Mit dem zweiten Bildschirm sieht man besser: Der Jaguar XJ mit Dual-View-Monitor

Es stellt sich gleich ein Aha-Effekt ein, und der resultiert im Jaguar XJ nicht nur aus der überaus luxuriösen Ausstattung, sondern er entsteht mit dem Einschalten der Zündung. Wo sich normalerweise die Analoginstrumente befinden, sieht der Fahrer erst einmal nichts. Anschließend beginnt eine choreographierte Startprozedur, die einen in den Bann zieht. Auf der leeren Fläche erscheint zunächst das Jaguar-Logo, und in einem zweiten Schritt erwachen die virtuellen Instrumente und Anzeigen. Tachometer, Drehzahlmesser und die Skalen für Tankinhalt und Öltemperatur bauen sich aus dem Nichts auf und erscheinen in einer atemraubenden Schönheit und Schärfe.

Real und doch virtuell: Blick auf die Instrumente des Jaguar XJ

Der sportliche Fahrer geht in den „Dynamik“-Fahrmodus, schon wechselt der Farbton ins Rote und illuminiert das Erreichen des Drehzahllimits markanter als in der Komfortvariante. Während der Fahrt weiteres Staunen: Dank der Digitaltechnik hat man wichtige Informationen schneller im Blick. Jaguar nennt die Funktion „Spotlight“, gemeint ist die Hervorhebung der aktuellen Geschwindigkeit und Drehzahl mit kräftigerer Beleuchtung. Bei 120 km/h wird beispielsweise das Band von 100 bis 140 km/h hervorgehoben.

Damit nicht genug: Kontextabhängig wechselt die Belegung der beiden äußeren Instrumente. Nähert man sich bei aktivierter Navigation einer Kreuzung, blendet das System links eine fein aufgelöste Symboldarstellung des Abbiegepunkts ein. Ruft man die Sprachbedienung auf, sieht man rechts eine Auswahl der zur Verfügung stehenden Befehle.

Das feine Fahren: Der neue Jaguar XJ (Fotos Hersteller)

Das alles begeistert, aber es gibt noch ein i-Tüpfelchen, nämlich das Dual-View-Display in der Mittelkonsole. Solche Bildschirme bieten auch Mercedes-Benz und der Range Rover an. Ein und dasselbe Display liefert zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Die Technik von Bosch basiert auf einer Parallaxenbarriere über dem TFT-Display. Es handelt sich dabei um eine Flüssigkristallschicht, die sich je nach Bedarf lichtdurchlässig oder nichtdurchlässig schalten lässt und so die Sichtwinkel der beiden Bilder elektronisch steuert. Die jeweiligen Bildinhalte werden im Takt der Parallaxenbarriere umgeschaltet. In dem einen Moment wird die Darstellung zum Fahrer hin freigegeben, im nächsten die zum Beifahrer. Das alles geschieht unmerklich und hinreichend schnell. Die gleiche Technik kommt übrigens auch bei der Erzeugung dreidimensionaler Effekte in manchen Fernsehgeräten oder bei der neuen Spielekonsole Nintendo 3DS zum Einsatz.

Im Jaguar XJ muss man sich indes um nichts kümmern, ein Tastendruck auf die Dual-View-Taste aktiviert das System, und man wählt für den Beifahrer den entsprechenden Zuspieler (DVD, DVB-T oder das iPod-Menü) aus. Ein kleiner Nachteil der Technik sei allerdings nicht verschwiegen: Weil das Display auf der Hochachse links und rechts zwei verschiedene Bilder generieren muss, reduziert sich die physikalische Auflösung für jedes Bild von 800 × 480 Pixel auf 400 × 480. So scharf und satt wie die Anzeige der virtuellen Instrumente ist das Hauptdisplay also nicht. Ferner: Wählt der Beifahrer für die Unterhaltung ein anderes Programm als das vom Fahrer eingestellte, muss er für den Ton auf beiliegende Kopfhörer zurückgreifen. Alles in allem kann Dual View durchaus begeistern. Auf dem Beifahrersitz war das TV-Programm in toller Qualität zu genießen, und der Fahrer sieht nichts Ablenkendes. Erst wenn er sich auf den Nebensitz herüberbeugt, kommt das zweite Bild in den Blick.

