Test: Navigation, Telematik und W-Lan-Hotspot im Peugeot 508

Das sieht nobel aus: großes Farbdisplay, ein Controller mit umgebenden Bedienelementen zwischen den beiden vorderen Sitzen, Lenkradtasten und ein farbiges Zweitdisplay unterhalb von Tachometer und Drehzahlmesser. Der neue Peugeot 508 empfängt seine Insassen mit dem Ambiente der oberen Mittelklasse, und ein zusätzlicher Hauch von Luxus zeigt sich mit dem Betätigen der Zündung: Ein kleines Head-up-Display reckt sich über dem Instrumentenblock in die Höhe.

Großer Luxus, feiner Bildschirm im Peugeot 508 (Fotos Spehr)

Es ist nicht die in der Oberklasse gewohnte Anzeigetechnik, denn das virtuelle Bild schwebt über der Motorhaube statt über der Fahrbahn. Und es erscheint nicht in der Windschutzscheibe, sondern auf einer transparenten 10-Zentimeter-Polycarbonatscheibe davor. Aber immerhin ist die Darstellung farbig und gibt nicht nur die Geschwindigkeit wieder, sondern auch die Einstellungen des Tempomat sowie die Navigationshinweise in Pfeildarstellung. Auf den ersten Blick also ein prächtiger Auftritt.

Beschäftigt man sich näher mit dem Navigations- und Telematikpaket, das für 850 bis 1480 Euro in der Aufpreisliste steht, entdeckt man weitere Vorzüge: Neben der Europanavigation (mit Kartenmaterial im Flash-Speicher) gibt es die HiFi-Anlage, die fast alle Wünsche erfüllt, wenn es um MP3-Musik und externe Zuspieler geht. Sie lassen sich mit USB oder Cinch-Buchsen andocken oder man nimmt das Bluetooth-Musikprotokoll A2DP fürs Smartphone. Eine Freisprech-Funktion ist ebenfalls dabei, die Peugeot-Dienste für Telematik und Notruf sind ein sinnvolles Extra. Mit einer eigenen Sim-Karte übrigens.

Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen verwirrend

So gesehen kann man zufrieden sein, aber die Tücke zeigt sich im Detail. Dass der 18-Zentimeter-Bildschirm mit opulenten 800×480 Pixel auflöst, merkt man während der Routenführung nicht. Die Darstellung wirkt hinsichtlich der Detailtiefe sehr bescheiden, als Informationsquelle für Verkehrsmeldungen wird lediglich der Gratis-Dienst TMC genutzt, und die Zieleingabe mit dem Controller ist langwierig. Eine Sprachbedienung fehlt, und das Gebotene bei der Navigation ist bestenfalls mittelmäßig. Zugegeben: Im Unterschied zu älteren Peugeot-Anlagen gibt es jetzt Fahrspurassistenten und Hinweise auf das geltende Tempolimit, die dem Kartenmaterial entnommen sind. Der Löwe ist also ein paar kleine Schritte vorangegangen, aber im Fall des neuen 508 hätte man sich ein lautes Brüllen gewünscht.

UMTS-Stick für die W-Lan-Box, die sich wiederum im Handschuhfach befindet

Denn die Bedienung auf unterschiedlichen Arbeitsflächen ist bisweilen verwirrend. Das zeigt exemplarisch die Telefonabteilung, in der ebenfalls die Sprachwahl fehlt und vor allem eine Namenssuche im Adressbuch schmerzlich vermisst wird. Man muss vielmehr mit dem Controller durch das gesamte Verzeichnis rollen, und zu allem Ärger kommt hinzu, dass die Einträge falsch, nämlich nach dem Vornamen sortiert sind. Dass nach jedem Betreten des Fahrzeugs die Kontakte neu synchronisiert werden, ist ein weiterer Missstand. Auch bei der Bluetooth-Musikwiedergabe könnte man einiges verbessern. Die Anlage merkt sich leider nicht die zuletzt aktive Audioquelle, sondern schaltet zu Beginn der Fahrt stets das Radio ein. Wer auf die Drahtlostechnik setzt, muss mehrfach mit „Source“ umschalten. Kurzum: Der schöne erste Eindruck trügt, hinter den Kulissen zeigt sich brave Hausmannskost und nicht die Ausstattung und raffinierte Menüstruktur, die man erwartet hat.

