Die iPhone-Integration bei Mercedes-Benz startet mit der neuen A-Klasse

Wer sein Smartphone an das Comand-Online-System von Mercedes-Benz andocken will, ist bislang bei Datendiensten auf ein Gerät mit dem Bluetooth-Protokoll DUN angewiesen. Somit bleiben das iPhone und fast alle Androiden außen vor. Jetzt bietet Mercedes-Benz auch eine iPhone-Integration.

Gekürzter und redigierter Auszug aus der Pressemeldung:

Mercedes-Benz macht Smartphones mobil und bindet die elektronischen Begleiter künftig voll in die Infotainmentsysteme im Auto ein. Den Auftakt macht das iPhone. Mit der „Digital Drive Style App“ und dem „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ hat der Fahrer Zugriff auf die wesentlichen Inhalte seines iPhone, die im Fahrzeugdisplay angezeigt werden und sich über den Controller auf der Mittelarmlehne bedienen lassen. Ferner bringt Mercedes-Benz die Spracherkennung Siri ins Fahrzeug. Über eine natürliche Spracheingabe lassen sich damit zum Beispiel Nachrichten senden, eine Musikauswahl treffen, Wetternachrichten und Aktienkurse abfragen sowie Termine vereinbaren. Sämtliche Funktionen der iPhone-Integration können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden.

So sieht das aus: iPhone in der neuen A-Klasse (Foto Hersteller)

Die App unterstützt ferner Facebook und Twitter sowie das Internetradio Aupeo, eine Garmin-Navigation und einen Car-Finder.

Angeschlossen wird das iPhone über eine von der Mercedes-Benz Accessories GmbH entwickelte Schnittstelle. So lassen sich die Inhalte direkt über den Grafikausgang des Gerätes auf das Display des Fahrzeugs einspeisen. Zugleich wird das iPhone während der Nutzung im Fahrzeug automatisch mit Strom versorgt und geladen.

Die iPhone-Integration ist nicht nur in Kombination mit dem Comand Online erhältlich, sondern alle Funktionen inklusive Navigation können bereits mit dem Einstiegsgerät Audio 20 genutzt werden. Die „Digital DriveStyle App“ und das „Drive Kit Plus für das Apple iPhone“ debütieren in der neuen A-Klasse, die auf dem Genfer Salon ihre Weltpremiere feiert, und sind ab Herbst 2012 auch für B-, C- und E-Klasse geplant.

 

Wenn der Beifahrer den Spielfilm in der Windschutzscheibe sieht: Kommunikationstechnik auf der Auto Show in Detroit

Keine Neuvorstellung ohne Kommunikationstechnik: An jeder Ecke der Autoshow in Detroit zeigten die führenden Hersteller ihre neuen Navi-Systeme, ihre Multimedia-Anlagen, das vernetzte Fahrzeug der Zukunft und immer größere Farbdisplays in der Mittelkonsole. Die Smartphone-App zum Auto wird selbstverständlich: als ausgelagertes Bedienelement für Zusatzfunktionen und Mittel der Personalisierung. Oder, wie bei der App “Car Together” von Mercedes-Benz, zum Finden von Mitfahrern, die ähnliche Interessen und Hobbys haben. Auch das Zweitdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser soll bei der Individualisierung des eigenen Wagens hilfreich sein: Selbst in der Kompaktklasse sieht man künftig hochauflösende Zweitanzeigen mit frei wählbaren Farben für Navi-Hinweise und Musik-Wiedergabelisten.

Der neue Trend bei den Cockpitanzeigen sind “Themes”, wie man sie in der Smartphone-Welt schon lange kennt: Diese Ensembles fassen Farben, Symbole, Inhalte und Einstellungen unter einem Dach zusammen und lassen sich mit wenig Aufwand wechseln. Ford zeigte abermals sein beliebtes “Sync“-System, das Navigation, Musik und Telefonie vereint. Die übergreifende Spracherkennung hat Sync in Amerika populär gemacht. Nun gibt es weitere neue Apps rund um Sync, und noch in diesem Jahr wird die Anlage in die europäischen Ford-Modelle einziehen.

Audi zeigte in Detroit und auf der CES in Las Vegas zwei neue Technikbausteine, die nahezu serienreif sind und auf der Messe in Nevada bereits ausgiebig erprobt werden konnten. Zum einen das verbesserte MMI-System, das bei Audi für Kommunikationstechnik und Unterhaltung zuständig ist. Das kommende MMI startet nicht etwa im Flaggschiff Audi A8, sondern im neuen Audi A3, der für 2013 angekündigt ist. Sofort augenfällig ist die modernisierte Bedienlandschaft: Das Touchpad befindet sich künftig auf dem nunmehr größeren Controller. Wie gehabt, kann man auf der berührungsempfindlichen Fläche mit dem Finger einzelne Buchstaben oder Ziffern malen, eine Schrifterkennung übernimmt die Umsetzung.

Per Fingertipp: Neue MMI für den Audi A3 (Fotos Audi)

Aus den bisherigen Menütasten werden nun Kipphebel, die man nach oben oder unten schiebt. Musste man bislang bei MMI stets den Blick von der Straße nach unten wenden, ist die Anlage nun erfühlbar und damit “blind” zu bedienen. Ein von uns jahrelang beklagter Missstand ist damit abgestellt.

Auch in den einzelnen Abteilungen tut sich viel. In dem Karussellmenü gibt es künftig eine kleine Vorschau, welche die einzelnen Menüpunkte visualisiert. Die neuen optischen Elemente sind jedoch nicht nur eine Freude für das Auge. Vielmehr werden jetzt alle Funktionen – zu denen auch die Assistenzsysteme gehören – mit einem dreidimensionalen Modell auf dem Bildschirm erläutert. Will man beispielsweise die Lichtverteilung der Innenraumbeleuchtung ändern, sieht man die Auswirkungen vorab im Modell. Wer nicht genau weiß, welche Technik sich hinter einer Funktion verbirgt, dem wird auf diese Weise geholfen. Das Fahrzeugmodell wird nicht statisch wiedergegeben, sondern auf der Basis der gesetzten Einstellungen aktuell berechnet. Diese schöne Herausforderung gelingt dank der neuen Grafikeinheit Tegra T30 von Nvidia. Zudem ist von 2013 an das MMX-Board für die Multimedia-Erweiterungen austauschbar. So lassen sich also künftig neue Funktionen nachrüsten.

3D-Animation: Vorschaufunktion des neuen MMI (Foto Audi)

Vielleicht zieht dann auch Facebook in den Audi ein. In Las Vegas war ein entsprechender Menüpunkt bereits zu sehen. Nach der Anmeldung wird die Facebook-Pinwand gezeigt, einzelne Beiträge kann man sich vorlesen lassen. Wie bei Facebook im Command-System von Mercedes-Benz werden auch die “Orte” unterstützt. Man sieht, wo sich seine Facebook-Freunde gerade aufhalten, und mit einem Tastendruck navigiert man zu der entsprechenden Location. Das alles lenkt deutlich weniger ab als die Suche nach einem Club oder Restaurant in der Navigationsabteilung. Eigene Statusmeldungen kann man, wie bei BMW und Mercedes-Benz, nur in der Form von Textbausteinen veröffentlichen. Auch hier wird also eine mögliche Ablenkung des Fahrers unterbunden.