Nur für den Beifahrer: TV-Programm auf dem Dual-View-Bildschirm

Der nächste große Pluspunkt im Jaguar XJ ist die HiFi-Anlage von Bowers & Wilkins, die im „Luxury“ und „Premium Luxury“ 3000 Euro extra kostet und zur Serienausstattung des „Supersport“ gehört. Die Anlage mit sage und schreibe 20 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 1200 Watt gehört mit zu den besten, die wir jemals in einem Fahrzeug gehört haben. Sie ist mit Mehrkanalton ausgestattet und akzeptiert nahezu alle gängigen Geräte und Medien, die sich wahlweise mit USB, iPod-Interface, Aux-Schnittstelle oder dem Bluetooth-Musikprofil A2DP andocken lassen. Der Klang ist spektakulär, authentisch und kein bisschen aufdringlich. Mancher wird nach dem ersten Probehören im Jaguar XJ seine heimische HiFi-Ausstattung modernisieren wollen, und nach unserem Kenntnisstand ist es die erste Anlage, die bei Kinofilmen Dolby Pro Logic IIx mit 7.1-Kanal-Surround-Sound ins Auto bringt.

Geht es um die Qualität der einzelnen Komponenten, spielen Navigation, Telefonie und Sprachbedienung ebenfalls auf hohem Niveau, keine Frage. Vergleicht man jedoch mit den Top-Produkten der Konkurrenz, etwa Audis MMI-System in der Oberklasse oder dem iDrive von BMW, sind einige Minuspunkte durchaus zu sehen. Das Bediensystem ist eher schlicht gehalten, es fehlten die Steuerung mit einem Controller und vor allem die durchgängige Logik bis ins kleinste Detail. Ausgehend vom Hauptmenü ist die Anlage im Jaguar mit dem Finger auf dem berührungsempfindlichen Display zu steuern. Mancher Weg in die Menüs ist deutlich zu lang, andere Funktionen findet man nicht auf Anhieb, aber das gilt ja auch für MMI und iDrive.

Wer in einem Geschäftswagen in bester Qualität telefonieren will, vermisst das Bluetooth-Profil Sim Access, und der staugeplagte Vielfahrer sucht vergeblich bessere Verkehrsinformationen als die hier eingesetzten Gratisnachrichten von TMC. Auch die Spracherkennung hat ihre Tücken. Zwar lassen sich Kontakte aus dem Telefonbuch ohne vorhergehendes Training mit einer Namenwahl aufrufen, und diese steht auch bei der Eingabe des Navigationsziels zur Verfügung. Aber die letzte Finesse, das Vorsprechen von Ort, Straße und Hausnummer in einem Rutsch, funktioniert nicht, und die einzelnen Bedienungsschritte erfordern deutlich mehr Aufwand als bei brandneuen Systemen der deutschen Oberklasse. Das alles ist jedoch eine Nörgelei an Kleinigkeiten. Insgesamt ist das Paket auch dann überzeugend, wenn man von der spektakulären Display-Technik absieht. Das Navi-System mit Bluetooth-Freisprecher und Medien-Schnittstelle gehört ebenso zur Serienausstattung wie die virtuelle Instrumentenanzeige. Der Dual-View-Monitor ist im „Supersport“ mit dabei und kostet in den kleineren Modellvarianten einen moderaten Aufpreis von 1250 Euro.

Test: Navi und HiFi im Volvo V60 / Das modernisierte RTI-System

Navigation bei Volvo: Das waren jahrelang Anlagen mit einem gewissen Beratungsbedarf, um es vorsichtig auszudrücken. Kollegen saßen verzweifelt im Fahrzeug und suchten das Menü für die Zieleingabe am elektronischen Kopilot. Was man wissen musste: Dafür gab es hinter dem Lenkrad eine gut versteckte Vier-Wege-Wippe, die kaum jemand auf Anhieb fand. Weitere Schrulligkeiten dieser Routenführung aufzuzählen, sparen wir uns, denn all das gehört nun der Vergangenheit an.

Moderne Zeiten: Das neue RTI-System von Volvo (Fotos Spehr)

Volvo hat mit dem V60 seine Kommunikationstechnik grundlegend modernisiert, und nur Experten sehen beim neuen RTI-System leichte Anklänge an eine weniger glorreiche Vergangenheit. Das neue RTI wirkt frisch, ist in den Basisfunktionen einfach zu bedienen, ein Produkt aus einem Guss und vor allem: Es ist im V60 so günstig, dass man sich jeden Seitenblick auf ein Nachrüst-Navi für die Windschutzscheibe sparen kann.

Für 960 Euro erhält man eine moderne Anlage, die sich klar erkennbar an den Controller-Systemen der deutschen Oberklasse orientiert. Aber sie ahmt nicht nach, sondern setzt eigene Akzente. Unter dem Farbbildschirm und den Lüftungsdüsen der Klimaanlage sitzt das Tastenfeld, das von den numerischen Zifferntasten für die Telefonabteilung dominiert wird. Am Rand liegen klar beschriftete Funktionstasten für die Untermenüs, der Drehsteller rechts übernimmt die Aufgaben des Controllers. Er ist mit einer OK-, Menü- und Abbruch-Funktion belegt, so steuert man das Geschehen auf dem Farbbildschirm.

