Test: Nokia Lumia 920, HTC 8X

Jetzt hängt alles am seidenen Faden: Die beiden Smartphone-Hersteller Nokia und HTC sind wirtschaftlich angeschlagen, und die Hoffnung speist sich aus neuen, attraktiven Geräten. Das Stichwort lautet Windows Phone 8, es ist die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems, das in seiner modernen Ausprägung seit gut zwei Jahren gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Häusern Apple und Google kämpft. Ein Erfolg ist Windows Phone nicht, aber es wird immer besser. Mit der neuen Kennziffer 8 gehen etliche Neuerungen einher – jedoch nicht für ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind.

Windows Phone 8 unterstützt höhere Bildschirmauflösungen jenseits der bisherigen 800×480 Pixel, es erlaubt den Einsatz von Micro-SD-Speicherkarten, Mehrkernprozessoren und NFC, es bringt den Internet Explorer in der Version 10 mit und bietet „echtes“ Multitasking. Wer das ältere Windows Phone 7 einsetzt, bekommt bald ein „kleines“ Update auf die Version 7.8, die auch den neuen Startbildschirm mit in der Größe änderbaren Kacheln enthält. Wir haben jetzt zwei der ersten Windows-Phone-8-Geräte ausprobiert, das HTC 8X und das Nokia Lumia 920, die jeweiligen Flaggschiffe für 500 und 600 Euro.

Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

Wer aus der Android- oder Apple-Welt kommt, muss keine Entzugserscheinungen fürchten. Vieles ist anders, aber keineswegs schlechter, das ist die erste Erfahrung. Microsoft hat die Idee des geräteübergreifenden Ökosystems von Google und Apple kopiert, und was bei Android der Gmail-Account ist, erledigt man hier mit Hotmail oder dem sehr schicken Outlook.com. Statt der Dropbox gibt es das Skydrive von Microsoft, sieben Gigabyte Speicherplatz in der Cloud-Wolke werden unentgeltlich bereitgestellt. Gegen das schnörkellose Design von Windows Phone mit üppigen Weißräumen und dezenten Linien wirkt die Konkurrenz sogar ziemlich alt, und was ein Smartphone von heute können muss, beherrscht Windows Phone allemal.

Geht es um E-Mail und Internet, Facebook und Twitter, kann man getrost zugreifen, die Facebook-Integration ist sogar besser als bei der Konkurrenz. Dass der Durchbruch in den breiten Massenmarkt nur zögerlich anläuft, ist auch nicht der Hardware geschuldet. Nokia und HTC bieten eine weitaus bessere Verarbeitungsqualität und Anmutung als die meisten Androiden. Lumia 920 und 8X haben vieles gemeinsam, vor allem die opulenten Maße. Das Nokia provoziert. Es ist ein Riese unter den Smartphones, mit dem man am Samstagabend sofort jedwede Aufmerksamkeit weckt: Sage und schreibe 185 Gramm wiegt es, in einer breiten Männerhand gehalten, sucht man unversehens nach dem nächsten Nagel, den man mit ihm einschlagen könnte.

Fast ebenso groß, aber deutlich leichter (130 Gramm) präsentiert sich das HTC, beide überragen ein iPhone 5, gehören also zu den derzeit besonders populären Smartphones in Übergröße. Beide Kandidaten bringen ein Unibody-Gehäuse aus einem Guss mit, da hält etwa ein Samsung Galaxy S3 mit seiner hauchdünnen Rückseitenabdeckung nicht mit. Während HTC auf einen matten Kunststoff mit gummierter Oberfläche setzt, besteht das Nokia aus glattem Polycarbonat in kräftigen Farben, Fingerfett ist auf der Rückseite schnell sichtbar. Beide bieten einen nahezu glatten Übergang von der Displayabdeckung zum Gehäuse und sehr fein gefräste Öffnungen für den Lautsprecher.

Nur die unabdingbaren Anschlüsse durchbrechen die klaren Linien: Micro-USB zum Laden und zur PC-Anbindung unten, Headsetausgang oben und ein Einschub für die Micro-Sim-Karte. Ein Kartenschacht für Speicherkarten und ein wechselbarer Akku fehlen also. Das Nokia bringt 32 Gigabyte internen Speicher mit, das HTC muss mit der Hälfe auskommen.

Die jungen Modelle bieten eine Bildschirmauflösung von 1280×720 Pixel (8X) und 1280 x 768 Pixel (Lumia 920), sind also damit in der Oberklasse angesiedelt. Nokia und HTC verwenden LC-Displays, die bei hellem Sonnenschein besser ablesbar sind als eine Amoled-Anzeige.

Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)

Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)

Auch hier gibt es nichts zu meckern, und beide Kandidaten sind dank Zweikernprozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz superschnell. Das HTC mit seinem schlankeren Gehäuse wird bei aufwendigen Spielen warm, beim Nokia funktioniert die Wärmeableitung besser. Wer die technischen Daten im Detail betrachtet, findet beim Nokia das ältere Bluetooth-Protokoll 3, während HTC schon bei der aktuellen Variante 4 angekommen ist. Das Lumia 920 wiederum trumpft mit dem Datenturbo LTE auf, der im Unterschied zum iPhone 5 auf sage und schreibe neun Frequenzbändern arbeitet. Man beachte, dass im Telekom-Netz ein anderer APN einzustellen ist, nämlich „internet.telekom“.