Der zweite Baustein sind neue Headup-Displays, die als Konzeptstudie vorliegen. Bieten diese Anzeigen bislang nur sehr grobschlächtige Informationen, etwa Pfeildarstellungen für die Navigation, bringt Audi eine bislang nicht gesehene Detailtiefe in das Sichtfeld vor dem Fahrzeug. Verschiedene Techniken wurden vorgeführt: Was Audi “Mitteldisplay” nennt, ist vor allem eine immense Erweiterung des Betrachtungswinkels. Auch der Beifahrer kann nun in der Windschutzscheibe jene Informationen sehen, die bei der alten Technik allein dem Fahrer vorbehalten waren. Eigene Headup-Displays für den Beifahrer wiederum ermöglichen es, dass dieser während der Fahrt einen Film von DVD sehen kann.

Am spektakulärsten erschien uns hingegen das “kontextanaloge” Head-up-Display. Dabei werden Informationen, Warnmeldungen oder Navi-Hinweise so dicht mit der Realität verknüpft, dass beispielsweise der Navi-Abbiegehinweis in Pfeilform direkt auf dem entsprechenden Kreuzungspunkt zu liegen scheint. Der optische Eindruck ist überwältigend. Diese hochauflösenden Headup-Displays basieren auf der DLP-Projektionstechnik, wie man sie von Beamern im Heimkino kennt. Die Abkürzung steht für Digital Light Processing, Audi verwendet Auflösungen von derzeit 800 × 600 Pixel. Das Bild wird mit einer Lichtstärke von 10 000 Candela erzeugt und über eine Mattscheibe und mehrere Spiegel in die Windschutzscheibe eingespielt.

Links: Kommunikation, HiFi und Navi im Auto rund um CES und Detroit

Kleine, unkommentierte Link-Sammlung, die sich nahezu automatisch ergeben hat beim Einsatz von Instapaper, mit dem ich alles archiviere.

  1. Audi combines HUD with gesture controls, leaves us wanting
  2. Android integration for car stereos and rear-view mirrors, hands-on (video)
  3. Mercedes mbrace2 auf der CES: Auto wird digitaler Begeleiter
  4. Ford shows off updated Sync integration for iPhone
  5. Mercedes-Benz gesture control concept is DICEy
  6. CES 2012: Automotive round-up
  7. Start Your Engines! Connected Cars at CES
  8. heise online – Carsharing von User zu User
  9. WZ Newsline Mobil – Das Smartphone wird Herz und Hirn des Autos
  10. Daimler Dice: Augmented Reality in der Windschutzscheibe
  11. Nvidia: Audi, Tesla und Lamborghini setzen Tegra-Prozessoren ein
  12. Daimler-Chef Zetsche: „Wir dürfen das Auto nicht zu einer Spielhölle machen“
  13. Daimler revs up car and ride sharing at CES
  14. CES 2012: Now You Can Check Facebook From Your Benz
  15. Mercedes Benz auf der CES: Auto mit Cloud-Anschluss
  16. Economy, Business & Finance: CES: Mercedes will das Auto zum ‘digitalen Begleiter’ machen – Wirtschaftswoche
  17. Apps für Fahrer: Wenn das Auto auf Facebook surft
  18. Assistenzsysteme von Audi: Oh Helferlein kommet
  19. Ford USB Music Box adds mass storage playback, smartphone charging to AUX-enabled receivers
  20. Renault debuts R-Link, an in-dash Android system with app market
  21. 23.11.11 – Technik – Audis Assistenzsysteme der nahen Zukunft | heise Autos
  22. BMW, Mini offer MOG streaming for iPhone
  23. Trying Out the World’s First In-Car Music-Streaming System – NYTimes.com
  24. heise Autos – 01.11.11 – Fahrberichte – Ausfahrt im VW Passat Variant 1.4 TSI EcoFuel
  25. iPhone accessory review: Ford Fiesta and Microsoft SYNC
  26. Infotainment im Auto: Das Armaturenbrett aus dem Internet – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Auto

Allzeit vernetzt: Twitter und Facebook im Auto

Muss der Autofahrer sozial vernetzt sein?

Twitter und Facebook steigen ins Auto ein. Auch der Fahrer soll davon profitieren. Über Sinn und Unsinn kann man trefflich streiten.

Dass im Auto der Zukunft auch die sozialen Netzwerke mitfahren, gilt nach der IAA als Selbstverständlichkeit. Alle großen Hersteller bringen das Internet ins Fahrzeug. Aber die BWM-Gruppe und Mercedes-Benz sind die ersten mit Twitter und Facebook an Bord. Der Nachrichtenstrom aus beiden Diensten wird in die vorhandene Kommunikationstechnik integriert. Twitter-Meldungen und Facebook-Nachrichten erscheinen auf dem Display von iDrive und Comand Online, und zwar so, dass auch der Fahrer davon profitiert – und aktiv am Geschehen partizipieren kann.

Das alles hört sich zunächst nach Provokation an. Eine zusätzliche Spielerei, die vom Verkehrsgeschehen ablenkt und dazu führt, dass mancher unachtsamer fährt, lautet ein erster und wichtiger Einwand. Unfälle durch das Schreiben von SMS während der Fahrt werden derzeit in den Vereinigten Staaten mit der Forderung „don’t text and drive“ diskutiert. Facebook und Twitter sind „textlastige“ Medien. Sie erfordern eine höhere Aufmerksamkeit als das nebenbei laufende Radio. Wo liegt hier der Fortschritt?

iDrive und Twitter: Das Beispiel BMW (Fotos Hersteller, Spehr)

Diese zutreffenden Argumente prallen jedoch an der Realität ab: Gerade die junge Generation will ihren digitalen Lebensstil nahtlos im Fahrzeug fortsetzen. Das Auto als kommunikationsfreie Offline-Zone ist eine undenkbare Vorstellung. Man will auch unterwegs allzeit vernetzt an den Aktivitäten seiner Freunde teilhaben. So wundert kaum, dass ungeachtet aller Verbote und mahnenden Hinweise eben doch mit dem Smartphone herumgespielt wird. Angesichts kleinteiliger Apps, bei denen man mit dem Finger auf winzige Schaltflächen tippen muss, ist die Ablenkung immens.

So gesehen kann eine behutsame Einbindung von Internetdiensten sicherer machen, was ohnehin nicht mehr zu verhindern ist. Und wer nach noch strengeren gesetzlichen Vorschriften ruft, müsste konsequenterweise auch vieles andere Ablenkende unterbinden, die Beispiele sind Legion. Zudem ist es unklug, Twitter und Facebook gleich als Reizthema zu dämonisieren. Man prüfe doch zunächst, ob sich nicht auch Vorteile aus der Fahrzeugintegration ergeben können. Wenn etwa der Junior am Samstagabend unterwegs ist und seine Clique von einem Club zum nächsten zieht, kann es einfacher sein, über Facebook Places und das entsprechende „Einchecken“ der Freunde zum Ziel geführt zu werden als mit Telefongesprächen, Suche nach der Location im Navi-System und mehrfachen Rückfragen, wenn der angesagte Club ganz neu und als Sonderziel dem Kopiloten noch nicht bekannt ist.

