Plädoyer für den mündigen Kunden und Android pur

Welch ein Chaos: Im Februar kündigt der taiwanesische Hersteller HTC an, dass die stolzen Besitzer eines Desire-Smartphones selbstredend ein Update auf Android 2.3 (Gingerbread) erhalten. Das Gerät ist gerade mal ein Jahr alt. Dann wird zurückgerudert. Kein Gingerbread für dieses Modell, der Arbeitsspeicher reiche nicht aus. Nicht etwa, dass Android so ressourcenhungrig wäre. Nein, vielmehr brauche der aktualisierte HTC-Aufsatz „Sense“ mehr Speicher. Und wegen der „tollen Nutzererfahrung“ von Sense bleibe alles beim alten. Ein Proteststurm auf Facebook setzt ein, und HTC gibt klein bei. Nun soll das Desire doch Gingerbread erhalten. Und was ist mit dem knappen Arbeitsspeicher?

Und retour: Doch Gingerbread fürs Desire

Dieses geradezu typische Herumpfuschen am Betriebssystem betreiben auch Motorola, LG, Sony Ericsson und Samsung. Alten Geräten bleibt die aktuelle Software versperrt – sie kommt gar nicht oder erst Monate später. Sense, Motoblur, TouchWiz und andere Tuning-Maßnahmen werden als Pluspunkt  herausgestellt. Tatsächlich geht es aber darum, dass sich die Hardware-Hersteller ein Stück vom Software-Kuchen abschneiden wollen. Die Idee: Wer beispielsweise den „Friendstream“ von HTC Sense für Facebook oder Twitter einsetzt, meldet sich mit seinen privaten Daten in Taiwan an und bindet sich enger an den Hersteller. Nur sind alle diese Erweiterungen mehr Show-Einlagen für den Verkaufsraum als ernstzunehmende Apps des anspruchsvollen Nutzers. Sie lassen sich zudem nicht deinstallieren, okkupieren Arbeitsspeicher und Systemressourcen, und sie verschlechtern die Android-Erfahrung. Man werfe nur einen Blick auf den Original-Kalender von Android im Vergleich mit dem Murks, den HTC daraus macht. Termine in der Wochendarstellung lassen sich nicht mehr lesen. Oder man blicke auf jene Fehler, die sich bei Samsung in das neue Galaxy S2 eingeschlichen haben.

Die Android-Aufsätze sind also aus vielen Gründen ein Ärgernis. Gewisse Schwächen kann man mit einem alternativen „Launcher“ umgehen. Aber die Wurzel des Übels bleibt. Im Sinne von Google ist das alles nicht. Unzufriedene Kunden suchen händeringend nach Alternativen. Etliche „rooten“ ihr Gerät und spielen neue Betriebssystem-Varianten auf, Stichwort: Cyanogen Mod, ein unabhängiges Entwicklerprojekt. Wichtige Sicherheits-Updates kommen nicht zeitnah auf die aktuellen Modelle, und wer mit Sense, Motoblur oder TouchWiz unangenehme Erfahrungen gemacht hat, wird sich vielleicht ganz von Android abwenden. Dass die App-Entwickler unter der Fragmentierung der Betriebssoftware leiden, sei nur am Rande erwähnt.

Zum Marktstart des Tablet-Systems Android 3.0 Honeycomb hat Google angeblich das Aufspielen der unbeliebten Erweiterungen für einige Monate verboten. Motorolas Xoom kam mit Android pur in den Handel. Nun ist es Zeit, dass Google auch bei den Smartphones das Heft in die Hand nimmt und zumindest eine unumstößliche Regel aufstellt: Wer sein Smartphone zurücksetzt, sollte die Wahl haben, ob er die „tollen“ Erweiterungen mitnimmt oder Android pur bekommt. Man lasse bitte den mündigen Käufer entscheiden.

Ergänzung: Golem meldet, dass das HTC Desire ein „abgespecktes“ Sense erhalten wird.

Test: Android 3.0 Honeycomb auf dem Motorola Xoom

Nun gehen die Rivalen an den Start. Ein Jahr nach Apples iPad erreichen die ersten Tablet PC mit dem Google-Betriebssystem Android den europäischen Handel, und wir haben als erstes das Motorola Xoom ausprobiert. In Kürze folgt das Samsung Galaxy Tab 10.1.v im Vertrieb von Vodafone, das aber schon zum Marktstart veraltet sein wird, denn eine modernere und leichtere Variante ohne „v“ wird bereits Mitte Juni erhältlich sein. Und LG bringt in den nächsten Wochen sein Optimus Pad.

Motorola Xoom: Der iPad Rivale (Foto Hersteller)

Die gute Nachricht: Waren die ersten iPad-Rivalen des vergangenen Jahres durchgängig Murks, sind die aktuellen Geräte empfehlenswert. Man macht mit dem Kauf nichts verkehrt, sie sind hochwertig verarbeitet, der Bildschirm reagiert flink auf Eingaben mit dem Finger, und das auf Tablets zugeschnittene Android 3.0 Honeycomb ist leistungsfähig, schnell und schick. Hier entsteht eine schöne Alternative zur dominierenden Plattform. Aber sie nimmt erst langsam Fahrt auf, noch fehlen die Zusatzprogramme, die „Apps“.

