Test: Nokia Lumia 920, HTC 8X

Jetzt hängt alles am seidenen Faden: Die beiden Smartphone-Hersteller Nokia und HTC sind wirtschaftlich angeschlagen, und die Hoffnung speist sich aus neuen, attraktiven Geräten. Das Stichwort lautet Windows Phone 8, es ist die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems, das in seiner modernen Ausprägung seit gut zwei Jahren gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Häusern Apple und Google kämpft. Ein Erfolg ist Windows Phone nicht, aber es wird immer besser. Mit der neuen Kennziffer 8 gehen etliche Neuerungen einher – jedoch nicht für ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind.

Windows Phone 8 unterstützt höhere Bildschirmauflösungen jenseits der bisherigen 800×480 Pixel, es erlaubt den Einsatz von Micro-SD-Speicherkarten, Mehrkernprozessoren und NFC, es bringt den Internet Explorer in der Version 10 mit und bietet „echtes“ Multitasking. Wer das ältere Windows Phone 7 einsetzt, bekommt bald ein „kleines“ Update auf die Version 7.8, die auch den neuen Startbildschirm mit in der Größe änderbaren Kacheln enthält. Wir haben jetzt zwei der ersten Windows-Phone-8-Geräte ausprobiert, das HTC 8X und das Nokia Lumia 920, die jeweiligen Flaggschiffe für 500 und 600 Euro.

Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X
Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

Wer aus der Android- oder Apple-Welt kommt, muss keine Entzugserscheinungen fürchten. Vieles ist anders, aber keineswegs schlechter, das ist die erste Erfahrung. Microsoft hat die Idee des geräteübergreifenden Ökosystems von Google und Apple kopiert, und was bei Android der Gmail-Account ist, erledigt man hier mit Hotmail oder dem sehr schicken Outlook.com. Statt der Dropbox gibt es das Skydrive von Microsoft, sieben Gigabyte Speicherplatz in der Cloud-Wolke werden unentgeltlich bereitgestellt. Gegen das schnörkellose Design von Windows Phone mit üppigen Weißräumen und dezenten Linien wirkt die Konkurrenz sogar ziemlich alt, und was ein Smartphone von heute können muss, beherrscht Windows Phone allemal.

Geht es um E-Mail und Internet, Facebook und Twitter, kann man getrost zugreifen, die Facebook-Integration ist sogar besser als bei der Konkurrenz. Dass der Durchbruch in den breiten Massenmarkt nur zögerlich anläuft, ist auch nicht der Hardware geschuldet. Nokia und HTC bieten eine weitaus bessere Verarbeitungsqualität und Anmutung als die meisten Androiden. Lumia 920 und 8X haben vieles gemeinsam, vor allem die opulenten Maße. Das Nokia provoziert. Es ist ein Riese unter den Smartphones, mit dem man am Samstagabend sofort jedwede Aufmerksamkeit weckt: Sage und schreibe 185 Gramm wiegt es, in einer breiten Männerhand gehalten, sucht man unversehens nach dem nächsten Nagel, den man mit ihm einschlagen könnte.

Fast ebenso groß, aber deutlich leichter (130 Gramm) präsentiert sich das HTC, beide überragen ein iPhone 5, gehören also zu den derzeit besonders populären Smartphones in Übergröße. Beide Kandidaten bringen ein Unibody-Gehäuse aus einem Guss mit, da hält etwa ein Samsung Galaxy S3 mit seiner hauchdünnen Rückseitenabdeckung nicht mit. Während HTC auf einen matten Kunststoff mit gummierter Oberfläche setzt, besteht das Nokia aus glattem Polycarbonat in kräftigen Farben, Fingerfett ist auf der Rückseite schnell sichtbar. Beide bieten einen nahezu glatten Übergang von der Displayabdeckung zum Gehäuse und sehr fein gefräste Öffnungen für den Lautsprecher.

Nur die unabdingbaren Anschlüsse durchbrechen die klaren Linien: Micro-USB zum Laden und zur PC-Anbindung unten, Headsetausgang oben und ein Einschub für die Micro-Sim-Karte. Ein Kartenschacht für Speicherkarten und ein wechselbarer Akku fehlen also. Das Nokia bringt 32 Gigabyte internen Speicher mit, das HTC muss mit der Hälfe auskommen.

Die jungen Modelle bieten eine Bildschirmauflösung von 1280×720 Pixel (8X) und 1280 x 768 Pixel (Lumia 920), sind also damit in der Oberklasse angesiedelt. Nokia und HTC verwenden LC-Displays, die bei hellem Sonnenschein besser ablesbar sind als eine Amoled-Anzeige.

Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)
Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)

Auch hier gibt es nichts zu meckern, und beide Kandidaten sind dank Zweikernprozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz superschnell. Das HTC mit seinem schlankeren Gehäuse wird bei aufwendigen Spielen warm, beim Nokia funktioniert die Wärmeableitung besser. Wer die technischen Daten im Detail betrachtet, findet beim Nokia das ältere Bluetooth-Protokoll 3, während HTC schon bei der aktuellen Variante 4 angekommen ist. Das Lumia 920 wiederum trumpft mit dem Datenturbo LTE auf, der im Unterschied zum iPhone 5 auf sage und schreibe neun Frequenzbändern arbeitet. Man beachte, dass im Telekom-Netz ein anderer APN einzustellen ist, nämlich „internet.telekom“.

Das 8X ist dank DC-HSDPA bei der Datenübertragung alles andere als langsam, bis zu 43 MBit/s verspricht der Hersteller. Dass sich der Akku des Nokia wiederum kabellos durch Auflegen auf eine Induktionsladestation befüllen lässt, ist nur ein Gimmick, zumal der Ladevorgang auf diese Weise deutlich länger dauert. Bis hier herrscht also nahezu Gleichstand ungeachtet der Unterschiede der Bauform. Aber zurück zur Software: Nokia hat mehrere Pfeile im Köcher: Die Straßennavigation Drive+, die mit lokal gespeicherten Karten arbeitet und eine flexibel einstellbare Tempolimit-Warnung mitbringt, ist eine Wucht.

Mit klaren Ansagen und übersichtlicher Darstellung auf dem Bildschirm wird man präzise geführt, und es lassen sich unentgeltlich die Landkarten vieler Länder dieser Welt aufs Gerät laden. So gelingt im Unterschied zur Apple- und Android-Gratisnavigation eine Routenführung ohne Datengebühren – und im Ausland ohne Roamingkosten. Der zweite Knüller ist die 8,7-Megapixel-Kamera mit der hauseigenen Pureview-Technik. Sie hat einen echten mechanischen Bildstabilisator, der bei schlechten Lichtverhältnissen längere Öffnungszeiten der Blende erlaubt, und die Aufnahmen im Dunklen sind erstklassig.