Die Navi-Anlage bleibt ganz außen vor

Aber es gibt ein Extra, das uns sofort begeisterte. Peugeot ist neben Audi und BMW der dritte Fahrzeughersteller, der einen W-Lan-Hotspot anbietet. Über eine eigenständige Mobilfunkeinheit kommt das Internet ins Auto, auf dass die Passagiere mit ihrem Notebook, iPad oder Smartphone während der Fahrt surfen, Musik hören oder Videos gucken. Die Anbindung der Peripherie ist so einfach wie zu Hause am Router oder unterwegs im Internetcafé: W-Lan suchen, Kennwort eingeben und loslegen.

Konfiguration am Notebook: Router-Fenster der W-Lan-Box

Die Lösung von Peugeot besteht aus zwei Komponenten: einem UMTS-Mobilfunkstick und einer dazu passenden W-Lan-Box (für 420 Euro) im Handschuhfach. Man nimmt seine Sim-Karte, steckt diese in den Stick und den wiederum in die W-Lan-Box. Anschließend ist einmalig die Einrichtung erforderlich. Dazu verbindet man mit Hilfe eines Ethernet-Kabels ein Notebook mit der Box, gibt im Browser eine Adresse ein und konfiguriert anschließend das System im Browser-Fenster. Welches Betriebssystem man dafür einsetzt, ist egal.

Anzugeben sind der Pin-Code der Sim-Karte, der Internet-Zugangspunkt, die SSID (quasi der Name der Station) und der Verschlüsselungstyp. Für letzteren stehen „unverschlüsselt“ (offenes W-Lan), WEP und die beiden sicheren WPA-Verfahren parat. Anschließend ist der Router für die Passagiere freigegeben. Statusmeldungen soll eine Leuchtdiode geben, die man allerdings im dunklen Handschuhfach nicht sieht. Und die Navi-Anlage mitsamt Bildschirm bleibt bei der Bedienung des W-Lan-Hotspot ganz außen vor. Obwohl sich das alles einfach anhört, benötigten wir für die Konfiguration mit dem Notebook fast eine Stunde, die Lan-Box wurde anfangs nicht erkannt.

In Ballungsgebieten durchgängig ein flottes UMTS-Tempo

Läuft die Anlage, werden alle Mobilfunk-Frequenzbereiche unterstützt, und rein theoretisch ist mit UMTS und dem Datenturbo HSDPA ein Maximaltempo von 7,2 Megabit in der Sekunde erreichbar. Die W-Lan-Station sendet nach dem Standard 802.11 b/g. Wie gut das Ganze während der Fahrt funktioniert, hängt maßgeblich von der Funkversorgung ab. Die ist bei Vodafone und der Telekom am besten. In den Ballungsgebieten hat man durchgängig ein flottes UMTS-Tempo, und jenseits der großen Städte ist zumindest Edge mit bis zu 500 KBit/s verfügbar. Man beachte auch, dass sich alle Passagiere den einen Mobilfunkzugang teilen müssen. Wenn einer Videos guckt, bricht das Tempo für alle anderen deutlich ein.

Im Betrieb: iPhone findet Peugeot-Hotspot

Alles in allem ist das mobile Surfen und Arbeiten nach unseren Erfahrungen im Auto deutlich sinnvoller als in der Bahn. Was die Schiene verspricht und nur auf wenigen Strecken hält, wird auf der Straße eingehalten. Geht es überwiegend um die E-Mail, kann man selbst mit Edge-Tempo kommod arbeiten. Der Hotspot im Auto ist in diesem Sinne eine heiße Sache, und wer die Technik jenseits der Werksausstattung ausprobieren will, experimentiere mit seinem Android-Smartphone oder dem iPhone.