Mit zwei Kernen schneller rechnen

Zunächst ein Blick auf die Hardware: Die junge Konkurrenz orientiert sich sehr dicht an den Vorgaben des iPad. Das Motorola Xoom ist im Querformat betrachtet etwas breiter und rund einen Zentimeter kleiner als das iPad 2, hat eine größere Display-Diagonale und eine geringfügig höhere Bildschirmauflösung (1280 × 800 versus 1024 × 768 Pixel). Es erinnert mit seiner Tiefe von 1,3 Zentimeter an das erste iPad, das Galaxy Tab 10.1 hingegen wird ebenso flach wie das iPad 2 sein. Die Unterschiede der Bauform sind im praktischen Einsatz nahezu belanglos, nur spürt man beim längeren Halten das höhere Gewicht des Xoom (730 Gramm) im Vergleich mit dem schlanken, leichten iPad 2 (600 Gramm) durchaus. Die Verarbeitungsqualität des Xoom ist sehr ordentlich. Motorola spendiert eine Rückseite aus Aluminium, nur die obere Abdeckung der Antennen besteht über eine Höhe von vier Zentimeter aus Plastik.

An der Qualität des Motorola-Displays und der Arbeitsgeschwindigkeit gibt es nichts auszusetzen. Wie beim iPad 2 kommt ein Doppelkern-Prozessor zum Einsatz, der Tablet PC reagiert flott, HD-Videos werden ruckelfrei angezeigt, die Akkulaufzeit beträgt acht bis neun Stunden, da bleiben keine Wünsche offen. Oder anders ausgedrückt: Wer eine App wie den Nachrichtenleser Pulse News auf dem Xoom und dem iPad 2 startet, entdeckt auf den ersten Blick keinen Unterschied – als ob man von einem BMW zum Mercedes wechseln und einen nahezu identischen Innenraum vorfinden würde.

Das Motorola Xoom ist bei der Telekom derzeit nur mit Mobilfunk, Wireless-Lan und 32 Gigabyte Speicher erhältlich, und zwar für 700 Euro ohne Kartenvertrag. Es liegt also auf einem Preisniveau mit dem iPad 2, das freilich in mehr Varianten erhältlich ist. Eine günstigere ohne Mobilfunk soll ebenfalls kommen, der Exklusivvertrieb durch die Telekom ist auf drei Monate befristet. Das Xoom verwendet die Sim-Karte in Normalgröße, während Apple auf die besonders kleine Micro-Sim setzt. Telefonieren im Mobilfunknetz oder SMS schreiben kann man mit beiden nicht, Gängeleien wie ein Sim- oder Net-Lock sind nicht zu beklagen.

Ist das iPad allein mit dem proprietären Apple-Port bestückt, bietet das Xoom einen Steckplatz für eine Micro-SD-Karte, die aber derzeit noch nicht ansprechbar ist. Ferner sind ein Micro-HDMI-Ausgang und Micro-USB vorhanden. Letzterer lässt sich indes nicht zum Laden des Akkus verwenden, wohl aber zum Zugriff auf das Dateisystem. Ferner kann man den Androiden im Unterschied zum iPad in Betrieb nehmen, ohne ihn an einem PC aktivieren zu müssen.

Über die beiden Kameras des iPad 2 ist viel gelästert worden, selbst die höher auflösende auf der Rückseite muss sich mit 1280 × 720 Pixel bescheiden. Das Xoom hingegen bietet 2 Megapixel auf der Vorderseite und rückseitig 5 mit der Fähigkeit, Videos in 720p aufzuzeichnen. Zu viel sollte man sich von der Optik nicht versprechen, bei unserem Testgerät waren die Aufnahmen leicht blaustichig.

Ordentliche Hardware, gutes Nachrichtensystem

Ein erstes Fazit zur Hardware: Das Xoom ist ein ordentliches Gerät auf Augenhöhe mit dem ersten iPad. Im Vergleich zum aktuellen Apple-Tablet wirkt es zu klobig und schwer. Aber die Software macht ja den Unterschied, und Motorola hat zum Glück darauf verzichtet, das System mit seinem „Motoblur“-Aufsatz zu „verschönern“. Hier gibt es also „Android pur“. Augenfällig ist die untere Menüzeile, die permanent eingeblendet ist, auf der linken Seite drei Softkeys zum Navigieren zeigt und rechts einen Überblick der letzten Systemaktivitäten. Man sieht beispielsweise sofort die aktuellen E-Mails, Twitter-Hinweise und sonstige Meldungen. Während das iPad die nicht immer zuverlässig arbeitenden Push-Notifications einsetzt, die zudem unübersichtlich werden, je mehr von ihnen eintreffen, kommt hier ein modernes Multitasking-Nachrichtensystem zum Einsatz. Wie bei den Android-Smartphones ist man etwas besser informiert, ein klarer Pluspunkt. Verschiedene Startbildschirme lassen sich individuell mit Apps bestücken. Ein weiterer Vorzug von Honeycomb sind die Widgets, die permanent im Hintergrund etwa den E-Mail-Eingang oder die nächsten Termine zeigen. Die kleinen Fenster sind allerdings derzeit noch nicht konfigurierbar, also in Größe oder Darstellung zu ändern. Das soll mit dem unlängst angekündigten Honeycomb 3.1 besser werden, und dann wird es auch die Möglichkeit geben, auf USB-Speichersticks zuzugreifen.

