Nokia kehrt zurück

Eine Besinnung auf die gute alte Zeit vor dem Smartphone? War früher alles besser? Solche Fragen liegen geradezu auf der Hand, wenn man die jüngste Nokia-Begeisterung mitverfolgt. Nokia? Ja, die leben wieder auf, jedenfalls der Name. Die stolze Geschichte des einstigen Mobilfunk-Pioniers endete 2013, als die gesamte Handy-Sparte der Finnen an Microsoft verkauft wurde. Microsoft beerdigte das alte Symbian-Betriebssystem, setzte auf den Wechsel zur mobilen Windows-Variante – und das Experiment ging gründlich schief. Nokia ist tot, Windows Phone ist tot, Symbian sowieso. Doch nun scheint Nokia wiederaufzuleben. Nicht mit Smartphones, sondern mit jenen einfachen Telefonen, die in der Anfangszeit den Mythos Nokia begründeten: Langlebig, robust, einfach, und der Akku hält gefühlte Ewigkeiten.

Das erste Gerät ist bereits im Handel und seit zwei Wochen in der Redaktion. Wir haben es nie ausgeschaltet, mit der ersten Akku-Ladung läuft es noch immer. Das Nokia 150 kostet 40 Euro und wird in Deutschland von Mobilcom-Debitel vertrieben. Sein Display hat eine Auflösung von 240 × 320 Pixel und ist nicht berührungsempfindlich. Bedient wird es allein mit der Tastatur und einer Vier-Wege-Wippe. Die Kamera mit mickriger Auflösung von 0,3 Megapixel taugt nichts. Die insgesamt 16 Menüs lassen sich einfach vom Hauptbildschirm aus starten, darunter sind so praktische Dinge wie ein Radioempfänger, eine Taschenlampe, ein Rechner und natürlich das legendäre Nokia-Spiel Snake. Man kann mit dem Telefon telefonieren und bekommt noch ein paar Extras dazu, das ist die Idee dieses Fossils. Hinter Nokia steckt das Unternehmen HMD Global Oy. Es hat die Namensrechte von Microsoft für zehn Jahre gekauft und ist eine Tochterfirma des chinesischen Auftragsfertigers Foxconn, der wiederum unter anderem für Apple arbeitet.

Nun soll auch das Nokia 3310 wiederaufleben, HMD will es angeblich am kommenden Wochenende auf der Mobilfunkmesse in Barcelona vorstellen. Die neue Version des 3310 soll 60 Euro kosten. Das Original kam Ende 2000 auf den Markt und wurde mit 126 Millionen verkauften Exemplaren einer der großen Erfolge der Finnen. Sein Display war noch nicht farbig, sondern schwarzweiß, und es hatte eine Auflösung, die man heute nur als armselig bezeichnen kann. Sie liegt noch weit unterhalb der des Nokia 150 und beträgt gerade mal 84 × 48 Pixel.

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Zauberei mit der Nokia Smart Cam auf dem Lumia 925

Mit der Smart-Cam-App für das Nokia Lumia 925 kann man ziemlich schnell auch als Laie Fotos mit verblüffenden Effekten erstellen. Es werden nach dem Aufruf der App zehn Fotos in rund zweieinhalb Sekunden geschossen, leider nicht in der vollen Auflösung. Ich habe das heute mal in Frankfurt ausprobiert: Zunächst sucht die App dann aus den zehn Aufnahmen den „besten“ Schnappschuss heraus:

Bestes Bild
Bestes Bild

Dann, das sieht schon spektakulärer aus, die Variante „Bewegungsfokus“

Bewegungsfokus
Bewegungsfokus

Oder „Bewegte Objekte entfernen“:

Bewegte Objekte entfernen
Bewegte Objekte entfernen

Weiterhin gibt es die Optionen „Gesichter ändern“ und den „Action Modus“. Die hier wiedergegebenen Fotos wurden kurz im Photoshop bearbeitet, um das Gesicht des Fußgängers links sowie die Autokennzeichen unkenntlich zu machen. Ich habe leider noch nicht herausgefunden, wie man die verfremdeten Fotos speichern kann. Mit dem Diskettensymbol kommt zwar ein „wird gespeichert“, sie sind aber nicht in der Galerie zu finden. Diese Beispielaufnahmen habe ich mir schließlich selbst per E-Mail geschickt.

Update: Nokia schreibt dazu: „Nach einer Aufnahme findet man das Bild mit dem zuletzt verwendeten Filter/Linse in der Gallery wieder. Sobald man dieses anzeigt, steht unter dem Bild: Aufgenommen mit Nokia Smart Cam. Durch klicken auf „Nokia Smart Cam“ wird das Bild geöffnet und man kann wieder durch verwenden der verschiedenen Linsen das Bild verändern oder gleich über verschiedene Wege „teilen/versenden“. Es bleibt immer nur bei einem gespeicherten Bild in der Gallery, das jedoch über alle Informationen verfügt. Möchte man das Bild nach Anwendung eines Filters isoliert speichern kann man es „teilen“ oder als Datei übernehmen, indem man den Weg über den Speichermedienmodus anwendet (Explorer, Datei kopieren und umbenennen).“

Mein Kommentar dazu: Eine Umstandskrämerei ohnegleichen.