Herstellerseite Peugeot WiFi on Board

Fahrtbericht Peugeot 508 SW auf faz.net von
Wolfgang Peters

 

 

 

 

 

 

Test: Comand-System in der S-Klasse von Mercedes-Benz

Der große Luxus des feinen Fahrens

Was Mercedes-Benz mit und rund um das bewährte Comand-System in der S-Klasse bietet, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Das vernetzte Fahren und die Konnektivität werden bei Audi, BMW und Mercedes-Benz immer wichtiger, mancher befürchtet gar einen Overkill der Elektronik an Bord. Audi und BMW bringen das Internet ins Fahrzeug: Die Navigation hält Informationen aus Google Earth parat, der Monitor wird bei BMW zur Surfstation. Audi setzt auf eine Online-Suche im Netz, sie wird mit Fingerbewegungen auf einer berührungsempfindlichen Fläche bedient. Nach dem aktuellen 7er BMW und dem Audi A8 haben wir nun die Kommunikationstechnik der S-Klasse von Mercedes-Benz ausprobiert.

Nach zwei Wochen gibt es ein klares Fazit: Was die Stuttgarter mit und rund um ihr bewährtes Comand-System bieten, ist deutlich einfacher zu bedienen als die Pendants aus Ingolstadt oder München. Aber es ist auch weniger leistungsfähig.

Der Arbeitsplatz: Die S-Klasse von Mercedes-Benz (Fotos Spehr)

Comand mit Radio, Controller, Telefontastatur und riesigem 20-Zentimeter-Farbdisplay sowie einer Musik-Schnittstelle gehört in der S-Klasse zur Serienausstattung, vom S 400 an sind auch die Festplatten-Navigation mit 7 Gigabyte freiem Speicher für eigene Musik sowie die Sprachbedienung mit dabei. Wer gern in Preislisten der Begehrlichkeiten schwelgt, kann seine S-Klasse mit feinen Sound-Paketen von Bang & Olufsen ausstatten (das opulenteste kostet fast 10.000 Euro), und neuerdings gibt es, wie bei Audi, auch einen W-Lan-Hotspot, der die Notebooks und Smartphones der Passagiere ins Internet bringt.

Telefon mit numerischem Ziffernblock

Comand besteht aus mehreren Kernelementen: Zunächst, wie bei der Konkurrenz, der Controller, ein Drehsteller, den man auch drücken und in alle Richtungen schieben kann. Ferner klar beschriftete Funktionstasten rund um dieses Hauptbedienelement. Sie aktivieren ohne jeden Umweg direkt die Abteilungen Telefon, Navigation, Audio. Eine Zurück-Taste ist dabei und ein Drehrädchen zum Einstellen der Lautstärke der HiFi-Anlage. Das Telefon hat eine eigene numerische Tastatur über dem Controller, sie ist mit einer klappbaren Abdeckung geschützt.

Eine Pracht: Das elektronische Cockpit-Display

Dazu kommen zwei Bildschirme mit sehr guter Darstellungsqualität. Der linke ist das Hauptinstrument im Cockpit rund um Tachometer und Drehzahlmesser: eine rein elektronische Anzeige, die programmierbar ist. Im Innenring des Tachometers lassen sich die Rufnummern aus dem Telefonbuch oder die Fahranweisungen der Navigation anzeigen, nur die Spitze der Tachonadel ist derweil auf der Skala sichtbar. Was auf diesem Cockpit-Display erscheint, wählt man mit den Multifunktionstasten am Lenkrad. Zweitens der in der Vertikalen motorbetrieben drehbare Hauptbildschirm. Er wird mit dem Controller und seinen Tasten gesteuert, die Inhalte sind vollkommen unabhängig vom Tacho-Display. So wählt der Beifahrer den nächsten Radiosender mit dem Controller, während der Fahrer die Piktogramme für die Navigation sieht.