Analog den Android-Smartphones lassen sich Apps zwar auf eine andere Bildschirmseite verschieben, in der Gesamtdarstellung aber nicht nach Belieben anordnen oder in Ordnern gruppieren. Alle Apps starten (wie beim iPad) stets im Vollbildmodus. Es ist also nicht möglich, sie in Fenstern hinter- oder nebeneinander anzuordnen. Apps können Hintergrundaktivitäten ausführen, und sie stellen ihre Vordergrundaktivität ein, wenn eine weitere gestartet wird. Neue Apps lassen sich über den Android Market laden, der zwar schön an die größere Bildschirmfläche der Tablets angepasst ist, aber einen Kardinalfehler aufweist: Er zeigt nicht, welche Zusatzanwendungen bereits für Honeycomb optimiert sind. Vielleicht ist das Absicht. Denn viele sind es nicht. Wir stießen auf das oben erwähnte Pulse News, auf die Filmdatenbank IMDb und auf den CNN-Nachrichtendienst. Die meisten Smartphone-Apps laufen indes auch auf dem Tablet: Die Darstellung wird nicht in Breite und Höhe hochskaliert, sondern bei konstanter Buchstabengröße allein in die Breite gezogen. Das sieht zwar nicht besonders schön aus, funktioniert aber ordentlich.

Gut an Honeycomb angepasst sind wiederum die fest installierten Google-Apps für E-Mail, Kalender und Adressbuch sowie die Maps und die Systemeinstellungen. Dass diese Module auf dem iPad etwas feiner gezeichnet sind, mag wohl sein. Aber hinsichtlich der Funktionalität beißt die Maus keinen Faden ab. Im Gegenteil: Dank des Zugriffs auf das Dateisystem von Android gelingen einige Dinge, die mit dem iPad nicht oder nur mit Verrenkungen zu absolvieren sind. Etwa das Anhängen einer beliebigen Datei an eine E-Mail. Google-Talk bietet Videotelefonie in ausreichender Qualität, im Unterschied zu Apples Facetime sogar plattformübergreifend mit Freunden am Windows-PC oder Mac-Rechner.

Internet-Browser mit Privat-Modus und „Tabs“

Auch den Internet-Browser kann man loben: Er erlaubt die Anordnung der Fenster in den gewohnten „Tabs“ für flinkes Umschalten zwischen verschiedenen Seiten. Der Browser hat ferner einen Privat-Modus und kann die Inhalte auf Wunsch mit dem Googlemail-Konto und dem Chrome-Browser am PC synchronisieren. Schließlich die Flash-Unterstützung, die beim iPad fehlt. Man mag darin einen Vorteil sehen, aber wir haben das Medienprogramm von Adobe gleich wieder deinstalliert. Nicht nur, weil der Bildschirmschoner bei laufenden Animationen auf Web-Sites versagte, sondern weil die Flash-Werbung auf den einschlägigen WWW-Seiten stört.

Ein weiterer Pluspunkt ist abermals der Zugriff aufs Dateisystem. Wer beispielsweise über die Internetseite von Flickr seine lokal gespeicherten Fotos hochladen will, schaut beim iPad in die Röhre. Wenn solche Aufgaben mit einem Honeycomb-Tablet anstehen, gibt es derartige Restriktionen nicht. Man denke auch an Blogger, die unterwegs ihre WordPress-Seite mit Bildern aktualisieren wollen. Android ist in diesem Sinne mehr PC als Tablet. Einige Nachteile des Browsers seien allerdings nicht verschwiegen: Viele Seiten identifizieren das Xoom als Mobilgerät. Gegebenenfalls kann man zwar über eine andere URL die PC-Darstellung erzwingen. Aber gelegentlich kommt der Hinweis, man möge doch bitte die zugehörige, aber noch nicht erhältliche Android-App laden.

Fehlende Apps sind das Problem, hier ist Apple ungeschlagen

Nach einigen Tagen im Praxiseinsatz meinen wir: Honeycomb ist ohne Wenn und Aber eine Alternative zum marktbeherrschenden iOS 4. Was einen im Dauereinsatz ein wenig stört, ist das kleinteilige Manövrieren mit Schaltflächen an unterschiedlichen Orten. Wer das Gerät mit beiden Händen hält, würde sich über kürzere Wege freuen – Apple macht es mit der Ein-Knopf-Bedienung vor. Ärgerlich sind manche Fehler im Detail. So wird etwa eine mit Bluetooth angeschlossene deutsche Tastatur einwandfrei identifiziert, aber mit den deutschen Umlauten klappt es trotzdem nicht. Wie die Kollegen der amerikanischen Fachzeitschrift „PC World“ entdeckt haben, ist die schlechte Darstellung von Fotos ein Problem aller derzeit erhältlichen Android-Tablets. Das liegt nicht an der Hardware, sondern an der Rendering-Software von Honeycomb.

Der schwerwiegendste Einwand richtet sich jedoch nicht gegen dieses konkrete Gerät, sondern gegen das Betriebssystem: die fehlenden Apps und Medieninhalte. Alles, was wir mehr oder weniger täglich mit dem iPad 2 gern erledigen, scheitert hier an ordentlicher Software. Honeycomb läuft dem iPad ungefähr ein Jahr hinterher. Abgesehen von den erwähnten Pluspunkten kann es derzeit nichts besser als iOS. Es gibt kein „Aha“-Erlebnis, kein Staunen, keine spontane Begeisterung. So wundert kaum, dass sich das Motorola Xoom in den Vereinigten Staaten, wo es seit Februar erhältlich ist, nur sehr schlecht verkauft: Analysten schätzen knapp 100.000 Geräte. Zum Vergleich: 300.000 iPad 2 wanderten in Amerika allein am ersten Verkaufswochenende über die Ladentheke, bis heute gibt es Lieferzeiten. Honeycomb benötigt also einen längeren Anlauf, die aktuellen Modelle richten sich an die Android-Fangemeinde und finden beim breiten Publikum keinen Anklang. Das war bei den ersten Android-Smartphones übrigens nicht anders, doch mittlerweile haben sie Apples iPhone bei den Marktanteilen überholt.