Da kann kein anderes Smartphone mithalten. Schließlich eine Reihe weiterer Nokia-Apps, etwa die Anzeige von Sonderzielen in der Umgebung mit dem „City Compass“ und „virtual reality“ sowie Nokia-Musik, mitsamt des „Mix Radio“, das es erlaubt, aktuelle Titel als „Mixe“ unentgeltlich aufs Gerät zu streamen. Das HTC 8X tritt bescheidener auf, es beschränkt sich auf die Standardausstattung von Windows Phone 8, bietet aber immerhin aufs Gerät ladbare Karten zur Orientierung in fremder Umgebung, eine ebenfalls sehr ordentlich arbeitende Kamera sowie eine HTC-App zur Fotoverbesserung und -verfremdung.

Lumia 920 mit Straßennavigation
Lumia 920 mit Straßennavigation

Die Vorteile des HTC sind seine kompaktere, unauffälligere Bauform und die gute Akustik der HiFi-Abteilung. Wenn man die Verbesserungen von Windows Phone 8 genauer in den Blick nimmt, fallen kleinere Unstimmigkeiten auf. Multitasking gibt es nur für neue Apps, die eigens für das aktuelle Betriebssystem entwickelt sein müssen. Auch fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert.

Wer ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan ist, wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Das alles sind Kleinigkeiten. Mit dem neuen Windows Phone 8 lässt es sich hervorragend leben, wenn man ganz unvoreingenommen ein gutes Smartphone sucht. Beide Geräte verdienen eine klare Kaufempfehlung.

Test: Huawei Ascend P1

Wer mit einem Android-Smartphone liebäugelt, hat die Qual der Wahl zwischen mehr als 1000 Modellen. In der Oberklasse wird die Luft schnell dünn, vor allem, wenn das Betriebssystem die aktuelle Version 4 „Ice Cream Sandwich, ICS“ sein soll. Um für künftige Erweiterungen gerüstet zu sein, ist bei einer Neuanschaffung ein Android mit Version 2.x nicht mehr empfehlenswert. Android 4, das es seit Herbst vergangenen Jahres gibt, läuft derzeit auf nur jedem zehnten Gerät, man spricht von einem fragmentierten Markt.

Flach, schnell, schön: Huawei Ascend P1 (Foto Hersteller)

Das interessanteste ICS-Smartphone ist derzeit das Samsung Galaxy Nexus, es wird in diesen Tagen als erstes und einziges Gerät die Version 4.1 erhalten; ohne jede „Verschönerung“ kommt „Android pur“ zum Einsatz. Schwachpunkte sind indes seine kurze Akkulaufzeit und die bestenfalls durchschnittliche Kamera. Das Samsung Galaxy S3 wiederum hat auf allen Bestenlisten den ersten Platz erklommen, überzeugt mit seiner Gesamtleistung, der langen Akkulaufzeit und der guten Kamera, muss aber wegen des Betriebssystem-Aufsatzes Touch Wiz vorerst auf Android 4.1 verzichten. Der Spitzenkandidat von HTC, das One X, bietet ein erstklassiges Gehäuse und eine ordentliche Kamera – leidet aber unter seiner aufdringlichen Sense-Oberfläche.

Und nun gibt es eine Alternative: Das Ascend P1 ist das erste Premium-Smartphone des chinesischen Herstellers Huawei, der im ersten Quartal bei den Mobiltelefonverkäufen die Mitbewerber Rim, Motorola, Sony und HTC hinter sich gelassen hat, zumindest nach den Zahlen von Gartner. Das Ascend P1 geht mit ICS 4.03 an den Start und bietet ein Android-Erlebnis ohne jede Basteleien. Zugegeben, das Huawei bringt auch eine eigene Oberfläche mit, sie ist aber vollständig abschaltbar, und dann bleibt als Abweichung vom Standard nur der sinnvolle Huawei-Energiesparmodus. Alles andere ist durchgängig Android pur ohne Geschmacksverstärker und Chromfelgen, ein wunderbares Erlebnis.

Das Design des Ascend P1 orientiert sich unübersehbar am älteren Samsung Galaxy S2 und Motorola Razr. Das Huawei ist vor allem leicht (110 Gramm) und flach: 7,7 Millimeter bei einer Länge und Breite von 12,9 × 6,5 Zentimeter. Das Gehäuse besteht aus sehr robust wirkendem Kunststoff, der Akku ist vom Nutzer nicht wechselbar, die Sim-Karte in Normalgröße sowie eine Micro-SD-Speicherkarte lassen sich seitlich einstecken. Am oberen Gehäuserand befinden sich die Klinkenbuchse für den Ohrhörer und der (ungeschützte) Micro-USB-Zugang zum Anschluss an PC, Lade- und TV-Gerät (mit MHL HDMI). Das kontraststarke Super-Amoled-Display gefällt mit kräftigen Farben und wird von Gorilla-Glas geschützt. Es nimmt leider Fingerfett gern auf und ist draußen bei hellem Sonnenlicht nur schlecht ablesbar.

Die ungewöhnliche Bildschirmauflösung von 960 × 540 Pixel hält mit den aktuellen Oberklasse-Androiden nicht mit. Beim Galaxy S3 und Galaxy Nexus sind es 1280 × 720 Pixel, und im Android-Browser des Huawei sehen die Buchstaben etwas grobschlächtig aus. Wer die Google-Alternative Chrome verwendet, erhält eine deutlich bessere Darstellung, an der nichts auszusetzen ist. Alle weiteren Details der Ausstattung folgen den üblichen Standards. Der Zweikernprozessor von Texas Instruments legt mit 1,5 Gigahertz ein beachtliches Arbeitstempo vor, so dass Unterschiede zu einem Vierkernprozessor subjektiv nicht wahrnehmbar sind. Nur bei Spielen und Benchmarks tritt das Huawei in die zweite Reihe. Mit UMTS und HSDPA sind im Download maximal 21 MBit/s zu erreichen, der superschnelle Datenturbo LTE fehlt indes. Auch ist nicht das energiesparende Bluetooth 4.0 installiert, sondern die ältere Variante 3.0.

Das Extra ist die 8-Megapixel-Kamera, die nicht nur draußen, sondern auch in Innenräumen hervorragende Aufnahmen macht. Eine Gesichtserkennung, Auto- und Touch-Fokus sowie HDR-Aufnahmen sind serienmäßig, auch ein Serienbildmodus gehört dazu. Erst bei schlechten Lichtverhältnissen treten hinsichtlich der Bildqualität Unterschiede zum iPhone 4S oder Galaxy S3 zutage. Und leider lässt sich der nervige Auslöse-Ton nicht abschalten.

