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Test: Huawei Ideos X3 und Base Lutea 2

Wie preiswert darf ein Smartphone sein, mit dem man unterwegs ins Netz kommt und auf E-Mail und die sozialen Netzwerke zugreift? Wer sein digitales Zuhause in der Apple-Welt sucht, gibt für das iPhone 4 mindestens 630 Euro aus, und selbst das alte 3GS kostet in der kleinsten Ausführung 520 Euro. Deutlich günstiger fährt man mit dem ebenso leistungsfähigen Android-Betriebssystem. Zwar liegen die beiden Top-Modelle Samsung Galaxy S2 und HTC Sensation bei rund 500 Euro. Aber ein reichhaltiges Angebot in der Mittelklasse weiß schon zu Preisen von 200 Euro an zu überzeugen.

Wir haben zwei Produkte ausprobiert, die ungemein günstig sind: das Base Lutea 2 und das Huawei Ideos X3. Letzteres ist für 100 Euro bei Netzbetreibern und Providern im Angebot, das Lutea 2 hingegen stammt vom chinesischen Hersteller ZTE und ist nur bei der E-Plus-Tochter Base erhältlich, und zwar als Mietgerät für 17 Euro im Monat mit zweijähriger Vertragslaufzeit. Zum Paket gehört ein Datenvertrag mit einem monatlichen Inklusivvolumen von 500 Megabyte, nach dessen Überschreitung ein sinnvolles Surfen nicht mehr möglich ist. Ferner sind 30 Gesprächsminuten frei, jede weitere kostet 19 Cent. Berücksichtigt man den Datenvertrag, kostet das Lutea 2 rechnerisch sieben Euro im Monat, in zwei Jahren also 168 Euro.

Wo wird bei einem günstigen Smartphone gespart? An erster Stelle natürlich bei der Verarbeitungsqualität, Materialanmutung und Robustheit. Billiges Plastik kommt zum Einsatz, die Rückseite ist bei beiden Modellen hauchdünn, das Display wird nicht von Glas, sondern von Kunststoff geschützt. Da geht man schon manchen Kompromiss ein. Aber das Huawei ist gar nicht mal so schlecht verarbeitet. Zu diesem Eindruck trägt die matte, aufgerauhte Rückseite bei. Das Lutea 2 mit seiner Hochglanzausführung wirkt nur unbenutzt schick. Im Dauereinsatz sammelt sich schnell Fingerfett auf der Oberfläche, dann ist der schöne Eindruck dahin.

Gespart wird zweitens am Display. Das kleine Huawei zeigt auf einer Diagonale von acht Zentimeter lediglich 320 × 480 Pixel mit 260 000 Farben. Zum Vergleich: Ein iPhone 4 bringt es auf 960 × 640 Pixel, ein HTC Sensation schafft 960 × 540. Neben dem Huawei wirkt das Base wie ein Riese. Der kleine Chinese misst nur 11 × 5,7 × 1,1 Zentimeter und wiegt 104 Gramm; der große hingegen überragt mit 12,6 × 6,8 × 1,1 Zentimeter sogar das iPhone. Der Farbmonitor des Lutea 2 ist mit einer Diagonale von elf Zentimeter üppig ausgefallen, und die Auflösung liegt bei Android-typischen 800 × 480 Pixel. Beim Surfen im Internet sieht man deutlich mehr und muss weniger mit dem Finger navigieren. Allerdings ist die Displayqualität des Base eher bescheiden, es werden nur 65 000 Farben dargestellt.

Bei beiden Kandidaten erfolgt die Reaktion auf Fingereingaben nicht immer hinreichend präzise. Mit einem HTC Sensation oder Galaxy S2 navigiert man flüssiger durch Menüs oder über Web-Sites. Dieser Unterschied mag auch der geringeren Rechenleistung der Billigmodelle geschuldet sein. Das Lutea 2 setzt immerhin auf einen Einkernprozessor mit 800 Megahertz, beim Ideos X3 taktet die CPU von Qualcomm mit 600 Megahertz. Hier sind gewisse Einschränkungen unübersehbar. Das Huawei kann Videofilme lediglich im “halben” HD-Format wiedergeben und scheitert an Adobes Flash, das sich auch via Android Market nicht als App nachinstallieren lässt. Das Base wiederum könnte beim Bewegen durch die Menüs schneller sein.