Das 8X ist dank DC-HSDPA bei der Datenübertragung alles andere als langsam, bis zu 43 MBit/s verspricht der Hersteller. Dass sich der Akku des Nokia wiederum kabellos durch Auflegen auf eine Induktionsladestation befüllen lässt, ist nur ein Gimmick, zumal der Ladevorgang auf diese Weise deutlich länger dauert. Bis hier herrscht also nahezu Gleichstand ungeachtet der Unterschiede der Bauform. Aber zurück zur Software: Nokia hat mehrere Pfeile im Köcher: Die Straßennavigation Drive+, die mit lokal gespeicherten Karten arbeitet und eine flexibel einstellbare Tempolimit-Warnung mitbringt, ist eine Wucht.

Mit klaren Ansagen und übersichtlicher Darstellung auf dem Bildschirm wird man präzise geführt, und es lassen sich unentgeltlich die Landkarten vieler Länder dieser Welt aufs Gerät laden. So gelingt im Unterschied zur Apple- und Android-Gratisnavigation eine Routenführung ohne Datengebühren – und im Ausland ohne Roamingkosten. Der zweite Knüller ist die 8,7-Megapixel-Kamera mit der hauseigenen Pureview-Technik. Sie hat einen echten mechanischen Bildstabilisator, der bei schlechten Lichtverhältnissen längere Öffnungszeiten der Blende erlaubt, und die Aufnahmen im Dunklen sind erstklassig.

Da kann kein anderes Smartphone mithalten. Schließlich eine Reihe weiterer Nokia-Apps, etwa die Anzeige von Sonderzielen in der Umgebung mit dem „City Compass“ und „virtual reality“ sowie Nokia-Musik, mitsamt des „Mix Radio“, das es erlaubt, aktuelle Titel als „Mixe“ unentgeltlich aufs Gerät zu streamen. Das HTC 8X tritt bescheidener auf, es beschränkt sich auf die Standardausstattung von Windows Phone 8, bietet aber immerhin aufs Gerät ladbare Karten zur Orientierung in fremder Umgebung, eine ebenfalls sehr ordentlich arbeitende Kamera sowie eine HTC-App zur Fotoverbesserung und -verfremdung.

Lumia 920 mit Straßennavigation

Lumia 920 mit Straßennavigation

Die Vorteile des HTC sind seine kompaktere, unauffälligere Bauform und die gute Akustik der HiFi-Abteilung. Wenn man die Verbesserungen von Windows Phone 8 genauer in den Blick nimmt, fallen kleinere Unstimmigkeiten auf. Multitasking gibt es nur für neue Apps, die eigens für das aktuelle Betriebssystem entwickelt sein müssen. Auch fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert.

Wer ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan ist, wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Das alles sind Kleinigkeiten. Mit dem neuen Windows Phone 8 lässt es sich hervorragend leben, wenn man ganz unvoreingenommen ein gutes Smartphone sucht. Beide Geräte verdienen eine klare Kaufempfehlung.

Test: Huawei Ascend P1

Wer mit einem Android-Smartphone liebäugelt, hat die Qual der Wahl zwischen mehr als 1000 Modellen. In der Oberklasse wird die Luft schnell dünn, vor allem, wenn das Betriebssystem die aktuelle Version 4 „Ice Cream Sandwich, ICS“ sein soll. Um für künftige Erweiterungen gerüstet zu sein, ist bei einer Neuanschaffung ein Android mit Version 2.x nicht mehr empfehlenswert. Android 4, das es seit Herbst vergangenen Jahres gibt, läuft derzeit auf nur jedem zehnten Gerät, man spricht von einem fragmentierten Markt.

Flach, schnell, schön: Huawei Ascend P1 (Foto Hersteller)

Das interessanteste ICS-Smartphone ist derzeit das Samsung Galaxy Nexus, es wird in diesen Tagen als erstes und einziges Gerät die Version 4.1 erhalten; ohne jede „Verschönerung“ kommt „Android pur“ zum Einsatz. Schwachpunkte sind indes seine kurze Akkulaufzeit und die bestenfalls durchschnittliche Kamera. Das Samsung Galaxy S3 wiederum hat auf allen Bestenlisten den ersten Platz erklommen, überzeugt mit seiner Gesamtleistung, der langen Akkulaufzeit und der guten Kamera, muss aber wegen des Betriebssystem-Aufsatzes Touch Wiz vorerst auf Android 4.1 verzichten. Der Spitzenkandidat von HTC, das One X, bietet ein erstklassiges Gehäuse und eine ordentliche Kamera – leidet aber unter seiner aufdringlichen Sense-Oberfläche.

Und nun gibt es eine Alternative: Das Ascend P1 ist das erste Premium-Smartphone des chinesischen Herstellers Huawei, der im ersten Quartal bei den Mobiltelefonverkäufen die Mitbewerber Rim, Motorola, Sony und HTC hinter sich gelassen hat, zumindest nach den Zahlen von Gartner. Das Ascend P1 geht mit ICS 4.03 an den Start und bietet ein Android-Erlebnis ohne jede Basteleien. Zugegeben, das Huawei bringt auch eine eigene Oberfläche mit, sie ist aber vollständig abschaltbar, und dann bleibt als Abweichung vom Standard nur der sinnvolle Huawei-Energiesparmodus. Alles andere ist durchgängig Android pur ohne Geschmacksverstärker und Chromfelgen, ein wunderbares Erlebnis.

