HiFi-Geschichte: Wie das Auto zum Konzertsaal wurde

Und es geht doch. Jahrzehntelang hatten die gestrengen Hüter der akustischen Wahrheit immer wieder behauptet, im Auto finde HiFi nicht statt. Das Credo einer ganzen Branche: Rumorende Triebwerke und rollende Reifen verdecken tiefe Frequenzen, Schallreflexionen an den Glasflächen verfremden Klangfarben, und dicke Sitzpolster schlucken strahlende Obertöne. Mit HiFi im Auto hatten die Experten bis in die 1980er Jahre hinein nur schlechte Erfahrungen gemacht, wie etwa jener Kollege der „Neuen Zürcher Zeitung“, der von einem Autoplattenspieler berichtete, „durch dessen Schlitz der geneigte Autofahrer und Hörer während der Fahrt seine 45er-Singles einschieben und automatisch abspielen konnte. Wer sich diesem Genuss hingab, bezahlte es freilich mit einem frühen Tod seiner geliebten Scheiben: weil der Tonarm notgedrungen mit sanftem Druck in der Plattenrille gehalten werden musste, entpuppte sich der Spieler als glatter Plattenmörder.“

Krawallschachtel für Livekonzerte: Studie Smart Forgigs auf der Basis des Fortwo mit HiFi Ausstattung von JBL (Foto Hersteller)
Krawallschachtel für Livekonzerte: Studie Smart Forgigs auf der Basis des Fortwo mit HiFi Ausstattung von JBL (Foto Hersteller)

Doch vor 30 Jahren wurde mit dem Aufkommen der CD nicht nur das Ende der Langspielplatte eingeläutet. Auch mit der Ruhe war es aus. Das Auto wurde nunmehr als Hörraum entdeckt. HiFi-Freunde entwickelten Spaß an dicken Basstöpfen, wohligen Zwerchfellmassagen und saftiger Klangkraft. Plötzlich berichtete sogar der Wirtschaftsteil dieser Zeitung, dass „passionierte Musik-Liebhaber in zunehmendem Maße“ bereit seien, „viel Geld dafür auszugeben, dass sie in ihrem Auto Musik in einer Klangqualität hören können, die der eines großen Konzertsaales sehr nahe kommt“. Natürlich durfte der erhobene Zeigefinger nicht fehlen. So warnte die F.A.Z. 1985 vor „Vollgas und Volldampfradio in dezibeler Umarmung, Rock auf Rädern“. Denn unter dem Einfluss von „Hitparaden-Musik“ nähmen die Unfälle zu, vor allem auf „kurvenreichen Straßen“.

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Test: ConnectedDrive im neuen 3er-BMW

Den Gedanken, dass man im neuen 3er-BMW einfach losfährt und sich dann unterwegs mit der Kommunikationstechnik vertraut macht, den schiebe man getrost beiseite. Das volumenstärkste Modell der Bayern bringt gegen Aufpreis nahezu alles mit, was BMW derzeit im Angebot hat: Head-up-Display, Office-Funktionen, Connected Drive, Echtzeit-Staudaten, Verkehrsschilderkennung und jede Menge Apps. Man könnte ein Buch dazu schreiben, denn rund um das Navigationssystem „Professional“ ist quasi ein vollwertiges Computersystem entstanden, das mit einer Fülle von Möglichkeiten und Optionen auftrumpfen will. Es gibt Online- und Offline-Dienste, Anwendungen für die fest verbaute Sim-Karte des Fahrzeugs und weitere, die sich erst nach dem Andocken eines iPhone erschließen.

Das neue Head-up-Display mit liebevoll gezeichneten Details (Fotos Hersteller)

Also eine bunte Mischung aus viel Sinnvollem und manchem Überflüssigen, bisweilen einfach zu bedienen, aber gelegentlich tückisch wie das Programmieren eines Videorekorders vor zehn Jahren. Wir haben uns doch oft geärgert. Etwa, dass nach dem Aufruf von BMW-Apps am Smartphone die Musikübertragung mit Bluetooth neu einzurichten ist. Oder dass man vom Web-Radio ausgehend nicht ins zuletzt angezeigte Menü zurückgehen kann. Ferner über sage und schreibe drei Office-Module an verschiedenen Stellen, die ganz Unterschiedliches bedeuten.

