Die neue Präzision des Staus

Informationen über Staus, Unfälle und Straßensperrungen erhielt man jahrzehntelang über das Radio. Jetzt kommen die Meldungen über den Mobilfunk ins Auto. Tom Tom, BMW und Audi fahren voran. Störungen sind nun metergenau in den Navi-Landkarten zu sehen. Aber wir standen bei unseren Testfahrten trotzdem im Stau.

BMW mit RTTI: Verkehrsstörungen sind in Ampelfarben dargestellt, jedes Segment misst 500 Meter (Foto Hersteller)

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BMW Real Time Traffic Verkehrsinformationen gegen TomTom HD Traffic

Am heutigen Freitagnachmittag konnte ich zwei Premium-Verkehrsdienste unter widrigen Bedingungen erproben: Im BMW X1 kam RTTI (Real Time Traffic Information) zusammen mit dem iDrive-Bordsystem zum Einsatz. Wie bei den Google-Karten auf Android-Smartphones werden Verkehrsstörungen straßengenau angezeigt, es lässt sich ein Overlay auf der Karte aktivieren, so dass der Status jeder erfassten Straße farblich markiert ist.

Abends ohne Stau: TomTom App auf dem iPhone (Fotos Spehr)

Parallel dazu nutzte ich die TomTom-App auf dem iPhone mit den kostenpflichtigen HD Traffic-Infos (1 Monat für 5 Euro, ein Jahr für 30 Euro). Dass auf dem Heimweg von Frankfurt nach Waldsolms durch Schneefall ab Bad Homburg gewisse Störungen zu erwarten waren, war klar. Dank an @Freeskier1978 bei Twitter.

Zu Fahrtbeginn um 15 Uhr waren beide Systeme optimistisch: geringfügige Verzögerungen, kein Anlass zur Sorge. Tatsächlich war ab Usingen auf der B456 die Hölle los, wie ich via Twitter erfahren hatte.

Schon vor Bad Homburg wollte mich TomTom partout von der B456 herunterholen und über die (längere, schlechtere) Feldberg-Route Richtung Schmitten schicken. Kaum ein Navi-System kennt diese Ausweichstrecke. Ich hielt diesen Vorschlag für ziemlich idiotisch. Doch etwa 2 Kilometer vor der Saalburg ging dann tatsächlich nichts mehr. Das kommt sehr, sehr selten vor. Also gewendet, zurück nach Bad Homburg, von dort auf die A661 und dann in Richtung Feldberg gefahren.

Morgens war die Welt noch in Ordnung: BMW RTTI mit straßengenauer Markierung von Verkehrsstörungen

BMW mit RTTI zeigte die ganze Zeit Behinderungen durch Schneefall vor Usingen. Tatsächlich war (Quelle: Twitter) die B456 von Usingen bis Grävenwiesbach kaum befahrbar, etliche Lastwagen blockierten die Straße. Auch während ich auf den Feldberg zusteuerte, zeigte RTTI ein Wende-Kommando nach dem anderen, ich sollte also zurückgelotst werden.

Fazit: Hätte ich gleich auf TomTom gehört, wäre ich eine halbe Stunde früher zu Hause gewesen. Das Problem bei den TomTom-Daten ist nicht deren Zuverlässigkeit, sondern die psychologische Hemmschwelle, den Anweisungen auch dann zu folgen, wenn man sie nach eigener Erfahrung und Ortskenntnis für falsch hält.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
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  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.

 

IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.

Test: Comand-System in der S-Klasse von Mercedes-Benz

Der große Luxus des feinen Fahrens

Was Mercedes-Benz mit und rund um das bewährte Comand-System in der S-Klasse bietet, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Das vernetzte Fahren und die Konnektivität werden bei Audi, BMW und Mercedes-Benz immer wichtiger, mancher befürchtet gar einen Overkill der Elektronik an Bord. Audi und BMW bringen das Internet ins Fahrzeug: Die Navigation hält Informationen aus Google Earth parat, der Monitor wird bei BMW zur Surfstation. Audi setzt auf eine Online-Suche im Netz, sie wird mit Fingerbewegungen auf einer berührungsempfindlichen Fläche bedient. Nach dem aktuellen 7er BMW und dem Audi A8 haben wir nun die Kommunikationstechnik der S-Klasse von Mercedes-Benz ausprobiert.

