Test: Volvo XC 90 mit Sensus Navi, Internetanbindung, Apple CarPlay

Endlich auf der Höhe der Zeit: Jahrelang fuhr Volvo mit seinem Sensus genannten Kommunikationssystem der Konkurrenz hinterher. Nun gibt es für den XC 90, das große SUV, eine Anlage, die mit allem aufwartet, was derzeit Stand der Technik ist. Die riesige Anzeige in der Mittelkonsole ist hochkant eingebaut. Sie hat die Maße eines Tablet mit 23 Zentimeter in der Diagonale und wird ergänzt durch ein zweites volldigitales Cockpit-Display, das noch größer ist. Mit 31 Zentimeter zeigt es nicht nur Tachometer und Drehzahlmesser, sondern auch den Status der Assistenzsysteme sowie weitere Informationen. Diese Anzeige hinter dem Lenkrad nennt Volvo Fahrerdisplay, sie gehört von der Ausstattungsvariante Inscription an zur Serienausstattung. Und schließlich kommt drittens ein farbiges Head-up-Display dazu. Hier werden Hinweise zur Navigation, zur Geschwindigkeit und zum Tempolimit direkt auf die Windschutzscheibe projiziert.

Volvo XC 90. Fotos Hersteller

Gleich beim ersten Ausprobieren macht das neue Sensus viel Spaß: Die Anlage lässt sich wie ein übergroßes Smartphone bedienen. Es gibt eine Home-Taste unterhalb der Anzeige, und zwischen den drei Ausgangsbildschirmen wechselt man mit einer Wischbewegung des Fingers. Am oberen Bildschirmrand findet man Statusinformationen. Streicht man von oben nach unten, kommt man in die Einstellungen des Systems. Ist das Prinzip durchschaut, geht alles Weitere nahezu intuitiv von der Hand. Auch die wichtigsten Einstellungen der Klimaanlage sind am Display zu erledigen. Da jedoch die entsprechenden Menüs permanent eingeblendet sind, kommt man ohne langwierige Suchaktionen gut zurecht.

Telefon und die hauseigene Navigation spielen bereits ohne Internetzugang auf hohem Niveau. Dazu kommt die Spracherkennung als schneller Helfer. Eingaben am Bildschirm lassen sich nicht nur mit einem Fingertipp auf der virtuellen Tastatur vornehmen, sondern auch mit Fingermalerei und Buchstabenerkennung. Das funktioniert bestens. Weniger schön: Gelegentlich hat das GPS massive Ortungsprobleme, zeigt dann einen falschen Standort an und führt folglich mit aktivem Navi in die Irre. Wir konnten uns mit einem Werksreset behelfen, im vergangenen Jahr beklagte ein Kollege mit seinem Testwagen das gleiche Problem.

Sensus im Volvo XC 90

Mit Internetanbindung erhält man weitere Funktionen und Möglichkeiten. Darunter etwa die Online-Suche nach Sonderzielen, die mit dem Anbieter Here umgesetzt ist. Oder die Premium-Verkehrsdaten in Echtzeit, sie stammen von Inrix. Diese Daten sind besser als TMC und TMC Pro, reichen aber nicht an das Niveau von Tomtom heran. Wie bei Audi oder BMW gibt es die Option, den Verkehrsfluss für jede einzelne Straße in Ampelfarben anzeigen zu lassen. Leider baut sich die Anzeige nur sehr gemächlich auf. Für entbehrlich halten wir den Web-Browser.

Die Zugangswege ins Netz sind in einem eigenen Kommunikationsmenü aufgeführt. Neben Bluetooth steht das Tethering mit USB zur Verfügung, ferner kann man sein Telefon als Hotspot einrichten und den Volvo daran ankoppeln. Nicht zuletzt gibt es als vermutlich bequemste Lösung ein im Fahrzeug eingebautes Modem mitsamt Sim-Kartenslot im Kofferraum. Das alles ist in seiner Vielfalt Stand der Technik.

Neu bei Volvo ist Apples Carplay, also die Verwendung des Bordmonitors als übergroße Anzeige für das iPhone. Es muss dazu per USB-Kabel angeschlossen sein, anschließend baut sich das von Apple vorgegebene Menü am Bildschirm auf. Kleine Überraschung: Nicht das gesamte Display wird für Carplay genutzt, sondern nur der untere Bereich. So bleiben die Bedienfelder für die Klimaanlage stets sichtbar. Carplay setzt überwiegend auf die Sprachbedienung, im XC 90 lässt sich dazu die Spracherkennungstaste am Lenkrad nutzen. Besonders leistungsfähig ist das Apple-System nicht, aber es lenkt kaum ab. SMS lassen sich zum Beispiel nur vorlesen, und für die Zieleingabe der Navigation aus Cupertino werden wahrscheinliche Adressen geraten und vorgeschlagen.

Nur wenige Apps lassen sich mit Carplay auf dem Bordsystem nutzen, Whatsapp zum Beispiel funktioniert nicht. Wer mehr Dienste sucht, findet indes einige von Volvo bereits installiert. Darunter der unvermeidliche Wetterbericht und das empfehlenswerte Glympse, um anderen seinen Standort mitzuteilen.

