Test: Lenovo Yoga 910 Notebook

Und schon ist es wieder passiert: Buchstabensalat. Der Cursor hat sich eine Reihe hochgeschoben, neu eingegebener Text landet an der falschen Stelle, ein heilloses Durcheinander. Wie konnte es so weit kommen? Hatte sich doch dieses Notebook zunächst als eine der interessantesten Neuheiten des jungen Jahres gezeigt. Technische Daten, Design, Funktionalität und weitere Finessen schienen für eine erfolgreiche Karriere wie geschaffen. Doch dann machten Details den hervorragenden Eindruck zunichte.

Lenovo Yoga 910. Fotos Hersteller

Die Rede ist vom Yoga 910 des chinesischen Herstellers Lenovo. Wie der Name bereits andeutet, bietet sein Display größtmögliche Flexibilität. Tastatur und Anzeige verbindet ein Gliederscharnier, das eine mechanische Meisterleistung ist, an ein Uhrenarmband erinnert und jeden Neigungswinkel erlaubt. Man kann den Bildschirm zum Dach drehen, etwa für das Ansehen von Videos und Präsentationen, oder komplett umklappen und in den Tablet-Modus von Windows 10 umschalten. Dann regiert der Finger, die Anzeige ist berührungsempfindlich.

Mit einem verwindungssteifen Unibody-Gehäuse aus Metall, einem Gewicht von 1,4 Kilogramm und Maßen von 32 × 22 ×1,4 Zentimeter wäre das Yoga 910 der ideale Partner für Menschen, die viel reisen und trotzdem auf einen leistungsfähigen PC nicht verzichten wollen. Dazu passen nämlich auch die technischen Daten mit Prozessoren vom Core i5 bis zum aktuellen Core-i7 7500U aus der Kaby-Lake-Familie, einer über PCIe angebundenen SSD von Samsung mit 512 Gigabyte oder ein Terabyte sowie 8 oder 16 Gigabyte Arbeitsspeicher. Als Grafikeinheit fungiert stets die Chipsatzgrafik Intel HD 620, die mangels eigenen Arbeitsspeichers auf den Systemarbeitsspeicher zugreift.

Kopfstand: Lenovo Yoga 910

Die berührungsempfindliche Anzeige löst in den kleineren Ausbaustufen wie bei unserem Testgerät mit 1920 × 1080 Pixel auf, alternativ sind auch 4K mit 3840 × 2160 Pixel lieferbar, stets bleibt es jedoch bei einer Diagonale von 13,9 Zoll. Die Darstellung gefällt, sieht man von Spiegelungen ab. Während der Rand nach oben hin und zur Seite millimeterdünn ist, bleibt unten eine geradezu riesige schwarze Fläche ungenutzt, in ihr ist dann originellerweise die Webcam untergebracht.

Die Tastatur ist in mehreren Stufen hintergrundbeleuchtbar, hinterlässt einen guten Eindruck, hat aber jene oben beschriebene Macke, die das ganze Gerät für einen Zehnfingerschreiber unbrauchbar macht: Die rechte Shift-Taste liegt zu weit rechts, und vor ihr befindet sich die Cursor-Hoch-Taste so unglücklich, dass man beide immer wieder verwechselt, selbst nach mehrstündigem Schreiben mit dem Gerät, wie schade. Das große Touchpad bewährt sich als Mausersatz bestens, es arbeitet ungemein präzise, fast wie auf dem Mac. Im Tablet-Modus nimmt man den Finger zum Navigieren in Menüs, die physikalische Tastatur ist ausgeschaltet, man beachte allerdings, dass das Gerät für langes Halten – etwa zum Lesen eines E-Book – zu schwer ist.