Ins Comand-Menü eingebunden: Facebook bei Mercedes-Benz

Ein erster Blick auf die neuen Systeme und ihre Leistungsfähigkeit kann also manche Bedenken aus dem Weg räumen. Die BMW-Gruppe bietet Facebook und Twitter bereits seit einigen Monaten an, wir haben die Technik im 5er BMW mit iDrive und im Mini mit Mini Connected ausprobiert. Bei Mercedes-Benz zieht zunächst Facebook vom November an in die neue B- und M-Klasse ein, Twitter kommt später, und das Ganze funktioniert ausschließlich in Verbindung mit Comand Online. Die gute Nachricht: Ist die aktuelle Ausbaustufe des Comand-Systems bereits vorhanden, etwa in der neuen C-Klasse, wird das Facebook-Modul im November automatisch und unentgeltlich freigeschaltet, ein Werkstattbesuch ist nicht erforderlich.

Und damit ist gleich die erste Frage aufgeworfen: Wie kommen die sozialen Netzwerke ins Fahrzeug? BMW setzt auf Smartphone-Apps als Zuarbeiter für die bestehenden Bordsysteme. Das iPhone enthält die Software, alle Benutzereinstellungen und individuellen Vorgaben. Der Monitor des Fahrzeugs wiederum gibt die Inhalte wieder, auch die Bedienung erfolgt mit der im Auto vorhandenen Infrastruktur. Die Idee hat Charme: Eine App ist schnell aktualisierbar, jeder Smartphone-Besitzer kennt die Prozedur. Was man zu Hause eingerichtet hat, nimmt man bequem mit ins Fahrzeug. Aber die Lösung für BWM und Mini funktioniert derzeit nur mit dem iPhone von Apple, alle anderen Geräte bleiben außen vor.

Die iPhone-App als Zentrale: Das Beispiel Mini

Eine ähnliche Einschränkung gibt es auch bei Mercedes-Benz, obwohl die Systemkonzeption eine andere ist: Smart muss das angedockte Phone nicht sein, es wird allein als Datenlieferant benötigt, denn die Apps laufen geräteunabhängig in Comand Online. Das Telefon wird über Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll angedockt. Der Nachteil dieser Idee ist die eingeschränkte Verfügbarkeit des an sich schlichten „Dial-up Networking Profile“ (Dun) für die Interneteinwahl. Das iPhone und fast alle Androiden unterstützen kein Dun, man ist auf einen Blackberry oder ein älteres Nokia angewiesen.

Beide Wege machen es dem Kunden von BMW oder Mercedes-Benz in einer Hinsicht leicht: Es gibt keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert.

Facebook Pinwand: So sieht das bei Comand Online aus

Im BMW und Mini starteten wir mit dem Laden der zugehörigen App auf dem iPhone und konfigurierten Facebook und Twitter. Im Auto wird das Smartphone mit einem Kabel angebunden, und schon tauchen die Apps im Bordsystem in einem Menü auf. Bedient wird das Ganze mit dem Controller, und bei beiden Fahrzeugen fügt sich die App-Welt stringent in die übrige Kommunikationslandschaft ein. Zunächst ein Blick auf Facebook: Die BMW-Apps zeigen auf dem Display den gesamten aktuellen Strom der Einträge von Freunden auf der Pinwand. Mit einem Controller-Klick kann man einzelnen Beiträgen ein „Gefällt mir“ geben – und die Meldungen lassen sich mit einer synthetischen Stimme vorlesen. Auch die Fotos der Freunde sind sichtbar. Eine Filterfunktion fehlt ebenso wie der Zugriff auf die Facebook-Mail oder Places (Orte) und Einladungen.

Twitter-Timeline bei BMW

Das neue Mercedes-System für Facebook konnten wir noch nicht in der Praxis erproben und verlassen uns auf die Angaben des Herstellers. Facebook ist demnach wie die Google-Suche und der Web-Browser in das karussellförmige Online-Menü von Comand integriert. Einmalig sind die Facebook-Zugangsdaten im Fahrzeug mit dem Controller einzugeben, anschließend erscheint eine auf den mobilen Einsatz zugeschnittene Startseite, die weitaus mehr zeigt als den Nachrichtenfluss der Neuheiten. Sie erlaubt nicht nur den Zugang auf die Pinwand, sondern auch auf Orte, Freundschaftsanfragen und Einladungen. Ein Ausrufezeichen hinter dem Menüeintrag weist auf Neues hin. Mit dieser Funktionalität geht Mercedes einen Schritt weiter als BMW, die Verbindung zu den Facebook-Freunden ist enger. Aber es gibt auch hier etliche Einschränkungen: Einträge kann man nicht vorlesen lassen, längere Texte werden zur Vermeidung von Ablenkung nach 150 Zeichen abgeschnitten, Facebook-Mail ist nicht darstellbar.

Verlinkungen auf andere WWW-Seiten sind in den sozialen Netzwerken das A und O. Der Platz ist knapp, bei Twitter sind maximal 140 Zeichen erlaubt, bei Facebook etwas mehr als 400. Also setzt man Links auf WWW-Seiten, wenn es um längere Beiträge geht. Hier müssen beide Systeme passen: Links lassen sich nämlich nicht anklicken und beispielsweise mit einer Online-Verbindung als Website aufrufen. Der Browser in den jeweiligen Fahrzeugen ist zu schwachbrüstig, und das Lesen einer zwangsläufig sehr kleinen Schrift auf dem Monitor wäre wohl nicht zumutbar.

BMW und Mercedes erlauben gleichwohl das Absetzen eigener Meldungen während der Fahrt. Nicht etwa, dass man mit dem Controller einen Buchstaben nach dem anderen in einem Textfeld eingeben müsste. Vielmehr stehen dafür Textbausteine zur Verfügung, die man bei BMW am iPhone selbst bearbeiten oder erstellen kann. Clever: Man kann bei beiden Herstellern Dutzende von Variablen einbauen, deren Inhalt automatisch vom Fahrzeug bezogen wird. So lässt sich etwa die Außentemperatur, der beim Navi eingegebene Zielort, die aktuell gespielte Musik, der eigene Standort und vieles mehr automatisiert in die Nachricht einsetzen.

Abschließend ein Blick auf Twitter bei BMW und Mini. Hier werden alle eingehenden Beiträge angezeigt, und damit ist klar: Wer vielen Menschen folgt, hat von der Fahrzeugintegration nur wenig. Man ertrinkt in der Flut der Meldungen. Einzelne Tweets lassen sich im Vollbildmodus aufrufen, man kann sie abermals vorlesen lassen, was sich aber bei Verlinkungen nur komisch anhört. Ferner gibt es die Optionen, einen Tweet zu favorisieren, ihn zu retweeten oder die Timeline einer bestimmten Person aufzurufen. Insgesamt meinen wir, dass sich der Nutzwert in Grenzen hält. Wer nur sehr wenigen Leuten bei Twitter folgt und seine Nachrichtenquellen gezielt ausgewählt hat, profitiert am ehesten davon. Alle anderen werden vermutlich einen Zugriff auf ihre Twitter-Listen vermissen. Ein bisschen mehr Raffinesse täte dem System also ganz gut.