In der Ausdauer wiederum fährt das Huawei zur Bestform auf: Bis zu 30 Stunden im typischen Einsatz hat man mit Android selten erlebt. Wir hatten das Huawei einige Tage als Hauptgerät im Einsatz, haben alle Telefonate damit geführt, die E-Mail abgefragt, Twitter und Facebook bedient – und hatten spätabends noch genug Reserven. Dass die mitgelieferte Software manches Extra mitbringt, sei nur am Rande erwähnt. Mit DLNA lassen sich Musik, Fotos und Videos zum TV-Gerät „streamen“, und die Vollversion von Polaris Office erlaubt nicht nur das Betrachten, sondern …

Weiterlesen auf FAZnet

Test: HTC One X

Viele Jahre galt der taiwanesische Hersteller HTC als Spezialist für hochwertige Smartphones in den Geschmacksrichtungen Windows und Android. In den vergangenen Monaten sind jedoch Umsatz und Gewinn drastisch eingebrochen. Samsung und Apple dominieren, wenn es um gehobene Anspruche geht, und bei den günstigen Geräten drängen neue Aufsteiger wie ZTE und Huawei aus China in den Markt. HTC hat sich jedoch auch selbst in die Krise manövriert, Stichwort „Sense“. Diese Erweiterung des Betriebssystems war in den Anfangszeiten von Android ein Pluspunkt, wurde dann jedoch zunehmend ein Ballast, den mancher gern über Bord geworfen hätte.

Feines Gehäuse, gute Verarbeitung: das neue HTC One X (Foto Hersteller)

Nun startet HTC mit seiner One-Serie einen neuen Anlauf: V, S und X heißen die jungen Hoffnungsträger mit Android4, die allesamt eine besonders flinke Digitalkamera mitbringen. Der HTC „Image Chip“ soll in 0,7 Sekunden für eine Aufnahme bereitstehen, und der Autofokus benötigt nach Angaben des Herstellers nur weitere 0,2 Sekunden für Serienbilder. Alle Fotos landen bei Bedarf automatisch in der Cloud: Wer ein One V, S oder X kauft, erhält für zwei Jahre einen üppigen Speicherplatz von 25 Gigabyte bei Dropbox. Die drei Talente unterscheiden sich hinsichtlich Prozessor, Display- und Kameraauflösung, wir haben das Spitzenmodell One X mit superschnellem Vierkernprozessor einige Zeit ausprobiert.

Display geht nahtlos in den Rahmen über

Bei der ersten Kontaktaufnahme freut sich das Auge: Das One X kommt in einem Unibody-Gehäuse aus robust wirkendem Polycarbonat, das sehr stabil und gleichzeitig angenehm leicht ist (130 Gramm). Das Display geht nahtlos in den Rahmen über, aber die wunderbar homogene Einfassung fordert natürlich ihren Tribut: Der Akku ist fest eingebaut und lässt sich vom Anwender nicht wechseln, es fehlt ein Steckplatz für Speichererweiterungen, und wie beim iPhone4 und 4S benötigt man eine Micro-Sim-Karte. Im Vergleich mit den Apple-Geräten ist das One X deutlich höher und breiter (13,5×7 Zentimeter), aber ebenso dünn (0,9 Zentimeter). Zur großen Bildschirmfläche passt die Auflösung des Super-LC-Displays: sage und schreibe 1280×720 Pixel werden hier auf einer Diagonale von fast zwölf Zentimeter geboten, und die Pixeldichte von 312 dpi ist so spektakulär wie beim iPhone. Einzelne Pünktchen lassen sich nicht mehr voneinander unterscheiden.

Der Vorteil der hohen Auflösung zeigt sich nicht nur bei der Videowiedergabe, sondern vor allem beim Web-Surfen: Man sieht ganze Seiten im Überblick, wie auf einem Netbook, aber natürlich ist die Schrift winzig. Bei der E-Mail und in anderen Abteilungen hält sich der Nutzwert indes in Grenzen: Mit einem Exchange-Postfach sahen wir gerade mal ein halbes Dutzend neuer Nachrichten untereinander, und in Hootsuite ebenso viele Twitter-Meldungen. Aber trotzdem: Das Display gefällt, und im Unterschied zu den meisten Amoled-Anzeigen kann man es auch draußen bei hellem Sonnenschein halbwegs ordentlich ablesen.

Bei den technischen Daten spielt das One X ebenfalls in der Oberliga. Es ist eines der ersten Geräte mit Vierkernprozessor, zum Einsatz kommt der mit 1,5 Gigahertz getaktete Tegra 3 von Nvidia. Genauer betrachtet ist es sogar ein Fünfkernprozessor, denn ein zusätzlicher „Companion-Kern“ mit kleiner Taktung springt bei geringer Systemauslastung ein und soll auf diese Weise den Stromverbrauch reduzieren. Von der immensen Rechenleistung profitieren vor allem die Spiele. Wer sein Smartphone als Arbeitsinstrument verwendet, benötigt keine Mehrkern-CPU. Für die flotten Nvidia-Prozessoren gibt es indes in der „Tegra Zone“ geeignetes „Spielmaterial“. Dumm nur: Gerade diese ausgewählten Demos liefen anfangs nur ruckelnd und ließen das Smartphone unangenehm heiß werden. Erst ein Firmware-Update brachte Abhilfe.

Also werfen wir einen Blick auf die Kamera, die mit 8 Megapixel auflöst, in der Tat ausgesprochen schnell zur Sache geht und selbst bei schlechten Lichtverhältnissen dank Blende F2.0 in Innenräumen ordentliche Aufnahmen liefert. Ein LED-Blitz springt ergänzend ein, und das spektakulärste Detail sind die Serienbildaufnahmen durch langes Drücken der Auslöse-Schaltfläche auf dem Display: Nun werden acht bis zehn Schnappschüsse in Folge erstellt. Die Software bietet an, nach dem Speichern die beste Aufnahme zu ermitteln und alle anderen zu löschen. Die Ergebnisse des Algorithmus sind überzeugend. Wer sich nicht auf die Automatik verlassen will, löst die Schnappschuss-Gruppe auf und begutachtet die Einzelaufnahmen. Auch das funktioniert prima. Bei Bedarf werden alle Fotos automatisch in die Dropbox hochgeladen. Im Videomodus zeichnet der Kamkorder mit Full-HD und 1920×1080 Pixel bei 30 Bildern je Sekunde auf, getrennte Foto- und Kamkorder-Auslöser sorgen nicht nur dafür, dass man schnell zwischen beiden Aufnahmearten wechseln, sondern auch während der Videoaufzeichnung fotografieren kann.

Ein weiterer Pluspunkt ist die eingebaute Fotosoftware. Filter, Effekte, und Einstellungen gibt es en masse, selbst anspruchsvolle Dinge wie HDR-Aufnahmen, Panorama- und (Gruppen-)Porträtfotos gelingen ohne zusätzliche Apps, Belichtung, Kontrast, Sättigung und Schärfe lassen sich zudem manuell einstellen. In dieser Hinsicht ist das HTC One X dem iPhone klar überlegen, bei der Bildqualität hält es annähernd mit. Keine Frage: Kamera und Fotosoftware sind die Stärken des HTC One X.

Das neue Sense über Android 4.0.3 will einiges besser machen. HTC hat sich bemüht und manches über Bord geworfen.

Weiterlesen auf FAZnet

Erste Beobachtungen und Test-Notizen zum HTC One X

Hier einige ungeordnete und unsystematische Beobachtungen, Kommentare sind herzlich willkommen. Ich gehe davon aus, dass die Basisdaten bekannt sind.