 

 

Honeycomb bleibt 2011 erfolglos

Nach einer Woche mit dem Motorola Xoom (Testbericht kommt am 17.5. in „Technik und Motor“) meine zusammenfassende Einschätzung:

1. Das Xoom ist ordentlich verarbeitet, schnell und leistungsfähig. Die Hardware gefällt, sie spielt ungefähr auf dem Niveau des ersten iPad, die Raffinesse des zweiten fehlt ihm. Weitere Minuspunkte sind das unförmige Netzteil, die insgesamt eher klobige Bauform, der ungünstig an der Rückseite angebrachte Ein-Ausschalter, der noch nicht ansprechbare Micro-SD-Kartenslot. Pluspunkte hingegen: Kein Sim- und Netlock, Sim-Karte in Normalgröße, Micro-HDMI-Ausgang, keine Aktivierung am PC erforderlich, kein Motoblur.

Motorola Xoom: Der iPad Rivale (Foto Hersteller)

2. Honeycomb ist ein gutes, Erfolg versprechendes Betriebssystem, die einzelnen Google-Apps (E-Mail, Kalender, Adressbuch, Maps, Talk, Youtube) sind ordentlich an die höhere Bildschirmauflösung angepasst. Der Browser mit Tabs und Privatmodus gefällt ebenfalls. Die Bedienung ist indes kleinteiliger als die des iPad und das Grafik-Rendering bei Fotos verbesserungsbedürftig. Ein Pluspunkt ist die Menüleiste mit Statusmeldungen, wie man sie schon von Android-Smartphones kennt. Alle Hinweise sind gebündelt an einer Stelle zu finden, sie lassen sich sukzessive abarbeiten. Kein Vergleich mit den Push-Notifications des iPad, die um so unübersichtlicher werden, je mehr eintrudeln. Ferner ein Gewinn: der Zugriff aufs Dateisystem wie bei den Smartphones, auch im Browser übrigens.

3. Davon einmal abgesehen geht Honeycomb nicht über das iOS hinaus. Es gibt kein „Aha“-Erlebnis, kein Staunen, keine spontane Begeisterung. Die Widgets für E-Mail und Kalender auf dem Startbildschirm sind keine „Killer-App“. Wer eine für beide Plattformen erhältliche App wie Pulse News startet, sieht zwischen beiden Geräten keinen Unterschied.

Bislang nur wenige Apps für Honeycomb

4. Die wenigen Apps für Honeycomb sind das größte Problem: Werden viele strukturelle Mängel und Gängeleien des iPad-Betriebssystems durch ungezählte Apps mittlerweile umgangen (Dropbox, Cloud), kann man die Honyecomb-Apps an einer Hand aufzählen. Wer mehr als nur Surfen und E-Mail mit dem Xoom erledigen will, stößt sehr schnell an Grenzen. Selbst wenn man nicht von den Medieninhalten der Verlage redet, bleiben Lücken wie der RSS-Leser Reeder, Flipboard, ein ordentlicher Facebook-Client, eine tolle Textverarbeitung und so weiter und so fort.

5. Das Xoom ist also spannend vor allem für die Android-Fangemeinde, für das Entwickeln neuer Projekte. Da kommt gewiss noch einiges, die größere Offenheit macht den Unterschied. Aber für den typischen iPad-Kunden mit „normalen“ Ansprüchen bietet es zu wenig Anreize. Zumal auch der Preis auf dem Niveau des iPad 2 liegt.

6. Meine Einschätzung: In den kommenden Monaten bleibt das iPad die klar dominierende Plattform. Für einen Paradigmenwechsel müssten entweder die Android-Tablets bei annähernd gleicher Verarbeitungsqualität deutlich günstiger werden oder es müssten ungemein spannende Honeycomb-Apps erscheinen.

Weiterführende Links:

Motorola Xoom bei der Telekom

Boy Genius Report mit Verkaufszahlen und Analysten-Stimmen

Cnet.com: Why no one lines up for the Motorola Xoom

 

Test: Das neue iPad 2 und seine Rivalen

Seit dem 25. März ist es in Deutschland im Handel, und wie zu erwarten war, ist die Aufmerksamkeit groß. Wieder einmal läuft die Marketingmaschinerie der Amerikaner wie geölt. Man kann sich nur wundern, denn mit etlichen anderen Kritikern meinen wir, dass dieser neue Flachcomputer aus Cupertino keineswegs den großen Sprung auf eine Version 2 rechtfertigt. Viel haben die Entwickler in den zwölf Monaten seit Marktstart des ersten iPad nicht geändert, der Fortschritt ist schnell aufgezählt: Das neue Gerät ist leichter geworden, es wiegt nur noch 600 statt 700 Gramm, es arbeitet mit einem flinken Doppelkern-Prozessor, den Apple A5 nennt, und der mit 1 Gigahertz getaktet ist. Er soll zweimal so schnell rechnen, und die Grafikleistung ist angeblich um den Faktor neun gewachsen. Nun bietet das iPad 2 zwei Kameras für Videotelefonie, die rückseitige erlaubt Videoaufnahmen mit 720p, und ferner gibt es als Zubehör einen „Digital AV Adapter“, der iPad-Inhalte auf ein mit HDMI angeschlossenes Fernsehgerät spielt.