In den Details ist die Hardware im neuen 3er-BMW den Anlagen der großen Brüder wie aus dem Gesicht geschnitten: Den Bordmonitor im Breitbild-Format mit 22 Zentimeter in der Diagonale, den Controller vor der Mittelarmlehne sowie die acht Schnellzugriffstasten kennt man schon aus 5er und 7er. Letztere sind die Rettungsanker für unbedarfte Fahrer. Denn sie lassen sich individuell mit Funktionen belegen und zeigen ihren Status, wenn man leicht mit dem Finger über die Tastenfläche fährt: Taste 1 leitet dann beispielsweise immer nach Hause. Dass die Materialanmutung der Bedienelemente nicht an den 5er oder 7er heranreicht, sei am Rande bemerkt.

Das „Professional“-System mit seinen Hauptmenüs

Das optional erhältliche Head-up-Display ist ein großer Pluspunkt, wenn es um das schnelle Erfassen von Informationen bei minimaler Fahrerablenkung geht. Über der Motorhaube scheinen die Inhalte zu schweben, und die Detailtiefe der Darstellung ist im Vergleich mit der Konkurrenz überragend. Man sieht nicht nur die aktuelle Geschwindigkeit, sondern auch sehr differenzierte Hinweise bei der Routenführung in einer Schemazeichnung. Ferner ist das von Kameras erfasste aktuelle Tempolimit der Verkehrsschilderkennung eingeblendet, und hier arbeitet die Technik deutlich besser als bei anderen Herstellern. Zudem werden Informationen aus der Telefonabteilung in die virtuelle Anzeige eingespielt, etwa der Name des Anrufers bei eingehenden Telefonaten. Auf dem Bordmonitor spielt sich das Geschehen nach den üblichen BMW-Konventionen ab. Bei hellem Sonnenschein spiegelt die stets präsente Anzeige ein bisschen, sie dient auch als Rückfahrmonitor und zeigt die Bilder einer gegebenenfalls vorhandenen Seitenkamera. Die Darstellung lässt sich teilen, ausgehend vom Hauptmenü blättert man die einzelnen Funktionsbereiche auf. Eine vollständige Schilderung aller Funktionen würde den Rahmen sprengen. Wir konzentrieren uns deshalb auf einige Finessen. Zunächst Connected Drive, die Zentrale der Vernetzung. Neben einer Reihe von BMW-Diensten wie Hotline und Notruf-Funktion gibt es zum Nutzen mit der Sim-Karte des Fahrzeugs einen browserbasierten Web-Zugang, der lediglich im stehenden Fahrzeug funktioniert und nicht nur unter der kümmerlichen Darstellung, sondern auch an der fehlenden Eingabehilfe für Web-Adressen leidet. Eine Handschrifterkennung, wie sie Audi für sein MMI-System anbietet, hat BMW zunächst nur für die asiatischen Märkte vorgesehen. Man malt dann die einzelnen Buchstaben auf die Controller-Oberfläche.

