HiFi-Geschichte: Wie das Auto zum Konzertsaal wurde

Und es geht doch. Jahrzehntelang hatten die gestrengen Hüter der akustischen Wahrheit immer wieder behauptet, im Auto finde HiFi nicht statt. Das Credo einer ganzen Branche: Rumorende Triebwerke und rollende Reifen verdecken tiefe Frequenzen, Schallreflexionen an den Glasflächen verfremden Klangfarben, und dicke Sitzpolster schlucken strahlende Obertöne. Mit HiFi im Auto hatten die Experten bis in die 1980er Jahre hinein nur schlechte Erfahrungen gemacht, wie etwa jener Kollege der „Neuen Zürcher Zeitung“, der von einem Autoplattenspieler berichtete, „durch dessen Schlitz der geneigte Autofahrer und Hörer während der Fahrt seine 45er-Singles einschieben und automatisch abspielen konnte. Wer sich diesem Genuss hingab, bezahlte es freilich mit einem frühen Tod seiner geliebten Scheiben: weil der Tonarm notgedrungen mit sanftem Druck in der Plattenrille gehalten werden musste, entpuppte sich der Spieler als glatter Plattenmörder.“

Krawallschachtel für Livekonzerte: Studie Smart Forgigs auf der Basis des Fortwo mit HiFi Ausstattung von JBL (Foto Hersteller)
Krawallschachtel für Livekonzerte: Studie Smart Forgigs auf der Basis des Fortwo mit HiFi Ausstattung von JBL (Foto Hersteller)

Doch vor 30 Jahren wurde mit dem Aufkommen der CD nicht nur das Ende der Langspielplatte eingeläutet. Auch mit der Ruhe war es aus. Das Auto wurde nunmehr als Hörraum entdeckt. HiFi-Freunde entwickelten Spaß an dicken Basstöpfen, wohligen Zwerchfellmassagen und saftiger Klangkraft. Plötzlich berichtete sogar der Wirtschaftsteil dieser Zeitung, dass „passionierte Musik-Liebhaber in zunehmendem Maße“ bereit seien, „viel Geld dafür auszugeben, dass sie in ihrem Auto Musik in einer Klangqualität hören können, die der eines großen Konzertsaales sehr nahe kommt“. Natürlich durfte der erhobene Zeigefinger nicht fehlen. So warnte die F.A.Z. 1985 vor „Vollgas und Volldampfradio in dezibeler Umarmung, Rock auf Rädern“. Denn unter dem Einfluss von „Hitparaden-Musik“ nähmen die Unfälle zu, vor allem auf „kurvenreichen Straßen“.

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Test: Comand Online von Mercedes-Benz im Frühjahr 2014 (hier: ML-Klasse)

Mercedes-Benz ML 63 AMG (Fotos Hersteller)
Mercedes-Benz ML 63 AMG (Fotos Hersteller)

Pluspunkte: Das im vergangenen Jahr vorherrschende Durcheinander bei den Online-Zugängen darf als gelöst angesehen werden. Nun setzt Mercedes-Benz aufs Bluetooth-Profil PAN. Man berücksichtige allerdings: PAN setzt voraus, dass das Bluetooth-Tethering am Smartphone aktiviert ist. Was bei Apple „Persönlicher Hotspot“ heißt, ist bei Blackberry die „Modemfunktion“ und mit Android  suche man unter „Tethering und mobiler Hotspot“. Hier muss man also vor dem Start die richtigen Schalter umlegen. Und beim iPhone gilt zusätzlich: Damit der Apple-Hotspot via Bluetooth, USB oder W-Lan arbeitet, muss im Menü Einstellungen, Mobiles Netz, Mobiles Datennetzwerk auch der Eintrag ganz unten zum Persönlichen Hotspot korrekt ausgefüllt sein, dort ist ein weiteres Mal der Internet-Zugangspunkt (APN) einzugeben.

Die Facebook-App hat ein Highlight: Facebook-Veranstaltungen können als Sonderziele ins Navi übernommen werden.

