Test: Porsche Design Huawei Mate 9

Die Lederhülle riecht nach einem neuen Porsche. Vermutlich ein 911. Wer sich lieber an der Optik orientiert, sieht den Schriftzug „Porsche Design“ am oberen Gehäuserand und auf der Rückseite das Logo des Studios. Die Rede ist von der Porsche-Design-Modellvariante des Huawei Mate 9. Nachdem viele Jahre der Blackberry von Porsche Design veredelt wurde, ist nun der chinesische Hersteller mit seinem Flaggschiff an

Porsche Design Huawei Mate 9, Foto Hersteller

der Reihe. Ein Smartphone dieser Kollektion ist wie gehabt teuer. 1400 Euro sind hier aufgerufen, doppelt so viel wie für das Ausgangsprodukt.
Porsche Design hat etliche Änderungen am chinesischen Original vorgenommen: Die Anzeige mit einer Diagonale von 5,5 Zoll ist etwas kleiner als die 5,9 Zoll des Mate 9, aber die Auflösung wurde von Full HD auf 2560 × 1440 Pixel erhöht. Mit den leicht abgerundeten Seiten erinnert das Porsche-Mate an ein Samsung. Auch der unterhalb der Anzeige plazierte Home-Button trägt zu diesem Eindruck bei. In ihm befindet sich der biometrische Fingerabdruckscanner, der sonst auf der Rückseite liegt.

Weiterhin hat Porsche Design dem Neuen mehr Arbeitsspeicher spendiert, 6 statt 4 Gigabyte, und der Flash-Speicher wuchs von 64 auf spektakuläre 256 Gigabyte. Die zusätzliche Speicherkarte ist also selbst dann überflüssig, wenn man üppigste Foto- oder Musikbibliotheken auf dem Gerät hortet. Somit lassen sich die beiden Schächte des Kartenhalters für Nano-Sim-Karten nutzen, das Betriebssystem unterstützt dies. Schließlich wandert in der Porsche-Variante der Kopfhöreranschluss von der Ober- an die Unterseite.

Alle weiteren Details bleiben: die gute Leica-Kamera mit 20 Megapixel, die lange Akkulaufzeit und das Android-Betriebssystem 7. Es wird von Huawei mit dem hauseigenen Aufsatz Emui in der Version 5 verschönert. Wenn es etwas an diesem hochwertigen und bestens verarbeiteten Nischenprodukt zu kritisieren gibt, dann ist es dies: dass keiner der beiden Hersteller auf die Idee gekommen ist, ein Emui-Designschema des Bediensystems zu entwickeln, das zu der teuren Hardware passt. Diese Schemata lassen sich bei Huawei-Geräten leicht wechseln, es gibt ein eigenes Menü dafür. Die beiden aufgespielten Porsche-Themen sind mit heißer Nadel gestrickt und passen nicht zu diesem Schmuckstück.

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Test: Porsche Macan 2016 mit PCM 4 und Apple CarPlay

Seit dem Sommer vergangenen Jahres profitiert auch der Käufer eines neuen Porsche Macan von der verbesserten Kommunikationstechnik PCM, die zuerst im 911er ihre Premiere feierte. Die Version 4 bringt einen kleinen 18-Zentimeter-Monitor für das Bordsystem mit, er ist berührungsempfindlich und selbst bei hellem Sonnenschein bestens ablesbar. Dazu kommt ein digitales Rundinstrument rechts vom Drehzahlmesser, das unabhängig von der Hauptanzeige weitere Inhalte zeigt. Die mechanische Anmutung aller Bedienelemente gehorcht den Standards des Hauses und ist über alle Zweifel erhaben. PCM 4 erlaubt nun den Einsatz von Wisch- und Fingergesten auf dem Monitor, etwa zum Ändern des Kartenzooms.

Porsche Macan Modelljahr 2016. Fotos Hersteller

Auch das Malen von Buchstaben mit dem Finger auf der Anzeige inklusive Handschrifterkennung ist nun dabei, es gelingt prima. Wer mit dem Finger sein Ziel eingibt, wird zudem von cleveren Algorithmen unterstützt. Oft reichen bereits ein oder zwei Buchstaben, um eine Adresse aus den letzten Zielen zur Auswahl zu bringen. Dass Sensoren die Annäherung von Fingern oder der ganzen Hand an den Monitor erfassen und damit selbsttätig vom Übersichts- in den Bedienmodus umgeschaltet wird, sei ebenfalls erwähnt. Man kennt die Idee bereits von anderen Herstellern. Nicht zuletzt macht die Spracherkennung einen Sprung nach vorn: Mehr Variabilität bei allen Eingaben bedeutet für den Fahrer, dass er sich nicht mehr sklavisch an ein vorgegebenes Vokabular halten muss. Viele markante Sonderziele lassen sich so vorsprechen, wie man sie einem menschlichen Gegenüber ansagen würde.