Nach zwei Wochen gibt es ein klares Fazit: Was die Stuttgarter mit und rund um ihr bewährtes Comand-System bieten, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Der Arbeitsplatz: Die S-Klasse von Mercedes-Benz (Fotos Spehr)

Comand mit Radio, Controller, Telefontastatur und riesigem 20-Zentimeter-Farbdisplay sowie einer Musik-Schnittstelle gehört in der S-Klasse zur Serienausstattung, vom S 400 an sind auch die Festplatten-Navigation mit 7 Gigabyte freiem Speicher für eigene Musik sowie die Sprachbedienung mit dabei. Wer gern in Preislisten der Begehrlichkeiten schwelgt, kann seine S-Klasse mit feinen Sound-Paketen von Bang & Olufsen ausstatten (das opulenteste kostet fast 10.000 Euro), und neuerdings gibt es, wie bei Audi, auch einen W-Lan-Hotspot, der die Notebooks und Smartphones der Passagiere ins Internet bringt.

Telefon mit numerischem Ziffernblock

Comand besteht aus mehreren Kernelementen: Zunächst, wie bei der Konkurrenz, der Controller, ein Drehsteller, den man auch drücken und in alle Richtungen schieben kann. Ferner klar beschriftete Funktionstasten rund um dieses Hauptbedienelement. Sie aktivieren ohne jeden Umweg direkt die Abteilungen Telefon, Navigation, Audio. Eine Zurück-Taste ist dabei und ein Drehrädchen zum Einstellen der Lautstärke der HiFi-Anlage. Das Telefon hat eine eigene numerische Tastatur über dem Controller, sie ist mit einer klappbaren Abdeckung geschützt.

Eine Pracht: Das elektronische Cockpit-Display

Dazu kommen zwei Bildschirme mit sehr guter Darstellungsqualität. Der linke ist das Hauptinstrument im Cockpit rund um Tachometer und Drehzahlmesser: eine rein elektronische Anzeige, die programmierbar ist. Im Innenring des Tachometers lassen sich die Rufnummern aus dem Telefonbuch oder die Fahranweisungen der Navigation anzeigen, nur die Spitze der Tachonadel ist derweil auf der Skala sichtbar. Was auf diesem Cockpit-Display erscheint, wählt man mit den Multifunktionstasten am Lenkrad. Zweitens der in der Vertikalen motorbetrieben drehbare Hauptbildschirm. Er wird mit dem Controller und seinen Tasten gesteuert, die Inhalte sind vollkommen unabhängig vom Tacho-Display. So wählt der Beifahrer den nächsten Radiosender mit dem Controller, während der Fahrer die Piktogramme für die Navigation sieht.

Zum Glück kein Menü-Wirrwarr

Das bei der Konkurrenz bisweilen verwirrende Schieben und Drücken des Drehstellers in verschiedene Richtungen hat Mercedes-Benz geschickt vermieden: Mit den Tasten kommt man ohne Mühe in die Hauptmenüs. Anschließend sind alle weiteren Untermenüs wie ein Laufband in der Waagerechten angeordnet und mit schnellem Drehen erreichbar. Das ist nahezu intuitiv zu beherrschen, es gibt kein Menü-Wirrwarr, keine Verästelungen, sondern klare Linien, auf denen der Nutzer schnell zum Ziel kommt. Dieses schlichte und sofort verständliche Bedienprinzip ist ein großer Pluspunkt.

Mittelarmlehne: Controller und umgebende Menütasten

Auch bei der Unterhaltung bleiben kaum Wünsche offen. Neben Radio und CD/DVD-Spieler lassen sich MP3-bestückte SD-Karten, USB-Sticks und portable Musikspieler anbinden. Die Geräte landen im Handschuhfach, das „Media Interface“ kommt mit den entsprechenden Kabeln. Auch für den iPod von Apple findet sich dort der entsprechende Anschluss. Ein iPhone 4 passt zwar mechanisch auf den Stecker, wurde aber von Comand nicht erkannt. Also nahmen wir den iPod, und, siehe da, schon ließ sich mit dem Controller flink durch Alben und Titel blättern, und man sieht die Namen der Stücke im Display. Für noch mehr Komfort sorgt die Feinabstimmung nach Wiedergabelisten, Podcasts oder Hörbüchern. Das große Extra ist das „Music Register“, mit dessen Hilfe man seine Audio-CDs auf den Festplattenspeicher von Comand kopiert. Die Alben werden mit der eingebauten Gracenote-Musikdatenbank erkannt, beschriftet und lassen sich auch nachträglich in Ordner kopieren oder löschen.