Akkulaufzeit zwischen 8 und 12 Stunden

An Arbeitstempo ließ unser Testgerät mit den jüngsten Core-i7-Prozessoren erwartungsgemäß nichts zu wünschen übrig. Auch die Einrichtung verlief schneller denn je, weil sich Lenovo mittlerweile mit unerwünschten Werbe-Dreingaben (Crapware) zurückhält. So muss man nur noch jenen Murks deinstallieren, den Microsoft selbst mitliefert. Und man kann es nicht oft genug sagen: Man achte mit Windows 10 auf die Datenschutz- und Privatsphäreeinstellungen. Dass Windows nur in der Home-Version zum Einsatz kommt, erstaunt.

Geht es um Anschlüsse und Konnektivität, ist das Lenovo auf der Höhe der Zeit: Wie bei den jüngsten Macbook-Pro-Modellen fehlt nämlich so gut wie alles. Man muss Adapter und Hubs dazukaufen. Links liegen zwei USB-Typ-C-Ports, von denen der hintere nach USB 2.0 arbeitet und zum Laden des Akkus genutzt werden kann. Der vordere gehorcht USB 3.1 und lässt sich auch via Displayport zum Anschluss eines externen Monitors verwenden. An der rechten Seite gibt es neben der 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss eines Headset immerhin noch einen herkömmlichen USB-3-Anschluss. HDMI, Kensington Lock und Kartenleser fehlen indes. Ein wenig entschädigt der Fingerabdruck-Scanner mit Biometrie, der klaglos seinen Dienst verrichtet. Die Akkulaufzeit des Yoga 910 lag bei uns im Praxiseinsatz zwischen 8 und 12 Stunden. Man kommt also gut über den Tag.

Neben dem Tastenlayout gibt es einen zweiten Minuspunkt: Mit jeder Lüfteraktivität geht ein hochfrequentes Pfeifen einher, das unter hoher Last eine störende Intensität entwickelt. Der Lüfter läuft leider ziemlich oft, Lenovo hat das Problem erkannt und reichte während unseres Tests ein Bios-Update nach, das ein wenig Abhilfe bringt. Insgesamt meinen wir: Hardware, Anmutung, Ausstattung und Arbeitstempo überzeugen, es ist ein tolles Notebook. Der Preis liegt zwischen 1500 und 2000 Euro und ist ebenfalls angemessen. Ein leiserer Lüfter und ein besseres Tastaturlayout sind für eine Kaufempfehlung allerdings unabdingbar. Wir warten jetzt gespannt auf das Thinkpad X1 Yoga und auf das Thinkpad X1 Carbon.

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Test: Asus Zenbook 3 2016

Dem Vorbild wie aus dem Gesicht geschnitten: Das Zenbook 3 von Asus orientiert sich so eng am 2015 vorgestellten 12-Zoll-Macbook, dass man es als Windows-Pendant des Apple-Notebook bezeichnen könnte. Beide sind kompakte, flache, leichte Rechner für den Geschäftsreisenden, der mit wenig Ballast unterwegs ist und die geringen Maße des elektronischen Begleiters höher schätzt als seine Rechenleistung. Beide haben nur eine einzige Schnittstelle, nämlich den Universalanschluss USB C, der mit Hub und Adaptern nahezu unendlich viele Erweiterungsmöglichkeiten bietet. Beide sind von der Grundfläche her kleiner als ein DIN-A4-Blatt, das Asus ist etwas breiter (29,6 × 19,2 × 1,2 Zentimeter) und zehn Gramm leichter als das Apple, es bringt es auf 910 Gramm.

Das Zenbook 3 von Asus orientiert sich so eng am 2015 vorgestellten 12-Zoll-Macbook. Foto Hersteller

Wer schön sein will, muss leiden: Die flachen Notebooks haben eine Tastatur mit geringem Hub. Schnellschreiber gehen einen Kompromiss ein, mit dem Zenbook kommt nachteilig noch hinzu, dass die Tasten nicht in Schwarz, sondern in der Gehäusefarbe gehalten sind. Der fehlende Kontrast ist das Problem. Der Macbook-Rivale aus Taiwan ist in Blau, Grau oder Roségold erhältlich, das Gehäuse besteht aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung, die Fingerfett gern annimmt. In Deutschland ist das Gerät in zwei Varianten erhältlich: Mit Core-i5-Prozessor für 1500 Euro und dem von uns erprobten Core-i7 7500U aus der neuen Kaby-Lake-Generation für 1600 Euro.