Die wichtige Neuerung von PCM 4 ist jedoch die Online-Anbindung. Es gibt Apps, etwa zur Fernsteuerung bestimmter Fahrzeug-Funktionen sowie zur Fernabfrage von Fahrzeugdaten wie dem Tankfüll- und Kilometerstand. Der größte Vorteil sind die Premium-Verkehrsinformationen, die nun endlich auch dem Porsche-Fahrer bei der Routenwahl helfen. Dazu benötigt man Connect Plus für 1400 Euro, es bringt ein eigenes LTE-Telefonmodul inklusive Sim-Kartenleser mit und erlaubt dann auch die Visualisierung von Orten und Routen mit Google Earth und Streetview sowie die Online-Suche mit Google. Dank der eigenständigen Mobilfunkanbindung entfällt jedwede Fummelei mit Protokollen und Diensten, man kommt unmittelbar zurecht.

Porsche Macan mit PCM 4

Bindet man ein iPhone per USB-Kabel an, funktioniert Apple Carplay im Macan mit den wenigen Apps, die Cupertino für den Einsatz im Fahrzeug vorgesehen hat. Das rivalisierende Android Auto wird von Porsche wie gehabt nicht unterstützt. Angeblich, weil Google zu neugierig ist und Fahrer mitsamt Fahrzeug ausspioniert. Wer allein mit Apple Carplay navigieren will, kann statt Connect Plus das kleine Connect-Paket für 720 Euro wählen. Und dann spart man ein zweites Mal, nämlich am Navigationsmodul von PCM, es kostet 1550 Euro, außer im Macan Turbo, dort gehört es zur Serienausstattung.

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Sein eigener Beifahrer möchte man jetzt nicht sein

Es gibt es keine Koketterie des Könners. Nach dem Anlassen rumpeln hinter Dir die 10 Zylinder, und Du denkst, dass kleine Monster mit dicken Vorschlaghammern auf Motor und Getriebe einschlagen. Es zischt und zwirbelt, und Du fühlst Dich wie in einem Weltraum-Shuttle kurz vor dem Start. Die riesigen Aluminiumpedale und erstes Treten der Kupplung. Treten ist untertrieben. Du musst sie mit aller Kraft stemmen, sie braucht die ganze Wade und Du ahnst, dass die vielen Stunden im Fitness-Studio für diesen Supersportwagen vollkommen vergeblich waren, weil die falschen Muskeln trainiert wurden.

Ein Tier: Porsche Carrera GT (Foto Hersteller)

Und dann das Getriebe. Mühsam knallst Du den ersten Gang rein, und schon ist mit der bewährten Dosis von Kupplung und Gas nichts, aber auch wirklich nichts zu wollen. Zur Kraftübertragung dient ein Einmassenschwungrad, und der Motor ist aus, wenn Du auch nur ein klitzekleines Fitzelchen Gas beim Anfahren gibst. Wenn dieses störrische Biest endlich rollt, ziehst Du den ersten Gang bis 8400 Umdrehungen hoch, und die Maschine schreit. Ihr metallisch-bellender Sound fräst Dir das Grinsen eines LSD-Junkies ins Gesicht. Das Getriebe ist kaputt, würdest Du bei jedem anderen Fahrzeug sagen, aber hier katapultieren Dich 612 PS nach vorn, angeblich in 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 9,9 Sekunden auf 200 km/h. Aber wer sollte das messen? Das Auto braucht alle Aufmerksamkeit. Jeder Gangwechsel ist ein Abenteuer, die Kupplung grüßt stets aufs Neue Waden und Kniescheibe, und beim Beschleunigen denkst Du insgeheim an ein Kräftemessen mit einem Kampfjet auf einem Salzsee in Utah. Sein eigener Beifahrer möchte man jetzt nicht sein. Nicht, wenn die Synapsen blinzeln und sich der rechte Fuß gen Bodenplatte senkt. Dann ist Stampede im Motorraum unter einer Herde gedopter Mastodonten. Als hätte es die Nachbrenner einer F15 zieht Dich das Ding nach vorn. Der Vordermann scheint bei 220 km/h auf der Stelle zu stehen, und wenn er endlich die Spur freigibt, reißt Dich ein beherzter Druck aufs Gaspedal in die 300er-Region, und dieses verflixte Biest will einfach nicht aufgeben. Erst jetzt hört sich der Motor nach Fahren an. Die kleinen Monster mit ihren Vorschlaghammern haben ihren Rhythmus gefunden, und die Klimaanlage ist nicht kalt genug. Nun schreit nicht das Auto, sondern der Fahrer. Und damit endet diese Übung bei 320 km/h.