Zum Glück kein Menü-Wirrwarr

Das bei der Konkurrenz bisweilen verwirrende Schieben und Drücken des Drehstellers in verschiedene Richtungen hat Mercedes-Benz geschickt vermieden: Mit den Tasten kommt man ohne Mühe in die Hauptmenüs. Anschließend sind alle weiteren Untermenüs wie ein Laufband in der Waagerechten angeordnet und mit schnellem Drehen erreichbar. Das ist nahezu intuitiv zu beherrschen, es gibt kein Menü-Wirrwarr, keine Verästelungen, sondern klare Linien, auf denen der Nutzer schnell zum Ziel kommt. Dieses schlichte und sofort verständliche Bedienprinzip ist ein großer Pluspunkt.

Mittelarmlehne: Controller und umgebende Menütasten

Auch bei der Unterhaltung bleiben kaum Wünsche offen. Neben Radio und CD/DVD-Spieler lassen sich MP3-bestückte SD-Karten, USB-Sticks und portable Musikspieler anbinden. Die Geräte landen im Handschuhfach, das „Media Interface“ kommt mit den entsprechenden Kabeln. Auch für den iPod von Apple findet sich dort der entsprechende Anschluss. Ein iPhone 4 passt zwar mechanisch auf den Stecker, wurde aber von Comand nicht erkannt. Also nahmen wir den iPod, und, siehe da, schon ließ sich mit dem Controller flink durch Alben und Titel blättern, und man sieht die Namen der Stücke im Display. Für noch mehr Komfort sorgt die Feinabstimmung nach Wiedergabelisten, Podcasts oder Hörbüchern. Das große Extra ist das „Music Register“, mit dessen Hilfe man seine Audio-CDs auf den Festplattenspeicher von Comand kopiert. Die Alben werden mit der eingebauten Gracenote-Musikdatenbank erkannt, beschriftet und lassen sich auch nachträglich in Ordner kopieren oder löschen.

Versteht den Fahrer: Spracherkennung Linguatronic

Wer seine Beifahrer verwöhnen will, sollte das „Entertainment-Paket vorn“ mit Harman-Kardon-Surroundanlage sowie einem Splitview-Monitor wählen (2100 Euro). Der Bildschirm liefert dann zwei Anzeigen. Eine für den Fahrer, der beispielsweise die Karte der Navigation eingeblendet bekommt, und eine zweite für den Beifahrer, der gleichzeitig eine DVD oder das TV-Programm sehen kann. Allein der Blickwinkel entscheidet. Bei allem Luxus fehlt indes ein wichtiges Detail: die drahtlose Musikübertragung vom Smartphone mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP. Diese Technik ist mittlerweile selbst in vielen Kleinwagen selbstverständlich.

Bei der Ankopplung eines Bluetooth-Telefons an Comand ist eine Besonderheit zu beachten. Ist die „Komforttelefonie“ mit Ladeschale (für 470 Euro) eingebaut, muss man sich bei der Blauzahn-Anbindung mit einer Umstandskrämerei herumplagen: Mit jedem Start sucht Comand zunächst das fest eingebaute Telefon und bietet erst nach einigen Minuten und nur kurz den Wechsel zu Bluetooth an. Ein Trick, um diese lästige Prozedur abzukürzen, besteht darin, die Schale in der Mittelarmlehne mechanisch zu entfernen. Anschließend funktionierte bei uns alles einwandfrei, mit dem besagten iPhone und mit einem Androiden. Nicht nur der Zugriff auf Telefonbuch und Anruflisten gelingt prima. Mit der Spracherkennung Linguatronic gibt es eine Namenswahl, was will man mehr? Vieltelefonierern empfehlen wir allerdings das Telefonmodul mit Sim-Access (420 Euro), das eine Mobilfunkeinheit mitbringt und das Handy während der Fahrt in einen Tiefschlaf legt. Denn die hervorragend gedämmte Karosserie der S-Klasse schottet auch die Mobilfunksignale ab. Mit Sim-Access (das leider von den meisten Oberklasse-Smartphones nicht unterstützt wird), telefoniert man in Regionen mit schwacher Funkversorgung deutlich besser.