Mit farbigen Hüllen: iPad 2 und Smart Cover (Foto Hersteller)

Das ist im Grunde genommen schon alles. An der Software hat sich nichts geändert, das aktuelle iOS 4.3 läuft auf dem alten wie auf dem neuen iPad, vorhandene Programme sind kompatibel zum iPad 2. Und was die vor der offiziellen Präsentation überbordende Gerüchteküche des Internet servierte, ist durchgängig falsch: Nein, das Display hat keine höhere Auflösung, es bleibt bei 1024 x 768 Pixel über eine Diagonale von 24,6 Zentimeter. Nein, es gibt keinen eingebauten Speicherkarten-Leser, keinen direkten USB-Zugriff auf den eingebauten Speicher (der, wie gehabt, von 16 bis 64 Gigabyte reicht), keine superschnelle Thunderbolt-Schnittstelle wie bei den neuen Macbook-Laptops und nicht die kleinste Lockerung bei Apples strengem Regiment der Kontrolle des hauseigenen App Stores. Das neue iPad muss wie das alte an einem „richtigen“ Computer aktiviert werden, es ist ein Baustein in einem geschlossenen Apple-System, Inhalte und private Medien muss man mit iTunes übertragen, und diese Liste der vollkommen unzeitgemäßen Restriktionen ließe sich noch verlängern.

So wundert kaum, dass die Kritiker den Blick auf andere Mütter und ihre schönen Töchter werfen, und in erster Linie ist damit das junge Android-Betriebssystem 3.0 für Tablet PC gemeint. Was hier unter der Federführung von Google entsteht, verspricht mehr Offenheit und Flexibilität. Aber die drei wichtigsten Rivalen des iPad 2 sind in Deutschland noch nicht erhältlich: Das Motorola Xoom, das LG Optimus Pad und die beiden neuen Galaxy Tab von Samsung kommen erst im Mai oder noch später auf den Markt, und sie starten mit einem gewaltigen Rückstand: Derzeit sind nur sehr wenige Android-Apps an die höhere Bildschirmauflösung dieser Flachcomputer angepasst, alles andere läuft bestenfalls „hochskaliert“.

Android 3.0 muss sich also zunächst bewähren, und dazu kommt das Rätselraten, ob die jungen Rivalen hinsichtlich Leistung und Verarbeitungsqualität auf Augenhöhe mit dem iPad 2 spielen. Samsung reagierte in der vergangenen Woche geradezu panisch: Das im Februar angekündigte Galaxy Tab 10.1 soll nunmehr schlanker und günstiger werden, kommt aber erst im Juni in den Handel. Was den Prozessor betrifft, kämpfen alle in einer Liga, Stichwort: Doppelkern-Prozessoren. Aber Motorola, LG und Samsung bieten in der Kamera-Abteilung mehr Auflösung, das Xoom hat zudem einen Speicherkarten-Leser. Und wie sich dann in der Verbindung aus innovativem Betriebssystem und überzeugender Hardware die Lage auf dem Tablet-Markt im Sommer darstellen wird, darüber kann man nur spekulieren. Dazu stoßen dann nämlich noch einige Außenseiter: Hewlett Packard bringt das Touchpad mit Web-OS-Betriebssystem, und die Playbook-Familie von Blackberry-Hersteller RIM steht in den Vereinigten Staaten ebenfalls in den Startlöchern. So gehen nahezu alle Marktforscher davon aus, dass Apple in diesem Jahr der Marktführer bei den Flachrechnern bleiben wird. Rund 70 bis 80 Prozent aller verkauften Tablet PCs kommen aus Cupertino, erwarten die Analysten von Forrester und IDC. Die Konkurrenz benötigt nach diesen Vorhersagen einen langen Anlauf.

So gesehen war es ein kluger Schachzug von Apple, das iPad 2 schon jetzt auf den Markt zu bringen. Wenn man es so nimmt wie es ist, treten schon nach kurzer Erprobung die eingangs erwähnten Schwächen zurück. Faszination stellt sich ein, es ist hervorragend verarbeitet, und bei Spielen macht sich der schnellere Prozessor mitsamt verbesserter Grafikeinheit sofort bemerkbar. Ebenfalls neu ist ein Gyrosensor, der die Steuerung virtueller Helden einfacher macht.

Das nunmehr verringerte Gewicht, die sanften Rundungen an den Seiten und die hauchdünne Bauform (8,8 Millimeter) sind klare Pluspunkte gegenüber dem Vorgänger. Es ist ja ein Gerät, das man überwiegend in der Hand hält, und die eingesparten 100 Gramm spürt man, vor allem beim Internet-Lesen rücklings auf dem Sofa. Legt man alt und neu nebeneinander, kommt einem das iPad 1 geradezu klobig vor, obwohl sich an den Basismaßen nichts geändert hat. Einziger Kritikpunkt: das iPad 2 ist für unseren Geschmack zu glatt, es rutscht leicht aus der Hand. Ein Makel, der sich indes mit dem „Smart Cover“ leicht abstellen lässt. Diese auch zum Ständer faltbare und mit Magneten raffiniert am Gehäuse anklickende Hülle gibt mehr Griff, schützt allerdings nur die Vorderseite und aktiviert ferner beim Schließen auch den Ruhezustand des Geräts. Die Videotelefonie mit Facetime (sie funktioniert nur mit Partnern am Mac oder anderen iOS-Geräten) soll ein weiterer Vorteil sein, bei unseren Versuchen überzeugte sie nicht immer. Für Foto-Schnappschüsse sind beiden Kameras kaum geeignet, eher gelingen ordentliche Videos, die sich mit der neuen App iMovie ungemein einfach am iPad bearbeiten lassen.