Mittelmäßig: Das große Problem von Comand Online bleibt sein gemächliches Arbeitstempo bei der Internetanbindung. Selbst in den beiden Premiumnetzen von Telekom und Vodafone schaufelt Comand Online die Daten nur zögerlich ins Fahrzeug. Auf dem Land hatten wir bisweilen etliche Kilometer zurückgelegt, bis sich überhaupt ein Menü aufbaute. In der Stadt mit UMTS und Datenturbos wie HSDPA oder LTE war die Lage kaum besser. Dies stört gewaltig. Auch das Online-Angebot bleibt 2014 bescheiden. Das Laden von Navigationszielen ins Fahrzeug gilt mittlerweile als Selbstverständlichkeit, und die Hotelsuche oder die Nachrichtenanzeige sind ebenfalls unspektakulär.

Cockpitansicht: Mercedes-Benz ML 350 mit Comand Online
Cockpitansicht: Mercedes-Benz ML 350 mit Comand Online

Minuspunkte: Die Facebook-App ist an sich ein Pluspunkt, aber ein Zugriff auf die Facebook-Mail fehlt. Das Erstellen von eigenen Statusmeldungen mit dem Controller ist langwierig. Das Lesen der Pinwand-Einträge bringt im Grunde genommen nur wenig. Lange Beiträge werden gekürzt und Verlinkungen nicht aufgelöst. Während der Fahrt kann man nicht auf Pinwand und Neuheiten zugreifen, Stichwort: „Fahrerablenkung“. Während die Telefonabteilung selbstredend eine Suche nach Rufnummern vorsieht, ist die gleiche Funktion im Facebook-Freundesverzeichnis abermals nur im Stand erlaubt.

Test: Drive Kit Plus in der A-Klasse von Mercedes-Benz

Jetzt wird es richtig kompliziert. Wer zielgruppenspezifisch zur jungen Internetgeneration gehört und mit der neuen A-Klasse von Mercedes-Benz liebäugelt, hat die Qual der Wahl, wenn es um Kommunikation und Netze geht. Noch nie war die A-Klasse so jung, und erstmals hat Mercedes-Benz eine iPhone-Integration im Angebot. Aber die Wege zum vollkommenen Glück der fahrenden Konnektivität sind verschlungen. Um ein wenig Ordnung ins Wirrwarr der Optionen und Möglichkeiten zu bringen: Das bekannte Comand Online steht mit 3150 Euro in der Preisliste und bietet den bewährten Komfort der Oberklasse auf einem üppigen 18-Zentimeter-Bildschirm mitsamt Navigation, HiFi, Telefonie und Musikspeicher auf Festplatte. Aber die Online-Funktionalität erschließt sich nur mit einem Smartphone, das via Bluetooth und dem Dun-Protokoll angebunden wird.

Navi auf Umwegen: Kommt vom iPhone, landet auf dem Audio-20-Schirm (Fotos Hersteller, Spehr)
Navi auf Umwegen: Kommt vom iPhone, landet auf dem Audio-20-Schirm (Fotos Hersteller, Spehr)

 

Neu ist das Drive Kit Plus für 690 Euro, das aber wiederum nur mit dem iPhone 4 und 4S zusammenarbeitet und Audio 20 (420 Euro) mit seinem 15-Zentimeter-Monitor benötigt. Audio 20 besteht aus Radio, CD-Spieler und Bluetooth-Telefonie, bringt also keine Navigation mit. Das Drive Kit Plus ergänzt mit Routenführung, Musikwiedergabe vom iPhone und den neuen Social-Media-Kanälen, namentlich Twitter, Facebook, Social Playlist sowie Glympse. Erforderlich ist die „Digital Drive Style App“, die es gratis in Apples App Store gibt und die auf dem kabelangebundenen iPhone läuft. Der Bordmonitor übernimmt die Anzeige, es gibt also keine Fummelei am Smartphone. Denn das Zwischenglied ist die neuerdings vieldiskutierte Videoausgabe der Apple-Smartphones. Sie funktioniert leider mit dem aktuellen iPhone 5 und seinem neuen Lightning-Port nicht, Mercedes-Benz hofft auf eine Lösung bis Mitte kommenden Jahres. Bis dahin ist Drive Kit Plus nur mit den beiden älteren Modellen nutzbar.