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Test: Lenovo Thinkpad X1

Selten hat die internationale Fachpresse so begeistert reagiert wie auf dieses Notebook. Der Lenovo Thinkpad X1 wird überall in den höchsten Tönen gelobt, und wir können die Faszination durchaus nachvollziehen: Ein sehr kleines, flaches Gerät in exzellenter Verarbeitungsqualität mit sogenanntem „Gorilla Glas“ über dem Display, toller Ausstattung und starken inneren Werten. Hier stimmt fast alles.

Zunächst ein Blick auf die Hardware: Das Design ist von klaren Linien geprägt, nichts steht hervor, alle Anschlüsse der Rückseite schließen bündig ab. Das Gehäuse ist in mattem Kunststoff gehalten, darunter schützt eine Magnesium-Hülle den wertvollen Inhalt. Die beleuchtbare Tastatur hat einen Spritzwasserschutz, und das Notebook soll mit diesen Vorkehrungen „militärischen Anforderungen“ genügen, wie der Hersteller schreibt. Das haben wir nicht geprüft, aber verblüffend ist jedenfalls die hohe Verwindungssteifigkeit.

Schnell, schick, robust: Lenovo Thinkpad X1 (Foto Hersteller)

Lenovo preist das X1 als „dünnstes Thinkpad“ mit einer Höhe von nur „17 Millimeter“. Nachgemessen sind es jedoch ausgewachsene 2,1 Zentimeter. Indes bleibt dieses Gerät mit einem Gewicht von 1,7 Kilogramm und einer Fläche von 34 x 23 Zentimeter sehr kompakt und leicht. Das X1 ist kein Ballast im Reisegepäck, die Bauform liegt genau in der Mitte zwischen „zu klein zum ernsthaften Arbeiten“ und „zu groß zum täglichen Mitnehmen“. Das gilt auch für die Displaydiagonale von 31 Zentimeter. Allerdings kommt man dann gleich ins Grübeln: Denn in diesem Format (13 Zoll) ist bei vielen anderen Top-Notebooks eine Auflösung von 1440 x 900 Pixel vorhanden. Etwa beim Thinkpad X301 von Lenovo. Hier sind es jedoch nur die für ein 11-Zoll-Gerät typischen 1366 x 768 Bildpunkte. Eine Chance vertan. Dass sich das Display wirklich komplett um 180 Grad in die Horizontale schieben lässt, sei als Pluspunkt angemerkt. Negativ wiederum fallen zwei Punkte auf: Es fehlen die Scharnierhaken, die bei älteren Thinkpads ein sicheres Einrasten von Ober- und Unterseite sicherstellen und ferner kommt ein Spiegeldisplay zum Einsatz. Bei Business-Geräten ist jedoch eine matte Oberfläche angesagt. Die störenden Reflexionen halten sich jedoch in Grenzen.

Und dann die Tastatur: Sie ist schlichtweg großartig, die beste Notebook-Tastatur, die uns bislang unter die Finger gekommen ist, knackig, präzise, toll. Als Maus-Ersatz gibt es wie gehabt ein Touchpad, Aktionen können wahlweise mit drei Tasten darüber oder direkt auf der berührungsempfindlichen Fläche ausgelöst werden. Das neue Touchpad reagiert ungemein feinfühlig, wer es nicht mag, nimmt den Cursor-Knubbel zwischen den Tasten G, H und B. Ein Fingerabdruck-Sensor mit biometrischer Erkennung ist ebenfalls dabei – und funktionierte bei uns prima.