Wie gehabt gilt also: Was das iPad kann, macht es geradezu verblüffend gut, dieser leichte, unbeschwerte Umgang ist und bleibt ein Erlebnis. Auch der neue Tablet aus Cupertino ersetzt den gewohnten PC keineswegs, er ist eine Maschine für den passiven Konsumenten und mit seiner einfachen Bedienung so etwas wie das Fernsehgerät fürs Internet. Man schaltet es ein, es steht in wenigen Sekunden zur Verfügung, jeder kann gucken, und wie beim Vorgängermodell läuft der Akku gefühlte Ewigkeiten (länger als zehn Stunden). Und was der aktive Nutzer beim ersten iPad kritisierte, dass das Arbeiten mit eigenen Inhalten und privaten Medien kompliziert oder gar nicht möglich ist, dass es nicht einmal ein dem Nutzer zugängliches Dateisystem kennt, dass alles an die jeweiligen Apps gebunden ist: diese zutreffenden und richtigen Einwände sind zwar richtig. Aber mittlerweile haben kluge Entwickler doch Möglichkeiten und Wege gefunden, viele Einschränkungen zu umgehen. Zum Beispiel durch die Nutzung der Cloud als Datenspeicher. Liegen Fotos, Tabellen oder Texte in der Dropbox, sind sie auch auf dem iPad problemlos zugänglich – ohne vorherige Synchronisation mit iTunes.

Andere Apps erfinden das Rad ganz neu und lösen sich von gewohnten Konventionen herkömmlicher PC-Software. Apple selbst präsentiert Garage Band für das iPad 2, eine Musik- und Kompositions-App, mit der auch ein Laie in kürzester Zeit hörenswerte Stücke produzieren kann. Oder der Reeder von Silvio Rizzi, eine Lesesoftware für RSS-Nachrichtenströme mit einzigartigem Charme und genialer Funktionalität. Weitere prominente Apps wie Flipboard, Pulse, News 360 oder Zite bieten einen neuen Umgang mit Inhalten des Netzes und der Medien. Mit Fingerbewegungen und Gesten navigiert man durch Inhalte, die im übrigen auch von Facebook oder Twitter stammen können. Dank dieser pfiffigen Arrangements von Texten, Fotos und Videos aus verschiedenen Quellen entsteht ein Tablet-Surf-Erlebnis, das einen in seiner ästhetischen Umsetzung durchaus in den Bann ziehen kann. Und neuerdings gewichtet Broad Feed einzelne Beiträge nach der Resonanz bei Twitter. Man sieht: Hier bei den Apps hat das iPad einen riesigen Vorsprung vor den konkurrierenden Plattformen, und dass alle großen Medienunternehmen ihre Software zunächst und an erster Stelle für das Apple-Betriebssystem präsentieren, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Wir meinen, nach kurzer Erprobung in den vergangenen Tagen: Wer jetzt einen Tablet PC kaufen will, macht auch angesichts des guten Preis-Leistungsverhältnisses nichts verkehrt. Das neue iPad kostet mit 16 bis 64 Gigabyte Speicher, wahlweise mit oder ohne Mobilfunk-Modul zwischen 480 und 800 Euro. Am iPad 2 muss sich die Konkurrenz messen lassen, und das wird ihr schwerfallen.

Erste Eindrücke auf der Cebit: Motorola Xoom, der iPad-Rivale

Ich konnte am Montag auf der Cebit das Motorola Xoom in einer europäischen Variante einige Zeit ausprobieren, und meine Fragen haben die Motorola-Pressestelle und ein Entwickler beantwortet. Ergänzend siehe auch heise.de. Das Gerät war ein Arbeitsgerät des Entwicklers mitsamt eingerichtetem E-Mail-Account und etlichen Apps. Es lief rund, keine Abstürze oder unvorhergesehene Zwischenfälle.

Motorola Xoom: Der iPad Rivale (Foto Hersteller)
  • Mechanischer Eindruck: sehr gut, dem iPad in jedem Falle ebenbürtig, ordentlich verarbeitet. Die Rückseite ist aus Metall. Ein- und Ausschalter auf der Rückseite, oben ein Kombi-Slot für Micro-SD-Speicherkarten und Sim-Karte. Unten Micro-USB und Mini-HDMI. Wie das iPad: schwer (über 700 Gramm).
  • Das von der Telekom ab Ende April für drei Monate exklusiv vertriebene Gerät hat keinen Sim- oder Net-Lock. Es soll ohne Vertrag 700 Euro kosten.
  • Es wird eine Version mit GSM/UMTS-Modul sowie W-Lan geben und eine zweite Variante nur mit W-Lan. Die Variante ohne Mobilfunk wird ab Ende April regulär im Handel sein, hier gibt es keinen Exklusiv-Vertrieb der Telekom. Beide Versionen haben GPS und ein Gyroskop eingebaut.
  • Motoblur = die Motorola-Erweiterung von Android, kommt zunächst nicht auf das Xoom. Gott sei Dank!
  • Rund 90 Prozent der vorhandenen Android-Apps laufen auch mit Android 3.0 auf den Tablets.  Die Darstellung wird hochskalisiert, wie bei iPhone-Apps auf dem iPad. Das sieht nicht immer toll aus (sehr breite Eingabezeilen), funktioniert aber.
  • Wie beim iPad laufen alle Apps im Vollbild-Modus. Es ist also nicht möglich, ein Fenster zu skalieren, um z.B. neben dem Browser das E-Mail-Fenster einzublenden. Allerdings gibt es Widgets für die (maximal 5) virtuellen Bildschirme, die wie eine Fenster-Darstellung aussehen (E-Mail, Kalender). Dergleichen gibt es beim iPad nicht. Widget-Fläche lässt sich nicht verändern.
  • Sehr spektakulär: YouTube mit Preview-Fenstern der Videos.
  • Kalender, E-Mail und Kontaktverwaltung profitieren ungemein von Honeycomb, das sieht ganz anders aus als auf dem Galaxy Tab, sehr schön, sehr übersichtlich, sehr funktional. E-Mail mit Priority Inbox bei Googlemail-Konten, Filtern und Farb-Markierungen. Kontakte im Adressbuch lassen sich nach den Nachnamen sortieren.
  • Echtes durchgängiges Multitasking, neue E-Mail und andere Ereignisse werden in der Hinweisleiste unten rechts unmittelbar angezeigt. Und vor allem werden eben Dienste im Hintergrund im Unterschied zu iPad abgearbeitet, man kann an der E-Mail weiterarbeiten, während ein Video lädt.
  • Android Market lief noch nicht.
  • Mit dem Xoom kann man nicht über Mobilfunk telefonieren, nur mit Voip oder Skype. Google Talk hat Videotelefonie, Skype noch nicht.
  • Die virtuelle Tastatur gefällt, man kann sogar zwei Tasten gleichzeitig drücken, also etwa die Shift-Taste festhalten und dann tippen.
  • Bluetooth-Tastatur geht, BT-Headset für Voip-Telefonate geht, BT-Maus anschließbar, BT A2DP für Musik ist dabei (diese Punkte haben wir nicht ausprobiert).
  • Die Micro-SD-Karte ist zum Marktstart nicht ansprechbar. Motorola will eine Erweiterung von Android 3.0 für Speicherkarten nachliefern. Andere Android 3.0-Tablets haben keinen Speicherkarten-Slot.
  • Gesamteindruck: Ein tolles, spannendes Gerät, endlich mal ein ernst zu nehmender iPad-Rivale.  Wenn das finale Produkt so gut ist wie das gezeigte, wird es eine Frage des persönlichen Geschmacks sein, ob man zum iPad greift oder zu einem Android-3.0-Tablet. Wie bei den Android-Smartphones sind die sofort erscheinenden Hinweise auf neue Ereignisse ein klarer Pluspunkt gegenüber iOS 4. Und natürlich kann man das Xoom mit USB oder Micro-SD-Karte sofort mit Medien und Daten bestücken, der Umweg über iTunes am PC entfällt.