Versteht den Fahrer: Spracherkennung Linguatronic

Wer seine Beifahrer verwöhnen will, sollte das „Entertainment-Paket vorn“ mit Harman-Kardon-Surroundanlage sowie einem Splitview-Monitor wählen (2100 Euro). Der Bildschirm liefert dann zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Bei allem Luxus fehlt indes ein wichtiges Detail: die drahtlose Musikübertragung vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP. Diese Technik ist mittlerweile selbst in vielen Kleinwagen selbstverständlich.

Bei der Ankopplung eines Bluetooth-Telefons an Comand ist eine Besonderheit zu beachten. Ist die „Komforttelefonie“ mit Ladeschale (für 470 Euro) eingebaut, muss man sich bei der Blauzahn-Anbindung mit einer Umstandskrämerei herumplagen: Mit jedem Start sucht Comand zunächst das fest eingebaute Telefon und bietet erst nach einigen Minuten und nur kurz den Wechsel zu Bluetooth an. Ein Trick, um diese lästige Prozedur abzukürzen, besteht darin, die Schale in der Mittelarmlehne mechanisch zu entfernen. Anschließend funktionierte bei uns alles einwandfrei, mit dem besagten iPhone und mit einem Androiden. Nicht nur der Zugriff auf Telefonbuch und Anruflisten gelingt prima. Mit der Spracherkennung Linguatronic gibt es eine Namenswahl, was will man mehr? Vieltelefonierern empfehlen wir allerdings das Telefonmodul mit Sim-Access (420 Euro), das eine Mobilfunkeinheit mitbringt und das Handy während der Fahrt in einen Tiefschlaf legt. Denn die hervorragend gedämmte Karosserie der S-Klasse schottet auch die Mobilfunksignale ab. Mit Sim-Access (das leider von den meisten Oberklasse-Smartphones nicht unterstützt wird), telefoniert man in Regionen mit schwacher Funkversorgung deutlich besser.

Dynamische Navigation mit TMC Pro

Die Linguatronic bewährt sich auch bei der Eingabe des Navigationsziels. Nun geschieht das, wie bei der Konkurrenz, in einem Rutsch mit der „One shot entry“-Technik, die hervorragend funktioniert, allerdings etwas schneller zur Sache kommen könnte. „Navigation wird aktiviert“ sieht man ein, zwei Minuten zu Beginn der Fahrt, da sind andere flotter. Während der Routenführung ist das Gebotene überragend, die Ansagen kommen klar und präzise, es gibt einen Kreuzungszoom und Fahrspurempfehlungen.

Nur ein Tastendruck: Linguatronic Spracherkennung

Was wir vor einem Jahr in der E-Klasse beklagten, hat Mercedes-Benz hier verbessert: Die kameragestützte Erkennung der Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen arbeitet nun sehr ordentlich. Sowohl die bedingten Tempolimits (bei nasser Fahrbahn oder zu bestimmten Uhrzeiten) wie auch die Anzeigen der dynamischen Geschwindigkeitsregelungsanlagen auf Autobahnen wurden fast immer richtig erkannt. Zudem wird der Hinweis jetzt auch permanent auf der Navi-Karte einblendet und nicht nur einige Sekunden im Tachometer-Innenring wie in der E-Klasse.

Unser Fahrzeug hatte ferner „TMC Pro“ zur dynamischen Navigation „um den Stau herum“ eingebaut. Diesen Premium-Dienst haben wir oft gelobt, aber in den zwei Wochen mit der S-Klasse waren wir nicht immer zufrieden: Auf unseren längeren Fahrten war rund jeder zweite gemeldete und tiefrot in der Karte hervorgehobene Stau entweder beim Eintreffen schon aufgelöst oder nicht so gravierend, dass sich eine Ausweichstrecke gelohnt hätte. Andere Quellen für hochwertige Verkehrsinformationen, etwa mit Floating Car Data, stehen nicht zur Verfügung, denn Mercedes bietet einen Internetzugang erst in der neuen C-Klasse an, das Stichwort lautet „Comand online“. Auch ein Head-up-Display, das Navi- und andere Hinweise in die Frontscheibe einspielt, ist nicht lieferbar.