Unterwegs sehen, was die anderen im Netz machen: Facebook im 3er-BMW

Während der Fahrt nutzbar, aber stets mit einem Sicherheitshinweis zu bestätigen, ist BMW Online. Hier finden sich Nachrichten, der obligatorische Wetterbericht, eine Google-Sonderzielsuche sowie mehrere Dutzend Apps, die unabhängig vom eigenen Smartphone laufen. Die Anwendungen kann man auf einen personalisierten virtuellen Bildschirm legen. Für einzelne E-Mail-Systeme (etwa AOL oder Googlemail) gibt es die passende App, so dass man ohne weitere Konfiguration nach Eingabe von Benutzername und Kennwort auf seine Nachrichten zugreifen kann, wahlweise lassen sich die Parameter jedoch auch am PC über die Connected-Drive-Seite von BMW erfassen. Neue Post wird (auch während der Fahrt) auf dem Monitor angezeigt, den Text kann man sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen lassen, was allerdings bei Links oder aufwendig formatierten Nachrichten oder mit dem Erreichen der Signatur zur Qual wird. Eigene E-Mails lassen sich mit Hilfe von Textbausteinen versenden. Ein BMW-Sammelkonto ist also nicht mehr erforderlich, sämtliche E-Post bleibt in ihren Konten.

Bei der Smartphone-Anbindung bevorzugen die Bayern das iPhone, die BMW-App kann ihre Inhalte auf den Bordmonitor übertragen. Dazu muss das iPhone stets mit Kabel oder Ladeschale angedockt sein, und die App muss im Vordergrund laufen. Hier gibt es dann auch Facebook und Twitter, wir hatten bereits berichtet. Neu ist der Zugriff auf den Kalender des iPhone, aber am besten gefällt uns „Wiki Local“, ein Vorlesedienst, der Sehenswürdigkeiten in der Fahrzeugumgebung automatisch erfasst, die zugehörigen Wikipedia-Einträge anzeigt und vorliest. Diesen Reiseführer haben wir sehr gern genutzt. Wer ein Android-Smartphone im neuen 3er verwenden will, muss sich ein wenig gedulden. Eine erste Android-Anwendung „My BMW Remote“ ist jetzt im „Play Store“ erhältlich, aber sie kann nicht viel.

Die große Kommunikationszentrale im jungen BMW

Für Technikbegeisterte ist der 3er ein Eldorado, keine Frage, und im Touring kommt demnächst die Freitext-Spracherkennung von Nuance dazu …

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So funktioniert die Nuance-Spracherkennung im neuen 7er BMW

Der neue 7er BMW wird das erste Fahrzeug mit einer umfassenden Freitext-Spracherkennung sein. Die Lösung stammt von Nuance, die mir heute einige zusätzliche Informationen durchgegeben haben.

Dragon Drive kommt zunächst in den 2012er Modellen des 7er BMW, später auch im 3er BMW. Es erfordert das Navigationssystem „Professional“ und den Telematikdienst „BWM Assist“ sowie die Bluetooth-Option. Dragon Drive ist eine serverbasierte Spracherkennung für mehrere Sprachen, d.h. die  aufgezeichnete Sprachinformation wird per Internet und Mobilfunkverbindung an Server von Nuance geschickt, dort transkribiert, und anschließend landet der erkannte Text im Fahrzeug, wo er korrigiert werden kann. Die Mobilfunkverbindung erfolgt über die Sim-Karte von BMW.

Die Spracherkennung für Navigation und Telefonie bleibt „onboard“, d.h. hier ist keine Mobilfunkverbindung erforderlich.

Dragon Drive kostet nach 60tägiger Testphase 25 Euro pro Jahr, es kommt ein Vertrag mit Nuance (nicht mit BMW) zustande.

Im Unterschied zu den Nuance-Apps auf dem Smartphones wird hier ein Benutzerprofil angelegt, d.h. die Erkennungsleistung wird sich im Laufe der Zeit verbessern. Es ist jedoch nicht möglich, eigene Begriffe dem Vokabular hinzuzufügen. Jedoch können viele Befehle und Kommandos der PC-Software Dragon Naturally Speaking genutzt werden, insbesondere Interpunktionszeichen.

Dragon Drive nutzt akustische Modelle, die eigens auf die Nebengeräusche im Fahrzeug abgestimmt sind. Damit dürfte die Erkennungsleistung deutlich höher liegen als bei einem Diktat mit dem Smartphone in der Hand.

Es lassen sich SMS und E-Mail diktieren, und die Ergebnisse landen auf dem eigenen Smartphone, also nicht in einem ggf. vorhandenen BMW-Office-E-Mail-Konto.