Das Design des Ascend P1 orientiert sich unübersehbar am älteren Samsung Galaxy S2 und Motorola Razr. Das Huawei ist vor allem leicht (110 Gramm) und flach: 7,7 Millimeter bei einer Länge und Breite von 12,9 × 6,5 Zentimeter. Das Gehäuse besteht aus sehr robust wirkendem Kunststoff, der Akku ist vom Nutzer nicht wechselbar, die Sim-Karte in Normalgröße sowie eine Micro-SD-Speicherkarte lassen sich seitlich einstecken. Am oberen Gehäuserand befinden sich die Klinkenbuchse für den Ohrhörer und der (ungeschützte) Micro-USB-Zugang zum Anschluss an PC, Lade- und TV-Gerät (mit MHL HDMI). Das kontraststarke Super-Amoled-Display gefällt mit kräftigen Farben und wird von Gorilla-Glas geschützt. Es nimmt leider Fingerfett gern auf und ist draußen bei hellem Sonnenlicht nur schlecht ablesbar.

Die ungewöhnliche Bildschirmauflösung von 960 × 540 Pixel hält mit den aktuellen Oberklasse-Androiden nicht mit. Beim Galaxy S3 und Galaxy Nexus sind es 1280 × 720 Pixel, und im Android-Browser des Huawei sehen die Buchstaben etwas grobschlächtig aus. Wer die Google-Alternative Chrome verwendet, erhält eine deutlich bessere Darstellung, an der nichts auszusetzen ist. Alle weiteren Details der Ausstattung folgen den üblichen Standards. Der Zweikernprozessor von Texas Instruments legt mit 1,5 Gigahertz ein beachtliches Arbeitstempo vor, so dass Unterschiede zu einem Vierkernprozessor subjektiv nicht wahrnehmbar sind. Nur bei Spielen und Benchmarks tritt das Huawei in die zweite Reihe. Mit UMTS und HSDPA sind im Download maximal 21 MBit/s zu erreichen, der superschnelle Datenturbo LTE fehlt indes. Auch ist nicht das energiesparende Bluetooth 4.0 installiert, sondern die ältere Variante 3.0.

Das Extra ist die 8-Megapixel-Kamera, die nicht nur draußen, sondern auch in Innenräumen hervorragende Aufnahmen macht. Eine Gesichtserkennung, Auto- und Touch-Fokus sowie HDR-Aufnahmen sind serienmäßig, auch ein Serienbildmodus gehört dazu. Erst bei schlechten Lichtverhältnissen treten hinsichtlich der Bildqualität Unterschiede zum iPhone 4S oder Galaxy S3 zutage. Und leider lässt sich der nervige Auslöse-Ton nicht abschalten.

In der Ausdauer wiederum fährt das Huawei zur Bestform auf: Bis zu 30 Stunden im typischen Einsatz hat man mit Android selten erlebt. Wir hatten das Huawei einige Tage als Hauptgerät im Einsatz, haben alle Telefonate damit geführt, die E-Mail abgefragt, Twitter und Facebook bedient – und hatten spätabends noch genug Reserven. Dass die mitgelieferte Software manches Extra mitbringt, sei nur am Rande erwähnt. Mit DLNA lassen sich Musik, Fotos und Videos zum TV-Gerät „streamen“, und die Vollversion von Polaris Office erlaubt nicht nur das Betrachten, sondern …

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Der ärgerlichste Fehler des Samsung Galaxy S3: Das Kontakte-Chaos von Android

Wie beim Samsung Galaxy S2 ist auch beim neuen Samsung Galaxy S3 mit Android 4 ein Wirrwarr bei der Adressverwaltung zu beobachten, das mehr als ärgerlich ist. Um das Problem einzukreisen sei Google-Konto A das Konto, das zuerst auf dem Gerät angelegt wird und üblicherweise die Verknüpfung mit dem Android Market “Play Store” enthält. Die in diesem Konto hinterlegten Adressen werden in jedem Falle synchronisiert, auch wenn man unter “Einstellungen”, “Konten und Synchronisierung” die Synchronisierung der Kontakte verneint, also das grüne Häkchen nicht setzt. Auch wenn man direkt nach dem Anlegen des Kontos sofort in die “Einstellungen” geht, sofort das Häkchen löscht: Es wird synchronisiert, ob man das will oder nicht.

Samsung Galaxy S3 (Foto Hersteller)

Nun lege man ein Konto B an, etwa ein weiteres Google-Konto, oder ein Exchange-Konto oder ein Business-Konto aus Google Apps. Hier sollen die Adressen synchronisiert werden. So weit, so gut.

Geht man jetzt auf die Kontakte, sind alle Adressen aller Konten sichtbar. Man kann über das Kontext-Menü “Anzuzeigende Kontakte” und “Benutzerdefinierte Liste” abermals nachjustieren, Unerwünschtes abwählen: Es bleibt folgenlos. Spätestens beim Start einer Suche sind die Kontakte aus Konto A wieder da. Noch schlimmer wird das Ganze im Auto beim Einsatz einer Bluetooth-Freisprechanlage: Alle Einträge aller Konten sind auf dem Monitor sichtbar. Wer in Konto A beispielsweise seine privaten Adressen pflegt und in B seine beruflichen, darf sich über ein Chaos ohnegleichen freuen.

Noch ärgerlicher: Installiert man What’sApp oder einen anderen Messenger, der auf das Kontaktverzeichnis zugreift, haben nun die privaten Kontakte aus A auch Zugriff auf das Dienst-Smartphone.

 

Test: HTC One X

Viele Jahre galt der taiwanesische Hersteller HTC als Spezialist für hochwertige Smartphones in den Geschmacksrichtungen Windows und Android. In den vergangenen Monaten sind jedoch Umsatz und Gewinn drastisch eingebrochen. Samsung und Apple dominieren, wenn es um gehobene Anspruche geht, und bei den günstigen Geräten drängen neue Aufsteiger wie ZTE und Huawei aus China in den Markt. HTC hat sich jedoch auch selbst in die Krise manövriert, Stichwort „Sense“. Diese Erweiterung des Betriebssystems war in den Anfangszeiten von Android ein Pluspunkt, wurde dann jedoch zunehmend ein Ballast, den mancher gern über Bord geworfen hätte.