Dort wiederum bauen sich die Menüs kreisförmig auf, eine „Scheibe“ liegt über der anderen, mit dem Controller geht es schrittweise zurück. Wie bei den meisten High-Tech-Anlagen folgt die Bedienung schnell erkennbaren Prinzipien, aber der Weg in einzelne Menüs ist lang und erfordert stets den Blick auf den Bildschirm. Bis man beispielsweise die Kartendarstellung der Navi-Abteilung von der drei- auf die zweidimensionale Ansicht umgestellt oder die Verkehrsmeldungen im Klartext aufgerufen hat, vergehen etliche Sekunden. Aber das ist nur eine Fußnote, denn das Gesamtkonzept stimmt.

Zudem muss man nicht immer den Weg in die langen Menüs gehen. Die Spracherkennung, die ebenfalls bei RTI dazugehört, macht sich in der Navi-Abteilung bei der Erfassung von Straße und Ort nützlich. Zwar fehlt die brandaktuelle „One-Shot“-Eingabetechnik (man sagt die ganze Adresse in einem Satz) und muss hier Ort, Straße und Hausnummer in drei Anläufen vorsprechen. Aber die Erkennungsleistung ist ordentlich. Zu Beginn der Fahrt werden verschiedene Routen vorgeschlagen, dann gibt es abermals eine kleine Enttäuschung: Die Kartendarstellung wirkt mickrig, die Auflösung ist zu gering, es fehlt an Details. Fürs Fahren brauche man auch nicht mehr, sagt indes der Verstand, und mit dem Gebotenen kommt man sicher ans Ziel. In Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Zoom-Fenster auf, Fahrspurassistenten erleichtern rechtzeitiges Einfädeln, sowohl in der Stadt als auch auf der Autobahn werden Tempolimits angezeigt, wenn sie im Navi-Kartenmaterial verzeichnet sind.

Kommandozentrale: Bedienlandschaft im Volvo V60

Wir sind mit dem V60 unter anderem zur Cebit gefahren, und es gab auf zweimal 300 Kilometer keinen Anlass zur Klage. Nein, wir wurden zudem prima unterhalten mit dem Audiosystem „High Performance Multimedia“, das für weitere 850 Euro in der Aufpreisliste steht. Die wichtigsten Details neben Radio und CD/DVD-Spieler mit MP3-Wiedergabe: 4 × 40 Watt aus acht Lautsprechern bringen einen tollen Sound ins Fahrzeug, Dolby Surround gehört ebenfalls dazu, die Bässe kommen knackig und abgrundtief. Als Zuspieler lassen sich MP3-Geräte über einen Aux-Eingang oder USB mit dem V60 verbinden, und natürlich steht das Bluetooth-Protokoll A2DP für die drahtlose Musikübertragung parat. Mit Blauzahn koppelt man zudem sein Handy oder Smartphone an, der Freisprechbetrieb wird ebenfalls mit Bordmonitor und Controller abgewickelt. In Verbindung mit dem iPhone 4 gab es nur Erfreuliches zu berichten: gute Akustik, Zugriff auf das Apple-Telefonbuch und die Anruflisten, Sprachwahl für alle Einträge ohne vorheriges Training. Alles in allem ist das neue RTI ein großer Schritt nach vorn, wir waren sehr angetan, zumal auch das Preis-Leistungs-Verhältnis exzellent ist. Als „Business-Paket Pro“ kosten alle Komponenten zusammen nur 1500 Euro, und eine Einparkhilfe ist dann ebenfalls dabei.

 

Test: Das neue MMI-System im Audi A8 mit Touchpad

Wie immer steckt auch ein bisschen sportlicher Wettbewerb dahinter, wenn die deutschen Hersteller ihre Oberklasse-Limousinen neu auflegen. Wer fährt an die Spitze: Audi mit dem A8, Mercedes-Benz mit der S-Klasse oder der 7er von BMW? Und dieses Kräftemessen betrifft maßgeblich die Kommunikationstechnik, also das feine Drumherum, das man zum Fahren nicht unbedingt benötigt, sondern das vor allem ein Ausweis von Fortschritt und Freude an der Technik sein soll.

Der schnelle Luxus: Der neue Audi A8 (Foto: Hersteller)

Zuletzt hatte BMW sein iDrive-System erweitert, und nun zeigte uns Audi den neuen A8. Das MMI-System der Ingolstädter stand im Vordergrund unseres Interesses, denn hier hat sich unglaublich viel getan.

