Fünf Finger für Windows 8

Auf der CES in Las Vegas konnten wir sie bereits in die Hand nehmen und für kurze Zeit ausprobieren: Die ersten Tablet PC mit Windows 8. Da prickelt es schon, wenn aus dem Flachrechner mit einem Fingerwisch ein vollwertiges Arbeitsgerät wird, auf dem unter anderem Outlook läuft. Der Tablet wird erwachsen, könnte man sagen, er verspricht einen gewissen Mehrwert.

Vor einigen Wochen hat Microsoft die Richtlinien für diese neue Gerätegattung vorgestellt. Alle Hardwarehersteller und Entwickler müssen die bis ins Detail aufgeführten Bedingungen erfüllen. Demnach hat ein Windows-8-Tablet mindestens eine Bildschirmauflösung von 1366 × 768 Pixel. Die zwangsläufig sehr breiten Geräte sind damit für die Wiedergabe von HD-Filmen bestens gerüstet. Mindestens 10 Gigabyte freier Speicher stehen ferner im Pflichtenheft, Sensoren aller Art kommen dazu, und Bluetooth muss in der aktuellen Version 4.0 implementiert sein. Aber die Regulierungswut von Microsoft geht noch weiter. Es gibt Vorschriften zur Lage und Anordnung der einzelnen Tasten, und der berührungsempfindliche Bildschirm muss in der Lage sein, die Gesten von mindestens fünf Fingern zu erkennen, die sich gleichzeitig auf dem Display bewegen. Man kann sich darüber amüsieren, keine Frage.

Erfahrene Marktbeobachter sehen jedoch verblüffende Parallelen zu Windows Phone 7, dem jungen Microsoft-Betriebssystem für Smartphones. Auch hier haben die Amerikaner den „Basteleien“ der unterschiedlichen Hersteller einen Riegel vorgeschoben. Mit strengen Regeln will man dafür sorgen, dass der Nutzer einen stimmigen und konsistenten Eindruck erhält, der nicht durch weitere Zutaten verwässert oder verändert wird. Windows Phone 7 ist zwar nicht erfolgreich. Aber mit einem Blick auf die Fragmentierung in der Android-Welt kann man das enge Korsett von Microsoft nur begrüßen.

5 Tipps zu Windows Phone 7.5 (Mango) / Nokia Lumia 800

Keine Frage, das neue Nokia Lumia 800 mit Windows Phone 7.5 gefällt. Mein Review findet sich hier, ich mag das Gerät. Vor allem das minimalistische Design hat seinen ganz eigenen Charme. Obwohl Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick nicht so reichhaltig mit Funktionen bestückt ist wie ein iPhone oder Androide, gibt es unter der Oberfläche doch einiges zu entdecken. Hier einige Tipps:

1. Facebook-Veranstaltungen im Kalender

In der Standardeinstellung werden alle Facebook-Veranstaltungen im Kalender angezeigt, zu denen man eingeladen worden ist. Mehr Übersicht schafft die Option, “Nur Facebook-Veranstaltungen anzeigen, auf die ich geantwortet habe”. Dazu in der Kalenderansicht auf die drei Pünktchen tippen, und “Einstellungen” wählen. Hier lassen sich auch die zu synchronisierenden Kalender auswählen.

2. Den Taskmanager aufrufen

Dazu die Softkey-Taste “Pfeil nach links” unterhalb der Anzeige etwas länger drücken. Die zuletzt aufgerufenen Programme erscheinen als Kacheln nebeneinander.

Verknüpfte Posteingänge: So geht's (Foto Microsoft)

3. Die Sprachsteuerung aufrufen

Sie erscheint manchmal, etwa im Chat-System, als kleines Mikrofonsymbol am unteren Bildschirmrand. Aber nicht immer. Die globale Spracherkennung ruft man mit längerem Festhalten der Softkey-Taste “Windows” unterhalb der Anzeige auf. Das Gerät muss dazu (im Unterschied zum iPhone 4S mit Siri) entsperrt sein.

4. Podcasts laden

Fürs erste Mal müssen Podcasts mit der Windows-Software “Zune” auf das Gerät geladen werden. Neue Folgen kann man aber mit dem Button “Abonnieren” ohne PC-Verbindung holen.

 5. Globaler / verknüpfter Posteingang

Auf der Startseite ein E-Mai-Konto aufrufen, auf die drei Pünktchen tippen, auf “Posteingänge verknüpfen” tippen und die gewünschten Posteingänge auswählen. Das Konto wird auf der Startseite umbenannt in “Posteingänge”.