Mit Anschlüssen für jedwede Peripherie ist der Lenovo bestens ausgestattet: Ein flottes Kopiertempo im Zusammenspiel mit externen Festplatten bieten USB-3.0- und Esata, ein zweiter USB-2.0-Anschluss ist links hinter einer (billig wirkenden) Plastikabdeckung verborgen, und auf der rechten Seite befindet sich der SD-Kartenleser (auch für SDHC und SDXC). Wer den X1 an einen Beamer mit VGA ankoppeln will, benötigt einen Adapter, denn für die Bildschirmausgabe sind allein ein Mini-Displayport sowie eine HDMI-Schnittstelle vorgesehen. Bluetooth gehört ebenfalls zur Serienausstattung. Ferner ist für den Lenovo ein UMTS-Modul erhältlich, die Sim-Karte lässt sich an der Rückseite einstecken. Was fehlt? Ein optisches Laufwerk und ein vom Anwender wechselbarer Akku. Der Kraftspender ist in zwei Varianten mit 35 bis 38 Wattstunden erhältlich, unser Testgerät lief damit bis zu vier Stunden, ein unbefriedigender Wert. Wer die Ausdauer verbessern will, benötigt einen Zusatzakku, der eine Gesamtlaufzeit von bis zu zehn Stunden bringen soll. Ein interessantes Detail ist die Schnellladetechnik: in einer halben Stunde ist der Akku zu 80 Prozent gefüllt.

Im täglichen Einsatz arbeitete der X1 bei uns mit Bravour. Es ist nur wenig Crapware aufgespielt, und zur Standardausrüstung gehören natürlich die bekannten Thinkpad-Tools, mit denen man etliche Einstellungen unter einer einheitlichen Oberfläche vornehmen kann. Größter Kritikpunkt neben der geringen Bildschirmauflösung ist der Lüfter. Er springt zwar bei gewöhnlichen Büroarbeiten nur selten an, ist aber in leiser Umgebung und bei arbeitsintensiven Jobs ein nicht zu überhörender Störfaktor. Im Härtetest mit zusätzlich angeschlossenem Zweitmonitor und laufender Spracherkennung (Dragon Naturally Speaking) lief er ununterbrochen. Wie gesagt: Er ist nicht besonders laut, aber wer feine Ohren hat, wird sich daran stören.

Auf den deutschen Markt kommt der X1 nur mit Intels Core-i5-Prozessoren (2,5 Gigahertz, 2520M). In Amerika ist er auch mit dem kleineren Core-i3 lieferbar. Das Arbeitstempo des i5, der als Notebook-Prozessor mit zwei Kernen auskommen muss, ist überragend und reicht selbst für anspruchsvollere Tätigkeiten wie Videoschnitt. Als Grafikeinheit dient Intels HD Graphics 3000, die direkt im Kern der Sandy-Bridge-Prozessoren integriert ist, keinen eigenen Speicher mitbringt, aber auf den Level-3-Cache des Prozessors zugreift. Sie ist deutlich schneller als die ältere Intel GMA-Grafiklösung und erreicht ungefähr die Leistung einer günstigen Einsteiger-Grafikkarte, etwa der ATI HD 5470. Selbst aktuelle, anspruchsvolle 3D-Spiele lassen sich (mit niedrigen Grafikdetails) auf diesem Notebook spielen.

In den Vereinigten Staaten deutlich günstiger: X1 auf der lenovo.com (Foto Spehr)

Der X1 lässt sich in Deutschland in zwei Varianten bestellen: Mit 4 Gigabyte Arbeitsspeicher, Windows 7 Professional in der 64-Bit-Version und einer herkömmlichen 320-Gigabyte-Festplatte kostet das Gerät sage und schreibe 1815 Euro. Die von uns ausprobierte Luxusvariante mit 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und einem 160-Gigabyte-SSD-Laufwerk steht mit 2225 Euro in der Preisliste. In den Vereinigten Staaten kostet die kleinste Ausstattung des X1 (mit Core-i3-Prozessor und 4 Gigabyte Arbeitsspeicher) 1200 Dollar, was ungefähr 850 Euro sind. Mit Core-i5-Prozessor kamen wir auf 1300 Dollar, also 920 Euro. Selbst wenn man noch allfällige Steuern und Abgaben hinzurechnet, kann man die Preisgestaltung für deutschen Markt nur als unverschämt bezeichnen. Keine Frage: Der X1 ist einer der besten derzeit erhältlichen Notebooks. Aber mit dem Kauf würden wir noch warten, bis die Preise gefallen sind.