Erste Eindrücke beim Einsteigen ins Fahrzeug: Die gesamte Bedienlandschaft rund um den Wählhebel des Automatikgetriebes wurde neu gestaltet, die MMI-Tasten befinden sich nun oben in der Nähe des Bedienfelds für die Klimaanlage. Aus dem großen Wählhebel wird ein breiter Yachthebel, der zugleich als Handauflage dient. Die Tasten werden etwas kleiner, rücken enger zusammen und teilen sich den Platz mit einem Touchpad, das auf sanfte Fingerbewegungen reagiert und eine Handschrifterkennung bietet. Liegt die Hand auf dem Yachthebel, landen die Finger geradezu automatisch auf der berührungsempfindlichen Fläche. Dieses Touchpad ist neu, kein anderer Hersteller hat Ähnliches im Angebot, Audi nennt es MMI Touch.

Satellitenansicht: Google Earth zeigt die Welt von oben (Foto: Hersteller)

Der zweite Blick: Bei der Cockpit-Anzeige treten Drehzahlmesser und Tachometer nach außen und zurück: zugunsten eines in Fläche und Bedeutung vergrößerten Fahrerinformationssystems, das als Zweitmonitor neben dem (elektrisch ausfahrbaren) Hauptdisplay fungiert, die Inhalte werden unabhängig voneinander angezeigt. Neu und nicht unbedingt ein Fortschritt ist das Karussellmenü im MMI-Display. Beim älteren MMI gibt es drei Bedienebenen: Beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs von Telefonie, Navigation und Unterhaltung. Der Controller übernimmt die Ansteuerung der einzelnen Menüschaltflächen. Softkeys, deren Bedeutung in den vier Ecken des Displays wiedergegeben ist, sind für kontextabhängige Funktionen zuständig. Nun kommt noch das Karussell dazu, und damit ertappt man sich dann immer wieder bei der Frage, welcher Weg in welches Menü führt. Die strenge Bedienlogik wird durchbrochen, man kann sich aber daran gewöhnen.

Skeptisch waren wir anfangs auch beim Touchpad. Wozu braucht man im Auto eine Handschrifterkennung, zumal doch Audi die nahezu durchgängig in allen Menüs funktionierende Spracherkennung noch einmal verbessert hat? Letztere erlaubt es nun, dass man Ort, Straße und Hausnummer eines Navigationsziels in einem Rutsch diktiert, lästige Wartezeiten der Art „den Ort bitte“, „die Straße bitte“ entfallen. Auch die Telefonabteilung profitiert von der Nuance-Software, und in Sachen Musik lassen sich sogar Interpreten oder Alben mit Sprachkommandos auswählen.

Aber das Touchpad hat durchaus seine Berechtigung. Nicht nur, weil es im Ruhezustand durch sanftes Antippen die Auswahl von bis zu sechs Radiostationen mit eingeblendetem Ziffernblock erlaubt, sondern vor allem bei der Internetanbindung, die im aktuellen A8 ebenfalls neu bei Audi ist. Dazu dürfen wir kurz ausholen: Während BMW in erster Linie ein gewohntes Browser-Fenster auf dem Monitor einblendet, auf dass man im stehenden Fahrzeug wie am PC „surfen“ kann, konzentriert sich Audi auf jene Netz-Informationen, die man unterwegs benötigt: Wetter, Reiseinfos und Nachrichten in komprimierter Form und wie in einem RSS-Reader dargestellt, also nicht als konventionelle WWW-Seite.

Und zweitens, das ist mehr als diese Spielerei: eine Online-Google-Suche für Sonderziele am Standort, Zielort oder in einem Umkreis. Hier findet man also beispielsweise über Google den Namen, die Adresse und vielleicht sogar die Telefonnummer des Steuerberaters oder Arztes, die allesamt eben nicht im klassischen Kartenmaterial der Navi-Hersteller verzeichnet sind. Weil eine sprecherunabhängige Spracherkennung an solchen Herausforderungen scheitern würde, springt das Touchpad ein. Man malt einen Buchstaben nach dem anderen auf der Fläche, das Erkannte wird noch einmal vom System leise vorgesprochen – und die Erkennungsrate ist großartig. Das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl über den Controller mit entsetzlich vielen Drehbewegungen. Und wenn man das Prinzip einmal verstanden hat, kann man während der Fahrt fröhlich vor sich hinschreiben, ohne auch nur einmal den Blick von der Straße nehmen zu müssen. In diesem Sinne ist das Touchpad ein Pluspunkt. Dass man die Fundstellen sofort in die Routenführung übernehmen kann, ist klar, und angezeigte Telefonnummern lassen sich direkt aus der Trefferliste heraus wählen.