Auch hier bleibt abermals die Frage unbeantwortet, wie man mit Links umgeht, die bei Twitter geradezu den Kern einer Meldung bilden. Wenn wir unsere Phantasie ein bisschen spielen lassen, bestünde eine bessere Lösung darin, dass eine Art Instapaper oder Read it Later implementiert würde, die Link-Verweise im Nachrichtenstrom automatisch auf die reine Textinformation eindampfen müsste. Die Inhalte könnte man dann während der Fahrt vorlesen lassen. Aber das wäre Zukunftsmusik.

Schön gezeichnet: Kommunikation im Mini

Die Facebook-Integration von Mercedes-Benz sieht auf dem Papier interessanter aus. Gerade die eingangs erwähnte Verknüpfung aus Mobilität und Freundschaftsbeziehungen bietet viel Potential für einen sinnvollen Umgang, auch im Auto. Und was ist mit der Ablenkung? Nach jeweils zwei Wochen im Mini und im 5er BMW meinen wir, dass die bayrische Lösung weitaus ungefährlicher ist als der Griff zum Smartphone während der Fahrt. Wer sich Meldungen vorlesen lässt, muss den Blick nicht von der Straße nehmen. Ärgerliche Kleinigkeiten der Elektronik und Menüführung lenkten uns in beiden Fahrzeugen mehr ab als Facebook oder Twitter. Wer beispielsweise das iPhone mit dem Kabel angeschlossen hat, darf bei der nächsten Bluetooth-Nutzung das Gerät abermals neu konfigurieren, denn die Musikübertragung mit A2DP wird jedes Mal deaktiviert. Und der Weg in das dazu benötigte Menü ist deutlich länger als der zur nächsten Twitter-Nachricht.

 

IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.

Test: Comand Online von Mercedes-Benz

Mercedes-Benz fährt mit einem neuen Comand-System vor. Online heißt nun die Maxime: Das Internet kommt ins Fahrzeug. Nicht nur zum Web-Surfen, sondern auch für Google-Suchen.

Dass das Internet ins Auto einzieht, gilt mittlerweile als selbstverständlich. Wer das Bild eines bei hohem Tempo im Netz surfenden Fahrers vor Augen hat, liegt allerdings falsch. Die meisten Internetdienste laufen unbemerkt im Hintergrund. Viele Besitzer einer Oberklasse-Limousine werden gar nicht wissen, dass ihr Fahrzeug eine Mobilfunkeinheit an Bord hat, die fortwährend Verkehrsnachrichten über das Netz hereinholt und in umgekehrter Richtung die eigene Position und Geschwindigkeit zurückschickt, um mit dem Floating-Car-Data-Verfahren zu besseren Verkehrsdaten beizutragen.

Umstritten ist jedoch, wie Fahrer und Passagiere von der Netzanbindung profitieren. Audi erlaubt sogar während der Fahrt eine Google-Suche mit Hilfe eines kleinen, berührungsempfindlichen Touchpad, auf dem man mit dem Finger malt. Das Ganze funktioniert außerordentlich gut und ist im praktischen Einsatz ein Gewinn. BMW hingegen blendet ein gewohntes Browser-Fenster auf dem Monitor ein, auf dass man im stehenden Fahrzeug wie am PC “surfen” kann. Beide Hersteller bieten ferner den Zugriff auf jene Netz-Informationen, die man unterwegs benötigt: Wetter, Reiseinfos und Nachrichten in komprimierter Form und wie in einem RSS-Reader dargestellt.

Hauptmenü: Comand Online in der neuen C-Klasse (Fotos Spehr)

Mercedes-Benz war bislang der Nachzügler, aber nun ist das neue Comand Online auf dem Markt, und zwar zunächst und exklusiv in der ebenfalls neuen C-Klasse. Die erste spannende Frage: Wie kommt das Internet ins Fahrzeug? Hersteller wie BMW setzen auf eigene Mobilfunkeinheiten mitsamt fest installierter Sim-Karte. Audis Hotspot-System mit Wireless-Lan erlaubt die Verwendung der persönlichen Sim-Karte oder die Bluetooth-Anbindung eines Smartphone mit dem Sim-Access-Profil.

Mit einem iPhone oder Android-Smartphone guckt man in die Röhre

Die Stuttgarter gehen einen dritten Weg: Es gibt weder eine fest verbaute Sim-Karte noch einen Leseschacht für die eigene, sondern einzig und allein das Bluetooth-Tethering mit dem Dun-Protokoll, dem “Dial up Network”. Das Mobiltelefon stellt also den Kontakt ins Internet her und reicht die Informationen an Comand Online weiter. Die Idee hat bestechende Vorzüge: keine Fummelei mit Sim-Karten und kein Wirrwarr bei den Mobilfunkverträgen. Man verwendet mit Comand Online sein Mobiltelefon, am besten mit Datenkontingent, muss sich um nichts kümmern, und nichts ändert sich. Das im Fahrzeug anfallende Datenvolumen wird über die gewohnte Rechnung tarifiert, unzweifelhaft ein Pluspunkt für die meisten Nutzer.

Lokale Suche, hier nach Mercedes-Händlern in der Nähe

Der Nachteil des Dun-Protokolls ist jedoch seine begrenzte Verfügbarkeit: Mit einem iPhone von Apple oder einem Android-Smartphone guckt man in die Röhre. Die Geräte lassen sich zwar wie gewohnt mit Bluetooth für Telefonie und Musikwiedergabe koppeln. Aber beim Aufruf des Internets streiken sie. Wir probierten also einen Blackberry, der das Dun-Protokoll beherrscht. Im Fahrzeug sind nach der Bluetooth-Anbindung weitere Parameter einzugeben, nämlich der WWW-Zugangspunkt und jene Angaben, die man für mobile Datenverbindungen am Smartphone einträgt. Die Informationen werden nicht automatisch aus dem Handy geladen. Zum Glück stellt Mercedes-Benz eine Suche nach Anbieter und Land zur Verfügung, so dass man den passenden Datensatz flink findet – und viel Fummelei spart.

Die neue Internetlösung fügt sich dezent in die gewohnte Comand-Umgebung ein. Wer das Mercedes-System bereits kennt, muss sich nicht umstellen. Alles sieht aus wie gewohnt, mit dem Controller fährt man durch die Menüs. Neu ist auf den ersten Blick nur das WWW-Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke. Verschiedene Wege und Möglichkeiten stehen parat. Zuvor muss man jedoch zweimal Name, Anschrift und E-Mail-Adresse eingeben, um die Geschäftsbedingungen zu bestätigen. Zum Surfen im Internet lässt sich jede WWW-Seite ansteuern, sie wird allerdings meist in der mobilen Variante angezeigt. Man sieht also etwa bei faz.net nicht die Raffinesse des gewohnten Auftritts, sondern eine Sparversion. Die Eingabe der Adresszeile mit dem Controller ist aufwendig und umständlich. An dieser Stelle wünscht man sich entweder eine Spracheingabe oder zumindest das Touchpad von Audi. Immerhin kann man Favoriten anlegen.