Feines Gehäuse, gute Verarbeitung: das neue HTC One X (Foto Hersteller)

Nun startet HTC mit seiner One-Serie einen neuen Anlauf: V, S und X heißen die jungen Hoffnungsträger mit Android4, die allesamt eine besonders flinke Digitalkamera mitbringen. Der HTC „Image Chip“ soll in 0,7 Sekunden für eine Aufnahme bereitstehen, und der Autofokus benötigt nach Angaben des Herstellers nur weitere 0,2 Sekunden für Serienbilder. Alle Fotos landen bei Bedarf automatisch in der Cloud: Wer ein One V, S oder X kauft, erhält für zwei Jahre einen üppigen Speicherplatz von 25 Gigabyte bei Dropbox. Die drei Talente unterscheiden sich hinsichtlich Prozessor, Display- und Kameraauflösung, wir haben das Spitzenmodell One X mit superschnellem Vierkernprozessor einige Zeit ausprobiert.

Display geht nahtlos in den Rahmen über

Bei der ersten Kontaktaufnahme freut sich das Auge: Das One X kommt in einem Unibody-Gehäuse aus robust wirkendem Polycarbonat, das sehr stabil und gleichzeitig angenehm leicht ist (130 Gramm). Das Display geht nahtlos in den Rahmen über, aber die wunderbar homogene Einfassung fordert natürlich ihren Tribut: Der Akku ist fest eingebaut und lässt sich vom Anwender nicht wechseln, es fehlt ein Steckplatz für Speichererweiterungen, und wie beim iPhone4 und 4S benötigt man eine Micro-Sim-Karte. Im Vergleich mit den Apple-Geräten ist das One X deutlich höher und breiter (13,5×7 Zentimeter), aber ebenso dünn (0,9 Zentimeter). Zur großen Bildschirmfläche passt die Auflösung des Super-LC-Displays: sage und schreibe 1280×720 Pixel werden hier auf einer Diagonale von fast zwölf Zentimeter geboten, und die Pixeldichte von 312 dpi ist so spektakulär wie beim iPhone. Einzelne Pünktchen lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden.

Der Vorteil der hohen Auflösung zeigt sich nicht nur bei der Videowiedergabe, sondern vor allem beim Web-Surfen: Man sieht ganze Seiten im Überblick, wie auf einem Netbook, aber natürlich ist die Schrift winzig. Bei der E-Mail und in anderen Abteilungen hält sich der Nutzwert indes in Grenzen: Mit einem Exchange-Postfach sahen wir gerade mal ein halbes Dutzend neuer Nachrichten untereinander, und in Hootsuite ebenso viele Twitter-Meldungen. Aber trotzdem: Das Display gefällt, und im Unterschied zu den meisten Amoled-Anzeigen kann man es auch draußen bei hellem Sonnenschein halbwegs ordentlich ablesen.

Bei den technischen Daten spielt das One X ebenfalls in der Oberliga. Es ist eines der ersten Geräte mit Vierkernprozessor, zum Einsatz kommt der mit 1,5 Gigahertz getaktete Tegra 3 von Nvidia. Genauer betrachtet ist es sogar ein Fünfkernprozessor, denn ein zusätzlicher „Companion-Kern“ mit kleiner Taktung springt bei geringer Systemauslastung ein und soll auf diese Weise den Stromverbrauch reduzieren. Von der immensen Rechenleistung profitieren vor allem die Spiele. Wer sein Smartphone als Arbeitsinstrument verwendet, benötigt keine Mehrkern-CPU. Für die flotten Nvidia-Prozessoren gibt es indes in der „Tegra Zone“ geeignetes „Spielmaterial“. Dumm nur: Gerade diese ausgewählten Demos liefen anfangs nur ruckelnd und ließen das Smartphone unangenehm heiß werden. Erst ein Firmware-Update brachte Abhilfe.

Also werfen wir einen Blick auf die Kamera, die mit 8 Megapixel auflöst, in der Tat ausgesprochen schnell zur Sache geht und selbst bei schlechten Lichtverhältnissen dank Blende F2.0 in Innenräumen ordentliche Aufnahmen liefert. Ein LED-Blitz springt ergänzend ein, und das spektakulärste Detail sind die Serienbildaufnahmen durch langes Drücken der Auslöse-Schaltfläche auf dem Display: Nun werden acht bis zehn Schnappschüsse in Folge erstellt. Die Software bietet an, nach dem Speichern die beste Aufnahme zu ermitteln und alle anderen zu löschen. Die Ergebnisse des Algorithmus sind überzeugend. Wer sich nicht auf die Automatik verlassen will, löst die Schnappschuss-Gruppe auf und begutachtet die Einzelaufnahmen. Auch das funktioniert prima. Bei Bedarf werden alle Fotos automatisch in die Dropbox hochgeladen. Im Videomodus zeichnet der Kamkorder mit Full-HD und 1920×1080 Pixel bei 30 Bildern je Sekunde auf, getrennte Foto- und Kamkorder-Auslöser sorgen nicht nur dafür, dass man schnell zwischen beiden Aufnahmearten wechseln, sondern auch während der Videoaufzeichnung fotografieren kann.

Ein weiterer Pluspunkt ist die eingebaute Fotosoftware. Filter, Effekte, und Einstellungen gibt es en masse, selbst anspruchsvolle Dinge wie HDR-Aufnahmen, Panorama- und (Gruppen-)Porträtfotos gelingen ohne zusätzliche Apps, Belichtung, Kontrast, Sättigung und Schärfe lassen sich zudem manuell einstellen. In dieser Hinsicht ist das HTC One X dem iPhone klar überlegen, bei der Bildqualität hält es annähernd mit. Keine Frage: Kamera und Fotosoftware sind die Stärken des HTC One X.