 

 

 

Silbergrau statt Blau: Visuelle Effekte bei Office 2003 unter Windows 7 deaktivieren

Wer von Windows XP auf Windows 7 umsteigt, aber “aus Gründen” beim alten Microsoft Office 2003 bleiben will, mag sich über das blaue Design bei Word, Outlook & Co. ärgern. Was vorher in elegantem Silbergrau daherkam, sieht nun aus wie manches Badezimmer in den 70er Jahren. Die Abhilfe ist einfach:

Rechtsklick auf das jeweilige Programm-Icon, “Eigenschaften” und “Kompatibilität” wählen und anschließend ein Häkchen an “Visuelle Designs deaktivieren”. Mit dem nächsten Start sind Word & Co. schön wie nie …

Test: Blue & Me im Alfa Romeo Giulietta

La Dolce Vita und das italienische Leben: Der Alfa Romeo Giulietta, der in der Golfklasse fährt und mit seinem Fahrspaß begeistert, lässt sich recht schnell an Grenzen bringen. Nicht auf der Straße, nicht in engen Kurven, wohl aber in Sachen Kommunikationstechnik. Zwei Pakete sind für den flotten Alfa lieferbar, aber nur eins würden wir ungeachtet einiger Mängel mitnehmen. Der Freisprecher Blue & Me mit Sprachbedienung, USB- und Aux-Anschluss im Handschuhfach für 360 Euro hat (leider) kaum etwas mit der Navi-Abteilung (für Preise zwischen 1700 und 2550 Euro) gemeinsam.

Blue & Me: Monochromdisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser (Fotos Spehr)

Blue & Me ist eine ältere Anlage, die Fiat zusammen mit Microsoft entwickelt hat. Sie nutzt ein kleines Monochromdisplay unterhalb von Tachometer und Drehzahlmesser, wird mit den Lenkradtasten und einer Spracherkennung bedient. Neben dem Freisprechbetrieb übernimmt die Anlage auch die Steuerung des Musikprogramms, wobei ein USB-Stick oder ein MP3-Spieler ansprechbar sind. Das iPhone lässt sich nur mit einem zusätzlichen Adapter von Alfa anschließen, der zugleich auch das Laden des Smartphones übernimmt. Zwischen den einzelnen Musiktiteln navigiert man mit den Lenkradtasten oder der Sprachbedienung, Letzteres ist wegen der miserablen Erkennungsleistung allerdings eine Tortur. Auch in der Telefonabteilung ist die Sprachsoftware kein Gewinn. Kaum ein vorgesprochener Name wurde auf Anhieb richtig erkannt, zudem ratterte Blue & Me gleich mit dem Wählvorgang los, anstatt zuvor eine Bestätigung einzuholen. Wer also stattdessen auf den Mini-Bildschirm und die Lenkradtasten zurückgreift, wird sich über die kleinteiligen Menüs und die komplizierte Bedienung ärgern. Einiges funktioniert zudem gar nicht, etwa der Vorleser für neu eingegangene SMS-Nachrichten. Knappes Fazit: Das ist Technik von gestern, zudem fehlt die moderne Bluetooth-Musikübertragung mit dem A2DP-Protokoll. Aber angesichts des günstigen Preises sollte man nicht zu viel meckern. Dank Adapter und Kabel hatten wir unsere Musik im Fahrzeug, und die Akustik der Telefonate war ordentlich.

Das Navi wiederum nutzt einen großen Farbmonitor, der motorbetrieben aus der Mittelkonsole ausfährt und im Neigungswinkel verstellbar ist. Zwar werden einige wenige Telefon-Funktionen hier ebenfalls abgebildet, aber die Integration bleibt rudimentär. Man sieht zwar den Namen des Anrufers auf dem Display, kann dort aber weder im Telefonbuch noch in den Anruflisten blättern. Der elektronische Kopilot leitet (mit Kartenmaterial auf SD-Karte) durch ganz Europa, bietet aber nur eine Basisausstattung ohne jedwede Extras.

Karge Darstellung: Das Navi-System

Die Sprachbedienung bleibt hier ganz außen vor, und die Darstellung auf dem Bildschirm ist äußerst schlicht gehalten. Richtig Spaß machen eigentlich nur die Bordcomputer-Anzeigen des jeweils gewählten Fahrprogramms. Im Dynamic-Modus mit straffer und direkter Lenkung sieht man permanent Motordaten wie den Ladedruck und Informationen zum gewählten Programm (elektronisches Differential, Overboost, Ansprechverhalten von ESP). Ein zweites Menü zeigt, wie im Supersportwagen Nissan GT-R, die aktuellen Kräfte der Quer- und Längsbeschleunigung. Dieses schöne Mäusekino für den sich in den Sitz krallenden Beifahrer macht allerdings die sparsame Ausstattung der Anlage nicht wett: Der Aufpreis ist für das Gebotene deutlich zu hoch.