Update 2: Noch mehr gezaubert:

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Low light Vergleichsfotos: Samsung Galaxy S4, Nokia Lumia 920 und iPhone 5

Bei schönstem Sonnenschein machen alle Smartphones sehr ordentliche Aufnahmen. Der Knackpunkt ist stets die Aufnahme mit schwachem Licht. Deshalb hier ein Vergleich bei wenig Licht. Es geht nicht um künstlerische Ansprüche, sondern allein um die Frage, wer in low-light-Situationen bessere Aufnahmen macht.

Die Fotos wurden an identischer Position zur gleichen Zeit ohne Blitz im Automatikmodus geschossen. Es wurden jeweils zwei Aufnahmen gemacht und die bessere ausgewählt. Die Fotos sind in Originalgröße hochgeladen und wurden nicht bearbeitet. Zum Download in Originalgröße auf das Bild klicken. Mit einer Tonwertkorrektur im Photoshop sieht man dann auch beim Galaxy S4 durchaus Interessantes.

Samsung Galaxy S4:

Samsung Galaxy S4
Samsung Galaxy S4

 

Nokia Lumia 920

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Nokia Lumia 920

 

iPhone 5:

iPhone 5
iPhone 5

 

Nachtrag: Man vergleiche auch hier. Das Foto stammt von Kollege Christian Just der Redaktion „Computerbild“ (via Twitter).

https://www.dropbox.com/s/b5x6qcg0ek3558f/Dunkelheit_ohne_Blitz.jpg

 

 

Low light Vergleichsfotos: Sony Xperia Z gegen iPhone 5 und Nokia Lumia 920

Bei schönstem Sonnenschein machen alle Smartphones sehr ordentliche Aufnahmen. Der Knackpunkt ist stets die Aufnahme mit schwachem Licht. Deshalb hier ein Vergleich bei wenig Licht. Es geht nicht um künstlerische Ansprüche, sondern allein um die Frage, wer in low-light-Situationen bessere Aufnahmen macht. Das iPhone 5 und das Sony Xperia Z liegen nicht weit auseinander. Um Unterschiede sichtbar zu machen, musste ich den Raum sehr stark abdunkeln. Konkret: Sämtliche Beleuchtung stammt von einer 3-Watt-LED-Schreibtischlampe.

Beide Fotos wurden an identischer Position zur gleichen Zeit ohne Blitz geschossen. Für das Xperia Z gibt Sony eine Auflösung von 12 Megapixel an, die hier eingestellt war. Als Motivprogramm wurde die Standardeinstellung „überlegene Automatik“ gewählt.

Es wurden jeweils zwei Aufnahmen gemacht und die bessere ausgewählt. Beide Fotos sind in Originalgröße hochgeladen und wurden nicht bearbeitet. Zum Download in Originalgröße auf das Bild klicken.

Sony Xperia Z

 

Apple iPhone 5:

iPhone 5
iPhone 5

Nachtrag: Zahlreichen Anregungen auf Twitter folgend, habe ich das Nokia Lumia 920 dazu genommen, allerdings erst eine Stunde später, so dass die Bedingungen nicht ganz identisch waren. Aber das Ergebnis spricht für sich:

Nokia Lumia 920
Nokia Lumia 920

 

 

 

 

 

Test: Nokia Lumia 920, HTC 8X

Jetzt hängt alles am seidenen Faden: Die beiden Smartphone-Hersteller Nokia und HTC sind wirtschaftlich angeschlagen, und die Hoffnung speist sich aus neuen, attraktiven Geräten. Das Stichwort lautet Windows Phone 8, es ist die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems, das in seiner modernen Ausprägung seit gut zwei Jahren gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Häusern Apple und Google kämpft. Ein Erfolg ist Windows Phone nicht, aber es wird immer besser. Mit der neuen Kennziffer 8 gehen etliche Neuerungen einher – jedoch nicht für ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind.

Windows Phone 8 unterstützt höhere Bildschirmauflösungen jenseits der bisherigen 800×480 Pixel, es erlaubt den Einsatz von Micro-SD-Speicherkarten, Mehrkernprozessoren und NFC, es bringt den Internet Explorer in der Version 10 mit und bietet „echtes“ Multitasking. Wer das ältere Windows Phone 7 einsetzt, bekommt bald ein „kleines“ Update auf die Version 7.8, die auch den neuen Startbildschirm mit in der Größe änderbaren Kacheln enthält. Wir haben jetzt zwei der ersten Windows-Phone-8-Geräte ausprobiert, das HTC 8X und das Nokia Lumia 920, die jeweiligen Flaggschiffe für 500 und 600 Euro.

Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X
Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

Wer aus der Android- oder Apple-Welt kommt, muss keine Entzugserscheinungen fürchten. Vieles ist anders, aber keineswegs schlechter, das ist die erste Erfahrung. Microsoft hat die Idee des geräteübergreifenden Ökosystems von Google und Apple kopiert, und was bei Android der Gmail-Account ist, erledigt man hier mit Hotmail oder dem sehr schicken Outlook.com. Statt der Dropbox gibt es das Skydrive von Microsoft, sieben Gigabyte Speicherplatz in der Cloud-Wolke werden unentgeltlich bereitgestellt. Gegen das schnörkellose Design von Windows Phone mit üppigen Weißräumen und dezenten Linien wirkt die Konkurrenz sogar ziemlich alt, und was ein Smartphone von heute können muss, beherrscht Windows Phone allemal.