Das neue Sense über Android 4.0.3 will einiges besser machen. HTC hat sich bemüht und manches über Bord geworfen.

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Android: E-Mail-Adressen und das Problem der Autovervollständigung

Richtet man auf seinem Android-Smartphone ein E-Mail-Konto ein, das nicht in der Google-Welt beheimatet ist, gibt es ein Ärgernis: Es fehlt beim Verfassen von neuen Nachrichten der Automatik-Vorschlag, der wiederum bei den Google-Konten dafür sorgt, dass schon nach dem Tippen des ersten oder zweiten Buchstabens der E-Mail-Adresse eine Vervollständigung vorgeschlagen wird. Nachsatz: Und zwar bei Adressen, die nicht in den Kontakten gespeichert sind.

Es gibt für diesen Misstand, der unter iOS nicht auftritt, meines Wissens keine Abhilfe.

Aber dazu eine weitere Beobachtung: Habe ich einmal die betreffende E-Mail-Adresse in der Google-Welt benutzt, wird sie auch bei “Fremdkonten” fortan als möglicher Adressat vorgeschlagen. Was Google einmal hat, steht also auch für die Verwendung in anderen Accounts zur Verfügung.

(Ausprobiert mit Samsung Galaxy Nexus und Android 4.0.2)

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Test: Samsung Galaxy Nexus

Man nähert sich diesem Smartphone in zwei Phasen. Die erste ist die des Staunens: ein Riese! Das iPhone 4 wirkt geradezu zierlich neben dem neuen Samsung Galaxy Nexus, und selbst ein üppig dimensioniertes HTC Sensation ist deutlich schlanker als dieses Google-Gerät, das von Samsung hergestellt wird und die neue Android-Software 4 mitbringt. 11,8 Zentimeter misst das leicht gebogene Display in der Diagonale, und es zeigt satte 1280 × 720 Pixel, also mehr als mancher kleine Netbook. Auch seine 13,6 × 6,9 Zentimeter sind opulent, aber das Gewicht von 135 Gramm und die flache Konstruktion (1 Zentimeter an der dicksten Stelle) lassen nicht den Eindruck eines Moppelchens aufkommen.

Ein Riese mit tollem Display: Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Das neue Galaxy Nexus ist ein Schönling mit elegantem und minimalistischem Design, nichts tritt störend hervor und bricht die klaren Linien. Zum gelungenen ersten Eindruck trägt auch bei, dass physikalische Tasten mit Android 4 überflüssig werden, Softkeys zwacken sich einen Teil des Bildschirms ab. Micro-USB- und Audioanschluss sind am unteren Ende des Geräts dezent eingelassen, seitlich befinden sich nur der Ein- und Ausschalter sowie die Wippe zur Lautstärkeregulierung. Ein Schacht für Micro-SD-Speicherkarten fehlt, 16 Gigabyte sind fest eingebaut, und eine zweite Variante mit 32 Gigabyte ist angekündigt. Alle tragenden Elemente sind aus einem robust wirkenden Kunststoff gefertigt, lediglich die hauchzarte Abdeckung der Rückseite, unter der sich der (wechselbare) Akku und der Sim-Kartenleser befinden, trübt das Bild. Zugegeben, ein iPhone 4 oder 4S mit Metallrahmen wirkt solider, aber mit der Verarbeitungsqualität des Koreaners kann man zufrieden sein.

Android 4 “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht

Und dann setzt sich das Staunen beim Einschalten fort: Android 4 mit dem Codenamen “Ice Cream Sandwich” ist eine Wucht. Google führt damit sein Smartphone- und sein Tablet-Betriebssystem zusammen, die Überarbeitung gefällt. Sie betrifft an erster Stelle das Design. Die neue Bildschirmschrift ist klar und schnörkellos, nun dominieren zarte Linien und Andeutungen. Der rustikale Charme von Android wurde aufgegeben, der Blick der Entwickler zielt unverkennbar in Richtung Windows Phone 7.5, das mit seinem Minimalismus neue Maßstäbe setzt, auch gegenüber dem iPhone übrigens. Wie beim Vorgänger Nexus S kommt “Android pur” ohne jede “Verbastelung” zum Einsatz, in diesem Sinne ist das Galaxy Nexus ein Referenzgerät. Wer nach einem Blick auf dieses Gerät die Betriebssystem-Aufsätze von Samsung, HTC, Motorola oder Sony Ericsson inspiziert, riskiert Augenschmerzen.

Der neue Charme von Android 4: Nun mit Apps in Ordnern (Fotos Spehr)

Android 4 weist etliche Verbesserungen auf. Eine Wischfunktion bietet nun einen einfacheren Umgang mit laufenden Apps und Statusmeldungen, beide lassen sich nach links oder rechts “wegziehen”. Auf den Startbildschirmen können Apps in Ordnern zusammengefasst werden, in der Programmliste bleiben sie allerdings statisch und alphabetisch sortiert an ihrem Platz. Der Internet-Browser bietet eine Offline-Lesefunktion und einen privaten Modus, mehrere geöffnete Tabs lassen sich einfacher verwalten und abermals mit der Wischfunktion schließen. Für die Ermittlung des Datenverbrauchs gibt es einen eingebauten Zähler, eine Screenshot-Funktion ist nun ebenfalls dabei. Mit biometrischer Gesichtserkennung kann man das Gerät entsperren, aber die Fehlerquote ist sehr hoch, und sicher ist das Verfahren ebenfalls nicht: Mit einem vor die Frontkamera gehaltenen Foto lässt sich der Algorithmus überlisten.