P.S.: Den Porsche Carrera GT habe ich 2006 bewegt, und die eingestanzte Seriennummer des Testwagens war die 0000 von den insgesamt 1270 in Handarbeit gefertigten Exemplaren.

Terminal Mode: Smartphone-Inhalte im Auto

Wie überträgt man Musik, Navi-Daten und andere Inhalte vom Smartphone ins Auto? Den Ansatz von Nokia zeigt dieses Video. Man kann Smartphone-Apps auf dem Display der Kommunikationsanlage des Autos laufen lassen und dabei das gewohnte Interface des Fahrzeugs zur Bedienung nutzen. Was man auf dem Smartphone sieht, zeigt die Infotainment-Anlage des Autos. Auf diese Weise sollen auch zahlreiche neue Apps rund um die Mobilität entstehen, denn Terminal Mode soll ein offener Standard werden, es nutzt bewährte Protokolle wie UPnP, Bluetooth und andere. Bei den Fahrzeugherstellern sind mit dabei: Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen.

Die iPhone-Anbindung in aktuellen Neuwagen: Was kann man erwarten?

Im vergangenen Jahr habe ich 26 Testwagen bewegt und die Kommunikationstechnik in der dienstäglichen Beilage „Technik und Motor“ beschrieben. Hier einige Hinweise zum iPhone in Neuwagen. Wie gut funktioniert die Anbindung an Navi- und Kommunikationssysteme der Werksausstattung, was kann man erwarten, worauf sollte man achten? Disclaimer: Dies ist ein genereller, grober Überblick.

Zunächst: Alle Fahrzeughersteller haben sich auf das iPhone „eingeschossen“. Es gibt von Apple nur ein aktuelles Modell und nicht Dutzende unterschiedlicher. Das macht die Anpassung an vorhandene HiFi- und Bluetooth-Anlagen deutlich einfacher als der sonst übliche Mix bei anderen Smartphone-Herstellern. Wer im Auto seine Musik vom iPhone hören und gut telefonieren, auf seine Anruflisten und das Telefonbuch über den Monitor des Navi-Systems zugreifen will, kommt einfacher und besser zum Ziel als mit einem Android, Blackberry oder Nokia.

Für den Vieltelefonierer gibt es jedoch eine ärgerliche Einschränkung: Apples iOS beherrscht nicht das Bluetooth-Profil „Sim Access“, bei dem das Gerät quasi schlafen gelegt wird und eine Mobilfunkeinheit des Fahrzeugs mitsamt Außenantenne die Kontrolle übernimmt. In manchen Luxuslimousinen macht sich dieser Makel sofort bemerkbar: Das Fahrzeug ist (etwa durch bedampfte Fensterscheiben) so gut gegen die Mobilfunksignale abgeschottet, dass man im Innern nur einen sehr schlechten Empfang hat. Und Vorsicht: Es gibt einige Fahrzeug-Freisprecher der Werkausstattung, die nur Bluetooth Sim Access verstehen (etwa bei Porsche). In diesem Fall lässt sich das iPhone nicht an die Anlage des Autos ankoppeln.

1. Die einfachste Lösung: Bluetooth zur Telefonie

Hier nur einige Stichworte: klappt so gut wie immer nach einmaliger Ankopplung, anschließend wird das iPhone mit dem Betreten des Fahrzeugs identifiziert. In der Regel funktioniert auch die Übernahme des Telefonbuchs und der Anruflisten. Einige Fahrzeug-Lösungen verwalten nur Anruflisten für Telefonate, die mit der Anlage im Auto geführt wurden. Gegebenenfalls hat die Auto-Anlage eine Sprachwahl, die ich sehr praktisch finde. Was dann immer funktioniert ist die Nummernwahl (man spricht die Rufnummer vor). Kniffeliger wird es bei der Namenswahl. Die beste Lösung: Man sagt „Rufe Max Mustermann“ und der zugehörige Eintrag wird gewählt, gegebenenfalls mit Rückfrage „mobil“, „Büro“ etc. Die zweitbeste Lösung: Einzelne Einträge aus dem Telefonbuch müssen angelernt und mit einem Sprach-Tag versehen werden. Man kann dann nur diese Einträge mit der Sprachsteuerung aufrufen.