 

Kurze Zusammenfassung: Die neue Marke BMW i

Das kleine i: Der BMW i3 und i8 (Foto Hersteller)

  • BMW i ist eine Submarke für Fahrzeuge und Dienstleistungen für nachhaltige Mobilität
  • Fahrzeuge: i3 = Mega City Vehicle = erstes vollelektrisches Serienfahrzeug von BMW, Stadt-Stromer
  • Sportwagen i8 = Studie “Vision Efficient Dynamic” = Plug-in-Hybrid, Verbrauch eines Kleinwagens.
  • Beide Fahrzeuge sollen 2013 auf den Markt kommen, Chassis aus Aluminium und Fahrgastzelle aus CFK, beide werden in Leipzig gebaut mit “Life Drive-Architektur”
  • Neue Mobilitätsdienstleistungen: optimierte Parkraum-Ausnutzung, verbesserte Navi-Systeme mit ortsabhängigen Infos, Routenplanung unter Berücksichtigung der öffentlichen Verkehrsmittel und Carsharing-Angeboten.
  • Meine Anmerkung: Den letzten Punkt finde ich wirklich sehr schwach. Hier wird nur wiederholt, was man von Verkehrsplanern schon seit 30 Jahren hört: Die “modale” Verteilung des Verkehrsaufkommens führe zu einer Stärkung des öffentlichen Personennahverkehrs. Auch die entsprechenden Navi-Funktionen sind uralt.

Internet im Auto: Geradewegs in die Sackgasse

Das Auto bekommt einen Internetzugang. Die Anzeige des Navi-Systems muss dafür herhalten. Ein Konzept, das im praktischen Einsatz kein bisschen überzeugt.

Das Internet kommt ins Auto. Diese leicht dahingeworfene Bemerkung hört sich zunächst nach einer Selbstverständlichkeit an: Natürlich kommt das Internet ins Auto, schließlich hat es auch den Weg auf unsere Handys, in die Spielekonsolen und in alle nur denkbaren Gerätschaften des Haushalts geschafft. Warum also nicht auch ins Auto? Experten wissen: Das Internet ist längst in den Fahrzeugen der gehobenen Mittel- und Oberklasse angekommen, es holt sich dort Verkehrsinformationen aus Rechenzentren ab, es ist das Transportmedium für Telematikdienste aller Art, und es überträgt den geographischen Standort des Fahrzeugs bei einem Unfall automatisch an die Rettungszentrale. Das ist mit der Floskel “Internet im Auto” aber nicht gemeint. Es geht vielmehr um das Surfen im Netz, um den Abruf aktueller Nachrichten und E-Mails, einen Blick auf die Web-Präsenz der Musikgruppe, die man gerade im Radio hört – und natürlich um Recherchen rund ums Reisen.

Je jünger der Fahrer, desto wahrscheinlicher ist er “online”. Im Auto ist selbstredend sein Smartphone eingeschaltet, er wirft nebenbei einen Blick auf die E-Mail, bekommt aktuelle Meldungen aus Facebook oder Twitter angezeigt. Was sich bislang auf dem Taschencomputer abspielt, soll nun in die Elektronik des Fahrzeugs integriert werden. Nichts einfacher als das, scheinen die Entwickler mancher Automobilhersteller zu denken – und setzen das Internet eins zu eins fürs Fahrzeug um: Man nehme den Monitor des Navi-Systems, ergänze die Software um einen WWW-Browser, und als Maus-Ersatz soll der Controller dienen, also der Drehsteller, mit dem man üblicherweise Ort und Straße des Navigationsziels erfasst.