Geht es um E-Mail und Internet, Facebook und Twitter, kann man getrost zugreifen, die Facebook-Integration ist sogar besser als bei der Konkurrenz. Dass der Durchbruch in den breiten Massenmarkt nur zögerlich anläuft, ist auch nicht der Hardware geschuldet. Nokia und HTC bieten eine weitaus bessere Verarbeitungsqualität und Anmutung als die meisten Androiden. Lumia 920 und 8X haben vieles gemeinsam, vor allem die opulenten Maße. Das Nokia provoziert. Es ist ein Riese unter den Smartphones, mit dem man am Samstagabend sofort jedwede Aufmerksamkeit weckt: Sage und schreibe 185 Gramm wiegt es, in einer breiten Männerhand gehalten, sucht man unversehens nach dem nächsten Nagel, den man mit ihm einschlagen könnte.

Fast ebenso groß, aber deutlich leichter (130 Gramm) präsentiert sich das HTC, beide überragen ein iPhone 5, gehören also zu den derzeit besonders populären Smartphones in Übergröße. Beide Kandidaten bringen ein Unibody-Gehäuse aus einem Guss mit, da hält etwa ein Samsung Galaxy S3 mit seiner hauchdünnen Rückseitenabdeckung nicht mit. Während HTC auf einen matten Kunststoff mit gummierter Oberfläche setzt, besteht das Nokia aus glattem Polycarbonat in kräftigen Farben, Fingerfett ist auf der Rückseite schnell sichtbar. Beide bieten einen nahezu glatten Übergang von der Displayabdeckung zum Gehäuse und sehr fein gefräste Öffnungen für den Lautsprecher.

Nur die unabdingbaren Anschlüsse durchbrechen die klaren Linien: Micro-USB zum Laden und zur PC-Anbindung unten, Headsetausgang oben und ein Einschub für die Micro-Sim-Karte. Ein Kartenschacht für Speicherkarten und ein wechselbarer Akku fehlen also. Das Nokia bringt 32 Gigabyte internen Speicher mit, das HTC muss mit der Hälfe auskommen.

Die jungen Modelle bieten eine Bildschirmauflösung von 1280×720 Pixel (8X) und 1280 x 768 Pixel (Lumia 920), sind also damit in der Oberklasse angesiedelt. Nokia und HTC verwenden LC-Displays, die bei hellem Sonnenschein besser ablesbar sind als eine Amoled-Anzeige.

Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)
Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera (Fotos Hersteller)

Auch hier gibt es nichts zu meckern, und beide Kandidaten sind dank Zweikernprozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz superschnell. Das HTC mit seinem schlankeren Gehäuse wird bei aufwendigen Spielen warm, beim Nokia funktioniert die Wärmeableitung besser. Wer die technischen Daten im Detail betrachtet, findet beim Nokia das ältere Bluetooth-Protokoll 3, während HTC schon bei der aktuellen Variante 4 angekommen ist. Das Lumia 920 wiederum trumpft mit dem Datenturbo LTE auf, der im Unterschied zum iPhone 5 auf sage und schreibe neun Frequenzbändern arbeitet. Man beachte, dass im Telekom-Netz ein anderer APN einzustellen ist, nämlich „internet.telekom“.

Das 8X ist dank DC-HSDPA bei der Datenübertragung alles andere als langsam, bis zu 43 MBit/s verspricht der Hersteller. Dass sich der Akku des Nokia wiederum kabellos durch Auflegen auf eine Induktionsladestation befüllen lässt, ist nur ein Gimmick, zumal der Ladevorgang auf diese Weise deutlich länger dauert. Bis hier herrscht also nahezu Gleichstand ungeachtet der Unterschiede der Bauform. Aber zurück zur Software: Nokia hat mehrere Pfeile im Köcher: Die Straßennavigation Drive+, die mit lokal gespeicherten Karten arbeitet und eine flexibel einstellbare Tempolimit-Warnung mitbringt, ist eine Wucht.

Mit klaren Ansagen und übersichtlicher Darstellung auf dem Bildschirm wird man präzise geführt, und es lassen sich unentgeltlich die Landkarten vieler Länder dieser Welt aufs Gerät laden. So gelingt im Unterschied zur Apple- und Android-Gratisnavigation eine Routenführung ohne Datengebühren – und im Ausland ohne Roamingkosten. Der zweite Knüller ist die 8,7-Megapixel-Kamera mit der hauseigenen Pureview-Technik. Sie hat einen echten mechanischen Bildstabilisator, der bei schlechten Lichtverhältnissen längere Öffnungszeiten der Blende erlaubt, und die Aufnahmen im Dunklen sind erstklassig.

Da kann kein anderes Smartphone mithalten. Schließlich eine Reihe weiterer Nokia-Apps, etwa die Anzeige von Sonderzielen in der Umgebung mit dem „City Compass“ und „virtual reality“ sowie Nokia-Musik, mitsamt des „Mix Radio“, das es erlaubt, aktuelle Titel als „Mixe“ unentgeltlich aufs Gerät zu streamen. Das HTC 8X tritt bescheidener auf, es beschränkt sich auf die Standardausstattung von Windows Phone 8, bietet aber immerhin aufs Gerät ladbare Karten zur Orientierung in fremder Umgebung, eine ebenfalls sehr ordentlich arbeitende Kamera sowie eine HTC-App zur Fotoverbesserung und -verfremdung.