Das junge Android 4 ist ein großer Schritt nach vorn, und in Verbindung mit der leistungsfähigen Hardware entsteht ein überzeugendes Ganzes. Der Koreaner reagiert dank Doppelkernprozessor (1,2 Gigahertz) in jeder Situation flink, und das Super-Amoled-Display gefällt hinsichtlich Farbbrillanz und Schärfe. Zu den kleinen Widrigkeiten gehört, dass man am Mac und unter Linux nicht mit einem USB-Kabel auf seinen Speicher zugreifen kann. Wie beim Samsung Galaxy S2 ist die Adressverwaltung fehlerhaft, die Details haben wir hier beschrieben.

Dank hoher Bildschirmauflösung: ganze Artikel auf einer Seite

Von der sehr hohen Bildschirmauflösung profitiert man vor allem bei konventionellen Websites. Man sieht mehr als auf einem iPhone, muss aber, wie bei diesem, zum Lesen die Schrift mit Fingerbewegungen vergrößern. Bei Apps hält sich der Vorteil der üppigen Auflösung jedoch in Grenzen. Hootsuite beispielsweise zeigt fünf bis sechs Twitter-Meldungen untereinander, beim iPhone sind es fünf.

Alles im Blick: Die üppige Display-Auflösung fasziniert

Alles in allem wird also der stolze Galaxy-Nexus-Neubesitzer tagelang hocherfreut sein Kleinod bewundern. Es kostet um die 550 Euro und kann bei Netzbetreiber O2 auch mit 24 Monatsraten à 25 Euro erworben werden. Aber dann setzte bei uns die zweite Phase mit der Frage ein, wo der grundlegende Fortschritt liegt, insbesondere im Vergleich mit dem iPhone 4S. Die übergroße Bauform empfanden wir schon bald als Last, die Einhand-Bedienung gelingt nicht immer. Und was sind die spektakulären Alleinstellungsmerkmale, die hervorstechenden Neuerungen? Bei iPhone 4S fällt einem sofort die hervorragende Kamera ein. Hier bietet das Galaxy Nexus bestenfalls Mittelmaß. Nicht nur, weil die Optik auf der Rückseite lediglich mit 5 Megapixel auflöst. Das ist kein Beinbruch. Aber die Bildqualität ist insbesondere bei Innenaufnahmen nicht überzeugend.

Zum anderen Apples Spracherkennung Siri. Das Pendant von Android 4 fällt abermals weit zurück. Der Spracherkenner – er wird mit einem Symbol auf der virtuellen Bildschirmtastatur aufgerufen – setzt Diktate deutlich schlechter um. Die Interpunktion wird nur sehr selten erkannt, eine Großschreibung der Substantive fehlt. Von einer semantischen Analyse und Integration in die Apps wollen wir gar nicht reden. Wer sich am iPhone 4S schnell daran gewöhnt hat, einen Kalendereintrag à la “Neuer Termin mit Max Muster übermorgen um 10 Uhr” zu erstellen, findet auf dem Galaxy Nexus nichts Gleichwertiges vor. Zudem fehlt eine Taste, um Sprachkommandos unterwegs, beispielsweise im Auto, mit einem einzigen Handgriff abzusetzen.

Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem

Welche Vorteile bietet Android 4 gegenüber iOS 5? Uns fallen nur die umfangreicheren Möglichkeiten der Personalisierung von Android ein. Mit alternativen “Launchern” kann man die Oberfläche individuell anpassen und weitaus tiefer ins Betriebssystem eingreifen als bei Apple. Das gilt auch für manche Android-Apps, hier gibt es also mehr Freiräume für Programmierer und Tüftler. Aber damit ist im Grunde genommen schon alles gesagt.

Detailinformationen wie gehabt: Das Beispiel Hootsuite

Bei der Laufzeit des wechselbaren Akkus, der eine Kapazität von 1750 Milliamperestunden hat, bleibt das Galaxy Nexus auf dem Niveau anderer Androiden: Wird das Gerät intensiv genutzt, muss es nach 12 Stunden an die Steckdose. Nur bei sehr vorsichtigem Umgang kamen wir auf Laufzeiten bis zu 20 Stunden. Das iPhone 4S hat mit der aktuellen Betriebssoftware einen längeren Atem und absolviert bei uns mittlerweile fast zwei Tage.

Keine Frage: Das Galaxy Nexus ist das neue Android-Flaggschiff, und das Google-Betriebssystem spielt hier so gut wie nie mit einer beeindruckenden Performance auf. Der Android-Fan muss dieses Gerät haben. Alle anderen kommen ins Grübeln, vor allem angesichts der unhandlichen Bauform. Es fehlt der Paukenschlag, das ist das Problem.

 

Review auf ZD Net: “Galaxy Nexus rocks, but I don’t recommend you buy one”

 

Android 4.0.3 auf dem Samsung / Google Nexus S

Ich habe heute das OTA angebotene Update auf das ältere Samsung Nexus S aufgespielt, trotz einiger Warnungen, etwa hier. Das Gerät kommt aus den USA. Der erste Eindruck ist überwältigend. Man hat quasi ein neues Gerät, das schicke Design von Android 4 überzeugt auch hier. Auch beim Tempo macht man im Vergleich mit dem Galaxy Nexus nur wenige Kompromisse, man kann damit leben. Also insgesamt ein tolles Update für ein älteres Modell. Einige Beobachtungen:

- Die Bildschirmsperre mit Gesichtserkennung wird nicht unterstützt.