Spielt die Hauptrolle: Die iPhone-App
Spielt die Hauptrolle: Die iPhone-App

Wir haben Drive Kit Plus mit dem Comand-System ausprobiert, und die erste Erfahrung ist, dass man gleichzeitig in zwei verschiedenen Welten jongliert. In der Comand-Ebene bleibt alles, wie es ist. Schaltet man auf den Aux-Eingang der Anlage und startet manuell die Mercedes-App auf dem iPhone, erwacht die junge Welt zum Leben. Wie bei Comand kommt der Controller mit seinen umgebenden Tasten als zentrales Bedienelement zum Einsatz – und man stellt schnell fest, dass man doch immer wieder zu Comand zurück muss, etwa für die Telefonie, die im Drive Kit Plus nicht implementiert ist. Kurzum: Der Anfang ist kompliziert. Hat man das Prinzip verstanden und sich (einmalig) auf dem iPhone bei Facebook und Twitter angemeldet, kann man im Drive-Kit-Plus-Modus mit dem Controller butterweich zwischen den einzelnen Abteilungen wechseln, die auf einem horizontalen Laufband angeordnet sind. Dazu gehören derzeit Facebook, Twitter, das Teilen von eigenen Nachrichten, die Navigation, Web-Radio und der Internetdienst Glympse, der anderen temporär Zugang zu den eigenen Standortdaten gibt. Wer den Fokus auf Facebook und Twitter legt, findet sich schnell zurecht. Über die Mobilfunkabteilung des iPhone werden die vorigen Statuseinträge auf dem Bildschirm angezeigt, und zwar mit dem hinterlegten Porträtfoto des Autors, die Inhalte liest eine synthetische Stimme vor. WWW-Links lässt die Sprachausgabe außen vor, so hört sich das Ganze durchaus respektabel an. Eigene Nachrichten kann man allein in der Form von Textbausteinen absetzen, hier lassen sich allerdings persönliche Inhalte wie das Navigationsziel oder die gerade gehörte Musik automatisch einfügen.

Zugegeben: Bei Twitter mit kurzen Texten plus Link hält sich der Nutzwert in Grenzen. Aber längere Facebook-Artikel lassen sich mit Gewinn hören. Mit einem weiteren Controller-Klick wird der gesamte Eintrag auf dem Monitor angezeigt, hier ist die Ablenkung für den Fahrer deutlich höher. In Grenzen lässt sich mit den Einträgen jonglieren, man kann in Facebook den „Gefällt mir“-Button auslösen, in Twitter „retweeten“, Facebook-Kommentare lesen oder, sehr sinnvoll, bei einem „Check in“ die Adresse der Lokation gleich in die Routenführung übernehmen. Ähnliches gilt auch für die Veranstaltungs-Einladungen von Facebook, die sich nahtlos in die Routenführung übernehmen lassen.

Diese wiederum ist der größte Pluspunkt im Zusammenspiel mit Audio 20, das sonst ohne Routenführung auskommen muss. Der Kopilot arbeitet ordentlich, und als Extra gibt es sogar eine Online-Google-Suche nach Sonderzielen. Leider muss man auf eine Spracheingabe des Navigationsziels verzichten, aber schon kündigt Mercedes-Benz eine Siri-Erweiterung für die nächsten Wochen an. Die Karten liegen übrigens auf dem iPhone, und die Software kommt von Garmin.

Facebook, Twitter und Glympse auf dem Monitor
Facebook, Twitter und Glympse auf dem Monitor

Innovativ tritt ferner die „Social Playlist“ auf. In dieser Wiedergabeliste wird plattformübergreifend jeder Audio- und Videolink gesammelt, den die Freunde veröffentlicht haben – und man kann die Musiktitel der Netzbekannten während der Fahrt im Streaming-Verfahren hören. Videos lassen sich nur im stehenden Fahrzeug sehen, hier gibt es auch häufig Kompatibilitätsprobleme. Internetradio-Sender sind bereits programmiert, sie gelangen via Mobilfunk ins Auto. Man achte auf das Datenvolumen und die Gebühren. Ein Probeabonnement des Musikanbieters Aupeo gehört ebenfalls zum Lieferumfang. Bessere Dienste wie Spotify sind nur über Bluetooth-Audio und die entsprechende iPhone-App nutzbar.