Lumia 920 mit Straßennavigation
Lumia 920 mit Straßennavigation

Die Vorteile des HTC sind seine kompaktere, unauffälligere Bauform und die gute Akustik der HiFi-Abteilung. Wenn man die Verbesserungen von Windows Phone 8 genauer in den Blick nimmt, fallen kleinere Unstimmigkeiten auf. Multitasking gibt es nur für neue Apps, die eigens für das aktuelle Betriebssystem entwickelt sein müssen. Auch fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert.

Wer ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan ist, wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Das alles sind Kleinigkeiten. Mit dem neuen Windows Phone 8 lässt es sich hervorragend leben, wenn man ganz unvoreingenommen ein gutes Smartphone sucht. Beide Geräte verdienen eine klare Kaufempfehlung.

Test: Nokia Lumia 900

Für Nokia gilt das neue Smartphone Lumia 900 als Hoffnungsträger. Es ist das derzeitige Spitzengerät der Finnen und seit einigen Tagen für rund 550 Euro auch in Deutschland erhältlich. Eine LTE-Variante gibt es in Amerika schon seit Februar. Dort wird es hoch gelobt, verkauft sich aber nur schlecht. Das Microsoft-Betriebssystem Windows Phone hat einen verschwindend kleinen Marktanteil von weniger als zwei Prozent, gegen iPhone und Android ist derzeit wohl kein Kraut gewachsen.

Derzeit das Flaggschiff: Nokia Lumia 900 (Foto Hersteller)

Schade, denn wie im Fall des kleineren Lumia 800 sind die Vorteile des jungen Betriebssystems sofort augenfällig. Windows Phone gefällt mit seiner Leichtigkeit und Reduzierung aufs Wesentliche. Der Purismus wird hier auf die Spitze getrieben. Üppig dimensionierte Weißräume stehen für Transparenz und Klarheit, die Menüs sind drastisch reduziert. Bei keinem anderen Smartphone ist die Integration der Netzwerke, insbesondere Facebook, so gelungen wie hier. Daten werden selbsttätig und sicher zusammengeführt, egal, aus welcher Quelle sie stammen. Eins fließt und greift ins andere. Zumindest, wenn es um Personen geht, bei Themen ist Windows Phone 7.5 eher schwach. Anders ausgedrückt: Wer kein „Nerd“ ist und sich auf die wichtigen Dinge beschränkt, wird mit dem Microsoft-Betriebssystem sehr zufrieden sein. Kontakte, Kalender, E-Mail, Facebook und Twitter sind die Stärken von Seiten Microsofts. Nokia wiederum spendiert seine Gratis-Navigation, die zuverlässig und im Einsatz unterwegs ohne Mobilfunk-Datengebühren arbeitet. Denn die Karten für alle Länder der Welt lassen sich vor Reiseantritt unentgeltlich mit Wireless-Lan aufs Gerät laden.

Kinderleichte Bedienung

Die Bedienung des Lumia 900 ist kinderleicht und lässt kaum Fragen offen. Einwände und Probleme sind nur bei manchen Details aufzuzählen. Etwa, dass ein unabdingbares Hotmail- oder Windows-Live-Konto ungefragt und ohne jede Vorwarnung bei der Inbetriebnahme alles synchronisiert. Oder die feste und nicht änderbare Voreinstellung von Microsoft Bing als Suchmaschine für den Internet Explorer. Ferner die fehlende Wochenansicht des Kalenders in Verbindung mit einer Monatsansicht, die einzelne Einträge so winzig wiedergibt, dass man sie beim besten Willen nicht mehr lesen kann. Ein Push-System für neue Nachrichten und Ereignisse fehlt, aber diese werden teils auf dem Startbildschirm automatisch angezeigt oder sind manuell in bestimmten Kontexten abrufbar. Das eingeschränkte Multitasking ist ein Minuspunkt. So ist man etwa bei Skype zur Internettelefonie nur dann für ankommende Gespräche erreichbar, wenn die App zum Zeitpunkt des Anrufs im Vordergrund läuft.

Auch in die rudimentär vorhandene Spracherkennung sollte man keine großen Hoffnungen setzen. Je intensiver man sich mit dem System beschäftigt, desto mehr wird der „Nerd“ enttäuscht: Wie bei allen Windows-Phone-Geräten ist ein Zugriff auf Musik und Fotos im internen Gerätespeicher nicht an jedem PC möglich, auch nicht mit einem USB-Kabel. Für den Austausch von Medien benötigt man unter Windows die unbeliebte Zune-Software von Microsoft, für den Mac gibt es den Windows Phone Connector. Auch der Umweg über das Hotmail- oder Windows-Live-Konto führt nur einen kleinen Schritt weiter. Zwar erhält man üppige sieben Gigabyte Speicherplatz, und es lassen sich einzelne Fotos direkt in das „Sky Drive“ übertragen. Allerdings nur mit reduzierter und heruntergerechneter Auflösung. Die 8-Megapixel-Kamera wird im Unterschied zum Lumia 800 um eine zweite Frontkamera (1 Megapixel) für Videotelefonie ergänzt. Die Hauptkamera bleibt jedoch weit hinter der eines iPhone 4S oder Samsung Galaxy S3 zurück.