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Premium-Verkehrsinfos im Paralleltest: Audi und BMW verlieren gegen TomTom

Die Zeitschrift „Connect“ bringt in ihrer Juli-Ausgabe einen interessanten Vergleichstest: Die Redaktion war gleichzeitig mit vier Fahrzeugen auf einer 500 Kilometer langen Strecke von Stuttgart über Mannheim nach Frankfurt und zurück unterwegs und prüfte die Premium-Verkehrsdienste: Audi mit MMI und Inrix Traffic, BMW mit iDrive und dem RTTI-System sowie Navteq Traffic (TMC Pro) in einem Garmin-Nachrüst-Navi und TomTom HD Traffic mit dem Go Live 1015.

Die Verlierer sind die Systeme der Werksausstattung:

Audi brauchte für 510 Kilometer 7:03 h,

BMW 528 Kilometer und 6:42 h,

Navteq Traffic 536 Kilometer und 6:31 h

TomTom 527 Kilometer und 6:15 h

Quelle: „Connect“ 7/12, Seite 108-114

 

BMW Real Time Traffic Verkehrsinformationen gegen TomTom HD Traffic

Am heutigen Freitagnachmittag konnte ich zwei Premium-Verkehrsdienste unter widrigen Bedingungen erproben: Im BMW X1 kam RTTI (Real Time Traffic Information) zusammen mit dem iDrive-Bordsystem zum Einsatz. Wie bei den Google-Karten auf Android-Smartphones werden Verkehrsstörungen straßengenau angezeigt, es lässt sich ein Overlay auf der Karte aktivieren, so dass der Status jeder erfassten Straße farblich markiert ist.

Abends ohne Stau: TomTom App auf dem iPhone (Fotos Spehr)

Parallel dazu nutzte ich die TomTom-App auf dem iPhone mit den kostenpflichtigen HD Traffic-Infos (1 Monat für 5 Euro, ein Jahr für 30 Euro). Dass auf dem Heimweg von Frankfurt nach Waldsolms durch Schneefall ab Bad Homburg gewisse Störungen zu erwarten waren, war klar. Dank an @Freeskier1978 bei Twitter.

Zu Fahrtbeginn um 15 Uhr waren beide Systeme optimistisch: geringfügige Verzögerungen, kein Anlass zur Sorge. Tatsächlich war ab Usingen auf der B456 die Hölle los, wie ich via Twitter erfahren hatte.

Schon vor Bad Homburg wollte mich TomTom partout von der B456 herunterholen und über die (längere, schlechtere) Feldberg-Route Richtung Schmitten schicken. Kaum ein Navi-System kennt diese Ausweichstrecke. Ich hielt diesen Vorschlag für ziemlich idiotisch. Doch etwa 2 Kilometer vor der Saalburg ging dann tatsächlich nichts mehr. Das kommt sehr, sehr selten vor. Also gewendet, zurück nach Bad Homburg, von dort auf die A661 und dann in Richtung Feldberg gefahren.

Morgens war die Welt noch in Ordnung: BMW RTTI mit straßengenauer Markierung von Verkehrsstörungen

BMW mit RTTI zeigte die ganze Zeit Behinderungen durch Schneefall vor Usingen. Tatsächlich war (Quelle: Twitter) die B456 von Usingen bis Grävenwiesbach kaum befahrbar, etliche Lastwagen blockierten die Straße. Auch während ich auf den Feldberg zusteuerte, zeigte RTTI ein Wende-Kommando nach dem anderen, ich sollte also zurückgelotst werden.

Fazit: Hätte ich gleich auf TomTom gehört, wäre ich eine halbe Stunde früher zu Hause gewesen. Das Problem bei den TomTom-Daten ist nicht deren Zuverlässigkeit, sondern die psychologische Hemmschwelle, den Anweisungen auch dann zu folgen, wenn man sie nach eigener Erfahrung und Ortskenntnis für falsch hält.

Test: TomTom D-A-CH Version 1.9 für iOS

„Man verfährt sich ständig“, lautete die vernichtende Bilanz eines Kollegen, der zwei Wochen mit einem Tom-Tom-Navigationssystem im Testwagen unterwegs war. Dass der elektronische Kopilot ausgerechnet dort patzt, wo seine Kernkompetenz liegt, ist schon ein starkes Stück, soll doch ein Navi das Fahren in fremder Umgebung möglichst angenehm und stressfrei gestalten. Auch wenn die harsche Kritik gewiss etwas übertrieben ist: Die Präzision der Ansagen und Hinweise gilt seit Jahren bei Tom Tom als Schwachpunkt. Wir haben jetzt ein modernisiertes System ausprobiert, nämlich die Tom-Tom-Navigation 1.9, die für das iPhone und das iPad zur Verfügung steht.