Review Engadget.com

Review des Laptopmag.com

Review PCMag.com

Test: Dell Inspiron Duo

In zwei Welten zu Hause: Mit seinem drehbaren Display wandelt sich der Inspiron Duo vom Netbook zum Tablet PC (Foto: Hersteller)
In zwei Welten zu Hause: Mit seinem drehbaren Display wandelt sich der Inspiron Duo vom Netbook zum Tablet PC (Foto: Hersteller)
In zwei Welten zu Hause: Mit seinem drehbaren Display wandelt sich der Inspiron Duo vom Netbook zum Tablet PC (Foto: Hersteller)

Ist diese Mode schon wieder vorbei? Die Verkaufszahlen besonders kleiner Netbooks, günstiger Unterwegs-Maschinchen mit karger Bildschirmauflösung und geringem Gewicht, brachen im vergangenen Jahr ein.

Der Schuldige ist schnell ausgemacht: Apples iPad. Der Tablet PC aus Cupertino begann im Frühjahr seinen Siegeszug, und als Reisebegleiter scheint er eine bessere Figur zu machen. Der große Nachteil des iPad ist indes seine Ausrichtung auf den passiven Konsum. Man kann mit ihm vortrefflich im Internet stöbern, Musik hören und Videos sehen. Aber sobald es ans Eingemachte geht, man also eine längere E-Mail schreiben oder ein Dokument bearbeiten will, stößt man schnell an Grenzen. Das iPad ersetzt keinen Notebook, das haben wir mehrfach geschrieben.

Nun bringt Dell ein Gerät mit dem Versprechen auf den Markt, das Beste aus beiden Welten zu liefern: eine Kombination aus Netbook und Tablet PC mit berührungsempfindlichem Bildschirm inklusive Fingersteuerung – voilà, der Dell Inspiron Duo. Zu Preisen von 550 Euro an erhält man ein Gerät, das sich auf den ersten Blick nicht von anderen Netbooks unterscheidet. Das Display mit einer Bildschirmdiagonale von 26,5 Zentimeter löst mit 1366 × 768 Pixel auf, also ein kleines Extra gegenüber den meisten sehr günstigen Netbooks, die nur 1024 × 600 Pixel schaffen. Dieses Plus ist im täglichen Einsatz ein klarer Gewinn. Man sieht einfach mehr, wenn es um Text, Tabellen und E-Mails geht oder um etwas aufwendiger gestaltete Internetauftritte. Allerdings spiegelt die Anzeige wie ein Weltmeister, daran gewöhnt man sich nur schwer, und der Betrachtungswinkel könnte ein bisschen größer sein.

Der Dell Inspiron Duo ist ordentlich verarbeitet. Das Gehäuse besteht aus Plastik, zwei recht billig wirkende Abdeckungen schützen die beiden Schnittstellen-Ports, nämlich Audio und 2 × USB 2.0, mehr ist nicht an Bord. Es fehlen also ein Videoausgang, Ethernet und ein SD-Kartenschacht. Um dies und andere Peripherie zu nutzen, benötigt man die Docking-Station aus dem Zubehörprogramm. Eingebaut hingegen sind eine Webcam, Lautsprecher und Mikrofon. Als Prozessor kommt ein kleiner Atom N550 Dual Core von Intel zum Einsatz, mit zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und Festplattengrößen bis 320 Gigabyte folgt der Dell üblichen Netbook-Standards, und das gilt auch für die Arbeitsgeschwindigkeit unter Windows 7.