  • Insgesamt ein sehr faszinierendes Gerät, auch wg. der flachen Bauform. Die Hardware aus Kunststoff gefällt, klasse!
  • Keine HTML-Anzeige von E-Mails, die sehr unschön aussehen.
  • Telefonnummern im E-Mail-Text werden optisch zwar nicht zum Anklicken hervorgehoben, lassen sich aber trotzdem mit einem längeren Fingertipp an die Telefonabteilung übergeben.
  • Sehr schön und besser als beim nativen Android 4 die 3D-Stapelansicht der zuletzt aufgerufenen Apps über die Fenster-Taste unten rechts.
  • Das schon mehrfach von mir beschriebene Kontakte-Chaos von Android ist wohl auch hier zu beobachten. Da mache ich aber noch ein Fragezeichen.
  • Kalender mit der Option, welche Registerkartensymbole in der unteren Menüzeile angezeigt werden.

    Kalender in der Wochendarstellung (Foto Spehr
  • Die Kalenderdarstellung von Sense orientiert sich an älteren Sense-Versionen und ist grauenhaft unübersichtlich. Ja, es ist mir bekannt, dass man mit alternativen Kalendern nachbessern kann.
  • Screenshot anfertigen mit gleichzeitiger Betätigung von Volume down und Ein/Aus-Schalter.
  • Qualität der Kamera bzw. der geschossenen Fotos kann definitiv nicht mit dem iPhone 4S mithalten.
  • HTC Friendstream mit Zusammenführung von Facebook und Twitter ist für den Intensivnutzer kein Gewinn.
  • WWW-Darstellung klasse. Flash-Player im Browser deaktivierbar. Kleiner Tipp: Mit dem Finger im Browserfenster über die untere Kante hinauswischen, um ein zusätzliches Mini-Menü zu erhalten.
  • HTC hat sich bemüht, sein Sense in der hier neuen Version 4 besser zu machen. Es ist aber ein krasser Designbruch gegenüber „Android 4 pur“ mit seinen feinen, geradezu zarten Linien und seinem Purismus. Hier wird wie gehabt dick aufgetragen.
  • Menü-Wirrwarr etwa beim Foto-Upload. Unterschiedliche Menüs an unterschiedlichen Stellen.

    Ganze Seite im Überblick: Faz.net im Standardbrowser (Foto Spehr)
  • Kamera-Software Image Sense gefällt, klasse ist der Burst-Modus mit schneller Auslösefolge. Anschließend wird vorgeschlagen, „das beste“ Foto automatisch auswählen zu lassen, zu speichern und den Rest zu löschen. Genial!
  • Ferner HDR- und Panorama-Fotos, zahlreiche Effekte. Fotos können auch während einer Videoaufnahme geschossen werden.
  • Kein Speicherkarten-Slot, 32 GB fest eingebaut, Akku nicht zugänglich, Micro-Sim-Karte, NFC eingebaut.
  • Akku: Heute Mittag voll geladen, jetzt hat er nach 4 Stunden noch 55 Prozent.
  • Sehr praktische Benachrichtigungs-LED inmitten der Lautsprecher-Lochzeile (84 kleine Löcher).
  • Gesichtserkennung bei der Entsperrung des Geräts arbeitet DEUTLICH besser, zuverlässiger als auf dem Google Galaxy Nexus.

MWC 2012: Googles Androiden machen alles gleich

Überall zeigen sich die kleinen grünen Android-Männchen. Sie sind das Markenzeichen eines Betriebssystems geworden. Barcelona war ihr Klassentreffen. Der Mobile World Congress ist die wichtigste und größte Fachmesse der Mobilfunkwelt. Aus der Liste der großen namhaften Unternehmen fehlte nur eines: Apple. Alle anderen zeigten Neuheiten für einen starken Smartphone-Sommer. Auch an Superlativen mangelte es nicht. Jedenfalls auf den ersten Blick und zunächst bei LTE, Long Term Evolution, dem Nachfolger von UMTS, der in vielen europäischen Ländern bereits an den Start gegangen ist.

Die neue Technik ist ein Paradigmenwechsel, es ist die vierte Mobilfunkgeneration, die alles besser machen soll: mehr Kapazität, höhere Bandbreiten, bessere Funkabdeckung – und das alles zu geringeren Kosten und mit einer sehr effizienten Systemarchitektur. LTE bietet eine sehr hohe Übertragungsgeschwindigkeit von 20 bis mehr als 100 MBit/s in Verbindung mit kurzen Antwortzeiten. Diese Ping- oder Latenzzeiten sind nicht nur bei Internet-Spielen wichtig, sondern auch für den Abruf aufwendiger Web-Seiten. Telefonica zeigte auf dem Messegelände LTE mit elf sogenannten Metro-Cells, wie sie auch in den deutschen Großstädten zum Einsatz kommen werden. In einer Zelle können gleichzeitig bis zu 30 Nutzer mit Geschwindigkeiten von maximal 30 MBit/s im Netz surfen.

Jenseits der Netzinfrastruktur, die in Deutschland die weißen Flecken fehlender DSL-Versorgung tilgen soll, kommt LTE jetzt in die Smartphones. Vodafone hatte schon vor dem Weltkongress sein HTC Velocity 4G vorgestellt. Im stationären Betrieb kann man unter guten Bedingungen um die 50 MBit/s im Download erreichen, ergaben erste Tests. Der koreanische Hersteller LG zeigte in Barcelona sein Optimus LTE, einen Androiden mit 11-Zentimeter-Display in hochaufgelöster Darstellung (1280 x 720 Pixel), es kommt im Sommer auf den Markt. Auch der chinesische Hersteller Huawei bringt LTE in sein neues Spitzenmodell Ascend D1, hier sticht der üppige HD-Bildschirm ebenfalls hervor.

Schnelles Smartphone: LG Optimus LTE (Foto Hersteller)

Aber schon gibt es Einwände: LTE auf dem Smartphone belaste den Akku über Gebühr, und den Zugang zu den neuen Hochgeschwindigkeitsnetzen werden sich die Mobilfunker gewiss gut bezahlen lassen. Nicht wenige Experten meinen: Mit dem Kauf eines LTE-Smartphones sollte man noch warten. Und man kann natürlich vortrefflich streiten, welchen Sinn hohe, aber nur punktuell erzielbare Download-Geschwindigkeiten auf einem Smartphone haben, mit dem man seine E-Mail abruft oder ein Youtube-Video guckt. Was ist der Fortschritt gegenüber einer guten und permanent verfügbaren 5 MBit/s-Anbindung?

Flaggschiff ohne LTE-Technik

So wundert kaum, dass Nokia sein neues Flaggschiff Lumia 900 in Europa ohne die LTE-Technik auf den Markt bringt. In den Vereinigten Staaten ist es hingegen mit dem Datenturbo erhältlich. Hierzulande bleibt also das Maximaltempo bei 21 MBit/s, und der wichtigste Unterschied zum Lumia 800 sind die größere Bauform, die verbesserte Kamera und vor allem die Zweitkamera an der Gerätevorderseite für Videotelefonie. Trotz größerer Displaydiagonale (10,6 Zentimeter) bleibt dieses Windows Phone bei einer Auflösung von 800 x 480 Pixel.