Im Größenvergleich: Huawei Ideos X3 und Base Lutea 2 (Foto Spehr)

Auch bei den Kameras ist Schmalhans der Küchenmeister. Das Ideos X3 bietet 3,2 Megapixel rückseitig und vorn eine zweite Linse mit VGA-Auflösung. Die Qualität der Schnappschüsse ist alles andere als hochwertig. Das Lutea 2 kommt zwar mit LED-Blitz und fünf Megapixel, vermag aber als Fotoapparat ebenfalls nicht zu überzeugen.

Huawei spendiert seinem kleinen Begleiter für die Hosentasche ein Android 2.3.3, das sich mit einem freien internen Speicher von 130 Megabyte bescheiden muss. So wenig Platz steht auch beim Base zur Verfügung, allerdings ist hier schon das brandneue Android 2.3.5 aufgespielt. Dankenswerterweise bleibt die Android-Oberfläche ganz nah am Original, es gibt also keinen zusätzlichen Betriebssystem-Aufsatz, der kostbare Ressourcen in Anspruch nehmen würde. Das Huawei hingegen hat ein dezentes “Branding”, das man wohl hinnehmen kann. Der Akku beider Geräte hält ungefähr einen Tag durch, hier unterscheiden sich die Sparvarianten nicht von derzeitigen Oberklasse-Modellen.

Unser Fazit nach einigen Tagen des Ausprobierens: Das Ideos X3 gefällt mit seiner sehr kompakten Bauform. Wer in erster Linie ans Lesen der E-Mail denkt und sich daran gewöhnen kann, mit dem Finger auf einer sehr kleinen Fläche zu navigieren, ist hier gut beraten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt. Das Base Lutea 2 im XXL-Format macht auch beim Web-Surfen eine gute Figur – und lässt schnell den Wunsch nach einem “richtigen” Mittel- oder Oberklasse-Androiden aufkommen.

 

 

Test: Base Tab von E-Plus

Das Familiendrama: Der jugendliche Nachwuchs will einen Tablet PC, weil jetzt „alle“ so einen Flachcomputer haben. Natürlich soll es ein iPad von Apple sein. Die Kreditwürdigkeit des Juniors wurde jedoch vom Haushaltsvorstand schon mehrfach herabgestuft. Stichwort: alte Handy-Rechnungen.

Auch potentielle private Gläubiger wie Oma und Opa sind nicht willens, auf freiwilliger Basis einen Teil der Lasten zu tragen. Also wird ein Rettungspaket geschnürt, das in der Familie jedoch höchst umstritten ist. Der Tablet wird nicht gekauft, sondern gemietet. Für 19 Euro im Monat kommt das Base Tab des chinesischen Herstellers ZTE ins Haus, das Gerät gibt es nur bei der E-Plus-Tochter, und ein recht günstiger Mobilfunkvertrag mit 500 Megabyte monatlichem Datenvolumen ist gleich mit dabei.

Durchaus ein Schnäppchen

Das Base Tab gehört mit Maßen von 20 × 11 × 1,3 Zentimeter und einer Bildschirmdiagonale von 18 Zentimeter zu den Tablets in besonders kleiner Bauform. Es ist vergleichbar mit dem ersten Samsung Galaxy Tab, dessen Preis seit seinem Erscheinen im vergangenen Jahr von 800 auf 380 Euro gefallen ist. Wie beim Samsung kommt als Betriebssystem Android zum Einsatz. Nicht jedoch die Tablet-Variante Honeycomb, sondern das Smartphone-System 2.2. Im Unterschied zum Samsung beträgt die Displayauflösung jedoch nur 800 × 480 Pixel statt 1024 × 600, der Prozessor ist langsamer (600 Megahertz statt 1 Gigahertz), der interne Speicher kleiner (200 statt 512 Megabyte) und die Materialanmutung schlechter. Doch die Familie rechnet: 19 Euro im Monat bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind 456 Euro, und mit der Base-Karte erhält man nicht nur das Datenvolumen für unterwegs, sondern auch 30 Freiminuten ins E-Plus-Netz sowie 30 Gratis-SMS. Der kleinste Datentarif fürs iPad kostet bei der Telekom entweder 5 Euro am Tag oder 35 Euro im Monat – und das iPad ist noch nicht dabei. Vodafone spendiert für 15 Euro im Monat ein sehr geringes Datenvolumen von 200 Megabyte, und ein „ordentlicher“ Tarif mit 3 Gigabyte kostet 25 Euro im Monat. Abermals ohne iPad, das in der kleinsten Mobilfunk-Version für 600 Euro in der Preisliste steht.