- Im Unterschied zum Galaxy Nexus wird kein Platz am unteren Bildschirmrand für die Softkeys abgeknapst, die Softkeys des Nexus S bleiben also mit der gewohnten Belegung erhalten.

- Ankopplung an den Bluetooth-Freisprecher Nissan Connect klappt nicht. Testwagen: Neuer Nissan Quashqai.

Klappt nicht: Bluetooth-Anbindung im Fahrzeug (Foto Spehr)

- Screenshots funktionieren auch auf diesem Gerät!

- Das hier beschriebene Kontakte-Chaos tritt auch mit dem Nexus S auf.

- Apps und Einstellungen bleiben erhalten, auch Kennwörter etc.

-Fast alle alten Apps laufen auch unter Android 4.

- Spracherkennung arbeitet wie auf dem Galaxy Nexus.

- Deutlich kürzere Akkulaufzeit!!

Der ärgerlichste Fehler des Samsung Galaxy Nexus: Das Kontakte-Chaos von Android

Wie beim Samsung Galaxy S2 ist auch beim neuen Samsung Galaxy Nexus mit dem brandneuen Android 4 ein Wirrwarr bei der Adressverwaltung zu beobachten, das mehr als ärgerlich ist. Um das Problem einzukreisen sei Google-Konto A das Konto, das zuerst auf dem Gerät angelegt wird und üblicherweise die Verknüpfung mit dem Android Market enthält. Die in diesem Konto hinterlegten Adressen werden in jedem Falle synchronisiert, auch wenn man unter “Einstellungen”, “Konten und Synchronisierung” die Synchronisierung der Kontakte verneint, also das grüne Häkchen nicht setzt. Auch wenn man direkt nach dem Anlegen des Kontos sofort in die “Einstellungen” geht, sofort das Häkchen löscht: Es wird synchronisiert, ob man das will oder nicht.

Samsung Galaxy Nexus (Foto Hersteller)

Nun lege man ein Konto B an, etwa ein weiteres Google-Konto, oder ein Exchange-Konto oder ein Business-Konto aus Google Apps. Hier sollen die Adressen synchronisiert werden. So weit, so gut.

Geht man jetzt auf die Kontakte, sind alle Adressen aller Konten sichtbar. Man kann über das Kontext-Menü “Kontakte zum Anzeigen” und “Anpassen” abermals nachjustieren, Unerwünschtes abwählen: Es bleibt folgenlos. Spätestens beim Start einer Suche sind die Kontakte aus Konto A wieder da. Noch schlimmer wird das Ganze im Auto beim Einsatz einer Bluetooth-Freisprechanlage: Alle Einträge aller Konten sind auf dem Monitor sichtbar. Wer in Konto A beispielsweise seine privaten Adressen pflegt und in B seine beruflichen, darf sich über ein Chaos ohnegleichen freuen.

Noch ärgerlicher: Installiert man What’sApp oder einen anderen Messenger, der auf das Kontaktverzeichnis zugreift, haben nun die privaten Kontakte aus A auch Zugriff auf das Dienst-Smartphone.

Ergänzung: Bindet man Google Apps (die Business-Lösung) als Exchange-Account ein, gibt es keinen Zugriff auf die E-Mails im Posteingang. Man kann nur über einzelne Label auf die Nachrichten zugreifen. Der Posteingang bleibt (mit Fehlermeldung) leer. Zudem kann man keine Kalender zur Synchronisation auswählen.

Test: Nokia Lumia 800

Das Smartphone-Betriebssystem von Microsoft soll Nokia den Weg aus der Krise weisen. Jetzt kommt das erste Handy aus Finnland mit Windows Phone 7.5. Wie gut ist das neue Nokia Lumia 800?

Man kann sich dem ersten Nokia-Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem auf zweierlei Weise nähern. Mit einem Seitenblick auf die Konkurrenz lässt es sich mühelos in den Boden stampfen. Microsoft Windows Phone gibt es seit einem Jahr. Es ist ein Flop. Der Marktanteil liegt bei unter zwei Prozent. Der bescheidenen Nachfrage der Kunden entspricht die Flaute bei den Apps. Entwickler und Content-Lieferanten konzentrieren sich auf Android und iPhone. Vieles Wichtige und Sinnvolle fehlt. Nerds, die sich aus dem Smartphone ein Schweizer Taschenmesser basteln, kommen mit ihrem Spieltrieb zu kurz.

Nokia Lumia 800: Die großen Kacheln stehen für jeweils eine App (Fotos Hersteller)

Microsoft und Nokia sind schwach, wenn es um jenes Ökosystem geht, das bei modernen Geräten immer wichtiger wird und ein Netz der Verknüpfungen aufspannt, in dem alle Aspekte der digitalen Lebensführung eng miteinander verwoben sind. Stichworte: Musik, Cloud-Anbindung, soziale Netzwerke und die Verzahnung von Internetdiensten am PC mit dem Gerät in der Hand. Es gibt bei Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick kein Alleinstellungsmerkmal, das einen sofort in den Bann ziehen würde. Wer soll hier wen retten, fragt man sich. Ist es sinnvoll, dass Microsoft sein Windows Phone als „bestes Handy für Hotmail“ anpreist? Hotmail? Steht das nicht im Zumutbarkeitsindex für Leidenswillige ganz oben auf der Liste, gleich neben Web.de?