Dynamische Navigation mit TMC Pro

Die Linguatronic bewährt sich auch bei der Eingabe des Navigationsziels. Nun geschieht das, wie bei der Konkurrenz, in einem Rutsch mit der „One shot entry“-Technik, die hervorragend funktioniert, allerdings etwas schneller zur Sache kommen könnte. „Navigation wird aktiviert“ sieht man ein, zwei Minuten zu Beginn der Fahrt, da sind andere flotter. Während der Routenführung ist das Gebotene überragend, die Ansagen kommen klar und präzise, es gibt einen Kreuzungszoom und Fahrspurempfehlungen.

Nur ein Tastendruck: Linguatronic Spracherkennung

Was wir vor einem Jahr in der E-Klasse beklagten, hat Mercedes-Benz hier verbessert: Die kameragestützte Erkennung der Verkehrszeichen mit Geschwindigkeitsbegrenzungen arbeitet nun sehr ordentlich. Sowohl die bedingten Tempolimits (bei nasser Fahrbahn oder zu bestimmten Uhrzeiten) wie auch die Anzeigen der dynamischen Geschwindigkeitsregelungsanlagen auf Autobahnen wurden fast immer richtig erkannt. Zudem wird der Hinweis jetzt auch permanent auf der Navi-Karte einblendet und nicht nur einige Sekunden im Tachometer-Innenring wie in der E-Klasse.

Unser Fahrzeug hatte ferner „TMC Pro“ zur dynamischen Navigation „um den Stau herum“ eingebaut. Diesen Premium-Dienst haben wir oft gelobt, aber in den zwei Wochen mit der S-Klasse waren wir nicht immer zufrieden: Auf unseren längeren Fahrten war rund jeder zweite gemeldete und tiefrot in der Karte hervorgehobene Stau entweder beim Eintreffen schon aufgelöst oder nicht so gravierend, dass sich eine Ausweichstrecke gelohnt hätte. Andere Quellen für hochwertige Verkehrsinformationen, etwa mit Floating Car Data, stehen nicht zur Verfügung, denn Mercedes bietet einen Internetzugang erst in der neuen C-Klasse an, das Stichwort lautet „Comand online“. Auch ein Head-up-Display, das Navi- und andere Hinweise in die Frontscheibe einspielt, ist nicht lieferbar.

 

Test: MMI im Audi A1 (2010)

Nein, er ist keine gewöhnliche Vierradware, er mag zwar klein sein, ist aber keineswegs billig. Der Audi A1 fährt im Kleinwagensegment, hat jede Menge Technik vom VW Polo, trägt aber auch Gene der Größe in sich, vor allem in Sachen Kommunikation. Um schnell auf den Punkt zu kommen: Kein anderer in dieser Klasse bietet auch nur annähernd so viel. Man hat ihm nahezu das gesamte MMI-Programm der großen Brüder mitgegeben, das Gebotene ist überragend – und natürlich ein Mittel der Distinktion gegenüber der Konkurrenz. Hinsichtlich Navigation, HiFi, iPod-Anbindung und Telefonie bekommt man im Audi A1 Spitzentechnik ohne Wenn und Aber, also ein High-Tech-Fahrzeug im kompakten Format.