2. Ebenfalls einfach: Bluetooth zur Musikwiedergabe

Mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP kann man Musik vom iPhone in die Anlage des Fahrzeugs streamen. Sehr viele Neuwagen von Baujahr 2010 an beherrschen diese Funktion. Es gibt indes einige Tücken:

a) Keine Musikauswahl über die Fahrzeuganlage, sondern nur am Gerät. Man sieht also auf dem Monitor nicht, welches Stück gerade gespielt wird. Einige neuere Anlagen (etwa bei Audi) bieten indes die Option, vor- und zurückzuspulen bzw. zu springen.

b) Wirrwarr beim Fahrzeugstart. Häufig setzt die Musikwiedergabe mit dem Einschalten der Zündung ein, und was dann gespielt wird, ist meist nicht einstellbar. Einige Anlagen setzen die Wiedergabe immerhin dort fort, wo sie zuletzt endete.

c) Wirrwarr bei der Telefonie. Hat man die Bluetooth-Musik pausiert und geht ein Telefongespräch ein, startet die Musikwiedergabe nach dem Ende des Telefonats. Das ist leider bei fast jeder Anlage zu beobachten.

3. Teuer: Das Musikinterface fürs iPhone

Ein schlichtes Kabel zum Anschluss des Smartphones an die Anlage des Fahrzeugs lassen sich alle Autohersteller mit saftigen Aufpreisen bezahlen. 300 Euro sind nichts. Der Vorteil: Das iPhone-Interface mitsamt Wiedergabelisten und Ordnern wird mehr oder weniger perfekt auf den Monitor der Anlage übertragen, man kann mit dem Controller flink durch die Listen fahren und sieht seinen Bestand mitsamt Titeln. In der Regel (aber nicht immer) funktioniert die doppelte Anbindung (Kabel für Musik, Bluetooth fürs Telefon) einwandfrei.

Die Probleme hier:

a) Das iPhone „meckert“ über nicht kompatibles Zubehör. Einen Hinweis, den man getrost ignorieren kann.

b) Nicht jedes Kabel funktioniert auch als Ladekabel.

c) Bei einigen Anlagen ist während der Musikwiedergabe kein Zugriff aufs iPhone möglich, also kein schneller Seitenblick auf neue E-Mail während der Ampelpause.

d) Die Übertragung der iPhone-Daten ist nicht perfekt, es fehlen zum Beispiel Podcasts als eigenständiges Menü. Sie tauchen dann gegebenenfalls mit dem Podcast-Namen unter „Musik“ auf.

e) Einrichtungsprobleme, wenn die Anlage auch Bluetooth-Musik mit A2DP unterstützt.