Wireless-Lan und Bluetooth zählen zur Serienausstattung, ein Mobilfunk-Modul für die Internetanbindung unterwegs ist lieferbar. Der vom Anwender nicht wechselbare Vier-Zellen-Akku mit 29 Wattstunden hält etwa zwei- bis dreieinhalb Stunden durch, das ist keine Glanzleistung, ebenso das Gewicht von 1,6 Kilogramm. Beim typischen Einsatz säuselt der Inspiron Duo hörbar, aber leise vor sich hin, intensive Rechenaufgaben lassen den Lüfterlärm allerdings deutlich anschwellen. Also bis hier ein Netbook ohne Auffälligkeiten, wenn man von dem stark spiegelnden Display absieht.

Interessant wird der Kleine, wenn man das Display dreht. Genauer gesagt, dreht man die Innenseite, die im Einsatz mit Tastatur von Magneten an ihrer Position gehalten wird, nach außen. Die Konstruktion wirkt solide. Zugeklappt hat man dann eine plane Oberfläche vor sich, nur stört die Höhe des Geräts ungemein: Fast drei Zentimeter misst der Inspiron Duo. Zum Vergleich: beim iPad sind es nur 1,3 Zentimeter. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, und in Verbindung mit dem hohen Gewicht sind die von Dell beschriebenen Anwendungsszenarien eine Herausforderung für die Handgelenke: Man soll im Tablet-Modus unterwegs Spiele spielen, Videos gucken oder elektronische Bücher lesen. Das alles funktioniert irgendwie, aber es macht keinen Spaß. Schon das 700 Gramm leichte iPad ist fürs Lesen auf dem Sofa zu schwer, man sucht ständig eine Möglichkeit, es abzulegen.

Der Duo hat zudem das schlechtere Display. Geht der Betrachtungswinkel im Notebook-Modus gerade noch in Ordnung, wird dieser Punkt im Tablet-Betrieb zum K.-o.-Kriterium. Liegt der Dell vor einem auf dem Tisch, sieht man nicht genug. Man muss ihn hinten mit der Hand hochnehmen oder einen Gegenstand darunterlegen. Probleme, die ein iPad nicht kennt. Und dann die Bedienung mit dem Finger. Wer es gewohnt ist, beim iPad mit feinsten Fingerstrichen über Seiten zu navigieren und mit einer Zwei-Finger-Spreizbewegung Inhalte zu vergrößern oder zu verkleinern, erlebt mit dem Dell eine Verarbeitung der Eingaben, die schlichtweg mangelhaft ist. Der Inspiron Duo reagiert nur träge und unpräzise dazu. Zwar kommt – wie bei Smartphones – ein kapazitiver Bildschirm zum Einsatz, aber man kämpft ständig und bei jedem Bildschirmmanöver mit der unzureichenden Erkennung seiner Aktionen.

Für Texteingaben steht das virtuelle Keyboard von Windows 7 zur Verfügung, so lässt sich eine Internetadresse eingeben. Die sehr gute Handschrifterkennung von Microsoft steht ebenfalls parat. Aber weil kapazitive Bildschirme nicht auf Druck reagieren, kann man keinen Stift zum Schreiben einsetzen, muss also den Finger bemühen – und damit hat sich die Sache gleich erledigt. Kurzum: Im Tablet-Modus ist der Inspiron Duo kaum brauchbar und eine Enttäuschung. Immerhin hat Dell eine auf den Touchscreen optimierte Oberfläche bereitgestellt, die einen Schnellzugriff für Videos, Fotos, Musik und Spiele erlaubt. Aber das alles macht den Kohl nicht fett: Als Tablet PC ist der Inspiron Duo bestenfalls eine Notlösung, wir hatten uns von der an sich pfiffigen Idee deutlich mehr versprochen. (F.A.Z. vom 4. Januar 2011)