Coverflow: Musik für Feinschmecker (Fotos Spehr)

Die Qual der Wahl besteht in zwei Ausstattungsvarianten: Das auf den ersten Blick günstige „Navigationspaket“ schlägt zwar mit nur 1160 Euro zu Buche, dazu kommen aber als Pflichtprogramm die Radioanlage Concert (425 Euro), das Multifunktions-Sportlederlenkrad (130 bis 390 Euro) und das monochrome Fahrerinformationssystem zwischen Tachometer und Drehzahlmesser (180 Euro). Wer unterwegs freisprechend telefonieren will, benötigt ferner die Bluetooth-Schnittstelle für weitere 570 Euro. Flugs ist man bei mindestens 2500 Euro gelandet, und spätestens dann, so spekuliert wohl das Audi-Marketing, wird man einen Blick auf das große MMI Plus werfen, das 2650 Euro kostet und ebenfalls das Fahrerinformationssystem sowie das Multifunktionslenkrad erfordert. Also mehr als 3000 Euro für die Elektronik in einem Fahrzeug, das mit dem kleinsten Motor (1.2 TFSI) 15 800 Euro kostet. Aber wer kauft schon ein nacktes Fahrzeug? Die Aufpreisliste ist auch jenseits der Elektronik lang und verführerisch. Unser Testwagen mit dem 1,4-Liter-Motor und 90 kW (122 PS, Grundpreis mit Automatik 19 000 Euro), lag mit allem Drum und Dran bei fast 35 000 Euro, also ein kleines Auto zum Preis eines großen, und dann kann man auch MMI Plus getrost mitnehmen.

Es lohnt sich: Die Software entspricht nahezu dem aktuellen System im neuen Audi A8, nur bei der Hardware macht man Kompromisse: Der Monitor, der wenig elegant aus dem Armaturenbrett hervorguckt, lässt sich nicht motorbetrieben, sondern nur von Hand ein- und ausklappen, er ist zudem im Blickwinkel nicht justierbar – und mit einer Diagonale von 16,5 Zentimetern etwas kleiner. Auch der Controller als zentrales Bedienelement weist nicht die gewohnte Größe auf, rastet aber satt ein und macht hinsichtlich Haptik und Anmutung einen ordentlichen Eindruck. Vier Softkeys rund um den Drehsteller übernehmen kontextabhängig bestimmte Funktionen. In die Hauptmenüs führen acht eindeutig beschriftete Tasten, und mit „Back“ kommt man jeweils eine Ebene zurück. MMI Plus ist leicht und eingängig zu bedienen, es arbeitet zudem schnell und zuverlässig. Wer mit dem System etwas mehr vertraut ist, nutzt die Sprachsteuerung von Nuance, sie arbeitet auf dem Niveau des A8 und erlaubt nicht nur die Namenwahl von Telefonbucheinträgen ohne vorheriges Training, sondern auch das Erfassen von Straße und Ort eines Ziels „in einem Rutsch“.

Die Zentrale: MMI im Audi A1

Der Copilot erledigt seine Aufgabe mit Bravour. Die Bildschirmdarstellung ist präzise und stets eindeutig. Eine Mini-Karte für Kreuzungen und Fahrspurassistenten gehören zur Ausstattung. Bei Bedarf lassen sich vor Beginn der Fahrt drei verschiedene Strecken berechnen, eine davon soll besonders verbrauchsgünstig sein. Und nun zeigt Audi in der Karte auch Hinweise zum aktuell geltenden Tempolimit, es handelt sich allerdings um historische Daten des Kartenherstellers. Eine kameragestützte Erfassung der Verkehrszeichen fehlt ebenso wie eine Warnung bei der Überschreitung des Limits. Ein schönes und sinnvolles Extra ist wiederum TMC Pro, es werden also die Premium-Verkehrsinformationen angezeigt und zwecks Stauvermeidung ausgewertet.