Glympse weiß, wann du ankommst
Glympse weiß, wann du ankommst

Drive Kit Plus ist zunächst ein erfolgversprechender Anfang. Besonders sinnvoll ist das Vorlesenlassen von Facebook-Einträgen und das Abrufen von Veranstaltungs- und anderen Ortsinformationen. Die Fahrerablenkung bleibt in diesen Funktionsbereichen minimal, und da das iPhone fest in der Mittelarmlehne verstaut ist, kommt der Social-Media-Junkie gar nicht auf den Gedanken, es während der Fahrt in die Hand zu nehmen. Bei Twitter bleiben viele Wünsche offen. An erster Stelle der Zugriff auf Twitter-Listen, um beispielsweise gezielt Eilmeldungen abrufen zu können. In Verbindung mit Siri lassen sich viele neue Szenarien entwerfen, und unverständlich ist, warum eine E-Mail-Integration gänzlich fehlt. Im Zusammenspiel mit dem Comand-System ist vor allem bei intensiver Nutzung des Telefons der Umschaltvorgang zwischen beiden Welten ärgerlich. So gesehen lohnt sich Drive Kit Plus vor allem und an erster Stelle in Kombination mit Audio 20. Hier bekommt man dann eine ordentliche Navigation auf den Bordmonitor – und freut sich über Facebook und Twitter als Extras.

Drive Kit Plus in der neuen A-Klasse von Mercedes-Benz

Irgendwie kurios: Wer bei Mercedes-Benz das Comand-System in der aktuellen Ausbaustufe „Online“ ordert, um unterwegs mit Internetanbindung und Google-Suche nach Sonderzielen zu fahnden oder sich mit seinen Facebook-Freunden zu vernetzen, muss sich gleich ein neues Smartphone kaufen. Denn Comand Online geht einige Umwege bei der Konnektivität: Es gibt weder eine fest verbaute Sim-Karte noch einen Leseschacht für die eigene, sondern einzig und allein das Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll, dem „Dial up Network“. Das Mobiltelefon stellt also den Kontakt zum Internet her und reicht die Informationen an Comand Online weiter.

Die Idee hat bestechende Vorzüge: keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent und muss sich um nichts kümmern. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert, unzweifelhaft ein Pluspunkt für die meisten Nutzer.

Aber der Nachteil des Dun-Protokolls ist seine begrenzte Verfügbarkeit: Mit einem iPhone von Apple oder einem Android-Smartphone guckt man in die Röhre. Die Geräte lassen sich zwar wie gewohnt mit Bluetooth für Telefonie und Musikwiedergabe koppeln. Beim Aufruf des Internet streiken sie jedoch. Als Smartphone für Comand Online empfiehlt sich ein Blackberry, der das Dun-Protokoll beherrscht.

Social, Media, Places: Drive Kit Plus in der neuen A-Klasse (Foto Hersteller)

Mit der neuen A-Klasse, die im September in den Handel kommt, soll nun alles besser werden. Aber nicht unter dem Dach von Comand Online. Es gibt vielmehr eine eigenständige Lösung, die zunächst allein auf das iPhone 4 und 4S von Apple zugeschnitten ist. Hat sich das mächtige Comand damit erledigt?

Erste Antworten mit einem Blick auf die Details: In der neuen A-Klasse, deren Grundpreis in der kleinsten Variante – A180 Blue Efficiency mit 90 kW (122 PS) und 1,6-Liter-Benziner – rund 24 000 Euro beträgt, ist das Radio „Audio 5 USB“ serienmäßig. Wie der Name schon sagt, gehört eine USB-Schnittstelle dazu, und für weitere 280 Euro kann man eine schlichte iPhone-Halterung mit Freisprecher ordern. Das „Drive Kit“ wird um eine App ergänzt, und in dieser Kombination erhält man ein vollwertiges iPhone-Navi, das sein Kartenmaterial lokal vorhält, also ohne Mobilfunkverbindung durch Westeuropa leitet. Kleine Extras sind ein Web-Radio und ein Fahrzeugfinder, der die Position speichert, sobald das iPhone aus der Halterung genommen wird.

Weitaus spannender ist das „Drive Kit Plus“ für 690 Euro, das aber zwingend die Musikanlage „Audio 20“ mit 15-Zentimeter-Display oder das größere Comand Online mit seinem 18-Zentimeter-Monitor voraussetzt. Der Pfiff dieser Plus-Lösung besteht darin, das zwingend mit einem Kabel angebundene iPhone im Handschuhfach verschwinden zu lassen – und seine Inhalte auf den Bildschirm in der Mittelkonsole zu bringen. Die Steuerung übernimmt fortan der Controller des Mercedes. Neu ist die Idee, dass die Inhalte vom kleinen Smartphone zum großen Bordmonitor wandern, indes nicht. Viele Autohersteller arbeiten an diesem „Terminal Mode“ oder „Mirror Link“, noch ist jedoch nichts serienreif. Und Mercedes-Benz überträgt keineswegs 1:1 alle Inhalte, sondern nur die Daten der hauseigenen App, die zudem im Vordergrund laufen muss.