Nokia und Microsoft: Diese Ehe wurde nicht im Himmel geschlossen

Diese Ehe wurde nicht im Himmel geschlossen, sondern ist aus der Not geboren. Nokia, vor nicht einmal zehn Jahren der große Visionär und Stratege bei den allerersten Smartphones, verzichtet künftig bei seinen Top-Geräten auf das hauseigene Symbian-Betriebssystem und setzt statt dessen Microsofts Windows Phone 7 (WP 7) ein. Die Vorgeschichte ist bekannt: Einbrüche bei den Marktanteilen seit Jahren, Symbian schien nicht mehr zu retten. WP 7 hingegen ist neu, attraktiv und modern. Aber es setzt sich am Markt nicht durch. Apples iOS und Android dominieren in der Gunst der Kunden, die beiden bilden die Speerspitze des Fortschritts. WP 7 und Microsoft werden gewiss von der am Freitag verkündeten Allianz profitieren. Aber was hat Nokia davon? Symbian geht unter, es wird zum Betriebssystem für Billigprodukte. Auch die Entwickler rund um Nokias Ovi-Welt werden sich zurückziehen. Nur die finnische Navi-Software „Maps“ findet in der neuen Allianz ein sicheres Plätzchen, alles andere hat langfristig keinen Bestand. Denn WP 7 bietet nur wenig Luft für Erweiterungen von Zulieferern und Hardware-Herstellern. Und das ist genau die Rolle, die Nokia künftig einnehmen wird: ein WP-7-Anbieter von vielen, ein Lizenznehmer von Microsoft-Technik, der sich in erster Linie mit guter Hardware behaupten muss. Nokia hat also das Ruder herumgerissen. Nur, in welche Richtung?

Gedankenspiel: Nokia gibt Symbian auf und wechselt zu Microsofts Windows Phone 7

Meine bescheidene Einschätzung, ich gehe mal davon aus, dass alle Hintergründe bekannt sind. Demnach will angeblich der finnische Patient sein betagtes Symbian-Betriebssystem aufgeben und zu Microsofts Windows Phone 7 (WP7) wechseln. Was wären die Folgen?


  • Die Mitarbeitermotivation bei Nokia ist im Keller. Aber gründlich.
  • Symbian ist tot. Mausetot.
  • Das mit Intel entwickelte Betriebssystrem MeeGo ist tot.
  • Nokia wird zu einem von vielen Herstellern von WP7-Smartphones.
  • Bislang ist der Marktanteil von WP7 verschwindend klein, obwohl es im Prinzip ganz gut ist. Mit diesem Deal würde der Marktanteil von WP 7 deutlich steigen.
  • Aber die Bedeutung der Marke Nokia nähme dramatisch ab, zumal WP 7 so gestrickt ist, dass es im Unterschied zu Android kaum Luft für Hersteller-spezifische Anpassungen bietet.
  • Die zahlreichen Ovi-Dienste würden fast ausnahmslos verschwinden, weil sie schlichtweg überflüssig wären. Mail, Exchange-Anbindung, App Store und so weiter: das alles kann Microsoft besser und ist in WP 7 schon vorhanden.
  • Aus der Ovi-Familie könnte vermutlich nur die Nokia-Navigation “Maps” / “Karten” gerettet werden.
  • Nokia hat bislang keine Smartphones mit hochauflösendem (800 x 480 Pixel) Display im Angebot. Bestünde Nokias Strategie dann vielleicht darin, billige “Brot und Butter”-Smartphones für Wachstumsmärkte wie China oder Indien herzustellen?
  • Der Gewinner dieses Kurswechsel wäre an erster Microsoft, nicht Nokia.

Test: Was bringt Windows Phone 7 von Microsoft?

Wenn Microsoft jetzt mit Windows Phone 7 den Smartphone-Markt neu aufmischen will, muss man zunächst einen Blick in die Vergangenheit richten, um aktuelle Entwicklungen zu verstehen. Ein Betriebssystem von Microsoft für Taschencomputer gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Aus heutiger Sicht waren die Geräte extrem umständlich zu bedienen.