Zur Korrektur kann man sich den erkannten Text vorlesen lassen, und es gibt Optionen für die Korrektur, es werden also Alternativen vorgeschlagen.

Update, 22. Juli: Auf der Fahrvorstellung des neuen 7er BMW in Russland zeigte sich, dass die Nuance-Lösung nur dann funktioniert, wenn das angeschlossene Smartphone das Bluetooth-Profil MAP unterstützt. Das „Message Access Profile“ beherrschen derzeit einige Blackberrys. Das iPhone-Betriebssystem iOS unterstützt MAP erst von Version 6 an.

Und hier das Video von Nuance

 

Premium-Verkehrsinfos im Paralleltest: Audi und BMW verlieren gegen TomTom

Die Zeitschrift „Connect“ bringt in ihrer Juli-Ausgabe einen interessanten Vergleichstest: Die Redaktion war gleichzeitig mit vier Fahrzeugen auf einer 500 Kilometer langen Strecke von Stuttgart über Mannheim nach Frankfurt und zurück unterwegs und prüfte die Premium-Verkehrsdienste: Audi mit MMI und Inrix Traffic, BMW mit iDrive und dem RTTI-System sowie Navteq Traffic (TMC Pro) in einem Garmin-Nachrüst-Navi und TomTom HD Traffic mit dem Go Live 1015.

Die Verlierer sind die Systeme der Werksausstattung:

Audi brauchte für 510 Kilometer 7:03 h,

BMW 528 Kilometer und 6:42 h,

Navteq Traffic 536 Kilometer und 6:31 h

TomTom 527 Kilometer und 6:15 h

Quelle: „Connect“ 7/12, Seite 108-114

 

Der neue 7er von BMW: Das erste Auto mit E-Mail-Spracherkennung à la Siri

Ende Juli kommt der 7er von BMW mit einem Facelift auf den Markt, die wichtigsten Verbesserungen betreffen die Kommunikationstechnik. Erstmals in der Werksausstattung gibt es eine Spracherkennung für E-Mail und SMS, die BMW kurioserweise „Freitextspracherkennung“ nennt. Der Hersteller wird nicht in der Pressemeldung genannt, es ist nach meinen Informationen Nuance, die auch an Apples Siri beteiligt sind.

Auszüge aus der Pressemeldung:

„Mit der neuen Generation des Navigationssystems Professional komplettiert eine Freitextspracherkennung sowie eine optimierte Sprachsteuerung das Angebotsportfolio der Officefunktionalitäten von Connected Drive. …  Durch eine Freitextspracherkennung ermöglicht die Diktierfunktion dem Fahrer erstmals, im Fahrzeug kurze Textnachrichten zu „schreiben“ – einfach, indem er sie spricht. Bereits wenige Sekunden nach der Spracheingabe erscheint der erkannte Text im Display und wird auf Wunsch vorgelesen. Selbstverständlich stehen dem Fahrer auch einfache, sprachbasierte Editierungsmöglichkeiten zur Verfügung, um komfortabel und vor allem sicher E-Mails und Kurznachrichten zu erstellen. Das System ist multilingual und erkennt aktuell sechs Sprachen.

„Eine weitere sprachbasierte Funktion rund um die Officefunktionalitäten ist das Aufnehmen von Sprachnotizen. Diese können bei Bedarf direkt über E-Mail verschickt werden. Der große Vorteil besteht für den Fahrer hier in der schnellen Konservierung von Ideen oder To-Dos mit der Möglichkeit, sie an die jeweiligen Adressaten weiterzuleiten – und das ohne Ablenkung vom Verkehrsgeschehen. Auf Wunsch lassen sich die aufgenommenen Notizen auch per USB-Stick einfach aus dem Fahrzeug mitnehmen.“

 

Der neue 7er von BMW (Foto Hersteller)

Weitere Highlights des neuen 7er BMW:

  • Multifunktionales Instrumentendisplay, „virtuelle Anzeigen“ in verschiedenen Farben
  • 3D-Darstellung der Menüs
  • iDrive mit 1,3 GHz-Prozessor (keine genauen Angaben) und „eigener 3D-Grafikkarte“ (keine weiteren Angaben)
  • Neu gestaltetes Kontextmenü (PIE-Menü), das mit dem Controller aufzurufen ist
  • Speed Limit Info und Überholverbotsanzeige mit Kamera

Die neue Präzision des Staus

Informationen über Staus, Unfälle und Straßensperrungen erhielt man jahrzehntelang über das Radio. Jetzt kommen die Meldungen über den Mobilfunk ins Auto. Tom Tom, BMW und Audi fahren voran. Störungen sind nun metergenau in den Navi-Landkarten zu sehen. Aber wir standen bei unseren Testfahrten trotzdem im Stau.

BMW mit RTTI: Verkehrsstörungen sind in Ampelfarben dargestellt, jedes Segment misst 500 Meter (Foto Hersteller)

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BMW Real Time Traffic Verkehrsinformationen gegen TomTom HD Traffic

Am heutigen Freitagnachmittag konnte ich zwei Premium-Verkehrsdienste unter widrigen Bedingungen erproben: Im BMW X1 kam RTTI (Real Time Traffic Information) zusammen mit dem iDrive-Bordsystem zum Einsatz. Wie bei den Google-Karten auf Android-Smartphones werden Verkehrsstörungen straßengenau angezeigt, es lässt sich ein Overlay auf der Karte aktivieren, so dass der Status jeder erfassten Straße farblich markiert ist.

Abends ohne Stau: TomTom App auf dem iPhone (Fotos Spehr)

Parallel dazu nutzte ich die TomTom-App auf dem iPhone mit den kostenpflichtigen HD Traffic-Infos (1 Monat für 5 Euro, ein Jahr für 30 Euro). Dass auf dem Heimweg von Frankfurt nach Waldsolms durch Schneefall ab Bad Homburg gewisse Störungen zu erwarten waren, war klar. Dank an @Freeskier1978 bei Twitter.

Zu Fahrtbeginn um 15 Uhr waren beide Systeme optimistisch: geringfügige Verzögerungen, kein Anlass zur Sorge. Tatsächlich war ab Usingen auf der B456 die Hölle los, wie ich via Twitter erfahren hatte.

Schon vor Bad Homburg wollte mich TomTom partout von der B456 herunterholen und über die (längere, schlechtere) Feldberg-Route Richtung Schmitten schicken. Kaum ein Navi-System kennt diese Ausweichstrecke. Ich hielt diesen Vorschlag für ziemlich idiotisch. Doch etwa 2 Kilometer vor der Saalburg ging dann tatsächlich nichts mehr. Das kommt sehr, sehr selten vor. Also gewendet, zurück nach Bad Homburg, von dort auf die A661 und dann in Richtung Feldberg gefahren.

Morgens war die Welt noch in Ordnung: BMW RTTI mit straßengenauer Markierung von Verkehrsstörungen

BMW mit RTTI zeigte die ganze Zeit Behinderungen durch Schneefall vor Usingen. Tatsächlich war (Quelle: Twitter) die B456 von Usingen bis Grävenwiesbach kaum befahrbar, etliche Lastwagen blockierten die Straße. Auch während ich auf den Feldberg zusteuerte, zeigte RTTI ein Wende-Kommando nach dem anderen, ich sollte also zurückgelotst werden.

Fazit: Hätte ich gleich auf TomTom gehört, wäre ich eine halbe Stunde früher zu Hause gewesen. Das Problem bei den TomTom-Daten ist nicht deren Zuverlässigkeit, sondern die psychologische Hemmschwelle, den Anweisungen auch dann zu folgen, wenn man sie nach eigener Erfahrung und Ortskenntnis für falsch hält.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‚digitalen Begleiter‘ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.

 

IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.