Überzeugender ist die Hardware. Das sehr robust wirkende Kunststoffgehäuse ist aus einem Guss gefertigt. An der rechten Seite sind die mechanischen Tasten angebracht, ihre Anmutung lässt etwas zu wünschen übrig. Mit Maßen von 12,8 × 6,8 × 1,2 Zentimeter ist das Lumia 900 deutlich größer als das 800er-Modell, wir meinen: Es ist zu groß. Zudem löst der Bildschirm nicht höher auf, sondern bleibt bei bescheidenen 800 × 480 Pixel. Da kann man auch das Lumia 800 nehmen. Das Amoled-Display mit kräftigen Farben weiß zu gefallen, zumal es auch draußen bei hellem Sonnenschein ordentlich ablesbar ist. 16 Gigabyte Speicher sind fest eingebaut, ein Schacht für Micro-SD-Karten fehlt. Der Akku lässt sich vom Anwender nicht wechseln, und wie beim iPhone 4 und 4S benötigt man die kleine Micro-Sim-Karte. Auf eine Abdeckung für den Micro-USB-Anschluss hat Nokia verzichtet, beim Lumia 800 war sie in der Tat kein Gewinn.

Der Prozessor von Qualcomm mit 1,4 Gigahertz sorgt wie im Lumia 800 für ein ordentliches Arbeitstempo. Dass es sich hier nicht um einen Zweikernprozessor handelt, ist jedenfalls kein Nachteil. W-Lan und Bluetooth 2.1 gehören ferner zur Serienausstattung. Im UMTS-Betrieb sind Datenraten bis 42 MBit/s erreichbar, aus dieser Blickrichtung ist das fehlende LTE kein Beinbruch, und das hohe Tempo lässt sich nun auch anderen Gästen mit dem W-Lan-Hotspot zur Verfügung stellen. Darunter leidet natürlich die Akku-Leistung, die sonst bei typischem Gebrauch rund 25 Stunden beträgt.

Alles in allem ist das Lumia 900 ein schönes Gerät. Aber es zieht den Apple-Fan oder Android-Freak nicht auf seine Seite, und es ist für das Gebotene zu teuer.

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Update: Das Nokia Lumia 900 ist nicht auf Windows Phone 8 aktualisierbar!

 

5 Tipps zu Windows Phone 7.5 (Mango) / Nokia Lumia 800

Keine Frage, das neue Nokia Lumia 800 mit Windows Phone 7.5 gefällt. Mein Review findet sich hier, ich mag das Gerät. Vor allem das minimalistische Design hat seinen ganz eigenen Charme. Obwohl Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick nicht so reichhaltig mit Funktionen bestückt ist wie ein iPhone oder Androide, gibt es unter der Oberfläche doch einiges zu entdecken. Hier einige Tipps:

1. Facebook-Veranstaltungen im Kalender

In der Standardeinstellung werden alle Facebook-Veranstaltungen im Kalender angezeigt, zu denen man eingeladen worden ist. Mehr Übersicht schafft die Option, „Nur Facebook-Veranstaltungen anzeigen, auf die ich geantwortet habe“. Dazu in der Kalenderansicht auf die drei Pünktchen tippen, und „Einstellungen“ wählen. Hier lassen sich auch die zu synchronisierenden Kalender auswählen.

2. Den Taskmanager aufrufen

Dazu die Softkey-Taste „Pfeil nach links“ unterhalb der Anzeige etwas länger drücken. Die zuletzt aufgerufenen Programme erscheinen als Kacheln nebeneinander.

Verknüpfte Posteingänge: So geht's (Foto Microsoft)

3. Die Sprachsteuerung aufrufen

Sie erscheint manchmal, etwa im Chat-System, als kleines Mikrofonsymbol am unteren Bildschirmrand. Aber nicht immer. Die globale Spracherkennung ruft man mit längerem Festhalten der Softkey-Taste „Windows“ unterhalb der Anzeige auf. Das Gerät muss dazu (im Unterschied zum iPhone 4S mit Siri) entsperrt sein.

4. Podcasts laden

Fürs erste Mal müssen Podcasts mit der Windows-Software „Zune“ auf das Gerät geladen werden. Neue Folgen kann man aber mit dem Button „Abonnieren“ ohne PC-Verbindung holen.

 5. Globaler / verknüpfter Posteingang

Auf der Startseite ein E-Mai-Konto aufrufen, auf die drei Pünktchen tippen, auf „Posteingänge verknüpfen“ tippen und die gewünschten Posteingänge auswählen. Das Konto wird auf der Startseite umbenannt in „Posteingänge“.

 

 

 

Test: Nokia Lumia 800

Das Smartphone-Betriebssystem von Microsoft soll Nokia den Weg aus der Krise weisen. Jetzt kommt das erste Handy aus Finnland mit Windows Phone 7.5. Wie gut ist das neue Nokia Lumia 800?

Man kann sich dem ersten Nokia-Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem auf zweierlei Weise nähern. Mit einem Seitenblick auf die Konkurrenz lässt es sich mühelos in den Boden stampfen. Microsoft Windows Phone gibt es seit einem Jahr. Es ist ein Flop. Der Marktanteil liegt bei unter zwei Prozent. Der bescheidenen Nachfrage der Kunden entspricht die Flaute bei den Apps. Entwickler und Content-Lieferanten konzentrieren sich auf Android und iPhone. Vieles Wichtige und Sinnvolle fehlt. Nerds, die sich aus dem Smartphone ein Schweizer Taschenmesser basteln, kommen mit ihrem Spieltrieb zu kurz.