Das neue Windows Phone 7 auf dem HTC Trophy nutzt große Schaltflächen zur einfachen Bedienung. Verpasste Anrufe sieht man sofort. (Foto: Hersteller)

Wer damals einen solchen “Pocket PC” nutzte, gehörte zur Avantgarde der besonders technikaffinen Menschen, die den Reiz des Neuen suchten. 2007 kam Apple mit dem ersten iPhone und veränderte die Smartphone-Welt grundlegend: Es konnte nicht viel, es war in technischer Hinsicht den Konkurrenzprodukten deutlich unterlegen. Aber es war verblüffend einfach zu bedienen und stieß quasi die Türen des mobilen Internets für neue Zielgruppen weit auf. Wir waren damals nicht begeistert und schrieben: “Alles weglassen, was nicht schick oder kompliziert sein könnte: Das ist die Maxime des iPhone. Ob das revolutionär ist, sei dahingestellt. Viele selbstverständliche und bei jedem anderem Handy vorhandene Dinge fehlen.” Diese Einschätzung kann man nun fast eins zu eins auf Windows Phone 7 übertragen.

Der Trick von Microsoft besteht also darin, die Erfolgsgeschichte von Apple zu wiederholen. Windows Phone 7 ist, wie damals das iPhone-Betriebssystem, von Grund auf neu entwickelt, nichts erinnert an die Vorgängerversion 6.5. Es ist ein Betriebssystem aus einem Guss, ohne Altlasten, ohne Schnörkel, und es kommt mit einem geradlinigen neuen Design, das Maßstäbe setzen wird. Es ist konsequent auf eine einfache Bedienung mit dem Finger zugeschnitten. Windows Phone 7 ist ein ästhetisches Produkt, das sich auf die wichtigen Dinge fokussiert – und alles andere ausblendet. Es hat nur diesen einen Pluspunkt. Wer in Kategorien wie Funktionsvielfalt und offenen Schnittstellen denkt oder sein Smartphone mit anderer Peripherie auf allen nur denkbaren Wegen vernetzen will, liegt hier falsch.

Wir haben uns das Windows Phone 7 (WP7) auf dem HTC Trophy angesehen, das etwa die Größe eines iPhone hat, allerdings deutlich dicker ist. Die technische Ausstattung gehorcht den üblichen Anforderungen der Oberklasse, das Display löst mit 480 × 800 Pixel auf, WirelessLan, GPS und Bluetooth gehören dazu, und ein flinker 1-Gigahertz-Prozessor sorgt für ordentliches Arbeitstempo. Acht Gigabyte Speicher sind eingebaut, SD-Karten als Erweiterung werden derzeit von WP7 nicht unterstützt. Man könnte das Gerät für ein Android-Modell halten, es sieht unscheinbar aus und verwendet neben zwei Seitentasten für die Einstellung der Lautstärke drei weitere berührungsempfindliche Schaltflächen unterhalb der Anzeige zur Bedienung. Ferner gibt es eine eigene Kamerataste, die Optik löst mit 5 Megapixel auf und versteht sich auch auf HD-Videos mit 720p. Die Verarbeitungsqualität des Trophy ist ordentlich, der Akku wechselbar, aber die rückseitige Abdeckung sehr dünn.

So wie sich das iPhone am liebsten in der Apple-Welt tummelt, ist WP7 ganz auf Microsoft ausgerichtet. In wenigen Schritten richtet man den Zugang zur geschäftlichen E-Mail mit dem Exchange-Account seines Unternehmens ein. Dann als zweite Adresse ein Windows-Live-Konto, etwa bei Hotmail, und gegebenenfalls noch den Facebook-Zugang. Das ist im Grunde schon alles, in weniger als zehn Minuten läuft das System, und alle Daten stehen unterwegs parat. Der Hauptbildschirm von WP7 zeigt den Weg in die einzelnen Abteilungen mit “Kacheln”, großen Schaltflächen, die sich mit einem Fingertipp aktivieren lassen. Und vor allem sieht man auf einen Blick die anstehenden Termine, neue E-Mail oder SMS sowie verpasste Anrufe. Zurück geht es stets mit einer Taste unterhalb der Anzeige, und in einzelnen Abteilungen kommen weitere Softkeys am unteren Bildschirmrand zum Einsatz. Das Ganze ist fein gemacht, das Gerät reagiert flink, und in diesem Sinne gefällt die Systemkonzeption.

