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Mit dem zweiten Bildschirm sieht man besser: Der Jaguar XJ mit Dual-View-Monitor

Es stellt sich gleich ein Aha-Effekt ein, und der resultiert im Jaguar XJ nicht nur aus der überaus luxuriösen Ausstattung, sondern er entsteht mit dem Einschalten der Zündung. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht der Fahrer erst einmal nichts. Anschließend beginnt eine choreographierte Startprozedur, die einen in den Bann zieht. Auf der leeren Fläche erscheint zunächst das Jaguar-Logo, und in einem zweiten Schritt erwachen die virtuellen Instrumente und Anzeigen. Tachometer, Drehzahlmesser und die Skalen für Tankinhalt und Öltemperatur bauen sich aus dem Nichts auf und erscheinen in einer atemraubenden Schönheit und Schärfe.

Real und doch virtuell: Blick auf die Instrumente des Jaguar XJ

Der sportliche Fahrer geht in den „Dynamik“-Fahrmodus, schon wechselt der Farbton ins Rote und illuminiert das Erreichen des Drehzahllimits markanter als in der Komfortvariante. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Jaguar nennt die Funktion „Spotlight“, gemeint ist die Hervorhebung der aktuellen Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftigerer Beleuchtung. Bei 120 km/h wird beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h hervorgehoben.

Damit nicht genug: Kontextabhängig wechselt die Belegung der beiden äußeren Instrumente. Nähert man sich bei aktivierter Navigation einer Kreuzung, blendet das System links eine fein aufgelöste Symboldarstellung des Abbiegepunkts ein. Ruft man die Sprachbedienung auf, sieht man rechts eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Befehle.

Das feine Fahren: Der neue Jaguar XJ (Fotos Hersteller)

Das alles begeistert, aber es gibt noch ein i-Tüpfelchen, nämlich das Dual-View-Display in der Mittelkonsole. Solche Bildschirme bieten auch Mercedes-Benz und der Range Rover an. Ein und dasselbe Display liefert zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik von Bosch basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem TFT-Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nichtdurchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einen Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der neuen Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Im Jaguar XJ muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System, und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild von 800 × 480 Pixel auf 400 × 480. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Ferner: Wählt der Beifahrer für die Unterhaltung ein anderes Programm als das vom Fahrer eingestellte, muss er für den Ton auf beiliegende Kopfhörer zurückgreifen. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Nur für den Beifahrer: TV-Programm auf dem Dual-View-Bildschirm

Der nächste große Pluspunkt im Jaguar XJ ist die HiFi-Anlage von Bowers & Wilkins, die im „Luxury“ und „Premium Luxury“ 3000 Euro extra kostet und zur Serienausstattung des „Supersport“ gehört. Die Anlage mit sage und schreibe 20 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 1200 Watt gehört mit zu den besten, die wir jemals in einem Fahrzeug gehört haben. Sie ist mit Mehrkanalton ausgestattet und akzeptiert nahezu alle gängigen Geräte und Medien, die sich wahlweise mit USB, iPod-Interface, Aux-Schnittstelle oder dem Bluetooth-Musikprofil A2DP andocken lassen. Der Klang ist spektakulär, authentisch und kein bisschen aufdringlich. Mancher wird nach dem ersten Probehören im Jaguar XJ seine heimische HiFi-Ausstattung modernisieren wollen, und nach unserem Kenntnisstand ist es die erste Anlage, die bei Kinofilmen Dolby Pro Logic IIx mit 7.1-Kanal-Surround-Sound ins Auto bringt.

Geht es um die Qualität der einzelnen Komponenten, spielen Navigation, Telefonie und Sprachbedienung ebenfalls auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlten die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Jaguar mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive.

Wer in einem Geschäftswagen in bester Qualität telefonieren will, vermisst das Bluetooth-Profil Sim Access, und der staugeplagte Vielfahrer sucht vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die hier eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Zwar lassen sich Kontakte aus dem Telefonbuch ohne vorhergehendes Training mit einer Namenwahl aufrufen, und diese steht auch bei der Eingabe des Navigationsziels zur Verfügung. Aber die letzte Finesse, das Vorsprechen von Ort, Straße und Hausnummer in einem Rutsch, funktioniert nicht, und die einzelnen Bedienungsschritte erfordern deutlich mehr Aufwand als bei brandneuen Systemen der deutschen Oberklasse. Das alles ist jedoch eine Nörgelei an Kleinigkeiten. Insgesamt ist das Paket auch dann überzeugend, wenn man von der spektakulären Display-Technik absieht. Das Navi-System mit Bluetooth-Freisprecher und Medien-Schnittstelle gehört ebenso zur Serienausstattung wie die virtuelle Instrumentenanzeige. Der Dual-View-Monitor ist im „Supersport“ mit dabei und kostet in den kleineren Modellvarianten einen moderaten Aufpreis von 1250 Euro.