Nokia Lumia 800: Die großen Kacheln stehen für jeweils eine App (Fotos Hersteller)

Microsoft und Nokia sind schwach, wenn es um jenes Ökosystem geht, das bei modernen Geräten immer wichtiger wird und ein Netz der Verknüpfungen aufspannt, in dem alle Aspekte der digitalen Lebensführung eng miteinander verwoben sind. Stichworte: Musik, Cloud-Anbindung, soziale Netzwerke und die Verzahnung von Internetdiensten am PC mit dem Gerät in der Hand. Es gibt bei Windows Phone 7.5 auf den ersten Blick kein Alleinstellungsmerkmal, das einen sofort in den Bann ziehen würde. Wer soll hier wen retten, fragt man sich. Ist es sinnvoll, dass Microsoft sein Windows Phone als „bestes Handy für Hotmail“ anpreist? Hotmail? Steht das nicht im Zumutbarkeitsindex für Leidenswillige ganz oben auf der Liste, gleich neben Web.de?

Bei keinem anderen ist die Facebook-Integration so gelungen

Lässt man sich jedoch nicht von Vorurteilen leiten, entdeckt man schnell den Charme und die Raffinesse des neuen Nokia Lumia 800, das Mitte November für 500 Euro in den Handel kommt. Es erinnert an das erste iPhone des Jahres 2007. Es kann nicht viel, aber was es kann, macht es mit Bravour und Leichtigkeit. Die Reduzierung auf das Wesentliche gefällt. Der Purismus wird hier noch einmal auf die Spitze getrieben. Üppig dimensionierte Weißräume stehen für Transparenz und Klarheit, die Menüs hingegen sind drastisch reduziert. Der zweite und dritte Blick bringen dann doch ein Alleinstellungsmerkmal ans Licht: Bei keinem anderen Smartphone ist die Integration der sozialen Netzwerke, insbesondere von Facebook, so gelungen wie hier. Daten werden selbsttätig und sicher zusammengeführt, egal, aus welcher Quelle sie stammen. Eins fließt und greift ins Andere. Zumindest, wenn es um Personen geht, bei Themen ist Windows Phone 7.5 eher schwach. Anders ausgedrückt: Wer kein Nerd ist und sich auf die wichtigen Dinge fokussiert, wird mit dem aktuellen Microsoft-Betriebssystem sehr zufrieden sein. Kontakte, Kalender, E-Mail, Facebook und Twitter sind die Stärken aus dem Hause Microsoft. Nokia wiederum spendiert seine Navigation, die Mobilfunkgebühren nur beim Start (zur Ortung und Zielsuche) anfallen lässt. Denn die Karten für alle Länder der Welt kann man vor Reiseantritt unentgeltlich mit Wireless-Lan aufs Gerät laden.

Die Hardware des Lumia 800 folgt dem Nokia N9, allerdings fehlt dem Neuen die zweite Frontkamera für Videotelefonie. Das robust wirkende Kunststoffgehäuse ist aus einem Guss gefertigt. An der rechten Seite sind die mechanischen Tasten angebracht, ihre Anmutung lässt etwas zu wünschen übrig. Mit Maßen von 11,6×6,2×1,2 Zentimeter ist es etwas höher und dicker als ein iPhone, passt jedoch noch prima in die Hosentasche. Der Bildschirm löst auf einer Diagonale von 9,2 Zentimeter mit klassentypischen 800×480 Pixel auf. In geschlossenen Räumen ist das Amoled-Display mit kräftigen Farben überzeugend. 16 Gigabyte Speicher sind fest eingebaut, ein Schacht für Micro-SD-Karten fehlt. Der Akku lässt sich vom Anwender nicht wechseln, und wie im iPhone 4 und 4S benötigt man die kleine Micro-Sim-Karte, die an der Oberseite des Geräts eingesteckt wird. Man nimmt das Lumia gern in die Hand, auch hier ist das puristische Design ein Pluspunkt.

Kamera kann nicht mit der des iPhone 4S mithalten

Wie bei allen Windows-Phone-Geräten ist ein Zugriff auf Musik und Fotos im internen Gerätespeicher nicht an jedem PC möglich, auch nicht mit einem USB-Kabel. Für den Austausch von Medien benötigt man unter Windows die unbeliebte Zune-Software von Microsoft, für den Mac gibt es den Windows Phone Connector. Eine ärgerliche Einschränkung. Auch der Umweg über das Hotmail- oder Windows-Live-Konto führt nur einen kleinen Schritt weiter. Zwar erhält man üppige 25 Gigabyte Speicherplatz, und es lassen sich einzelne Fotos direkt in dieses „Sky Drive“ übertragen. Allerdings nur mit reduzierter und herunter gerechneter Auflösung.