Weiterlesen auf FAZnet

Plädoyer für den mündigen Kunden und Android pur

Welch ein Chaos: Im Februar kündigt der taiwanesische Hersteller HTC an, dass die stolzen Besitzer eines Desire-Smartphones selbstredend ein Update auf Android 2.3 (Gingerbread) erhalten. Das Gerät ist gerade mal ein Jahr alt. Dann wird zurückgerudert. Kein Gingerbread für dieses Modell, der Arbeitsspeicher reiche nicht aus. Nicht etwa, dass Android so ressourcenhungrig wäre. Nein, vielmehr brauche der aktualisierte HTC-Aufsatz „Sense“ mehr Speicher. Und wegen der „tollen Nutzererfahrung“ von Sense bleibe alles beim alten. Ein Proteststurm auf Facebook setzt ein, und HTC gibt klein bei. Nun soll das Desire doch Gingerbread erhalten. Und was ist mit dem knappen Arbeitsspeicher?

Und retour: Doch Gingerbread fürs Desire

Dieses geradezu typische Herumpfuschen am Betriebssystem betreiben auch Motorola, LG, Sony Ericsson und Samsung. Alten Geräten bleibt die aktuelle Software versperrt – sie kommt gar nicht oder erst Monate später. Sense, Motoblur, TouchWiz und andere Tuning-Maßnahmen werden als Pluspunkt  herausgestellt. Tatsächlich geht es aber darum, dass sich die Hardware-Hersteller ein Stück vom Software-Kuchen abschneiden wollen. Die Idee: Wer beispielsweise den „Friendstream“ von HTC Sense für Facebook oder Twitter einsetzt, meldet sich mit seinen privaten Daten in Taiwan an und bindet sich enger an den Hersteller. Nur sind alle diese Erweiterungen mehr Show-Einlagen für den Verkaufsraum als ernstzunehmende Apps des anspruchsvollen Nutzers. Sie lassen sich zudem nicht deinstallieren, okkupieren Arbeitsspeicher und Systemressourcen, und sie verschlechtern die Android-Erfahrung. Man werfe nur einen Blick auf den Original-Kalender von Android im Vergleich mit dem Murks, den HTC daraus macht. Termine in der Wochendarstellung lassen sich nicht mehr lesen. Oder man blicke auf jene Fehler, die sich bei Samsung in das neue Galaxy S2 eingeschlichen haben.

Die Android-Aufsätze sind also aus vielen Gründen ein Ärgernis. Gewisse Schwächen kann man mit einem alternativen „Launcher“ umgehen. Aber die Wurzel des Übels bleibt. Im Sinne von Google ist das alles nicht. Unzufriedene Kunden suchen händeringend nach Alternativen. Etliche „rooten“ ihr Gerät und spielen neue Betriebssystem-Varianten auf, Stichwort: Cyanogen Mod, ein unabhängiges Entwicklerprojekt. Wichtige Sicherheits-Updates kommen nicht zeitnah auf die aktuellen Modelle, und wer mit Sense, Motoblur oder TouchWiz unangenehme Erfahrungen gemacht hat, wird sich vielleicht ganz von Android abwenden. Dass die App-Entwickler unter der Fragmentierung der Betriebssoftware leiden, sei nur am Rande erwähnt.

Zum Marktstart des Tablet-Systems Android 3.0 Honeycomb hat Google angeblich das Aufspielen der unbeliebten Erweiterungen für einige Monate verboten. Motorolas Xoom kam mit Android pur in den Handel. Nun ist es Zeit, dass Google auch bei den Smartphones das Heft in die Hand nimmt und zumindest eine unumstößliche Regel aufstellt: Wer sein Smartphone zurücksetzt, sollte die Wahl haben, ob er die „tollen“ Erweiterungen mitnimmt oder Android pur bekommt. Man lasse bitte den mündigen Käufer entscheiden.

Ergänzung: Golem meldet, dass das HTC Desire ein „abgespecktes“ Sense erhalten wird.

Test: HTC Flyer

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Nach dem neuen Tablet-PC mit dem Android-Betriebssystem Honeycomb buhlen weitere Flachcomputer um die Gunst der geneigten Kundschaft. Die Tablets sind derzeit ein Verkaufsschlager, das iPad macht es vor. HTC schickt seinen Flyer ins Rennen, ein Gerät, das bereits im Februar präsentiert wurde und nun mit 32 Gigabyte Speicher (erweiterbar durch Micro-SD-Karten) für 500 und 680 Euro im Handel ist. Die teurere Variante bringt ein Mobilfunk-Modul mit, die günstigere verzichtet darauf, nutzt also allein Wireless Lan für den Zugang zum Internet.

Der kleine Tablet PC: HTC Flyer (Foto Hersteller)

Das Konzept des Flyer wirft Gewohntes gründlich durcheinander. Der Androide verwendet das Smartphone-Betriebssystem (2.3.3) und nicht die Tablet-Variante. Er hat zudem den HTC-Aufsatz-Sense, der aber wiederum in einigen Modulen an den Bildschirm von Tablets angepasst ist. Die größte Überraschung ist die Stiftbedienung, allerdings nicht durchgängig, sondern nur für einige Programme. Auch die Bauform weicht von den üblichen Standards ab. Das Gerät misst 19,6 × 12,2 × 1,4 Zentimeter und wiegt lediglich 420 Gramm. Von der Größe her ist es also deutlich kleiner als ein iPad oder eine Honeycomb-Maschine, auch die Bildschirmdiagonale beträgt nur 17,8 statt der üblichen 25 Zentimeter.

Übergroßes Smartphone oder Mini-Tablet?

Man kann den Flyer demnach als übergroßes Smartphone oder Mini-Tablet bezeichnen. Die Display-Auflösung von 1024 × 600 Pixel liegt ebenfalls genau zwischen den beiden rivalisierenden Gerätegattungen, also ein interessantes Produkt. Hardware und Verarbeitungsqualität überzeugen. Die Rückseite besteht aus einer umschließenden Aluminiumhülle, unten und oben sitzen allerdings zwei Plastikkappen. Die obere lässt sich mit viel Kraftaufwand abnehmen und verbirgt den Speicher- und Sim-Karten-Leser. Die untere enthält einen Micro-USB-Anschluss in ungewöhnlicher Bauform, hier lässt sich nämlich auch ein Videokabel einstecken.

Obwohl der Flyer etwas dick wirkt, liegt er gut in der Hand, das Display ist draußen selbst bei hellem Sonnenschein ordentlich ablesbar, zwei Kameras mit 5 und 1,3 Megapixel sind eingebaut, und der Prozessor ist ein flinker Snapdragon von Qualcomm mit 1,5 Gigahertz. Die beiden Stereo-Lautsprecher bieten guten Klang, und als raffiniertes Detail darf der Nachrichtenalarm mit einer LED-Leuchte im Ein- und Ausschalter gelten. Der Flyer lässt sich im Hoch- und Querformat betreiben, die Anzeige und die darunterliegenden Menü-Sensorschaltflächen drehen sich automatisch mit. Allerdings nur in eine Richtung, nach links, im Kopfstand ist das Gerät nicht zu bedienen.

