos. Olympus will deutlich mehr bieten, vor allem für Großunternehmen mit Hunderten von Nutzern. Aber das sehr ambitionierte „Dictation Module“ in der Version 5 ist derzeit noch nicht ausgereift, obwohl es schon verkauft wird. Wir werden darauf später zurückkommen.

Sowohl das Philips wie auch das Olympus sind für die Spracherkennung mit Dragon Naturally Speaking bestens geeignet. Wir empfehlen dann allerdings nicht die Software der beiden Hersteller, sondern „4 Voice Local“ (www.4voice.de, F.A.Z. vom 16. Oktober 2008), das eine flinke Umsetzung der Diktate mit „Drag & Drop“ erlaubt und übrigens auch die perfekte Einbindung der Handmikrofone beider Hersteller in Dragon. (F.A.Z. vom 19.08.08)

Test: Philips Diktiergerät DPM 9600 (2007)

Vor fast drei Jahren haben wir hier das bislang beste digitale Diktiergerät vorgestellt, das Olympus DS 4000. Hier stimmte einfach alles: Anmutung, Wertigkeit, Bedienung und Zubehör. Jetzt gibt es bei den Profi-Apparaten die nächste Generation. Unser neues Referenzgerät kommt diesmal von Mitbewerber Philips Speech Processing. Die Nummer eins im Gesamtmarkt des digitalen Diktierens und Nummer zwei bei den Handgeräten präsentiert das Digital Pocket Memo (DPM) 9600 für rund 595 Euro. Von der Optik her orientiert es sich an dem Olympus: Solide Metalleinfassung, ein großes Monochromdisplay und ein präzise arbeitender Schiebeschalter, der im täglichen Einsatz ein haptisches Vergnügen bietet. Aber dann sieht man schnell erste Unterschiede: Beim Philips liegen alle Bedienelemente vorn und an der rechten Seite, beim Olympus Lautstärke und Einschalter hinten.

Diktiertechnik für den Profi: Philips DPM 9600 (Foto: Hersteller)

Dann die inneren Werte: Das DPM 9600 ist das erste und einzige Gerät, das den neuen Aufzeichnungsstandard DSS Pro beherrscht. DSS ist eine Art MP3 für Sprache. Die Aufzeichnungen werden stark eingedampft, damit sie sich flink als E-Mail verschicken lassen, etwa an ein Schreibbüro. Trotzdem klingt DSS sehr ordentlich. Beim neuen DSS Pro – zum Jahresende auch bei Olympus – reicht der aufgenommene Frequenzbereich jetzt bis 8 statt bis 6 Kilohertz. Das Ergebnis ist hörbar besserer Klang, und nicht nur das: Musste man bislang bei der Spracherkennung via Dragon Naturally Speaking ein etwas schlechteres Ergebnis in Kauf nehmen, wenn das Diktat nicht von einem Headset oder Diktiermikrophon, sondern vom Handgerät kam, ist diese Einschränkung nun Vergangenheit. Nach unseren Versuchen erreicht DSS Pro die Güte eines Headsets, die Umsetzung von Dragon ist identisch. Man kann sich also bei der Spracherkennung ein eigenes Benutzerprofil fürs Diktiergerät sparen, dessen Erstellung sehr aufwendig war.

Der zweite Vorteil von DSS Pro ist die bei Bedarf wählbare Verschlüsselung aller Sprachdateien, und zwar in Echtzeit während des Diktats. Kommt das DPM 9600 in falsche Hände, sind die Sprachdateien geschützt. Auch das Gerät selbst lässt sich mit einer Pin sichern. Nachteil der neuen Pro-Version: Die Dateien sind etwa doppelt so groß. In Zeiten von DSL und UMTS kann man damit leben.

Weitere Vorzüge des Philips sind schnell aufgezählt: Als Speichermedium kommt die weitverbreitete Secure-Digital-Karte zum Einsatz, auf 2 Gigabyte (für 25 Euro, mitgeliefert wird ein 128-Megabyte-Medium) passen dann 240 Stunden in bester Qualität, der Akku lässt sich mit einem Mini-USB-Kabel via Netz oder Notebook laden, und man muss dafür nicht (wie bei Olympus) die Docking-Station mitnehmen. Zudem hält der Kraftspender ausgesprochen lange, nämlich bis zu 18 Stunden. Bei einem Grundig Digta 415 etwa ist er schon nach vier Stunden leer.

Hinsichtlich Bedienung und Ausstattung steht das DPM 9600 ebenfalls auf dem Siegertreppchen. Nicht nur, dass der Schiebeschalter einen sehr robusten Eindruck hinterlässt. Seine aktuelle Position (es gibt vier Stufen) ist zudem auf dem Display eingeblendet, während man beim Olympus dafür einen Blick auf die Rückseite werfen muss. Das Philips ist zudem in verschiedenen Varianten lieferbar. Das 9600 hat die internationale Schiebeschalter-Belegung wie bei Olympus, die sonst identische Schwester 9620 lässt sich auf die Modi „Grundig“ und den älteren Philips-Standard programmieren. So behält man also stets seine gewohnte Bedienung bei, wichtig für Vieldiktierer. Alle Details sind an Bord: Man kann mit Index-Markierungen arbeiten, sieht den Diktatfluss auf einem Laufband, es gibt eine sprachgesteuerte Aufzeichnung (mit variablem Auslösepegel), eine regelbare Mikrophonempfindlichkeit und eine Rauschunterdrückung, um den Frequenzbereich der menschlichen Stimme besonders gut hervorzuheben. Die beiden Tasten unterhalb der Anzeige arbeiten als Softkeys, wechseln also ihre Bedeutung je nach Menü. Besonders praktisch sind die detaillierte Dateiinformation und die ausgeklügelte Diktat-Verwaltung mit Stichworten.

Die mitgelieferte Software Speech Exec Pro ist mit ihren vielen Möglichkeiten geradezu erschlagend. Sie ist das Arbeitswerkzeug am Schreibplatz oder dient dazu, Diktate mit nur einem Knopfdruck an die Spracherkennung zu übergeben. Das klappt auch bei Aufzeichnungen im DSS-Pro-Format prima. Sprachdateien lassen sich automatisch anhand von Benutzerkennungen, die am Diktiergerät eingestellt wurden, per E-Mail oder FTP verschicken. Ganze Befehlsketten und Regeln sind programmierbar, auch in Abhängigkeit vom Diktierer und von seinem Kürzel. Um das Ganze auf die Spitze zu treiben, gibt es neben der mitgelieferten Docking-Station eine weitere mit LAN-Anbindung für 300 Euro extra. Das bedeutet dann beispielsweise im Krankenhauseinsatz, dass diese eine Station die unterschiedlichen Diktiergeräte der Ärzte aufnimmt und identifiziert und ganz ohne PC-Unterstützung über das Netz an die richtigen Schreibkräfte schickt. Natürlich lässt sich ein Barcode-Leser an das DPM 9600 anstecken, so dass mit Diktatbeginn gleich die Patienten- oder Klientennummer erfasst ist.

Alles in allem ist das DPM 9600 ein phantastisches Gerät für den Profi, der jeden Tag diktiert. Man kann sofort mit seiner ersten Aufzeichnung loslegen, und wenn man sich länger mit Apparat und Software beschäftigt, entdeckt man die vielen Möglichkeiten für einen effizienten Arbeitsablauf in Kanzlei oder Arztpraxis. (F.A.Z. vom 27.02.07)