Bemerkenswert ist die sehr tiefe Facebook-Integration. Kontakte aus dem sozialen Netz werden, wie bei anderen Top-Smartphones, nahtlos in die eigene Adressdatenbank eingeflochten, man sieht die Profilbilder und kann manuell Online-Kontakte mit Adressbucheinträgen verknüpfen, wenn das ausnahmsweise nicht automatisch erledigt wird. Mit einer Fingerbewegung in der Horizontalen erscheinen die letzten Facebook-Beiträge der Person, man sieht also schnell, was jemand gerade macht.

In Sachen Office-Funktionalität bietet WP7 ein ausgereiftes Programm mit der Fokussierung auf das Wesentliche. Man kann auf Ordner und Unterordner der elektronischen Post zugreifen, eine Volltextsuche steht parat, Rufnummern in der E-Mail lassen sich an die Telefonabteilung übergeben. Zum Schreiben wird eine virtuelle Tastatur eingeblendet, die Wortratefunktion mitsamt Thesaurus erlaubt schnelles Tippen. Angehängte Word-Dokumente lassen sich öffnen und bearbeiten, aber nur umständlich versenden. Man muss dazu in die Office-Abteilung gehen, die auf dem Smartphone eine mobile Version von Word, Excel sowie One Note und Share Point bereitstellt. Powerpoint-Folien kann man ansehen, aber nicht neu erstellen. Auf dem Handy vorgehaltene Dokumente werden leider nicht automatisch mit Windows Live synchronisiert, während eigene Handyfotos, Kontaktdaten und Kalendereinträge im Hintergrund selbsttätig abgeglichen werden. In diesem Sinne ist der Windows-Live-Account am PC so etwas wie das Apple-Pendant Mobile Me, allerdings gratis. Wie bei Mobile Me lässt sich ein verbundenes Smartphone orten, man kann es vom PC aus klingeln lassen, sperren und sogar aus der Ferne löschen. Nur dass Windows Live bei weitem nicht die Anmutung, Raffinesse und Arbeitsgeschwindigkeit von Mobile Me mitbringt.

Ähnliches gilt für die Musikabteilung: Während sich Apples iTunes zur häuslichen Multimediazentrale entwickelt hat, setzt Microsoft auf seinen Zune-Dienst, der nur eine sehr schlichte Verwaltung eigener Alben bietet – und unter der Motorhaube (etwa bei den Einstellungen für die Musikkonvertierung) intransparent bleibt. Nur mit der Zune-Software am Windows-PC gelingt der Zugriff via USB-Kabel auf das WP7-Gerät, und zwar auf Musik und Fotos. WP7 hat wie das iPhone kein dem Nutzer zugängliches Dateisystem. An dieser Stelle könnte man jetzt eine endlose Liste der Dinge aufzählen, die das neue Microsoft-Betriebssystem nicht beherrscht. Hier nur einige Hinweise: Es gibt kein “Copy & Paste” zum Übertragen von Inhalten, keine programmübergreifende Suchfunktion, keine Kontrolle bei der Datennutzung, keine Einstellung von Abrufintervallen für die E-Mail, es lässt sich nicht als Modem am Notebook verwenden (Tethering), es gibt keine Software für Internettelefonie, Bluetooth funktioniert nur mit Freisprechanlagen, es ist in seinen Möglichkeiten so beschränkt wie das erste iPhone. Während bei Apple mittlerweile mehr als 200 000 Zusatzprogramme parat stehen, führt der Microsoft-Marktplatz nur einige Dutzend auf, eine Twitter-Software fehlt bislang, eine Navigationslösung fürs Auto ebenfalls. Man muss also gegebenenfalls noch einige Zeit warten und kann sich mit der Spiele-Anbindung via Xbox Live trösten. Ob WP7 bei künftigen “Apps” ein Multitasking beherrscht, konnten wir nicht ausprobieren.

Es stellt sich die Frage, ob Microsofts Strategie als “Copycat” aufgeht. Das erste iPhone kam vor drei Jahren unter ganz anderen Rahmenbedingungen auf den Markt. Apple nutzte die Schwächen der damaligen Mitbewerber, um das Smartphone gesellschaftsfähig zu machen. Mittlerweile ist das iPhone deutlich weiter, aber Microsoft will noch einmal von vorn beginnen. Es gibt hier aber kein Alleinstellungsmerkmal und nichts, was WP7 besser könnte als die Konkurrenz. Und man muss sich eben voll und ganz auf die Microsoft-Welt einstellen, während Apple sein System an vielen Stellen geöffnet und damit leistungsfähiger gemacht hat. Vom noch offeneren Betriebssystem Android gar nicht zu reden. Wo ist nun die Zielgruppe für WP7? (F.A.Z. vom 26.10.10)