Nach dem Einschalten zeigt sich der Flyer wie ein typisches HTC-Smartphone in Übergröße. Wie beim HTC Sensation kommt die neueste Version von Sense zum Einsatz, die beispielsweise „Kurzeinstellungen“ in der oberen Menüleiste bietet und in der Liste der Apps einen schnellen Zugriff auf die oft gestarteten und selbst installierten. Ein Extra des aktuellen Sense ist auch hier zu sehen: Der Schnellzugriff auf Apps der Wahl vom Sperrbildschirm aus. Man schiebt einfach das entsprechende Icon in den virtuellen Sicherungsring, und schon startet die Anwendung. Wie bei den Smartphones gilt: Sense mit seinen aufwendigen, teils dreidimensionalen Animationen nimmt etliche Systemressourcen in Anspruch, namentlich Speicher und Rechenleistung. Mit „Android pur“ wäre das Gerät deutlich schneller.

Vier Android-Programme profitieren besonders von der höheren Bildschirmauflösung des Flyer: Der Sense-Kalender zeigt im Hochformat eine Zwei-Monats-Übersicht und im Querformat die Übersicht links und Details rechts. Ohne Zweifel ein Gewinn, aber auch hier ist festzuhalten: Der Originalkalender von Android ist besser und liefert beispielsweise in der Wochenansicht deutlich mehr Informationen. Ähnlich die Galerie, die unter Sense „Alben“ heißt, sowie die Adressverwaltung: Der zweigeteilte Bildschirm überzeugt. Am besten gefällt jedoch der Browser, der ein flinkes Umschalten zwischen verschiedenen Fenstern erlaubt. Die entsprechenden „Tabs“ zeigen sich am oberen Bildschirmrand in einer Miniaturansicht, und dank der im Vergleich zum Smartphone höheren Display-Auflösung sieht man mehr. Googlemail muss leider auf den schönen Luxus einer geteilten Darstellung verzichten. Wie es besser geht, zeigt Honeycomb auf den Android-Tablets. Und wie Googlemail werden alle anderen Android-Apps für die Bildschirmauflösung des Flyer hochskaliert. Schick ist etwas anderes, aber es funktioniert.

Unterschiede zu einem Smartphone entdeckt man auf den zweiten Blick. So kann man mit dem Flyer zwar SMS senden und empfangen, aber nicht telefonieren. Videotelefonie mit Google Talk läuft erst von Android 2.3.4 an, hier muss man also zusätzliche Apps bemühen. Ganz neue Flyer-Apps sollen einen Mehrwert bringen, etwa HTC Watch zum Ausleihen von Online-Videos. Noch sind dort allerdings nur acht Trailer zu sehen.

 

Schnell markiert: Dank Stift gelingen solche Anmerkungen

Mit dem Stift auf dem Display kritzeln

Das feine Extra des Flyer ist die Stiftbedienung. Der batteriebetriebene Magic Pen (im Lieferumfang, sonst 50 Euro) wird mit einer eigenen Sensortaste am unteren Bildschirmrand aktiviert. Er arbeitet in zwei Modi: Zum einen kann man in allen Apps „kritzeln“, also auf dem Bildschirm malen. Ein Screenshot mit dem jeweils angezeigten Hintergrund lässt sich als Notiz speichern, mit einer zusätzlichen Tonaufnahme versehen und verschicken. Oder man wählt gleich die Notiz-App und versucht sich auf einem leeren Bildschirm im kreativen Zeichnen. In einem Menü lassen sich verschiedene Stiftformen und -stärken auswählen, vom Zeichenstift über den Malpinsel und den Füllfederhalter ist alles dabei, selbstredend verschiedene Farben. Mit Betätigen einer Taste am Stift wird selbiger zum Radiergummi, das alles ist fein gemacht und mag manchen Künstler begeistern.

Geht es allerdings darum, diese Kombination aus Tablet und Stift für handschriftliche Notizen einzusetzen, zeigen sich schnell Grenzen. Die Bildschirmauflösung ist schlichtweg zu gering, und die notgedrungen auf der Anzeige aufliegende Hand löst immer wieder unbeabsichtigt irgendwelche Aktionen aus. Selbst wenn man sich bemüht, in kleiner Schrift einen Bildschirm zu füllen, passt gerade mal ein Absatz auf eine Seite. Im Vergleich mit anderen Techniken wie dem hier unlängst vorgestellten Smartpen von Livescribe (bei dem man auf Spezialpapier schreibt) ist der Flyer für Notizen nur eine Notlösung. Klug hingegen: Die Anbindung an den populären Notizdienst Evernote, der auch als Android- und iPhone-App läuft.

Alles in allem ist der HTC Flyer ein überzeugendes Produkt. Die Verarbeitungsqualität gefällt, und der Akku bewältigt mühelos zwei Arbeitstage. Die ungewöhnliche Größe macht seinen Reiz aus. Man erhält viel Komfort aus der Tablet-Welt und mit Ausnahme der Telefon-Funktion nahezu alles, was ein modernes Android-Smartphone kann. Für den Pendler in der Bahn mag diese Bauform attraktiver sein als ein iPad- oder Honeycomb-Modell. Von der Stiftbedienung und der Qualität der beiden Kameras sollte man sich nicht zu viel versprechen. Im Vergleich mit dem iPad ist das Gerät allerdings zu teuer.

 

Mehr als nur ein Nachahm-Pad: Erste Einschätzung des HTC Flyer

Der kleine Tablet PC: HTC Flyer (Foto Hersteller)

Blickt man auf die großen Tablet-Neuheiten des MWC in Barcelona, zeigt sich vor allem eins: Fast alle Mitbewerber (Motorola Xoom, Samsung Galaxy Tab 10.1, LG Optimus Pad) orientieren sich am großen Vorbild des Apple iPad, was die Bauform, die kapazitive Display-Technik, die Auflösung des Bildschirms und die Bedienung mit dem Finger betrifft. Nur sind die neuen Modelle mit Doppelkern-Prozessoren deutlich schneller.

Vielleicht beschreitet HTC aus genau diesem Grund ganz andere Wege: Der Flyer aus Taiwan ist (wie das erste Samsung Galaxy Tab) ein besonders kompakter Tablet PC, der nur 420 Gramm wiegt und bei einer Bildschirmdiagonale von 17,8 Zentimeter mit 1024 x 600 Pixel auflöst. Also ein Gerät im Taschenbuch-Format, das zwar mit dem Smartphone-Android 2.4 in den Handel kommt, aber in erster Linie durch die Sense genannten Erweiterungen von HTC auftrumpfen will. Mit einem Spezialstift soll man auf dem Display schreiben können, und gleichzeitig kann man eine Besprechung akustisch aufzeichnen. Tippt man später auf eine geschriebene Notiz, hört man sofort die Tonaufzeichnung an der Stelle der Mitschrift. Die Idee stammt übrigens von den Livescribe-Kugelschreibern.