Ob im Hoch- oder Querformat: Das Base Tab von E-Plus passt gerade noch in eine Hand (Foto Hersteller)

So gesehen ist das Angebot von E-Plus durchaus ein Schnäppchen. Aber lohnt sich das? Wenn es um die elementaren Parameter geht, ist die Antwort ein klares Nein. Hinsichtlich Verarbeitungsqualität, Geschwindigkeit, Güte des Bildschirms und der zur Verfügung stehenden Apps hinkt das Base Tab dem iPad kilometerweit hinterher, die beiden spielen in einer jeweils ganz anderen Liga. Das günstige Gerät von E-Plus ist quasi ein Mittelklasse-Smartphone in Übergröße. Alle Android-Programme laufen wie auf dem Taschencomputer, nur in größerer Schrift. Ein Tablet PC mit größerem Bildschirm hingegen bietet mehr Übersicht durch eine raffinierte Anordnung der Inhalte. Wer aber mit den gewohnten Smartphone-Apps für Android zufrieden ist und ohnehin nur gelegentlich im Internet surfen oder die neue E-Mail abfragen will, kann getrost zugreifen. Und, ja, telefonieren kann man mit dem Base Tab ebenfalls, entweder mit einem Headset oder mit dem eingebauten Freisprecher, der ordentlich klingt.

Längere Surf-Sessions sind eine Qual

Im Unterschied zu anderen günstigen Tablet PCs mit Android reagiert der Bildschirm des Base Tab hinreichend präzise auf die Fingerbewegungen. Es kommt ein kapazitives Display zum Einsatz, das allerdings etwas dunkel und kontrastarm ist. Störend sind ferner die (kurzen) Wartezeiten, bis beispielsweise eine App gestartet ist. Diese kleinen Ruckler, die wir auch beim Surfen im Internet beobachteten, sind vermutlich der geringen Prozessorgeschwindigkeit und dem knappen Speicherplatz geschuldet. Bei eigenen Medien hingegen kann man aus dem Vollen schöpfen. Für Musik, Videos und Fotos liegt eine 16-Gigabyte-Micro-SD-Karte bei, und dank USB lässt sich das Base Tab an jedem PC mit Inhalten füllen.

Ein weiterer Minuspunkt für die junge Online-Generation ist die Bindung an das schlechteste Datennetz in Deutschland. Während man mit der Telefonie im E-Plus-Netz durchaus zufrieden sein kann, sind längere Surf-Sessions eine Qual. Das betrifft sowohl das erzielbare Tempo als auch die Zuverlässigkeit im täglichen Betrieb. Wir reden hier nicht vom flachen Land, sondern haben das Base Tab im Großraum Frankfurt und in der Hamburger Innenstadt ausprobiert. Beide Male zeigte das Gerät zwar den Empfang von UMTS mit dem Datenturbo HSDPA an. Aber während das iPad mit einer Sim-Karte der Telekom ein 2-Megabyte-Anhängsel der E-Mail in Sekundenschnelle lud, warteten wir bei E-Plus länger als zehn Minuten. Auch die Test- und Messfahrten der einschlägigen Fachzeitschriften zeigen immer wieder: Für das mobile Surfen kann man E-Plus nur bedingt empfehlen, die Telekom, Vodafone und O2 sind mit Abstand besser. So bleibt also für das Base Tab eine kleine Nische. Es ist zwar nicht der Rettungsschirm vor hohen iPad-Kosten. Aber so schlecht wie es manche Kollegen gemacht haben, ist es auch nicht. Das Angebot von E-Plus ist keine Bauernfängerei mit billigster Hardware. Jedoch sollte man sehr genau wissen, worauf man sich einlässt.