Was wir bei der Vorstellung sehen konnten, lief jedoch butterweich und in schönster Cover-Flow-Manier. Mit dem Controller wechselt man flink von einer Abteilung zur nächsten, und das sind derzeit Facebook, Twitter, geteilte Inhalte aus den sozialen Netzwerken, die Navigation, Web-Radio und der Internetdienst Glympse, der anderen temporär Zugang zu den eigenen Standortdaten gibt.

Bei Facebook und Twitter werden neue Statusmeldungen während der Fahrt nur vorgelesen, Mercedes-Benz verweist auf die Fahrerablenkung. Klickt man mit dem Controller auf einen Link passiert nichts. Es gibt keinen Zugriff auf Facebook-Gruppen, Facebook-E-Mail oder Twitter-Listen, das Gebotene bleibt rudimentär und ist bestenfalls eine grobe Orientierung zum aktuellen Geschehen in den Netzen. Eigene Nachrichten kann man allein in der Form von Textbausteinen absetzen, hier lassen sich allerdings persönliche Inhalte wie das Navigationsziel oder die gerade gehörte Musik automatisch einfügen.

Die neue A-Klasse: Sie fährt im Herbst vor und soll besonders die iPhone-Generation ansprechen (Foto Hersteller)

Innovativ tritt hingegen die „Social Playlist“ auf. In dieser Wiedergabeliste wird plattformübergreifend jeder Audio- und Videolink gesammelt, den die Freunde veröffentlicht haben – und man kann die Musiktitel der Netzbekannten während der Fahrt im Streaming-Verfahren hören. E-Mail und Apples kluge Assistentin Siri mitsamt ihrer Spracherkennung sind im Drive Kit Plus zum Marktstart nicht implementiert – noch in diesem Jahr wird die App entsprechend ergänzt. Die Navigation nutzt abermals Karten, die auf das iPhone geladen werden, die Software stammt von Garmin, wird aber für den jüngsten Mercedes angepasst. Hier fehlt ebenfalls die Spracheingabe von Navigationszielen, aber es gibt eine Google-Suche für Sonderziele.

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Comand Online von Mercedes-Benz jetzt mit dapd-Nachrichten

Wer das hochwertige Comand Online von Mercedes-Benz besitzt, bekommt nach einem Software-Update aktuelle Nachrichten und Fotos der Agentur dapd ins Fahrzeug eingespielt, und darf sie auch während der Fahrt lesen. Zu Comand Online siehe hier, man benötigt ein Handy oder Smartphone mit dem DUN-Protokoll, etwa einen Blackberry.

Comand Online mit Nachrichten von dapd (Foto Hersteller)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszug aus der Pressemeldung:

„Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik, Gesundheit, Sport und Unterhaltung – mit der neuen Mercedes-Benz News-App für Comand Online können sich Mercedes-Benz Fahrer künftig aktuell und umfassend im Auto informieren.

Wie alle Anwendungen für das Multimediasystem Comand Online zeichnet sich auch die Nachrichten-App durch eine sichere und komfortable Bedienung aus. Sowohl im Stand wie auch während der Fahrt können Mercedes-Benz Kunden nutzerfreundlich auf Aktuelles und Wissenswertes zugreifen und sich die Nachrichten inklusive Fotos im Fahrzeugdisplay anzeigen lassen.

Die Neuigkeiten und Bilder aus aller Welt werden exklusiv von der Nachrichtenagentur-Gruppe dapd zur Verfügung gestellt. dapd kooperiert weltweit mit Nachrichtenagenturen in 22 Ländern und stellt die speziell aufbereiteten News im Fahrzeug in insgesamt 28 Sprachen zur Verfügung. Mit jeder Aktualisierung des dapd-Nachrichtentickers sind die neusten Informationen zeitgleich im Fahrzeug in der gewünschten Sprache abrufbar. Außerdem können die Mercedes-Benz Kunden auch länderspezifische Einstellungen vornehmen, beispielsweise aus welchem Land sie Top News erhalten möchten. So wird der Mercedes-Benz zur mobilen Nachrichtenzentrale.