WWW reduziert: Meist wird nur die Mobilversion angezeigt

Mit dem Controller lässt sich auch auf der Seite navigieren, die Rollbalken in der Horizontale und Vertikale sind allerdings schwer zu treffen. Bilder auf der Seite werden gegebenenfalls (je nach Provider) drastisch eingedampft und sind nur als grobes Pixelmuster zu identifizieren. Der WWW-Zugang arbeitet allein im stehenden Fahrzeug, der Beifahrer kann also während der Fahrt nicht surfen. Das Ganze halten wir für wenig überzeugend. Wer unterwegs dringend Informationen aus dem Web sucht, ist mit dem Smartphone einfacher und (wegen der komplizierten Adresseingabe) schneller am Ziel.

Anders sieht es bei der Google-Suche aus. Sie findet nach der Eingabe eines Suchbegriffs aktuelle Informationen oder Sonderziele, Letztere rund um die aktuelle Fahrzeugposition, entlang der Route, in der Zielumgebung oder in einem anderen Ort. Oft verwendete Suchanfragen lassen sich speichern, und die Ergebnisse in der Trefferliste kann man an die Navigations- oder Telefonabteilung weiterreichen. Diese Funktion hat durchaus Sinn, zumal sie während der Fahrt mit der Einschränkung nutzbar ist, dass alphanumerische Eingaben gesperrt sind. Weitere Extras des neuen Comand: Ziele und Routen kann man am PC organisieren und mit Google Maps ins Fahrzeug schicken, praktisch für umfangreiche Reiseplanungen. Und natürlich gibt es die obligaten Wetterinfos, die frisch aus dem Internet mit Mobilfunk ins Fahrzeug gelangen.

Darf natürlich nicht fehlen: Wetterbericht mit Comand Online

Insgesamt fährt das neue Online-System von Mercedes-Benz noch nicht mit voller Kraft. Das betrifft nicht nur die begrenzte Auswahl der unterstützten Mobiltelefone. E-Mail oder RSS-Nachrichten bleiben außen vor, und im Einsatz über zwei Wochen störte uns an erster Stelle die umständliche Eingabe von Suchkriterien oder Internetadressen mit dem Controller. Die Google-Suche an sich ist ein Gewinn, den Web-Browser halten wir für überflüssig. Dass jedoch noch Platz für manche Erweiterung bleibt, zeigt die karussellförmige Anordnung der einzelnen Online-Menüs. Wir sind gespannt auf das erste Update.

Test: Comand-System in der S-Klasse von Mercedes-Benz

Der große Luxus des feinen Fahrens

Was Mercedes-Benz mit und rund um das bewährte Comand-System in der S-Klasse bietet, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Das vernetzte Fahren und die Konnektivität werden bei Audi, BMW und Mercedes-Benz immer wichtiger, mancher befürchtet gar einen Overkill der Elektronik an Bord. Audi und BMW bringen das Internet ins Fahrzeug: Die Navigation hält Informationen aus Google Earth parat, der Monitor wird bei BMW zur Surfstation. Audi setzt auf eine Online-Suche im Netz, sie wird mit Fingerbewegungen auf einer berührungsempfindlichen Fläche bedient. Nach dem aktuellen 7er BMW und dem Audi A8 haben wir nun die Kommunikationstechnik der S-Klasse von Mercedes-Benz ausprobiert.

Nach zwei Wochen gibt es ein klares Fazit: Was die Stuttgarter mit und rund um ihr bewährtes Comand-System bieten, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Der Arbeitsplatz: Die S-Klasse von Mercedes-Benz (Fotos Spehr)

Comand mit Radio, Controller, Telefontastatur und riesigem 20-Zentimeter-Farbdisplay sowie einer Musik-Schnittstelle gehört in der S-Klasse zur Serienausstattung, vom S 400 an sind auch die Festplatten-Navigation mit 7 Gigabyte freiem Speicher für eigene Musik sowie die Sprachbedienung mit dabei. Wer gern in Preislisten der Begehrlichkeiten schwelgt, kann seine S-Klasse mit feinen Sound-Paketen von Bang & Olufsen ausstatten (das opulenteste kostet fast 10.000 Euro), und neuerdings gibt es, wie bei Audi, auch einen W-Lan-Hotspot, der die Notebooks und Smartphones der Passagiere ins Internet bringt.

Telefon mit numerischem Ziffernblock

Comand besteht aus mehreren Kernelementen: Zunächst, wie bei der Konkurrenz, der Controller, ein Drehsteller, den man auch drücken und in alle Richtungen schieben kann. Ferner klar beschriftete Funktionstasten rund um dieses Hauptbedienelement. Sie aktivieren ohne jeden Umweg direkt die Abteilungen Telefon, Navigation, Audio. Eine Zurück-Taste ist dabei und ein Drehrädchen zum Einstellen der Lautstärke der HiFi-Anlage. Das Telefon hat eine eigene numerische Tastatur über dem Controller, sie ist mit einer klappbaren Abdeckung geschützt.

Eine Pracht: Das elektronische Cockpit-Display

Dazu kommen zwei Bildschirme mit sehr guter Darstellungsqualität. Der linke ist das Hauptinstrument im Cockpit rund um Tachometer und Drehzahlmesser: eine rein elektronische Anzeige, die programmierbar ist. Im Innenring des Tachometers lassen sich die Rufnummern aus dem Telefonbuch oder die Fahranweisungen der Navigation anzeigen, nur die Spitze der Tachonadel ist derweil auf der Skala sichtbar. Was auf diesem Cockpit-Display erscheint, wählt man mit den Multifunktionstasten am Lenkrad. Zweitens der in der Vertikalen motorbetrieben drehbare Hauptbildschirm. Er wird mit dem Controller und seinen Tasten gesteuert, die Inhalte sind vollkommen unabhängig vom Tacho-Display. So wählt der Beifahrer den nächsten Radiosender mit dem Controller, während der Fahrer die Piktogramme für die Navigation sieht.

Zum Glück kein Menü-Wirrwarr

Das bei der Konkurrenz bisweilen verwirrende Schieben und Drücken des Drehstellers in verschiedene Richtungen hat Mercedes-Benz geschickt vermieden: Mit den Tasten kommt man ohne Mühe in die Hauptmenüs. Anschließend sind alle weiteren Untermenüs wie ein Laufband in der Waagerechten angeordnet und mit schnellem Drehen erreichbar. Das ist nahezu intuitiv zu beherrschen, es gibt kein Menü-Wirrwarr, keine Verästelungen, sondern klare Linien, auf denen der Nutzer schnell zum Ziel kommt. Dieses schlichte und sofort verständliche Bedienprinzip ist ein großer Pluspunkt.