Test: Motorola Milestone 2

Weihnachten 2009 kam das erste Motorola-Smartphone mit dem damals noch jungen Android-Betriebssystem in den Handel: das Milestone. Der Name war klug gewählt. Denn dieser Meilenstein rettete den traditionsreichen amerikanischen Hersteller aus einer langen und schweren Krise. Bis dahin hatte sich Motorola vor allem auf schöne Einfach-Handys mit schicker Schale konzentriert – und die Entwicklung bei aktuellen Smartphones verschlafen. Das Milestone war ein Erfolg, es gefiel uns gut, und mittlerweile hat Motorola ein buntes Potpourri unterschiedlicher Android-Geräte im Angebot.

Robust, schnell, gut: Das neue Motorola Milestone 2 (Foto Hersteller)

Der Nachfolger des Milestone trägt die Endziffer 2 und behält seine Bauweise bei: Er ist eines der wenigen Androiden mit einer Mini-Tastatur, die sich seitlich ausfahren lässt und eine nahezu vollständige QWERTZ-Belegung mitbringt. Es fehlen allerdings eigene Tasten für die deutschen Umlaute. Der Neuling ist etwas runder und in den Linien weicher geworden. Aber die Vorzüge der älteren Bauform bleiben, denn das Milestone 2 wirkt alles andere als klobig, hat hinsichtlich Breite und Länge typische Smartphone-Maße, es ist nur höher und schwerer (11,6 × 6 × 1,4 Zentimeter, 169 Gramm).

Der Schiebemechanismus arbeitet präzise und macht einen ordentlichen Eindruck. Da wackelt und verkantet nichts. Zugegeben: Andere Slider-Modelle öffnen sich, als ob die Mechanik auf Rollen gelagert wäre. Aber wie robust eine so filigrane Konstruktion im Dauereinsatz ist, will man nicht wissen. Die dezent beleuchtete Tastatur des Milestone 2 mit gewölbten und hinreichend großen Tasten sowie präzisem Druckpunkt hat uns sehr gut gefallen, sie ist eine schöne Alternative zur virtuellen Bildschirmtastatur von Android, und bringt wie diese einen Thesaurus inklusive Wortrate-Funktion mit. Man schreibt also die ersten Buchstaben und kann bei längeren Wörtern mit einem Fingertipp auf den vorgeschlagenen Bildschirm-Eintrag den Rest ergänzen. Alles in allem ist das Gerät ein Musterknabe in Sachen Hardware, nur der offen liegende Micro-USB-Port mag einen stören.

Bei den inneren Werten sind die Vorzüge des Milestone 2 sofort bemerkbar. Die Taktfrequenz des Prozessors wurde auf zeitgemäße 1 Gigahertz hochgesetzt, der Vorgänger musste sich mit 550 Megahertz bescheiden, und der Arbeitsspeicher beläuft sich nun auf üppige 512 Megabyte, die ergänzt werden um 8 Gigabyte internen Speicher. Weiter aufrüsten kann man mit Micro-SD-Karten. Die Bildschirmauflösung von 854 × 480 Pixel wurde beibehalten, und die Anzeige leistet sich wie gehabt keine Schwächen. Wenn es trotz der leistungsstarken Hardware gelegentlich kleine Ruckler gibt und das Arbeitstempo nicht immer der 1-Gigahertz-Klasse entspricht, mag das an der Motoblur-Erweiterung liegen, die der Hersteller über das Android-System 2.2 gegossen hat.