Aber wie kommen die Daten aus dem Internet ins Fahrzeug? Dazu hat Audi die Telefonabteilung sinnvoll erweitert. Wie gehabt erfolgt die Mobilfunkanbindung wahlweise über eine eigene Sim-Karte, die in die Anlage gesteckt wird, oder per Handy mit den Bluetooth-Profilen Sim-Access und Handsfree. Unser Fahrzeug war mit den geräuschdämmenden Akustikscheiben ausgerüstet, und so zeigte sich schnell, dass die simple Bluetooth-Anbindung mit Handsfree nicht viel bringt: Die Dämpfung der Mobilfunk-Signale durch die Scheiben ist zu groß.

Sim-Access war die bessere Lösung: Das Handy wird während der Fahrt schlafen gelegt, eine eigene Mobilfunkeinheit übernimmt die Kommunikation. So gibt es keine „Strahlenbelastung“ im Innenraum, und die Sende- und Empfangseigenschaften waren fortan erstklassig: An jenen Stellen, an denen mit anderen Freisprechanlagen die Gespräche regelmäßig abbrachen, gab es zwar die eine oder andere Störung, aber keine Unterbrechung. Mit Sim-Access oder der eigenen Sim-Karte in der Anlage wird dann auch der Kontakt zum Internet hergestellt. Im Unterschied zu anderen Systemen ist keine zusätzliche Karte für Datenverbindungen erforderlich. Die Konfiguration der Zugangspunkte erfolgt automatisch, im Dauereinsatz störend war die zu häufige Sicherheitsabfrage, ob man auch wirklich eine kostenpflichtige Datenverbindung herstellen wolle. In der Langversion des Audi A8 und demnächst auch im Standardmodell kann man ferner das Auto zum rollenden W-LAN-Hotspot machen, also Notebooks oder Smartphones über das MMI anbinden.

Hat man dann die ersten zwei, drei Fahrten absolviert, freut man sich über die Kontinuität des Bewährten – und stößt auf weitere ungezählte Neuerungen und Verbesserungen. Die wichtigsten für den Vielfahrer sind die hochwertigen Verkehrsnachrichten von TMC Pro und permanent eingeblendete Hinweise zum aktuell geltenden Tempolimit. Wie bei BMW gibt es eine kameragestützte Erkennung der Verkehrsschilder, und ein kleines Symbol im Cockpit-Display zeigt das Limit an. Sogar bedingte Einschränkungen (etwa bei Nässe) und die dynamischen Geschwindigkeitsanzeigen auf Autobahnen werden ebenfalls gut identifiziert. Wie bei anderen Anlagen ist die Erkennung nicht perfekt, aber trotzdem eine Wohltat, wenn das Tempolimit alle zwei Kilometer ohne ersichtlichen Grund wechselt.

Was die Leistungsfähigkeit von Navigation und Musikabteilung betrifft, sei kurz zusammengefasst, dass alles bis ins Detail auf höchstem Oberklasse-Niveau spielt. Die Routenführung mit dreidimensionaler Kartendarstellung setzt Gelände mitsamt Höheninformationen und großstädtischer Bebauung plastisch in Szene. Bei Bedarf lassen sich Bilder aus Google Earth nachladen, ein prachtvolles Erlebnis für den Beifahrer, der ins Staunen gerät. Routen lassen sich am PC planen und über Mobilfunk ins Auto schicken, und bei der Musikwiedergabe gibt es eine geradezu erschlagende Fülle von Möglichkeiten und Optionen. Eigene Stücke können auf der Jukebox genannten Festplatte abgelegt werden, portable Musikspieler finden mit USB oder iPod-Interface den Anschluss ans Fahrzeug. Eine Coverflow-Darstellung à la Apple iPod krönt die optische Präsentation des vorhandenen Musikmaterials, und die von uns erprobte Anlage von Bang & Olufsen mit einer Gesamtleistung von 1400 Watt gefiel vor allem mit ihrem unaufdringlich-neutralen Charakter. Audi ist einer der ersten deutschen Hersteller, der das Bluetooth-Profil A2DP für die drahtlose Musikübertragung verwendet. Ein iPhone beispielsweise kann ohne Kabelwirrwarr angebunden werden. Nutzt man trotzdem das kabelgebundene Musikinterface, funktionierte bei unserem iPhone 4 leider der Bluetooth-Freisprechbetrieb nicht mehr, ein Phänomen, das sich in Ingolstadt bislang nicht reproduzieren ließ.