Mittelarmlehne: Controller und umgebende Menütasten

Auch bei der Unterhaltung bleiben kaum Wünsche offen. Neben Radio und CD/DVD-Spieler lassen sich MP3-bestückte SD-Karten, USB-Sticks und portable Musikspieler anbinden. Die Geräte landen im Handschuhfach, das „Media Interface“ kommt mit den entsprechenden Kabeln. Auch für den iPod von Apple findet sich dort der entsprechende Anschluss. Ein iPhone 4 passt zwar mechanisch auf den Stecker, wurde aber von Comand nicht erkannt. Also nahmen wir den iPod, und, siehe da, schon ließ sich mit dem Controller flink durch Alben und Titel blättern, und man sieht die Namen der Stücke im Display. Für noch mehr Komfort sorgt die Feinabstimmung nach Wiedergabelisten, Podcasts oder Hörbüchern. Das große Extra ist das „Music Register“, mit dessen Hilfe man seine Audio-CDs auf den Festplattenspeicher von Comand kopiert. Die Alben werden mit der eingebauten Gracenote-Musikdatenbank erkannt, beschriftet und lassen sich auch nachträglich in Ordner kopieren oder löschen.

Versteht den Fahrer: Spracherkennung Linguatronic

Wer seine Beifahrer verwöhnen will, sollte das „Entertainment-Paket vorn“ mit Harman-Kardon-Surroundanlage sowie einem Splitview-Monitor wählen (2100 Euro). Der Bildschirm liefert dann zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Bei allem Luxus fehlt indes ein wichtiges Detail: die drahtlose Musikübertragung vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP. Diese Technik ist mittlerweile selbst in vielen Kleinwagen selbstverständlich.

Bei der Ankopplung eines Bluetooth-Telefons an Comand ist eine Besonderheit zu beachten. Ist die „Komforttelefonie“ mit Ladeschale (für 470 Euro) eingebaut, muss man sich bei der Blauzahn-Anbindung mit einer Umstandskrämerei herumplagen: Mit jedem Start sucht Comand zunächst das fest eingebaute Telefon und bietet erst nach einigen Minuten und nur kurz den Wechsel zu Bluetooth an. Ein Trick, um diese lästige Prozedur abzukürzen, besteht darin, die Schale in der Mittelarmlehne mechanisch zu entfernen. Anschließend funktionierte bei uns alles einwandfrei, mit dem besagten iPhone und mit einem Androiden. Nicht nur der Zugriff auf Telefonbuch und Anruflisten gelingt prima. Mit der Spracherkennung Linguatronic gibt es eine Namenswahl, was will man mehr? Vieltelefonierern empfehlen wir allerdings das Telefonmodul mit Sim-Access (420 Euro), das eine Mobilfunkeinheit mitbringt und das Handy während der Fahrt in einen Tiefschlaf legt. Denn die hervorragend gedämmte Karosserie der S-Klasse schottet auch die Mobilfunksignale ab. Mit Sim-Access (das leider von den meisten Oberklasse-Smartphones nicht unterstützt wird), telefoniert man in Regionen mit schwacher Funkversorgung deutlich besser.

Dynamische Navigation mit TMC Pro

Die Linguatronic bewährt sich auch bei der Eingabe des Navigationsziels. Nun geschieht das, wie bei der Konkurrenz, in einem Rutsch mit der „One shot entry“-Technik, die hervorragend funktioniert, allerdings etwas schneller zur Sache kommen könnte. „Navigation wird aktiviert“ sieht man ein, zwei Minuten zu Beginn der Fahrt, da sind andere flotter. Während der Routenführung ist das Gebotene überragend, die Ansagen kommen klar und präzise, es gibt einen Kreuzungszoom und Fahrspurempfehlungen.

Nur ein Tastendruck: Linguatronic Spracherkennung

Was wir vor einem Jahr in der E-Klasse beklagten, hat Mercedes-Benz hier verbessert: Die kameragestützte Erkennung der Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen arbeitet nun sehr ordentlich. Sowohl die bedingten Tempolimits (bei nasser Fahrbahn oder zu bestimmten Uhrzeiten) wie auch die Anzeigen der dynamischen Geschwindigkeitsregelungsanlagen auf Autobahnen wurden fast immer richtig erkannt. Zudem wird der Hinweis jetzt auch permanent auf der Navi-Karte einblendet und nicht nur einige Sekunden im Tachometer-Innenring wie in der E-Klasse.

Unser Fahrzeug hatte ferner „TMC Pro“ zur dynamischen Navigation „um den Stau herum“ eingebaut. Diesen Premium-Dienst haben wir oft gelobt, aber in den zwei Wochen mit der S-Klasse waren wir nicht immer zufrieden: Auf unseren längeren Fahrten war rund jeder zweite gemeldete und tiefrot in der Karte hervorgehobene Stau entweder beim Eintreffen schon aufgelöst oder nicht so gravierend, dass sich eine Ausweichstrecke gelohnt hätte. Andere Quellen für hochwertige Verkehrsinformationen, etwa mit Floating Car Data, stehen nicht zur Verfügung, denn Mercedes bietet einen Internetzugang erst in der neuen C-Klasse an, das Stichwort lautet „Comand online“. Auch ein Head-up-Display, das Navi- und andere Hinweise in die Frontscheibe einspielt, ist nicht lieferbar.

 

Sparen mit Erdgas? Fahrtbericht Mercedes-Benz B 180 NGT

500 Kilometer Fahrstrecke, zwei Erwachsene, zwei Hunde und das Reisegepäck: Am Ende des Tages standen keine 30 Euro auf der Kraftstoffrechnung, so günstig kann man heutzutage Auto fahren. In diesem Fall nicht etwa dank äußerst sparsamem Dieselmotor, sondern in der geräumigen B-Klasse von Mercedes-Benz mit Erdgasantrieb, dem B 180 NGT, das zusätzliche Kürzel steht für “Natural Gas Technology”, und natürlich schmückt sich auch dieses Modell mit dem “Blue Efficiency”-Emblem.

Sparbüchse? Mercedes-Benz B 180 NGT (Foto Hersteller)

 

Im Innenraum ist von der Erdgas-Technik auf den ersten Blick nichts zu sehen: Viel Platz und viel Beinfreiheit, auch im Fond. Die Rücksitzbank lässt sich wie gehabt nach vorn klappen, 422 bis 2117 Liter Gepäckraumvolumen sind beeindruckend. Auf den zweiten Blick scheint der Kofferraum dann doch etwas kleiner zu sein als in der B-Klasse mit Benzin- oder Dieselmotor. Dafür zeichnen die fünf Erdgasbehälter verantwortlich. Zwei sind mittig unter dem Wagenboden montiert, drei unter dem Heck. Sie vermindern das Volumen des Gepäckraums allerdings nur um bescheidene 128 Liter. Auch das Mehrgewicht von 120 Kilogramm gegenüber herkömmlichen Antriebstechniken ist ganz in Ordnung, bei anderen Erdgasfahrzeugen beträgt es 160 Kilogramm. Der Grund sind besonders leichte Druckgasbehälter aus Verbundwerkstoff anstelle der üblicherweise verwendeten Erdgas-Stahltanks. So kommt der mit dem Fahrer besetzte B 180 NGT auf 1470 Kilogramm (zulässiges Gesamtgewicht: 1950 Kilogramm).