Auch bei HiFi und Multimedia bietet der A1 die große Offenheit für unterschiedliche Systeme. Am einfachsten gelingt die Musikwiedergabe von einer handelsüblichen SD-Speicherkarte, wie sie derzeit bis 32 Gigabyte erhältlich sind. Gleich zwei davon lassen sich verwenden, genug Platz für mehr als 1000 Alben. Wer sich nicht um die Umwandlung des Musikbestands ins MP3-Format kümmern will, kann diese Pflichtübung von MMI erledigen lassen: Bis zu 20 Gigabyte stellt die Jukebox genannte Festplatte für Musik parat, die Titel von der CD werden automatisch ins MP3-Format eingedampft, und die Albendarstellung à la Apples „Coverflow“ ist spektakulär. Wer einen externen Musikspieler einsetzen will, schließt ihn entweder mit einem Adapterkabel an oder nimmt die Bluetooth-Übertragung A2DP, die von vielen Smartphones unterstützt wird. Wir hatten mit dem iPhone 4 keinerlei Probleme, störend ist indes, dass sich die HiFi-Anlage zu Beginn der Fahrt auch dann einschaltet, wenn man sie beim Verlassen des Fahrzeugs ausgeschaltet hatte. Alles andere rund um die Telefonie funktioniert mustergültig und einwandfrei. Dass das Sim-Access-Profil für Bluetooth nicht vorhanden ist, mag den Vieltelefonierer stören, ein Internetzugang fehlt ebenfalls. Aber wir reden ja hier von einem Kleinwagen, das sollte man nicht vergessen. (F.A.Z. vom 14.12.10)

Die Auto-News der CES in Las Vegas 2011

Audi

Audi hatte einen großen Auftritt auf der CES, Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler sprach vom vernetzten Automobil der Zukunft. Man arbeite an „Weiterentwicklungen“ des Head-up-Displays (das Audi aber bislang nicht anbietet) und der Anbindung von LTE ans Fahrzeug. Neben Google Earth, das jetzt schon im Audi mit MMI sichtbar ist, komme auch Streetview dazu. „Je realistischer die Präsentation, desto geringer die Ablenkung“, sagte Stadler. Das meine ich nicht: Je mehr Details, desto mehr Ablenkung.

Rupert Stadtler, Vorstandsvorsitzender Audi, auf der CES 2011 (Foto: Audi)

Deutlich interessanter und näher an der Realität ist  indes das vorgeführte neue MMI mit Tegra-Chipsatz von Nvidia. Im Foto von Engadget sieht man, dass das Touchpad (das es bislang in Deutschland nur im A8 und im kommenden A6 gibt) ersetzt wird durch eine berührungsempfindliche Fläche im Controller. Das System soll zuerst im A3 kommen. (Meine Spekulation: in den großen Modellen bleibt es beim Touchpad, in den kleinen wird es in den Controller integriert). Hier der aktuelle Stand der Dinge bei Audi im A8, Baujahr 2010.

Ford

Das in den US sehr erfolgreiche Sync-System mit Sprachbedienung ist zwar in Europa nicht erhältlich. In den Vereinigten Staaten macht es indes Karriere und wird jetzt ergänzt um „Sync Destinations“, eine App, die es erlaubt, eine Routenplanung am Smartphone vorzunehmen: Engagdget. Auch für den neu vorgestellten „Focus Electric“ gibt es eine „App“. Ferner bekommt auch der Ford Mustang ab Baujahr 2012 das Ford Sync eingebaut. Hier der Stand der Dinge bei deutschen Ford-Modellen am Beispiel des Galaxy.

Mini

Für den Mini Cooper Countryman der BMW-Tochter gibt es in den US „Mini Connected“, eine App, die den in den Vereinigten Staaten sehr populären Musikdienst Pandora ins Fahrzeug bringt. Mit dem iPhone kann man dann Pandora über die Bedienelemente des Fahrzeugs steuern.

Chrysler

Auch Chrysler US bringt eine App für Android, Blackberry und iOS.

Mercedes-Benz

Mit der US-App „mbrace“ für das iPhone kann man, wie bei der BMW-App, sein Fahrzeug aus der Ferne öffnen, schließen und orten. Ferner gibt es weitergehende, kostenpflichtige Premium-Services.