Alles, was wir bislang gesehen haben, überzeugt jedoch in der praktischen Erprobung nicht. Man kann zunächst das alte Argument vorbringen, dass das Auto zur Fortbewegung von A nach B dient, dass ohnehin viel zu viel ablenkender Schnickschnack an Bord ist, dass sich der Fahrer tunlichst dem Geschehen auf der Straße widmen sollte und mancher Autohersteller gut beraten wäre, zunächst die mechanischen Eigenschaften seiner Vehikel in den Blick zu nehmen.

WWW: Internetzugang im aktuellen 7er BMW, Baujahr 2009 (Foto Spehr)

Das alles ist richtig und zudem zeigen die bislang eingeschlagenen Wege nicht die Zukunft des Internet im Fahrzeug. Sie führen vielmehr in die Irre, sie sind eine Leistungsschau des technisch Möglichen und Produkte für den Verkaufsraum, aber keine Lösungen der Vernunft. Mit hohem Aufwand wird geringer Nutzwert produziert. Das beginnt mit dem Navi-Bildschirm, der in der Regel zwar hinreichend breit, aber nicht hoch genug ist. Selbst der aktuelle 7er BMW bringt es mit seiner prachtvollen Anzeige auf nur 1280 × 480 Pixel. Man muss ständig “scrollen” und für kleinere Schriften den Zoom bemühen. Dann die Eingabe einer WWW-Adresse: Mit dem Drehsteller eine Tortur ohnegleichen, selbst für ein simples “faz.net” benötigt man länger als eine Minute. Bei einer schlichten Google-Suche der Art “Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet am Wochenende” dreht und drückt man gefühlte Ewigkeiten. Und was ist mit der Spracherkennung? Kein Hersteller traut sich, mehr zu implementieren als das, was über die typischen Navi- und Telefon-Kommandos hinausgeht. Also Fehlanzeige. Ferner die Darstellung der Inhalte auf dem Monitor: Die gängigen Browser in den Limousinen der Oberklasse bieten nur ein sehr rudimentäres Surfvergnügen, komplizierte Seiten werden nur selten fehlerfrei aufgebaut, schon Java-Script funktioniert in der Regel nicht, von Flash und anderen Erweiterungen gar nicht zu reden.

Mit diesem ersten Anlauf ist das Internet im Auto gescheitert. Das haben zum Glück etliche Unternehmen bereits begriffen. Audi beispielsweise setzt auf ein Touchpad mit Handschrifterkennung zur Texteingabe. Man malt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen auf einer berührungsempfindlichen Fläche, und das funktioniert sehr ordentlich. Man muss zudem nicht einmal den Blick von der Straße nehmen. Gestartet wird dann eine Google-Suche. Die Treffer lassen sich sofort in die Routenführung übernehmen, angezeigte Telefonnummern können aus der Liste der Fundstellen heraus angerufen werden. Der Nachteil hier: Man sieht keine ganzen WWW-Seiten. Aber dieses System ist auch während der Fahrt sinnvoll einsetzbar. Generell müssten die Hersteller mit der Frage beginnen, welche Informationen der Autofahrer wann erhalten soll und wie man diese so aufbereitet, dass die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen minimal ist. Je länger man über diese Problematik nachdenkt, um so abstruser erscheint die ursprüngliche Idee, das Surferlebnis am PC auf den Navi-Bildschirm zu übertragen. Man will unterwegs nicht über jede neue E-Mail informiert werden, man will nicht jede aktuelle Schlagzeile auf einer Nachrichtenseite lesen. Die Filterung und selektive Aufbereitung von Informationen ist das Schlagwort für einen sinnvolleren mobilen Interneteinsatz.

Dazu müsste der Nutzer ein Ensemble jener Inhalte zusammenstellen können, die ihn im Auto interessieren und begleiten sollen. Beispielsweise könnte man RSS-Feeds abonnieren. Das sind jene Schlagzeilen, die alle Nachrichtenseiten in kompakter Form zum Lesen mit einer RSS-Software anbieten. Dergleichen gibt es schon, etwa bei Audi und BMW. Noch fehlt bei den führenden Herstellern eine gelungene Integration der E-Mail. Auch hier gilt: Nicht auf alles hinweisen, sondern dem Kunden Filter und Regeln anbieten. Wichtige neue Post könnte mit einer synthetischen Stimme vorgelesen werden, und man antwortet vielleicht mit einem kurzen Diktat, Stichwort: Spracherkennung. Auch die sozialen Netzwerke und Twitter bieten hinreichend viele Möglichkeiten der Individualisierung und Personalisierung von Informationen. Vermutlich benötigt man ganz neue Darstellungsformen, man denke etwa an Tag-Wolken aus Schlüsselbegriffen oder Head-up-Displays. Kluge Köpfe und pfiffige Ideen sind also gefragt, sonst wird das nichts mit dem Internet im Auto.