Mercedes Benz hat indes noch einen weiteren Pfeil im Köcher: Sind die meisten Erdgasfahrzeuge für den monovalenten Betrieb allein mit Erdgas ausgelegt und können nur im Notfall mit einem Mini-Zusatztank auf den Benzinbetrieb umgeschaltet werden, bietet diese B-Klasse den bivalenten Betrieb mit doppeltem Tank, nämlich rund 16 Kilogramm fürs Erdgas und zusätzlich 54 Liter Benzin. Ein riesiger Vorteil angesichts der geringen Reichweite im Erdgasbetrieb (rund 250 bis 300 Kilometer), der nervenaufreibenden Schnitzeljagd nach der nächsten Zapfstelle in Deutschland sowie der miserablen Versorgung in den meisten europäischen Nachbarländern. Ohne die Ausweichmöglichkeit des Benzinbetriebs geht es jedenfalls nicht, Urlaubsreisen mit monovalenten Erdgasfahrzeugen ins Ausland sind eine Tortur.

Trotzdem: Wer schon aus Gründen der Sparsamkeit überwiegend mit Erdgas fahren will, muss sich auf manche Pause beim freundlichen Tankwart einstellen. Auf unserer 500-Kilometer-Tour haben wir insgesamt dreimal getankt. Zugegeben, das dritte Mal nur, um den Gasvorrat wieder aufzufüllen. Aber man muss vorab genau planen, am besten sucht man sich auf www.gas24.de die Zapfstellen entlang der Route aus, die den kleinstmöglichen Umweg bedeuten. Das Comand-APS-Navigationssystem in der B-Klasse (für einen Aufpreis von 3400 Euro) kennt zwar die rund 800 Erdgastankstellen in Deutschland, führt einen aber gegebenenfalls zu einer Anlage jenseits der Autobahn, die 30 Kilometer von der Route entfernt ist. Diese langen Umwege sollte man bedenken, bevor man mit einem Erdgas-Fahrzeug liebäugelt.

Davon einmal abgesehen erfordert das Fahren mit Erdgas keine Umstellung. Der Motor startet stets im Benzinbetrieb, und wenn zuletzt der Erdgasmodus gewählt war, schaltet er nach etwa einer Minute automatisch um. Dann steht ein “CNG” (für “Compressed Natural Gas”) im Display des Drehzahlmessers und ein kleines Symbol in der Monochromanzeige des Bordcomputers weist ebenfalls darauf hin. Zwischen beiden Betriebsarten kann man jederzeit mit den Menütasten des Lenkrads umschalten, auch während der Fahrt. Ist einer der beiden Tanks leer, erfolgt nahtlos der Wechsel zum anderen. Man spürt es nicht, hört aber ein leises metallisches Klacken.

Zu loben ist Mercedes-Benz sodann für die gelungenen Info-Anzeigen. Während man bei den meisten Erdgas- und fast allen Autogasanlagen nur ungefähre Schätzungen zum Füllstand und keine präzisen Informationen über Durchschnittsverbrauch und errechnete Reichweite bekommt, zeigt der Bordcomputer der B-Klasse alle Details, und die Hochrechnungen sind verflixt genau. Der 2-Liter-Vierzylinder mit 85 kW (116 PS) entspricht in den Basisdaten — bis auf den kleineren Hubraum — dem des B 180 “Blue Efficiency” mit 1,7 Liter. Der NGT hat ein höheres Drehmoment (165 statt 155 Newtonmeter), beide erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von etwas mehr als 180 km/h.

Den Spurt auf 100 km/h absolviert der B 180 NGT in 12,4 Sekunden, unabhängig vom verwendeten Kraftstoff. In der Stadt und auf der Landstraße ist man mit dem Mercedes durchaus flott unterwegs, muss allerdings wegen des geringen Drehmoments häufig schalten. Auf der Autobahn pendelt sich die typische Reisegeschwindigkeit schnell bei 140 km/h ein. Jede weitere Beschleunigung ist mit viel Geduld und Lärm verbunden, und was man sich an erster Stelle auf langen Strecken wünscht, wäre ein länger übersetzter sechster Gang. Indes ist nur die Fünfgang-Schaltung lieferbar, — oder ein Automatikgetriebe gegen Aufpreis (2100 Euro).

Wir sind den NGT fast ausschließlich mit Erdgas gefahren und kamen im Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn auf einen (klassentypischen) Durchschnittsverbrauch von 5,8 Kilogramm für 100 Kilometer. Bei sehr vorsichtiger Fahrweise sind 5,4 Kilogramm durchaus zu schaffen. 1 Kilogramm Erdgas, das etwa 1,5 Liter Benzin entspricht, kostet derzeit rund 1 Euro. Mit einem Grundpreis von 29 500 Euro ist der NGT 3700 Euro teurer als der B 180 in der Benzinvariante. Bei einem Benzinpreis von 1,32 Euro pro Liter spart man im reinen Erdgasbetrieb 6,08 Euro auf 100 Kilometer, und der NGT rechnet sich damit nach 60 000 Kilometer. Im Vergleich mit einem sparsamen Diesel sieht die Bilanz für den alternativen Kraftstoff noch schlechter aus. Nur wenn die Benzinpreise abermals stark steigen sollten, wird der B 180 NGT für den Vielfahrer zur Sparbüchse.

Disclaimer: Alle Preise Stand März 2010.

 

Internet im Auto: Geradewegs in die Sackgasse

Das Auto bekommt einen Internetzugang. Die Anzeige des Navi-Systems muss dafür herhalten. Ein Konzept, das im praktischen Einsatz kein bisschen überzeugt.

Das Internet kommt ins Auto. Diese leicht dahingeworfene Bemerkung hört sich zunächst nach einer Selbstverständlichkeit an: Natürlich kommt das Internet ins Auto, schließlich hat es auch den Weg auf unsere Handys, in die Spielekonsolen und in alle nur denkbaren Gerätschaften des Haushalts geschafft. Warum also nicht auch ins Auto? Experten wissen: Das Internet ist längst in den Fahrzeugen der gehobenen Mittel- und Oberklasse angekommen, es holt sich dort Verkehrsinformationen aus Rechenzentren ab, es ist das Transportmedium für Telematikdienste aller Art, und es überträgt den geographischen Standort des Fahrzeugs bei einem Unfall automatisch an die Rettungszentrale. Das ist mit der Floskel “Internet im Auto” aber nicht gemeint. Es geht vielmehr um das Surfen im Netz, um den Abruf aktueller Nachrichten und E-Mails, einen Blick auf die Web-Präsenz der Musikgruppe, die man gerade im Radio hört – und natürlich um Recherchen rund ums Reisen.