Wir haben diese Unsitte, die auch HTC, Sony Ericsson und Samsung betreiben, schon des öfteren kritisiert: Solches „Tuning“ ist für den Nutzer kein Gewinn, führt zu Einbußen an Speicherplatz und Geschwindigkeit, ist mit manchen Ärgernissen verbunden und blockiert eine zeitnahe Aktualisierung des Betriebssystems. Motoblur ist zwar vergleichsweise dezent, bringt aber einige Missstände mit, die nicht hinzunehmen sind. So versucht es, – wie Nokias Ovi-System –, als „Mann in der Mitte“ die Zugangsdaten und Kennwörter von E-Mail und sozialen Netzen abzugreifen, und eine Systemaktualisierung ist ohne Motoblur-Konto gar nicht möglich. Man kann indes, das ist die gute Nachricht, Motoblur bei Twitter, Facebook und anderen Apps umgehen.

Einige Ergänzungen gefallen jedoch. So gibt es eine Sprachwahl für die Einträge des Telefonbuchs, die im Unterschied zum sonst üblichen Google-Erkenner durchaus funktioniert. Ferner lassen sich – wie beim Samsung Galaxy S – Medieninhalte mit dem DLNA-Protokoll auf andere Geräte übertragen. Der W-Lan-Hotspot ist dabei und mit dem Motorola „Phone Portal“ bekommt man via Wireless-Lan vollen Zugriff auf das Telefon am PC – sofern beide in dasselbe W-Lan-Netz eingebucht sind. Hier kann man im Unterschied zu ähnlichen Android-Apps (etwa „Dav Drive Lite“) auch auf das Adressbuch und die SMS-Nachrichten zugreifen und letztere sogar im Browser-Fenster des Rechners schreiben. Das mitgelieferte Quickoffice erlaubt nicht nur das Betrachten von Office-Dokumenten, sondern auch das Erstellen von Word- oder Excel-Dateien. Geht das Gerät verloren, kann es mit Motoblur am PC geortet und aus der Ferne gelöscht werden.

Ärgerlich wiederum fanden wir die schon beim Vorgänger beklagte Marotte, alle Kontakte ausschließlich nach dem Vornamen zu sortieren. Normalerweise ist das kein Problem mit Android 2.2, nur Motorola meint, den entsprechenden Menüeintrag weglassen zu müssen. Auch die 5-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz ist eine Enttäuschung. Bei schönem Wetter gelingen zwar brauchbare Außenaufnahmen, in geschlossenen Räumen ist das Gebotene jedoch mangelhaft. Dass man jetzt dank schnellem Prozessor auch Videos mit 720p (1280 × 720 Pixel) aufnehmen kann, sei deshalb nur am Rande erwähnt. Viele Kunden im Internet schildern Probleme mit der MP3-Musikwiedergabe, es komme zu Störungen und Aussetzern. Diese Kritik konnten wir mit unserem Testgerät nicht nachvollziehen: Mit einem guten Kopfhörer lieferte das Milestone 2 einen satten Klang ohne Unterbrechungen. Wie bei allen Top-Smartphones mit Android ist die Akku-Lebensdauer ein wunder Punkt. Länger als einen Tag hält das Motorola nicht durch, es muss jeden Abend auf die Ladestation. Ungeachtet aller Kritik ist das Milestone 2 ein gutes und zudem günstiges Gerät. Für weniger als 450 Euro fällt die Kaufentscheidung leicht, wenn man einen Androiden mit ausziehbarer Tastatur sucht. (F.A.Z. vom 25.01.11)

Die CES 2011 war die Messe der Tablet PCs

Wer die CES 2011 in Las Vegas auf einen Nenner bringen will, kann das mit einem Fingerwisch tun: Diese Messe ist eine der Tablet PCs, also der Flachcomputer im Zeichen des iPad. Während Apple auf der CES nicht vertreten war, scharren die Mitbewerber und Nachahmer energisch mit den Hufen. Die erste Runde ging an Apple, keine Frage. Doch nun kommt Bewegung in den Markt, und dafür sorgt an erster Stelle das Android-Betriebssystem für Tablets mit der Kennziffer 3.0 und der Abkürzung „Honeycomb“. Was sich da zeigt – etwa bei Motorola mit dem „Xoom“ – ist äußerst viel versprechend. Oder anders gedrückt: geschickt vom iPad abgeguckt.

Tablets also an jeder Ecke. Samsung, Asus, Acer und Blackberry-Hersteller RIM seien ebenfalls erwähnt. Nicht alle setzen auf Android. Microsoft will mit den Vorzügen von Windows überzeugen, insbesondere die Handschrifterkennung ist ein starkes Argument gegen Apple und Android. RIM zeigt ausführlich (und zum zweiten Mal) sein „PlayBook“, das die Pluspunkte der Blackberry-Technik in eine neue Bauform bringt. Die Hardware gefällt, das Gerät wirkt robust – und sein Display ist sehr, sehr ordentlich. Kurzum: Waren die iPad-Alternativen des vergangenen Jahres überwiegend Murks, kann man sich heuer auf ordentliche Neuerscheinungen freuen. Dass Apple in den nächsten Wochen sein iPad 2 ankündigt, sei indes nur am Rande erwähnt.

Eine fantastische Übersicht aller 52 Tablet PCs der CES hat der Journalist Georg Holzer (georgholzer.at) zusammengestellt, sie findet sich hier. Die spannende Frage für 2011 ist: Was kommt davon wann wirklich in den Handel? Was ist abermals Murks – und welche Geräte sind eine überzeugende Alternative zum iPad?

Der große F.A.Z.-Bericht zur CES 2011 von Wolfgang Tunze und Dr. Raymond Wiseman findet sich hier: Gute Zeiten für Tablets, schlechte für 3D-Brillen und erscheint am Dienstag, 11. Januar in „Technik & Motor“.