Hundeschreck und Marken-App

Was die Autohersteller neuerdings aufs iPhone bringen

Neulich im Dorf. Nachbars Hund streunt die Straße entlang und macht, wie immer, eine kleine Schnüffelpause am Testwagen. Der ist brandneu und riecht so lecker mit seinen heißen Reifen. Hunde mögen das. Was als Nächstes kommt, ist absehbar, dutzendfach gesehen. Schon hebt er das rechte Hinterbein.
Alles unter Kontrolle: BMW-App fürs iPhone (Foto: Spehr)
Aber diesmal gibt es keine Gnade.  Vom Küchenfenster aus wird „My BMW Remote“ auf dem iPhone aktiviert, eine „App“ zur Fernsteuerung des Fahrzeugs. Nun das volle Programm: Zuerst „Ver- und Entriegeln“, die vier Blinker leuchten auf, die mechanische Türverrieglung klackt vernehmbar – Hund ist verdutzt. Doch es geht gleich weiter: „2 Mal Hupen“ wird mit einem Fingertipp an den 7er BMW gesendet, und der Rüde trollt sich unverrichteter Dinge.
So wird aus der iPhone-App von BMW also ein Hundeschreck. Alle großen Automobilhersteller arbeiten derzeit an pfiffigen Smartphone-Programmen für ihre Fahrzeuge. Man will den Kunden einen Mehrwert bieten, und der besteht bei BMW in erster Linie darin, das eigene Auto mit Hupe und Lichtsignalen orten zu können. Ferner lässt sich die Standheizung vom Wohnzimmer aus aktivieren, was gewiss ein schöner Komfort ist. Das Ganze funktioniert übrigens nur mit aktuellen BMW-Modellen und dem Telematik-Zubehörpaket „Connected Drive“.
Andere Wege beschreitet Porsche mit „gForce“. Schon der Name und die Sicherheitshinweise beim Start der App deuten es an: Hier dreht sich alles ums sportliche Fahren. Die App nutzt den Gyrosensor und das GPS des Apple- Smartphones, um Geschwindigkeit und Strecke, die erzielte Höchstgeschwindigkeit sowie die G-Kräfte im Fahrzeug zu messen. Die Ergebnisse lassen sich speichern und gleich an Twitter weiterleiten, ein hübsches Gratis-Tool für kleine und große Angeber. Es funktioniert übrigens nicht nur im Porsche. Aber man bekommt zusammen mit der App auch Porsche-Mitteilungen angezeigt, etwa den aktuellen Katalog der „Porsche Sport Driving School“.
Noch mehr Markenbewusstsein will Aston Martin mit seiner App vermitteln. Der Hersteller feiner Luxus-Sportwagen packt nahezu alles, was derzeit möglich ist, in seine opulente App, die sage und schreibe 142 Megabyte groß ist. Nicht nur, dass man frische Nachrichten über Aston Martin liest oder eine virtuelle Videoreise durch die Unternehmenszentrale in England unternimmt. Historische Modelle mit Fotos und technischen Daten sowie eine Chronologie der Unternehmensgeschichte lassen sich abrufen, und schon die Simulation der Zündung mitsamt Motorstart ist ein Erlebnis. In der „Sound-Galerie“ präsentieren sich sechs Sportwagen mit ihren kräftigen Motoren, wahlweise beim Spurt von 0 auf 100 km/h, in der Vorbeifahrt oder beim Muskelspiel an der Startlinie.
Jenseits der Freude am Sehen und Hören gehen die amerikanischen Fahrzeug-Apps noch einen Schritt weiter.  BMW und andere Hersteller binden in den Vereinigten Staaten populäre Musik-Streaming-Dienste ein, und mit „Google Send to Car“ lassen sich beispielsweise Navigations- und Sonderziele vom iPhone oder PC aus direkt in die Navi-Systeme des Fahrzeugs übertragen. Noch ist vieles Spielerei und Schnickschnack, aber noch in diesem Jahr kommen erste Apps, die deutlich mehr Nutzwert bringen. (F.A.Z. vom 11.01.11)

Test: PCM im Porsche Panamera 2010

Da stellt sich gleich das typische Wohlfühlgefühl ein. Es stimmt einfach alles: Haptik, Anmutung, Verarbeitungsqualität und die Technik im Detail. Zwei Wochen im Panamera waren porsche. Die viersitzige Schräghecklimousine hatte PCM an Bord, das „Porsche Communication Management“ mit großem (18 Zentimeter) Farbdisplay, Radio, CD- und DVD-Laufwerk sowie Navigation. Mit dieser Basisausstattung für 3100 Euro ist man schon bestens bedient. Man nimmt Platz in der Oberklasse – und kommt sofort klar. Was auf den ersten Blick etwas erschlagend wirkt, nämlich die zahlreichen Tasten rund um den Wählhebel des Schaltgetriebes, zeigt bei genauem Hinsehen eine feine Logik als Folge einer Grundsatzentscheidung: eigene Tasten für wichtige Dinge, mit einem Handgriff schnell erreicht, keine Controllerbasierte Kommunikationstechnik, kein Overkill an Funktionen, sondern geradlinige Technik für jene, die an erster Stelle fahren und nicht spielen wollen.

Ein ganzer Kerl: Porsche Panamera (Fotos Hersteller)

PCM im Panamera ist seinen Geschwistern im 911er und im Boxster sehr ähnlich. Markantester Unterschied ist das zusätzliche runde, farbige Display rechts vom Drehzahlmesser, das unabhängig von der Hauptanzeige die Inhalte anderer Module zeigt und mit den Lenkradtasten bedient wird. Es löst höher auf als bei den Geschwistern und zeigt zur Navigation gar eine Minikarte. Die Steuerungseinheit für PCM liegt gut erreichbar in der Armaturentafel, klar beschriftete Tasten führen in die Hauptmenüs. Die Bedienung des Ganzen ist einfach, haptisch ist das ein Genuss. Mit dem rechten Drehsteller fährt man durch die Menüs, eine Zurücktaste führt einen Schritt retour. Dazu wird die Menüstruktur stets auf dem Bildschirm angezeigt, für wichtige Funktionen wie „Naviansage wiederholen“ oder „Landkartendarstellung einblenden“ gibt es eigene Tasten.