Bei keinem anderen ist die Facebook-Integration so gelungen

Lässt man sich jedoch nicht von Vorurteilen leiten, entdeckt man schnell den Charme und die Raffinesse des neuen Nokia Lumia 800, das Mitte November für 500 Euro in den Handel kommt. Es erinnert an das erste iPhone des Jahres 2007. Es kann nicht viel, aber was es kann, macht es mit Bravour und Leichtigkeit. Die Reduzierung auf das Wesentliche gefällt. Der Purismus wird hier noch einmal auf die Spitze getrieben. Üppig dimensionierte Weißräume stehen für Transparenz und Klarheit, die Menüs hingegen sind drastisch reduziert. Der zweite und dritte Blick bringen dann doch ein Alleinstellungsmerkmal ans Licht: Bei keinem anderen Smartphone ist die Integration der sozialen Netzwerke, insbesondere von Facebook, so gelungen wie hier. Daten werden selbsttätig und sicher zusammengeführt, egal, aus welcher Quelle sie stammen. Eins fließt und greift ins Andere. Zumindest, wenn es um Personen geht, bei Themen ist Windows Phone 7.5 eher schwach. Anders ausgedrückt: Wer kein Nerd ist und sich auf die wichtigen Dinge fokussiert, wird mit dem aktuellen Microsoft-Betriebssystem sehr zufrieden sein. Kontakte, Kalender, E-Mail, Facebook und Twitter sind die Stärken aus dem Hause Microsoft. Nokia wiederum spendiert seine Navigation, die Mobilfunkgebühren nur beim Start (zur Ortung und Zielsuche) anfallen lässt. Denn die Karten für alle Länder der Welt kann man vor Reiseantritt unentgeltlich mit Wireless-Lan aufs Gerät laden.

Die Hardware des Lumia 800 folgt dem Nokia N9, allerdings fehlt dem Neuen die zweite Frontkamera für Videotelefonie. Das robust wirkende Kunststoffgehäuse ist aus einem Guss gefertigt. An der rechten Seite sind die mechanischen Tasten angebracht, ihre Anmutung lässt etwas zu wünschen übrig. Mit Maßen von 11,6×6,2×1,2 Zentimeter ist es etwas höher und dicker als ein iPhone, passt jedoch noch prima in die Hosentasche. Der Bildschirm löst auf einer Diagonale von 9,2 Zentimeter mit klassentypischen 800×480 Pixel auf. In geschlossenen Räumen ist das Amoled-Display mit kräftigen Farben überzeugend. 16 Gigabyte Speicher sind fest eingebaut, ein Schacht für Micro-SD-Karten fehlt. Der Akku lässt sich vom Anwender nicht wechseln, und wie im iPhone 4 und 4S benötigt man die kleine Micro-Sim-Karte, die an der Oberseite des Geräts eingesteckt wird. Man nimmt das Lumia gern in die Hand, auch hier ist das puristische Design ein Pluspunkt.

Kamera kann nicht mit der des iPhone 4S mithalten

Wie bei allen Windows-Phone-Geräten ist ein Zugriff auf Musik und Fotos im internen Gerätespeicher nicht an jedem PC möglich, auch nicht mit einem USB-Kabel. Für den Austausch von Medien benötigt man unter Windows die unbeliebte Zune-Software von Microsoft, für den Mac gibt es den Windows Phone Connector. Eine ärgerliche Einschränkung. Auch der Umweg über das Hotmail- oder Windows-Live-Konto führt nur einen kleinen Schritt weiter. Zwar erhält man üppige 25 Gigabyte Speicherplatz, und es lassen sich einzelne Fotos direkt in dieses „Sky Drive“ übertragen. Allerdings nur mit reduzierter und herunter gerechneter Auflösung.

Zu jedem Kontakt erscheinen automatisch die aktuellen Einträge von Facebook oder Twitter

Die Kamera mit 8 Megapixel ist schnell einsatzbereit und bietet gute Qualität, kann aber mit der des iPhone 4S nicht mithalten. Der Prozessor, ein Snapdragon 2 von Qualcomm mit 1,4 Gigahertz, sorgt für ein ordentliches Arbeitstempo. Dass es sich hier nicht um einen Zweikernprozessor handelt, ist jedenfalls kein Nachteil. W-Lan und Bluetooth 2.1 gehören ferner zur Serienausstattung, im UMTS-Betrieb sind Datenraten bis 14,4MBit/s erreichbar.

Alles in allem ein faszinierendes Smartphone

Die Bedienung des Lumia 800 ist kinderleicht und lässt kaum Fragen offen. Einwände und Probleme sind nur bei manchen Details aufzuzählen. Etwa, dass ein für fortgeschrittene Funktionen unabdingbares Hotmail- oder Windows-Live-Konto ungefragt und ohne jede Vorwarnung bei der Inbetriebnahme alles synchronisiert. Oder die feste und ebenfalls nicht änderbare Voreinstellung von Microsoft Bing als Suchmaschine für den Internet Explorer. Ferner die fehlende Wochenansicht des Kalenders in Verbindung mit einer Monatsansicht, die einzelne Einträge so winzig wiedergibt, dass man sie beim besten Willen nicht mehr lesen kann. Ein Push-System für neue Nachrichten und Ereignisse fehlt, aber diese werden teils auf dem Startbildschirm automatisch angezeigt oder sind manuell in bestimmten Kontexten abrufbar. In die rudimentär vorhandene Spracherkennung sollte man keine großen Hoffnungen setzen.

Alles in allem ist das Lumia 800 ein faszinierendes Smartphone. Aber nicht für jedermann. Wer die Verknüpfung mit den großen marktbeherrschenden Ökosystemen sucht oder in die bunte Welt der Apps eintauchen will, wird beim Mainstream bleiben. Denn das Nokia zielt auf Leute, „die noch was anderes machen, als Gadgets zu knutschen“, schrieb Kollege Volker Weber, und dem ist nichts hinzuzufügen.

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Diskussion über Gerät und Artikel bei Google+

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