Terminal Mode: Smartphone-Inhalte im Auto

Wie überträgt man Musik, Navi-Daten und andere Inhalte vom Smartphone ins Auto? Den Ansatz von Nokia zeigt dieses Video. Man kann Smartphone-Apps auf dem Display der Kommunikationsanlage des Autos laufen lassen und dabei das gewohnte Interface des Fahrzeugs zur Bedienung nutzen. Was man auf dem Smartphone sieht, zeigt die Infotainment-Anlage des Autos. Auf diese Weise sollen auch zahlreiche neue Apps rund um die Mobilität entstehen, denn Terminal Mode soll ein offener Standard werden, es nutzt bewährte Protokolle wie UPnP, Bluetooth und andere. Bei den Fahrzeugherstellern sind mit dabei: Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen.

Die Auto-News der CES in Las Vegas 2011

Audi

Audi hatte einen großen Auftritt auf der CES, Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler sprach vom vernetzten Automobil der Zukunft. Man arbeite an “Weiterentwicklungen” des Head-up-Displays (das Audi aber bislang nicht anbietet) und der Anbindung von LTE ans Fahrzeug. Neben Google Earth, das jetzt schon im Audi mit MMI sichtbar ist, komme auch Streetview dazu. “Je realistischer die Präsentation, desto geringer die Ablenkung”, sagte Stadler. Das meine ich nicht: Je mehr Details, desto mehr Ablenkung.

Rupert Stadtler, Vorstandsvorsitzender Audi, auf der CES 2011 (Foto: Audi)

Deutlich interessanter und näher an der Realität ist  indes das vorgeführte neue MMI mit Tegra-Chipsatz von Nvidia. Im Foto von Engadget sieht man, dass das Touchpad (das es bislang in Deutschland nur im A8 und im kommenden A6 gibt) ersetzt wird durch eine berührungsempfindliche Fläche im Controller. Das System soll zuerst im A3 kommen. (Meine Spekulation: in den großen Modellen bleibt es beim Touchpad, in den kleinen wird es in den Controller integriert). Hier der aktuelle Stand der Dinge bei Audi im A8, Baujahr 2010.

Ford

Das in den US sehr erfolgreiche Sync-System mit Sprachbedienung ist zwar in Europa nicht erhältlich. In den Vereinigten Staaten macht es indes Karriere und wird jetzt ergänzt um “Sync Destinations”, eine App, die es erlaubt, eine Routenplanung am Smartphone vorzunehmen: Engagdget. Auch für den neu vorgestellten “Focus Electric” gibt es eine “App”. Ferner bekommt auch der Ford Mustang ab Baujahr 2012 das Ford Sync eingebaut. Hier der Stand der Dinge bei deutschen Ford-Modellen am Beispiel des Galaxy.

Mini

Für den Mini Cooper Countryman der BMW-Tochter gibt es in den US “Mini Connected”, eine App, die den in den Vereinigten Staaten sehr populären Musikdienst Pandora ins Fahrzeug bringt. Mit dem iPhone kann man dann Pandora über die Bedienelemente des Fahrzeugs steuern.

Chrysler

Auch Chrysler US bringt eine App für Android, Blackberry und iOS.

Mercedes-Benz

Mit der US-App “mbrace” für das iPhone kann man, wie bei der BMW-App, sein Fahrzeug aus der Ferne öffnen, schließen und orten. Ferner gibt es weitergehende, kostenpflichtige Premium-Services.

Toyota

Auch Toyota will den amerikanischen Pandora-Musikdienst in seinen US-Fahrzeugen anbieten, das Ganze läuft unter Toyotas Entune-Multimedia-System. Entune wurde auf der CES neu vorgestellt, es verbindet ein Smartphone mit der Infrastruktur des Autos, inklusive Datenaustausch etc. Ob Entune nach Europa kommt, ist noch nicht klar.