Zu jedem Kontakt erscheinen automatisch die aktuellen Einträge von Facebook oder Twitter

Die Kamera mit 8 Megapixel ist schnell einsatzbereit und bietet gute Qualität, kann aber mit der des iPhone 4S nicht mithalten. Der Prozessor, ein Snapdragon 2 von Qualcomm mit 1,4 Gigahertz, sorgt für ein ordentliches Arbeitstempo. Dass es sich hier nicht um einen Zweikernprozessor handelt, ist jedenfalls kein Nachteil. W-Lan und Bluetooth 2.1 gehören ferner zur Serienausstattung, im UMTS-Betrieb sind Datenraten bis 14,4MBit/s erreichbar.

Alles in allem ein faszinierendes Smartphone

Die Bedienung des Lumia 800 ist kinderleicht und lässt kaum Fragen offen. Einwände und Probleme sind nur bei manchen Details aufzuzählen. Etwa, dass ein für fortgeschrittene Funktionen unabdingbares Hotmail- oder Windows-Live-Konto ungefragt und ohne jede Vorwarnung bei der Inbetriebnahme alles synchronisiert. Oder die feste und ebenfalls nicht änderbare Voreinstellung von Microsoft Bing als Suchmaschine für den Internet Explorer. Ferner die fehlende Wochenansicht des Kalenders in Verbindung mit einer Monatsansicht, die einzelne Einträge so winzig wiedergibt, dass man sie beim besten Willen nicht mehr lesen kann. Ein Push-System für neue Nachrichten und Ereignisse fehlt, aber diese werden teils auf dem Startbildschirm automatisch angezeigt oder sind manuell in bestimmten Kontexten abrufbar. In die rudimentär vorhandene Spracherkennung sollte man keine großen Hoffnungen setzen.

Alles in allem ist das Lumia 800 ein faszinierendes Smartphone. Aber nicht für jedermann. Wer die Verknüpfung mit den großen marktbeherrschenden Ökosystemen sucht oder in die bunte Welt der Apps eintauchen will, wird beim Mainstream bleiben. Denn das Nokia zielt auf Leute, „die noch was anderes machen, als Gadgets zu knutschen“, schrieb Kollege Volker Weber, und dem ist nichts hinzuzufügen.

Ergänzende Links:

Diskussion über Gerät und Artikel bei Google+

Nokia promises tethering for Lumia 800

Nokia Lumia 800 in Deutschland ohne Mix Radio

Keine Zieleingabe beim Navi im Funkloch, Roaming-Gebühren im Ausland

 

Bildvergleich: iPhone 4S versus Nokia Lumia 800

iPhone 4S

Beide Aufnahmen entstanden zur selben Zeit bei schlechter Beleuchtung. Bei beiden Geräten wurde der Blitz ausgeschaltet. Beide lassen sich in Originalauflösung mit Exif-Dateien laden.

Nokia Lumia 800

Die beiden unteren Aufnahmen entstanden im Büro mit der Beleuchtung durch Leuchtstoffröhren.

iPhone 4S

 

Nokia Lumia 800

 

 

 

 

 

Die guten alten Zeiten von Nokia: Mein Test des Nokia Communicator 9110 im Jahr 1999

Man beachte: Der Begriff „Smartphone“ war noch unüblich, es gab damals noch kein GPRS, kein Bluetooth. Das Gerät hatte eine Display-Auflösung von 640 x 200 Pixel, und die Anzeige war monochrom. Als Prozessor kam ein AMD mit 33 Megahertz zum Einsatz! Das Speichermedium war eine MMC-Karte, und dies war der erste Communicator, für den es Software von anderen Herstellern gab. Heute würde man „Apps“ sagen.

Zukunft, die schon bald Gegenwart ist / Mit dem Handy ins Internet: Nokia Communicator 9110

Ein spannendes Thema der Cebit-Messe in diesem Monat wird die Datenübertragung mit dem Mobiltelefon sein. Viele Hersteller zeigen Handys, mit denen man unterwegs ruckzuck seine E-Mail abfragt oder im Internet nach aktuellen Nachrichten fahndet. Noch blockiert der Flaschenhals von maximal 9600 in der Sekunde übertragbaren Bits einen schnellen Datenfluß in den GSM-Netzen. Abhilfe sollen verbesserte Protokolle schaffen. Der UMTS-Standard wird vom Jahr 2002 an hohe Übertragungsraten für eine ganz neue Handy-Generation bereitstellen. Als Zwischenlösung für die nächsten Jahre bietet sich zum einen das Wireless Application Protocol (WAP) an, das eine rein textorientierte Kommunikation erlaubt, freilich nur für den Zugang zu speziellen Internet-Seiten. Zum anderen werden die GSM-Netze künftig auch mit dem General Packet Radio Service (GPRS) ausgestattet sein, der mit Kanalbündelung rein theoretisch bis zu 115 000 Bit in der Sekunde über den Äther springen läßt. Sollte dieses Tempo jenseits von Modem und ISDN tatsächlich erzielt werden – Experten bezweifeln das -, wären selbst Videokonferenzen mit dem tragbaren Telefon denkbar. Bevor diese Zukunftmusik tatsächlich aufspielt, zeigt der finnische Hersteller Nokia mit seinem Communicator 9110, was derzeit im D-Netz möglich ist. Bei diesem Gerät für 1800 Mark (ohne Kartenvertrag) handelt es sich um die Weiterentwicklung des alten Modells 9000, das vor drei Jahren als erstes Mobiltelefon mit Organizer, Fax und E-Mail ebenfalls zur Cebit präsentiert wurde.