Ein weiteres pfiffiges Detail ist die Synchronisation mit Evernote, einem sehr populären Notizdienst, der auf vielen Smartphones läuft und sämtliche Daten in der „Cloud“ speichert. Aus der Wolke des Internet holt sich der Flyer ferner Filme und Spiele. Das Gerät nutzt einen Singlecore-Prozessor von Qualcomm, der mit 1,5 Gigahertz läuft. 32 Gigabyte Speicher stehen bereit, mit Micro-SD-Karten lässt sich der Platz verdoppeln. Das UMTS-Modem schafft maximal 14,4 MBit/s, ferner sind Wireless-Lan, Bluetooth 3.0 und eine 5-Megapixel-Kamera eingebaut. Der Hersteller verspricht eine Laufzeit von vier Stunden bei der Videowiedergabe, Filme lassen sich mit HDMI am TV-Gerät ausgeben – oder mit DLNA drahtlos übertragen. Der Flyer kommt im zweiten Quartal für 700 Euro (UMTS-Variante) in den Handel — ein mutiges Konzept. Das ist mehr als nur ein Nachahm-Pad.

Die MWC-Überraschung von HTC: Das ist der Flyer

Auszüge aus der Pressemitteilung:

HTC  zeigt auf dem Mobile World Congress seinen Tablet PC HTC Flyer. Es ist verpackt in ein nahtloses Aluminium- Unibody-Gehäuse und basiert auf einem für große Screens optimierten HTC Sense. Ergänzend setzt HTC auf eine neue Art, mit Touchscreens zu interagieren: So wird die klassische Fingerbedienung dank der Scribe-Technologie mit dem vielfältig einsetzbaren digitalen Stift erweitert. Dazu bietet HTC mit HTC Watch – einem HD Video-Streaming-Dienst – OnLiveGaming – einem Cloud-basierten Gaming Service – und Skype Video Chat ein komplettes Ökosystem an Services für die berufliche und private Nutzung an.

HTC Flyer: Tablet PC oder Über-Smartphone?

Mit einem Gewicht von 415 Gramm und den schlanken Abmessungen von nur 195 x 122 x 13,2 mm trägt das auf Android basierende HTC Flyer gerade mal so dick auf wie ein Taschenbuch und passt somit in die Jackettasche. Dabei fasst das HTC Flyer aber dank 32 GB internem Speicher die Inhalte einer ganzen Film- , Buch- oder Musik-Bibliothek, die zudem noch über eine microSD Karte mit bis zu 32 GB jederzeit erweitert werden kann.

Der 17,7 cm (7“) Zoll große kapazitive SLCD Touchscreen mit einer Auflösung von 1.024 x 600 Pixel und der 1,5 GHz schnelle Qualcomm-Prozessor sorgen für höchste Bildqualität und ruckelfreies Videovergnügen. Dank HSPA+ mit bis zu 14,4 Mbps Download- und 5,76 Mbps Upload-Geschwindigkeit stellen Skype Video Calls über die integrierte 1,3 Megapixel-Frontkamera, große Email-Anhänge und umfangreiche Flash- oder HTML-5-Webseiten keine Probleme mehr dar. Die 5 Megapixel-Kamera auf der Rückseite sorgt mit Autofokus, LED-Blitz und Gesichtserkennung für hochwertige Bildaufnahmen und Dokumente-Scans unterwegs. Dank integriertem GPS können erinnerungswürdige Bilder von Locations und Momenten auch mit Geodaten versehen werden. Bluetooth und WLAN b/g/n komplettieren die umfangreiche technische Ausstattung des Tablets und der 4.000mAh starke Akku sorgt dabei für ausreichend Arbeits- und Play-Time.

Die für Tablet PCs optimierte Version von HTC Sense erweitert nun den Homescreen um eine Dimension. Ein Rondell aus 3D Widgets bringt die wichtigsten Inhalte und Informationen ins visuelle Zentrum der Nutzeroberfläche.

Die Steuerung von modernen mobilen Endgeräten durch einfache Touchscreen- Bedienung hat sich im Markt etabliert. Mit der Scribe Technologie bringt HTC ein altbekanntes Schreibgerät auf intelligente Weise ins Spiel zurück und lässt die Nutzer das Schreiben wieder neu entdecken: Der digitale Stift kann variabel als Bedienelement eingesetzt werden und ermöglicht es, Bilder zu zeichnen, Notizen zu machen, Verträge zu unterzeichnen und sogar auf Webseiten und Fotos zu schreiben. Dabei erweitert die Scribe Technologie die analoge Tätigkeit um digitale Inhalte. Die Funktion „Timemark“ nimmt zum Beispiel das gesprochene Wort in Meetings zusammen mit den auf dem Tablet gemachten Notizen auf, so dass sich beim erneuten Antippen eines Stichpunkts die an dieser Stelle besprochenen Themen erneut abhören lassen. Außerdem sind die Notizen auch mit Kalendereinträgen verbunden. Beim Erscheinen einer Terminerinnerung auf dem Display kann der Nutzer wählen, ob er eine neue Notiz beginnen oder eine vorher abgelegte weiterführen möchte. Als weltweit erster Tablet PC wurde in das HTC Flyer die Synchronisation mit Evernote eingebettet, einer der weltweit führenden Anwendungen für das Erstellen von Notizen mit Cloud-Service.

Unterwegs Filme genießen mit HTC Watch

Im HTC Flyer integriert HTC erstmals seinen Video Download Service HTC Watch für On-demand Downloads Hunderter HD-Filme der größten Filmstudios. Das übersichtliche User Interface der Anwendung macht es einfach, die neuesten Blockbuster zu finden, während die schnelle Internetverbindung mit HSDPA+ für ein sofortiges und abbruchfreies Streaming des Films sorgt.

OnLive – Power On für mobiles Spielen

HTC integriert als erstes Unternehmen weltweit OnLive Inc’s  Cloud- basierten Gaming Service. OnLive ermöglicht Nutzern das Spielen der neuesten Videospiele auf ihrem Fernseher, ohne dass sie dafür zusätzlich teure Hard- oder Software kaufen müssen. Dank der Partnerschaft zwischen HTC und OnLive wird das HTC Flyer zum Spiele-Receiver, auf dessen großem Display Topseller- Spiele – wie z.B. Assasin‘s Creed II und Lego Batman – direkt gespielt werden können. Der integrierte HDMI-Ausgang und die DLNA-Funktionalität streamen die Inhalte auch auf den heimischen Großbildschirm, für noch intensivere Spielmomente.

Verfügbarkeit

Mitte Q2 2011 wird das HTC Flyer (in der Variante wifi only) ab einer UVP von 699 Euro bzw. 899 CHF in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar sein. Zum Verkaufsstart basiert das Android Tablet auf der Version 2.4, ein Update auf die Version 3.0 wird frühest möglich bereitgestellt.