MMI mit Touchpad (links) zur Handschrifteingabe (Foto: Hersteller)

In der Gesamtschau ist das neue MMI ein Schritt nach vorn, es bietet noch mehr Komfort im Auto, und die Google-Suche erweist sich in mancher Hinsicht als praktisch. Dass es Audi geschafft hat, auf dem Umweg über das Touchpad eine auch während der Fahrt sinnvoll nutzbare Internetanbindung herzustellen, ist gewiss erst der Anfang weiterer WWW-Inhalte im Fahrzeug. Die Oberklasse-Limousine wird zur Kommunikationszentrale. Vor allem, wenn ihr stolzer Besitzer hinten sitzt und sich chauffieren lässt. (F.A.Z. vom 31.08.10)

Preise: MMI Navigation mit MMI Touch inklusive Musik-Interface und Bluetooth-Schnittstelle: 2900 Euro, DVD/CD-Wechsler: 550 Euro, Bang & Olufsen-Musikanlage mit 19 Lautsprechern: 6500 Euro

Test: Ford Galaxy Business-Paket II

Man nehme einfach alles, das ist unser Ratschlag für den Interessenten eines neuen Ford Galaxy. Gemeint ist die feine Technik für Routenführung, Kommunikation und Unterhaltung, die im Ford mit einer verwirrenden Fülle von Möglichkeiten parat steht. Das Navigationssystem, das moderate 1610 Euro Zuzahlung erfordert, lässt sich auch als Plus-Paket (mit besseren Lautsprechern) ordern und um eine Mobiltelefon-Vorbereitung ergänzen.

Die klare Linie der Vernunft: Navi und HiFi im neuen Ford Galaxy (Foto: Spehr)

Die i-Tüpfelchen sind „Sound & Connect“ für die Anbindung von MP3-Spielern und Smartphones mit der Bluetooth-Technik A2DP und das Premium-Sound-System. Aus diesen einzelnen Gängen wird mit dem Business-Paket II ein opulentes Menü, dann sind nämlich auch eine Rückfahrkamera sowie Park-Piepser mit an Bord. Der Aufpreis von insgesamt 2200 Euro ist angemessen, das Gesamtpaket überzeugt. Schon die HiFi-Anlage bietet mehr als sonst in der Werksausstattung üblich. Klassische Musik von CD stand fein gezeichnet im Raum, an Dynamik und Bässen fehlt es nicht.

Die Bedienung der Anlage mit dem 18-Zentimeter-Farbbildschirm gefällt. Zwölf Tasten links und rechts der Anzeige führen in die Hauptmenüs, alles andere übernimmt der Finger. Sämtliche Einträge sind präzise beschrieben, man kommt sofort damit zurecht. Und dann die kleinen Extras: Hat man in der Navigation Ort und Straße eingegeben, werden drei Routen vorgeschlagen. Das können andere auch. Aber für den dritten Vorschlag kann man eine persönliche Gewichtung aus Fahrzeit und Kilometerzahl vornehmen, also quasi eine „optimale Route“ programmieren. Das ist beispielsweise sinnvoll, wenn ein Teil der Wegstrecke weitab der Autobahn liegt und die schnellste Route nur zwei Minuten spart, aber 30 Kilometer länger ist als die zweitschnellste. Die Kartendarstellung während der Fahrt ist mustergültig und übersichtlich, das zweite große Farbdisplay zwischen Tachometer und Drehzahlmesser zeigt ergänzend eine Pfeildarstellung. Auch die Kleinigkeiten stimmen: Fahrspurassistenten helfen auf der Autobahn, mit einem Fingerdruck auf das entsprechende Symbol ist die Sprachführung ausgeschaltet, wenn man telefonieren möchte. Der Spracherkenner erlaubt die Zieleingabe von Straße und Ort, man muss also gar nicht mit dem Finger die virtuelle Tastatur bedienen. Die Erkennungsleistung ist ordentlich, verbesserungsbedürftig erscheint nur, dass man nicht in einem Rutsch durch die gesamte Prozedur geführt wird, sondern nach „Ort eingeben“ zur Erfassung des Straßennamens noch einmal starten muss. Auch fehlen der Navi-Anlage Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit. Während der Routenführung kann man Musik von einer CD hören, weil sich die Westeuropa-Landkarte auf einer SD-Speicherkarte befindet.

Mit den Leistungen der Navi-Abteilung waren wir also sehr zufrieden, und das Radio bietet ebenfalls schöne Extras, etwa eine Liste aller empfangbaren Stationen in alphabetischer Sortierung. Die Bluetooth-Freisprechanlage freundete sich sofort mit dem iPhone 4 an und übertrug das Telefonbuch sowie die Anruflisten ins Fahrzeug. Die Akustik ist sehr ordentlich, und die Nebengeräusch-Unterdrückung arbeitet bis etwa 130 km/h überzeugend.