Je jünger der Fahrer, desto wahrscheinlicher ist er “online”. Im Auto ist selbstredend sein Smartphone eingeschaltet, er wirft nebenbei einen Blick auf die E-Mail, bekommt aktuelle Meldungen aus Facebook oder Twitter angezeigt. Was sich bislang auf dem Taschencomputer abspielt, soll nun in die Elektronik des Fahrzeugs integriert werden. Nichts einfacher als das, scheinen die Entwickler mancher Automobilhersteller zu denken – und setzen das Internet eins zu eins fürs Fahrzeug um: Man nehme den Monitor des Navi-Systems, ergänze die Software um einen WWW-Browser, und als Maus-Ersatz soll der Controller dienen, also der Drehsteller, mit dem man üblicherweise Ort und Straße des Navigationsziels erfasst.

Alles, was wir bislang gesehen haben, überzeugt jedoch in der praktischen Erprobung nicht. Man kann zunächst das alte Argument vorbringen, dass das Auto zur Fortbewegung von A nach B dient, dass ohnehin viel zu viel ablenkender Schnickschnack an Bord ist, dass sich der Fahrer tunlichst dem Geschehen auf der Straße widmen sollte und mancher Autohersteller gut beraten wäre, zunächst die mechanischen Eigenschaften seiner Vehikel in den Blick zu nehmen.

WWW: Internetzugang im aktuellen 7er BMW, Baujahr 2009 (Foto Spehr)

Das alles ist richtig und zudem zeigen die bislang eingeschlagenen Wege nicht die Zukunft des Internet im Fahrzeug. Sie führen vielmehr in die Irre, sie sind eine Leistungsschau des technisch Möglichen und Produkte für den Verkaufsraum, aber keine Lösungen der Vernunft. Mit hohem Aufwand wird geringer Nutzwert produziert. Das beginnt mit dem Navi-Bildschirm, der in der Regel zwar hinreichend breit, aber nicht hoch genug ist. Selbst der aktuelle 7er BMW bringt es mit seiner prachtvollen Anzeige auf nur 1280 × 480 Pixel. Man muss ständig “scrollen” und für kleinere Schriften den Zoom bemühen. Dann die Eingabe einer WWW-Adresse: Mit dem Drehsteller eine Tortur ohnegleichen, selbst für ein simples “faz.net” benötigt man länger als eine Minute. Bei einer schlichten Google-Suche der Art “Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet am Wochenende” dreht und drückt man gefühlte Ewigkeiten. Und was ist mit der Spracherkennung? Kein Hersteller traut sich, mehr zu implementieren als das, was über die typischen Navi- und Telefon-Kommandos hinausgeht. Also Fehlanzeige. Ferner die Darstellung der Inhalte auf dem Monitor: Die gängigen Browser in den Limousinen der Oberklasse bieten nur ein sehr rudimentäres Surfvergnügen, komplizierte Seiten werden nur selten fehlerfrei aufgebaut, schon Java-Script funktioniert in der Regel nicht, von Flash und anderen Erweiterungen gar nicht zu reden.

Mit diesem ersten Anlauf ist das Internet im Auto gescheitert. Das haben zum Glück etliche Unternehmen bereits begriffen. Audi beispielsweise setzt auf ein Touchpad mit Handschrifterkennung zur Texteingabe. Man malt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen auf einer berührungsempfindlichen Fläche, und das funktioniert sehr ordentlich. Man muss zudem nicht einmal den Blick von der Straße nehmen. Gestartet wird dann eine Google-Suche. Die Treffer lassen sich sofort in die Routenführung übernehmen, angezeigte Telefonnummern können aus der Liste der Fundstellen heraus angerufen werden. Der Nachteil hier: Man sieht keine ganzen WWW-Seiten. Aber dieses System ist auch während der Fahrt sinnvoll einsetzbar. Generell müssten die Hersteller mit der Frage beginnen, welche Informationen der Autofahrer wann erhalten soll und wie man diese so aufbereitet, dass die Ablenkung vom Verkehrsgeschehen minimal ist. Je länger man über diese Problematik nachdenkt, um so abstruser erscheint die ursprüngliche Idee, das Surferlebnis am PC auf den Navi-Bildschirm zu übertragen. Man will unterwegs nicht über jede neue E-Mail informiert werden, man will nicht jede aktuelle Schlagzeile auf einer Nachrichtenseite lesen. Die Filterung und selektive Aufbereitung von Informationen ist das Schlagwort für einen sinnvolleren mobilen Interneteinsatz.

Dazu müsste der Nutzer ein Ensemble jener Inhalte zusammenstellen können, die ihn im Auto interessieren und begleiten sollen. Beispielsweise könnte man RSS-Feeds abonnieren. Das sind jene Schlagzeilen, die alle Nachrichtenseiten in kompakter Form zum Lesen mit einer RSS-Software anbieten. Dergleichen gibt es schon, etwa bei Audi und BMW. Noch fehlt bei den führenden Herstellern eine gelungene Integration der E-Mail. Auch hier gilt: Nicht auf alles hinweisen, sondern dem Kunden Filter und Regeln anbieten. Wichtige neue Post könnte mit einer synthetischen Stimme vorgelesen werden, und man antwortet vielleicht mit einem kurzen Diktat, Stichwort: Spracherkennung. Auch die sozialen Netzwerke und Twitter bieten hinreichend viele Möglichkeiten der Individualisierung und Personalisierung von Informationen. Vermutlich benötigt man ganz neue Darstellungsformen, man denke etwa an Tag-Wolken aus Schlüsselbegriffen oder Head-up-Displays. Kluge Köpfe und pfiffige Ideen sind also gefragt, sonst wird das nichts mit dem Internet im Auto.

Zwischen Hingabe und Präzision

Neulich beim Mercedes-Händler. Der ältere Kunde, wir schätzen ihn auf jugendliche 75 Jahre, holt einen nagelneuen CLS 350 ab. Fein herausgeputzt steht das Coupé im Hof, und der Verkäufer beginnt mit seiner Einweisung. Rund eine Stunde hören wir mit halbem Ohr zu, unser Auto wird derweil in der Werkstatt geprüft. Was das Fahren und die Mechanik betrifft, ist alles Wichtige schnell gesagt. Und dann geht es an die Erklärung des Comand-Systems für Routenführung, HiFi und Telefonie. „So geben Sie das Ziel ein, da geht es zurück ins Hauptmenü, mit dieser Taste starten Sie …“ und so weiter. Der stolze Neuwagenbesitzer wird langsam ungeduldig. Er will vermutlich den Sechszylinder sofort auf den engen Straßen des Taunus ausfahren, die Leistung und Leidenschaft von mehr als 300 PS spüren und eine scharfe Prüfung auf Exaktheit und Funktion vornehmen. Wir können ihn verstehen und leiden mit. Dieses Auto muss bewegt werden. „Zeigen Sie ihm doch endlich die Sprachbedienung“, möchten wir am liebsten den Verkäufer in seinem Redeschwall unterbrechen. Damit hätte sich das ganze Hin und Her sofort erledigt. Denn die Spracherkennung arbeitet bei den deutschen Premiumherstellern mittlerweile verblüffend gut. „Ziel eingeben, Frankfurt, Hellerhofstraße“, das ist schon alles. Ältere Autofahrer profitieren davon ungemein. Sie können sich wieder mit allen Sinnen einer Fahrt zwischen Hingabe und Präzision widmen.