Aus einer anderen Zeit: Nokia 9110 (Foto Hersteller)

Gegenüber dem brikettschweren Vorgänger ist der neue Communicator leichter und schlanker geworden. Dennoch drückt er mit seinen 250 Gramm gewaltig in der Jackentasche und benötigt mit dem Umfang von 160 × 55 × 27 Millimeter auch eine Übergröße, falls man ihn mit einem kleidsamen Schutztäschchen versehen will. Die oben im Gehäuse eingelassene Stummelantenne ist herausklappbar. Wenn man sie schräg ausrichtet und dann auf die asymmetrisch gestaltete Front blickt, könnte man fast ein freches Zwinkern im Display des kleinen Finnen entdecken. Das moderne Design gefällt jedenfalls. Während die Bedienung des Telefons mit den recht winzigen Tasten unterhalb der Anzeige erfolgt, zeigt der Nokia seine inneren Werte nach dem Aufklappen des Gehäuses auf der Seite liegend. Dann erscheint oben ein zweites Display, riesige 11 × 3,5 Zentimeter groß und auf Knopfdruck beleuchtbar, und unten eine Mini-Tastatur mit eigenwilliger Belegung für Sonderzeichen und Umlaute: Voilà, das Organizer-Menü ist serviert.

Zunächst verbirgt sich im Inneren ein Kalender mit Tages-, Wochen- und Monatsansicht, der auch sich überschneidende und wiederholende Termine erfaßt. Ferner verwaltet der Nokia eine Aufgabenliste und stellt einen Notizmodus für längere Texte zur Verfügung. Die Adreßverwaltung (mit teilweise änderbaren Feldbezeichnungen) sichert die Daten auf der SIM-Karte des Handys sowie im 2 Megabyte großen Speicher des Geräts, der sich mit einer zusätzlichen Flash-Karte noch erweitern läßt. Eine mitgelieferte Software überspielt alle persönlichen Daten auf den PC, dort lassen sich dann Termine und Adressen unter Windows 95/98 kommod verwalten.

Um die Internet-Dienste oder Fax und E-Mail zu nutzen, muß der Communicator zunächst konfiguriert werden. Für das Empfangen und Versenden von Fernkopien (die SIM-Karte muß dafür freigeschaltet sein) ist das noch recht einfach, komplizierter gerät indes die Einrichtung des Finnen für die Datendienste. Das Gerät unterstützt den PPP-Standard bei der Einwahl und die gängigen Protokolle SMTP, IMAP4 sowie POP3 für die elektronische Post. Obwohl sich die meisten Internet-Anbieter an diese Normen halten, sollte man Erfahrung und Geduld bei der Einstellung der diversen Parameter mitbringen. Wir benötigten einige Stunden, bis die erste E-Mail auf dem Display erschien. Mit AOL funktioniert das Gerät übrigens nicht.

Mit dem komplett eingerichteten Communicator kann man dann tatsächlich im Auto oder in der Bahn die E-Mail lesen und schreiben, Faxe versenden und empfangen oder im Internet stöbern. Die kontraststarke Anzeige hat einen flexiblen Zoom, so daß auch Kleinigkeiten auf den Fernkopien oder WWW-Seiten zu erkennen sind. Allerdings zeigen sich schnell die Grenzen der GSM-Technik: Die typische Abfrage des elektronischen Postkörbchens mit einem Dutzend neuer Nachrichten dauert 5 bis 10 Minuten, also erheblich länger als mit herkömmlichem Modem und PC. Auch der Zugang zum Internet ist mit 9600 Bit je Sekunde qualvoll langsam. Zudem stören auf den meisten bunten Seiten die im Browser als Symbol angezeigten Bilder sowie verschachtelte Rahmen (Frames). Für die Kommunikation unterwegs ist der Nokia also ein Notnagel, aber kein vollwertiger Ersatz der Ausstattung im Büro. Das ist nicht dem Gerät anzulasten, sondern der geringen Datenbandbreite von GSM.

Zurück zum Handy: Als reiner Sprechapparat gleicht der Communicator dem Nokia 6110 und dem hier unlängst vorgestellten 6150 aufs Haar. Die drei Geräte haben eine nahezu identische Menüführung mit Piktogrammen sowie eine verkrüppelte Infrarot-Schnittstelle, und sie filtern Anrufer oder lassen sich mit Profilen an unterschiedliche Situationen anpassen. Wie seine kleinen Brüder hat auch der 9110 recht ordentliche Sende- und Empfangseigenschaften sowie eine gute Akustik. Der Lithium-Ionen-Akku mit 1100 Milliamperestunden hält eine Woche durch – wenn man weder den Organizer noch die E-Mail oder das Internet nutzt. Diese Anwendungen sind nämlich äußerst stromfressend und verkürzen die Bereitschaftszeit drastisch. Ein witziges Detail ist die Freisprecheinrichtung bei aufgeklapptem Gerät. Sie funktioniert durchaus anständig und gestattet das Blättern in Adressen und Terminen während des Telefonats. Alles in allem ist der neue Communicator ein faszinierendes Stück Technik und zeigt eine Zukunft, die gerade erst beginnt. Der Internet-Zugang für unterwegs wird sich durchsetzen. Nur schneller muß er noch werden. (F.A.Z. vom 09.03.99)