Einige Minuspunkte sind aber doch zu erwähnen: Der Freisprecher funktioniert nur mit eingeschaltetem Radio, und zweitens: Im Telefonbuch kann man nur nach dem ersten Anfangsbuchstaben eines Eintrags suchen, anschließend sieht man eine gegebenenfalls sehr lange Liste zum Blättern. Die Telefon-Abteilung bietet ebenfalls eine Spracherkennung, beherrscht aber die Namenwahl nur nach vorherigem Training des jeweiligen Telefonbuch-Eintrags. Dass wir dann das iPhone 4 auch als Zuspieler für die Musikabteilung einsetzen konnten, ist dank A2DP kein Problem. Störend indes, dass die Musikübertragung nach jedem Telefonat selbst dann automatisch wieder startet, wenn man sie zuvor hat pausieren lassen. Dieses Problem haben allerdings derzeit so gut wie alle A2DP-Anlagen. Insgesamt können wir das Business-Paket II guten Gewissens empfehlen, es ist eine schöne Zusammenstellung sinnvoller Extras auf hohem Niveau.

Test: Navi-System im Hyundai ix 35

Nur keine Panik: Die opulente Anleitung lässt eine abendfüllende Lektüre erahnen, und mancher befürchtet, sich im Dickicht der Menüs und Möglichkeiten zu verirren. Die Rede ist vom Radio-Navigationssystem im Hyundai ix 35, dem Koreaner im Reich der Gelände-Riesen, der uns zwei Wochen lang sicher durch den Schnee bewegte.

Mit und für Apple: Navi-System mit Bluetooth-Freisprecher im Hyundai (Foto: Hersteller)

Die Kommunikationstechnik zählt zu den wenigen Extras der knapp ausgefallenen Zubehörliste. Schon in der kleinsten Ausstattungsvariante „Comfort“ gehört ein Radio mit Anschluss für MP3-Spieler und Bluetooth-Freisprechanlage zur Serienausstattung, was wir doch sehr lobenswert finden. Zum Routenführer mit Farbdisplay bekommt man zudem eine Rückfahrkamera, und die Technik ist ungeachtet der dicken Anleitung überaus einfach zu bedienen. Fünf Tasten jeweils links und rechts der Anzeige sind selbsterklärend, den Rest übernimmt der Finger auf dem berührungsempfindlichen Display. Ein Bluetooth-Telefon lässt sich problemlos ankoppeln, fortan stehen Telefonbuch und Anruflisten auf dem Monitor zur Verfügung, und eine Spracherkennung gehört ebenfalls dazu. Externe Musikspieler nehmen mit USB oder einem 3,5-Millimeter-Klinkenstecker den Kontakt zur HiFi-Abteilung auf, ein iPod von Apple lässt sich mitsamt Wiedergabelisten und Titelinformationen in das Menüsystem des Hyundai integrieren – mit dem iPhone 4 funktionierte das allerdings nicht (und es gibt auch keine drahtlose Musikübertragung mit dem Bluetooth-Profil A2DP).

Das Navi wiederum bietet eine ordentliche Mittelklasse-Ausstattung und überzeugt mit seiner schnörkellosen Anmutung. Das Ziel ist flink eingegeben, schnell werden drei verschiedene Routen berechnet und auf der Karte angezeigt. Während der Fahrt sieht man wahlweise nur die Landkarte (zwei- oder dreidimensional) oder Karte und Abbiegehinweise im „Split-Screen“-Modus nebeneinander. Fahrspurassistenten auf der Autobahn und eingeblendete Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit sind die beiden wichtigsten Extras dieser Anlage. Die Spracherkennung kann man leider nicht zur Zieleingabe verwenden, und der Abruf von Verkehrsinfos ist etwas umständlich. Aktuelle Meldungen auf der Route werden unmittelbar gezeigt, und mit einem Fingertipp sucht der Kopilot eine Umleitung. Basis der Verkehrsdaten ist das Gratis-System TMC, das kostenpflichtige TMP Pro ist im Hyundai ix 35 nicht zu haben. Weitere Kritik: Die akustischen Ansagen könnten durchaus Feinschliff vertragen („Folgen Sie acht Kilometer der Streckenführung“), kommen aber in der Regel punktgenau. Alles in allem arbeitet der elektronische Routenführer ordentlich, man kommt sicher ans Ziel. Nur der Preis von 1720 Euro (für die Varianten Style und Premium) ist deutlich zu hoch. Rechnet man die üppige Serienausstattung mit ein, ist das Gesamtpaket jedoch überzeugend. (F.A.Z. vom 28.12.10)

Test: Opel Astra mit DVD 800 Europa-Navi

Der Preis ist heiß. Wer sich für den neuen Opel Astra entscheidet, bekommt in der Werksausstattung schon von 750 Euro an eine HiFi-Anlage mit CD-Spieler und Navigation. Wir würden indes nicht das günstige CD-500-System mit Deutschlandkarte nehmen, sondern empfehlen das DVD 800 Europa Navi. Der Name deutet es an: Damit gelingt die Routenführung in ganz Europa, und zu Preisen von 1150 Euro an erhält man Radio, CD-Spieler, sieben Lautsprecher und eine USB-Schnittstelle für portable Musikspieler. Die etwas teurere Anlage bringt ferner einen großen 18-Zentimeter-Farbbildschirm mit, und das Sahnehäubchen ist der Merian-Reiseführer nicht nur mit Restaurantbewertungen, sondern auch mit Hinweisen zu Zehntausenden von Sonderzielen. Hier kann man detaillierte Suchvorgänge starten, in einer fremden Großstadt ist dies eine große Hilfe, geradezu ein Oberklasse-Merkmal.