Radioempfänger und HiFi-Abteilung überzeugen, wir hatten das Bose-Surroundsystem (1350 Euro) mit 14 Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 585 Watt im Testwagen. Als Zuspieler neben CDs und DVDs kann auch ein iPhone dienen mit Hilfe der „universellen Audioschnittstelle“ für 330 Euro. Im Ablagefach der vorderen Mittelarmlehne sind dann zwei Anschlüsse vorhanden: Mit USB kann man Speichersticks und diverse MP-Spieler andocken, aber auch die Apple-Geräte mit dem proprietären Stecker.

Ein iPhone 4 wurde sofort von PCM erkannt. Am Bildschirm lässt sich durch sämtliche Alben blättern, die Wiedergabelisten stehen parat, und es gibt sogar eine Volltextsuche. Kurioses Detail: Die Abteilung „Podcast“ des iPhone 4 wird nicht angezeigt, man muss die entsprechenden Sendungen manuell suchen. Das iPhone wird zudem über den USB-Adapter geladen. Wer einen anderen MP3-Spieler einsetzen will, nimmt die Aux-Schnittstelle mit Klinkenbuchse oder die moderne drahtlose Musikübertragung mit dem Bluetoothprofil A2DP. Das Handy oder Smartphone bleibt in der Jackentasche, nur fehlt natürlich die Musikauswahl über PCM, sie muss am Gerät erfolgen. Und um die Vielfalt auf die Spitze zu treiben: Wir koppelten das iPhone mit Bluetooth an die Telefonabteilung von PCM an – und vermochten gleichzeitig mit A2DP unsere Musik hören.

In diesem Sinne ist der Porsche Panamera für alle Anforderungen bestens gerüstet, und wer noch besseren Klang sucht, sollte beim Händler das High-End-Soundsystem von Burmester zur Probe hören, das für 4800 Euro in der Aufpreisliste steht. Der Panamera ist das erste Fahrzeug, das sich ab Werk mit einer Anlage der berühmten Berliner Manufaktur schmückt. Kleine Kritik: Mit dem Einschalten der Zündung aktiviert PCM automatisch das Radio, auch wenn es beim Verlassen des Fahrzeugs ausgeschaltet wurde. Und mit A2DP muss man einige Sekunden warten, bis das Bluetooth-Gerät von PCM erkannt ist.

Das feine Fahren: Innenansicht des Panamera

Telefoniert wird im Panamera wahlweise mit dem internen Telefonmodul von PCM (dazu steckt man seine Sim-Karte in die Anlage) oder mit Bluetooth – im Testbetrieb reibungslos mit Übernahme des Telefonbuchs und der Ruflisten. Wer das professionelle Sim-Access-Profil nutzen will, benötigt das „Telefonmodul mit Bedienhörer“ für 1250 Euro, das einfachere Bluetoothprofil „Handsfree“ wird von der „Handyvorbereitung“ (650 Euro) abgedeckt.

Auch in Sachen Navigation muss man im Panamera keine Kompromisse eingehen. Klare Ansagen und eine ordentliche Landkartendarstellung werden geboten, Fahrspurassistenten gehören im Unterschied zu älteren PCM-Anlagen nun ebenfalls dazu. Hochwertige Verkehrsinformationen à la TMC Pro oder den Einsatz von Floating-Car-Data zur Stau-Erfassung hat Porsche nicht im Angebot. Neu aber: Hinweise auf das geltende Tempolimit, die sich im Zweitdisplay permanent einblenden lassen. Eine praktische Sache – allerdings kommen die Geschwindigkeitsinformationen aus dem Kartenmaterial der Navi-DVD und sind alles andere als aktuell. Eine kameragestützte Auswertung der realen Verkehrszeichen gibt es bei Porsche derzeit noch nicht, von einem Internetzugang und anderen Oberklassediensten wie bei BMW und Audi gar nicht zu reden. Aber das ist für einen Porsche-Fahrer möglicherweise ja ohnehin überflüssiger Schnickschnack. (F.A.Z. vom 28.09.10)