Test: Motorola Milestone 2

Weihnachten 2009 kam das erste Motorola-Smartphone mit dem damals noch jungen Android-Betriebssystem in den Handel: das Milestone. Der Name war klug gewählt. Denn dieser Meilenstein rettete den traditionsreichen amerikanischen Hersteller aus einer langen und schweren Krise. Bis dahin hatte sich Motorola vor allem auf schöne Einfach-Handys mit schicker Schale konzentriert – und die Entwicklung bei aktuellen Smartphones verschlafen. Das Milestone war ein Erfolg, es gefiel uns gut, und mittlerweile hat Motorola ein buntes Potpourri unterschiedlicher Android-Geräte im Angebot.

Robust, schnell, gut: Das neue Motorola Milestone 2 (Foto Hersteller)

Der Nachfolger des Milestone trägt die Endziffer 2 und behält seine Bauweise bei: Er ist eines der wenigen Androiden mit einer Mini-Tastatur, die sich seitlich ausfahren lässt und eine nahezu vollständige QWERTZ-Belegung mitbringt. Es fehlen allerdings eigene Tasten für die deutschen Umlaute. Der Neuling ist etwas runder und in den Linien weicher geworden. Aber die Vorzüge der älteren Bauform bleiben, denn das Milestone 2 wirkt alles andere als klobig, hat hinsichtlich Breite und Länge typische Smartphone-Maße, es ist nur höher und schwerer (11,6 × 6 × 1,4 Zentimeter, 169 Gramm).

Der Schiebemechanismus arbeitet präzise und macht einen ordentlichen Eindruck. Da wackelt und verkantet nichts. Zugegeben: Andere Slider-Modelle öffnen sich, als ob die Mechanik auf Rollen gelagert wäre. Aber wie robust eine so filigrane Konstruktion im Dauereinsatz ist, will man nicht wissen. Die dezent beleuchtete Tastatur des Milestone 2 mit gewölbten und hinreichend großen Tasten sowie präzisem Druckpunkt hat uns sehr gut gefallen, sie ist eine schöne Alternative zur virtuellen Bildschirmtastatur von Android, und bringt wie diese einen Thesaurus inklusive Wortrate-Funktion mit. Man schreibt also die ersten Buchstaben und kann bei längeren Wörtern mit einem Fingertipp auf den vorgeschlagenen Bildschirm-Eintrag den Rest ergänzen. Alles in allem ist das Gerät ein Musterknabe in Sachen Hardware, nur der offen liegende Micro-USB-Port mag einen stören.

Bei den inneren Werten sind die Vorzüge des Milestone 2 sofort bemerkbar. Die Taktfrequenz des Prozessors wurde auf zeitgemäße 1 Gigahertz hochgesetzt, der Vorgänger musste sich mit 550 Megahertz bescheiden, und der Arbeitsspeicher beläuft sich nun auf üppige 512 Megabyte, die ergänzt werden um 8 Gigabyte internen Speicher. Weiter aufrüsten kann man mit Micro-SD-Karten. Die Bildschirmauflösung von 854 × 480 Pixel wurde beibehalten, und die Anzeige leistet sich wie gehabt keine Schwächen. Wenn es trotz der leistungsstarken Hardware gelegentlich kleine Ruckler gibt und das Arbeitstempo nicht immer der 1-Gigahertz-Klasse entspricht, mag das an der Motoblur-Erweiterung liegen, die der Hersteller über das Android-System 2.2 gegossen hat.

Wir haben diese Unsitte, die auch HTC, Sony Ericsson und Samsung betreiben, schon des öfteren kritisiert: Solches „Tuning“ ist für den Nutzer kein Gewinn, führt zu Einbußen an Speicherplatz und Geschwindigkeit, ist mit manchen Ärgernissen verbunden und blockiert eine zeitnahe Aktualisierung des Betriebssystems. Motoblur ist zwar vergleichsweise dezent, bringt aber einige Missstände mit, die nicht hinzunehmen sind. So versucht es, – wie Nokias Ovi-System –, als „Mann in der Mitte“ die Zugangsdaten und Kennwörter von E-Mail und sozialen Netzen abzugreifen, und eine Systemaktualisierung ist ohne Motoblur-Konto gar nicht möglich. Man kann indes, das ist die gute Nachricht, Motoblur bei Twitter, Facebook und anderen Apps umgehen.

Einige Ergänzungen gefallen jedoch. So gibt es eine Sprachwahl für die Einträge des Telefonbuchs, die im Unterschied zum sonst üblichen Google-Erkenner durchaus funktioniert. Ferner lassen sich – wie beim Samsung Galaxy S – Medieninhalte mit dem DLNA-Protokoll auf andere Geräte übertragen. Der W-Lan-Hotspot ist dabei und mit dem Motorola „Phone Portal“ bekommt man via Wireless-Lan vollen Zugriff auf das Telefon am PC – sofern beide in dasselbe W-Lan-Netz eingebucht sind. Hier kann man im Unterschied zu ähnlichen Android-Apps (etwa „Dav Drive Lite“) auch auf das Adressbuch und die SMS-Nachrichten zugreifen und letztere sogar im Browser-Fenster des Rechners schreiben. Das mitgelieferte Quickoffice erlaubt nicht nur das Betrachten von Office-Dokumenten, sondern auch das Erstellen von Word- oder Excel-Dateien. Geht das Gerät verloren, kann es mit Motoblur am PC geortet und aus der Ferne gelöscht werden.

Ärgerlich wiederum fanden wir die schon beim Vorgänger beklagte Marotte, alle Kontakte ausschließlich nach dem Vornamen zu sortieren. Normalerweise ist das kein Problem mit Android 2.2, nur Motorola meint, den entsprechenden Menüeintrag weglassen zu müssen. Auch die 5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz ist eine Enttäuschung. Bei schönem Wetter gelingen zwar brauchbare Außenaufnahmen, in geschlossenen Räumen ist das Gebotene jedoch mangelhaft. Dass man jetzt dank schnellem Prozessor auch Videos mit 720p (1280 × 720 Pixel) aufnehmen kann, sei deshalb nur am Rande erwähnt. Viele Kunden im Internet schildern Probleme mit der MP3-Musikwiedergabe, es komme zu Störungen und Aussetzern. Diese Kritik konnten wir mit unserem Testgerät nicht nachvollziehen: Mit einem guten Kopfhörer lieferte das Milestone 2 einen satten Klang ohne Unterbrechungen. Wie bei allen Top-Smartphones mit Android ist die Akku-Lebensdauer ein wunder Punkt. Länger als einen Tag hält das Motorola nicht durch, es muss jeden Abend auf die Ladestation. Ungeachtet aller Kritik ist das Milestone 2 ein gutes und zudem günstiges Gerät. Für weniger als 450 Euro fällt die Kaufentscheidung leicht, wenn man einen Androiden mit ausziehbarer Tastatur sucht. (F.A.Z. vom 25.01.11)