Die Nachrichten-App steht schon jetzt serienmäßig für den Mercedes-Benz SL zur Verfügung, ab Mitte Juli dann auch für alle neuen Mercedes-Benz Modelle mit Comand Online. Kunden, die bereits ein Fahrzeug mit Comand Online besitzen, können die Apps über den Mercedes-Benz App Shop unter http://apps.mercedes-benz.com erwerben. Ein Besuch beim Händler oder in der Werkstatt ist nicht notwendig, da die News-App via Cloud (Daimler Vehicle Backend) im Fahrzeug bereitgestellt wird.“

 

 

Test: Facebook in Comand Online von Mercedes-Benz

Wenn jetzt bei Mercedes-Benz die sozialen Netzwerke im Fahrzeug mitfahren, liegen zwei kritische Fragen natürlich auf der Hand: Worin besteht der Fortschritt, und wie sieht es mit der Ablenkung vom Verkehrsgeschehen aus? Sofort fallen einem viele stichhaltige Argumente gegen Twitter und Facebook im Auto ein. Beides sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Diese zutreffenden Einwände prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens. So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist.

Pinwand-Eintrag: Lesbar nur im stehenden Fahrzeug (Foto Spehr)

Twitter und Facebook im BMW und Mini hatten wir hier bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Mercedes-Benz zieht nach und integriert zunächst Facebook in sein neues Comand Online, das derzeit für die C-, B- und M-Klasse erhältlich ist. Facebook ist bei dieser Lösung ein Baustein des Online-Systems, nahtlos eingebunden in Comand, mit dem Controller zu bedienen und dem WWW-Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke aufrufbar.

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Die iPhone-Integration bei Mercedes-Benz startet mit der neuen A-Klasse

Wer sein Smartphone an das Comand-Online-System von Mercedes-Benz andocken will, ist bislang bei Datendiensten auf ein Gerät mit dem Bluetooth-Protokoll DUN angewiesen. Somit bleiben das iPhone und fast alle Androiden außen vor. Jetzt bietet Mercedes-Benz auch eine iPhone-Integration.

Gekürzter und redigierter Auszug aus der Pressemeldung:

Mercedes-Benz macht Smartphones mobil und bindet die elektronischen Begleiter künftig voll in die Infotainmentsysteme im Auto ein. Den Auftakt macht das iPhone. Mit der „Digital Drive Style App“ und dem „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ hat der Fahrer Zugriff auf die wesentlichen Inhalte seines iPhone, die im Fahrzeugdisplay angezeigt werden und sich über den Controller auf der Mittelarmlehne bedienen lassen. Ferner bringt Mercedes-Benz die Spracherkennung Siri ins Fahrzeug. Über eine natürliche Spracheingabe lassen sich damit zum Beispiel Nachrichten senden, eine Musikauswahl treffen, Wetternachrichten und Aktienkurse abfragen sowie Termine vereinbaren. Sämtliche Funktionen der iPhone-Integration können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden.

So sieht das aus: iPhone in der neuen A-Klasse (Foto Hersteller)

Die App unterstützt ferner Facebook und Twitter sowie das Internetradio Aupeo, eine Garmin-Navigation und einen Car-Finder.

Angeschlossen wird das iPhone über eine von der Mercedes-Benz Accessories GmbH entwickelte Schnittstelle. So lassen sich die Inhalte direkt über den Grafikausgang des Gerätes auf das Display des Fahrzeugs einspeisen. Zugleich wird das iPhone während der Nutzung im Fahrzeug automatisch mit Strom versorgt und geladen.

Die iPhone-Integration ist nicht nur in Kombination mit dem Comand Online erhältlich, sondern alle Funktionen inklusive Navigation können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden. Die „Digital DriveStyle App“ und das „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ debütieren in der neuen A-Klasse, die auf dem Genfer Salon ihre Weltpremiere feiert, und sind ab Herbst 2012 auch für B-, C- und E-Klasse geplant.

 

Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App „Car Together“ von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind „Themes“, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes „Sync„-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit „blind“ zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die „Orte“ unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi „Mitteldisplay“ nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das „kontextanaloge“ Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‚digitalen Begleiter‘ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.