Toyota

Auch Toyota will den amerikanischen Pandora-Musikdienst in seinen US-Fahrzeugen anbieten, das Ganze läuft unter Toyotas Entune-Multimedia-System. Entune wurde auf der CES neu vorgestellt, es verbindet ein Smartphone mit der Infrastruktur des Autos, inklusive Datenaustausch etc. Ob Entune nach Europa kommt, ist noch nicht klar.

Test: Navi-System im Hyundai ix 35

Nur keine Panik: Die opulente Anleitung lässt eine abendfüllende Lektüre erahnen, und mancher befürchtet, sich im Dickicht der Menüs und Möglichkeiten zu verirren. Die Rede ist vom Radio-Navigationssystem im Hyundai ix 35, dem Koreaner im Reich der Gelände-Riesen, der uns zwei Wochen lang sicher durch den Schnee bewegte.

Mit und für Apple: Navi-System mit Bluetooth-Freisprecher im Hyundai (Foto: Hersteller)

Die Kommunikationstechnik zählt zu den wenigen Extras der knapp ausgefallenen Zubehörliste. Schon in der kleinsten Ausstattungsvariante „Comfort“ gehört ein Radio mit Anschluss für MP3-Spieler und Bluetooth-Freisprechanlage zur Serienausstattung, was wir doch sehr lobenswert finden. Zum Routenführer mit Farbdisplay bekommt man zudem eine Rückfahrkamera, und die Technik ist ungeachtet der dicken Anleitung überaus einfach zu bedienen. Fünf Tasten jeweils links und rechts der Anzeige sind selbsterklärend, den Rest übernimmt der Finger auf dem berührungsempfindlichen Display. Ein Bluetooth-Telefon lässt sich problemlos ankoppeln, fortan stehen Telefonbuch und Anruflisten auf dem Monitor zur Verfügung, und eine Spracherkennung gehört ebenfalls dazu. Externe Musikspieler nehmen mit USB oder einem 3,5-Millimeter-Klinkenstecker den Kontakt zur HiFi-Abteilung auf, ein iPod von Apple lässt sich mitsamt Wiedergabelisten und Titelinformationen in das Menüsystem des Hyundai integrieren – mit dem iPhone 4 funktionierte das allerdings nicht (und es gibt auch keine drahtlose Musikübertragung mit dem Bluetooth-Profil A2DP).

Das Navi wiederum bietet eine ordentliche Mittelklasse-Ausstattung und überzeugt mit seiner schnörkellosen Anmutung. Das Ziel ist flink eingegeben, schnell werden drei verschiedene Routen berechnet und auf der Karte angezeigt. Während der Fahrt sieht man wahlweise nur die Landkarte (zwei- oder dreidimensional) oder Karte und Abbiegehinweise im „Split-Screen“-Modus nebeneinander. Fahrspurassistenten auf der Autobahn und eingeblendete Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit sind die beiden wichtigsten Extras dieser Anlage. Die Spracherkennung kann man leider nicht zur Zieleingabe verwenden, und der Abruf von Verkehrsinfos ist etwas umständlich. Aktuelle Meldungen auf der Route werden unmittelbar gezeigt, und mit einem Fingertipp sucht der Kopilot eine Umleitung. Basis der Verkehrsdaten ist das Gratis-System TMC, das kostenpflichtige TMP Pro ist im Hyundai ix 35 nicht zu haben. Weitere Kritik: Die akustischen Ansagen könnten durchaus Feinschliff vertragen („Folgen Sie acht Kilometer der Streckenführung“), kommen aber in der Regel punktgenau. Alles in allem arbeitet der elektronische Routenführer ordentlich, man kommt sicher ans Ziel. Nur der Preis von 1720 Euro (für die Varianten Style und Premium) ist deutlich zu hoch. Rechnet man die üppige Serienausstattung mit ein, ist das Gesamtpaket jedoch überzeugend. (F.A.Z. vom 28.12.10)