Alles im Blick: DVD-Navigation im Opel Astra (Foto Spehr)

Was mit DVD 800 geboten wird, ist ausgereift, im Alltagseinsatz gut und einfach zu bedienen. Ein Controller dient als zentrales Bedienelement, klar beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs, und mit Drehen und Drücken des Drehreglers lassen sich alle Aufgaben rasch erledigen. Die Navigation arbeitet schnell und zuverlässig, die Kartendarstellung wirkt modern, und die Sprachanweisungen kommen präzise zum richtigen Zeitpunkt.

Geht man ins Detail, sieht man allerdings auch Minuspunkte. Dass eine Sprachbedienung für die Navigation fehlt, lässt sich verschmerzen. Aber Fahrspurassistenten sind bei allen neueren Systemen mittlerweile selbstverständlich. Dass die Info-Taste bei aktiver Navigation nicht zur Anzeige von Verkehrsstörungen dient, fanden wir irritierend. Sie ruft allein Infos zum laufenden Radio- oder Musikprogramm auf. Der Weg zu den TMC-Meldungen geht vielmehr durch die Menüs, dann lassen sich allerdings die Staudaten auch im Klartext abrufen. Überzeugend fanden wir die akustische Warnung vor Störungen in der näheren Umgebung selbst bei ausgeschalteter Navigation. Bei einer Fahrt hatten wir den Routenführer nicht eingeschaltet und erfuhren auf diese Weise rechtzeitig von einer Vollsperrung der auf dem Weg liegenden Bundesstraße. Nachteilig wiederum: Das präzise TMC Pro ist nicht eingebaut, aber in Sachen Stau-Umfahrung hat Opel gegenüber älteren Versionen einiges getan. Nun kann man in einer Routenliste einzelne Straßen gezielt ausschließen und die Funktion „Stau voraus“ arbeitet besser als in der ähnlichen Anlage des Opel Insignia. Nur muss sich, wie gehabt, während der Routenführung die Karten-CD unbedingt im Laufwerk befinden. Die kameragestützte Verkehrsschilderkennung mit Spurassistent war leider in unserem Fahrzeug nicht eingebaut. Ob und wie sie mit der Navigation zusammenarbeitet, bleibt auf einer weiteren Testrunde zu klären.

Mit der USB-Anbindung, die sich andere deutsche Hersteller gern mit unverschämten Aufpreisen bezahlen lassen, hatten wir viel Freude. Wir nahmen das iPhone 4 und das USB-Kabel von Apple, und siehe da: Sofort wurde die Musikabteilung des Smartphones von der Anlage erkannt, wir hatten mit DVD 800 und dem Controller Zugriff auf Alben, Interpreten und Wiedergabelisten. Die Podcast-Sammlung scheint zunächst zu fehlen, aber man kann die entsprechenden Stücke als Alben oder Interpreten dennoch finden. Kleiner Software-Fehler: Mit eingehenden Telefonaten bricht die USB-Verbindung ab. Schade auch, dass die HiFi-Abteilung in Sachen Akustik bestenfalls Mittelmaß bietet. Wer höhere Ansprüche hat, nehme das Infinity-Soundsystem für 580 Euro.

Als Zusatzausstattung bietet Opel ferner einen Bluetooth-Freisprecher für das Handy an (300 Euro), der ebenfalls den großen Farbbildschirm verwendet und sogar eine rudimentäre Sprachsteuerung sowie die Bedienung mit den Lenkradtasten zur Verfügung stellt. Bemerkenswert ist die Mobiltelefon-Anlage mit Sim-Access-Profil (500 Euro) inklusive Dachantenne. Hier wird das Handy, das Sim Access unterstützen muss, während der Fahrt schlafen gelegt, und die Funkeinheit des Fahrzeugs übernimmt die Kontrolle. Auf diese Weise wird die „Strahlenbelastung“ im Innenraum drastisch reduziert, und in Gebieten mit schlechter Funkversorgung brechen Telefonate deutlich seltener ab. (F.A.Z. vom 2.11.10)