Auf dem iPad: TomTom im Querformat, so sieht man mehr (Fotos Spehr)

Für 50 Euro bekommt man eine fast 500 Megabyte große App, die sich auf beiden Geräten einsetzen lässt, wenn ein- und dieselbe Apple-ID verwendet wird. Darin ist das Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz enthalten. Wer 70 Euro investiert und 1,6 Gigabyte auf seinem Mobilgerät zur Verfügung stellt, bekommt die Westeuropa-Variante, und für 90 Euro ist ganz Europa im Angebot. Schon diese Hinweise zeigen: Es handelt sich um eine „Onboard“-Navigation, bei der Kartenmaterial und Routendaten im Gerät gespeichert sind. Eine zusätzliche kostenpflichtige Mobilfunkverbindung im Einsatz unterwegs ist also nicht erforderlich.

Zwei- oder dreidimensionale Darstellung der Karte

Allerdings benötigt man unabdingbar eine Stromversorgung fürs Auto, denn Bildschirm plus GPS-Empfänger sind permanent eingeschaltet und strapazieren den Kraftspender aufs äußerste. Nach dem Start verhält sich die App, die wir mit dem iPhone 4S ausprobiert haben, mustergültig. Bei der Adresseingabe gibt es, wie bei den Anlagen in der Werksausstattung, eine Wortergänzung, die den gewünschten Ort schon nach der Eingabe weniger Buchstaben einblendet. Nötigenfalls kann man sogar auf Umlaute verzichten. Neben der manuellen Erfassung von Ort und Straße lassen sich auch die Adressangaben der im iPhone gespeicherten Kontakte übernehmen. Kurios, aber vielleicht sinnvoll: Die in Fotos hinterlegten GPS-Daten können ebenfalls für die Zielführung hinzugezogen werden. Man wird also zum Ort der Aufnahme geführt. Ferner gibt es natürlich eine Suche nach Sonderzielen, wahlweise in der Nähe oder in einer Stadt. Was die Sonderziel-Suche nicht findet, etwa Tankstellen mit Erd- oder Autogas, zeigt gegebenenfalls die Google-Online-Suche, für die allerdings eine Datenverbindung benötigt wird.

In der App: Die Zusatzprogramme

Nach der Zielerfassung erfolgt in wenigen Sekunden die Routenberechnung, anschließend zeigt Tom Tom in einer wahlweise zwei- oder dreidimensionalen Darstellung seine Karte. Das alles ist dann mehr oder weniger identisch mit den Tom-Tom-Navis zur Nachrüstung. Und wie gehabt gilt: Die Ansagen und die Hinweise auf dem Display sind nicht gut. Altbekannte und typische Tom-Tom-Unzulänglichkeiten wurden nicht behoben. Man verfährt sich in der Tat öfter als mit anderen Systemen, hier fehlt der Feinschliff und die Liebe zum Detail – das hatten wir schon mehrfach beklagt.

HD Traffic bester Verkehrsdienst in Deutschland

Der große Pluspunkt sind indes die Verkehrsinformationen. Zum einen setzt Tom Tom auf historisches Material, auf Daten und Statistiken zu jedem einzelnen Straßenabschnitt in Deutschland mitsamt den erzielten Geschwindigkeiten. Damit werden die „IQ Routes“ erstellt, Tempoprofile einzelner Segmente in Abhängigkeit von der Tageszeit. Zu jeder Straße kennen die Niederländer das typische Fahrtempo, und zwar, man höre und staune, im Fünf-Minuten-Takt. Dieser Dienst ist unentgeltlich in der App enthalten. Aktuelle Informationen bieten indes die mit Mobilfunk empfangenen HD-Traffic-Dienste. Dahinter steckt eine bunte Mischung unterschiedlicher Nachrichtenquellen, die zentral zusammengefasst und ausgewertet werden.

Das Ergebnis überzeugt: HD Traffic ist nach unserer Einschätzung der mit Abstand beste Verkehrsdienst in Deutschland. Uns wurden nicht nur größere Störungen auf der Autobahn präzise angezeigt, sondern auch Störungen auf der Landstraße und selbst mancher Feierabendstau in der Kleinstadt. Nicht etwa, dass man dann jedes Mal eine Umleitung wählt. Entscheidend ist die Genauigkeit im Gesamtpaket: Fahre ich über die A648 in die Frankfurter Innenstadt, oder nehme ich den längeren Weg über die Autobahnabfahrt „Westhafen“? Wir haben bei der Beantwortung dieser Frage den Kopiloten jeden Morgen auf die Probe gestellt, fuhren bisweilen mit Absicht konträr zu den Empfehlungen – und waren von den Ergebnissen sehr angetan.

Tom Tom sollte die Staudaten für Nutzer besser aufbereiten

Nur wünscht man sich mehr Transparenz bei der Anzeige und Auswertung der Verkehrsstörungen. Im Unterschied zu den Windschutzscheiben-Navis von Tom Tom kann man die App nicht so programmieren, dass automatisch und selbsttätig stets die schnellste Route unter Berücksichtigung der Verkehrslage gewählt wird. Vielmehr wird man nach im Hintergrund laufenden Neuberechnungen auf eine schnellere Strecke hingewiesen und kann diese dann mit einem Fingertipp aufs Display bestätigen. Der auf Wunsch einblendbare Verzögerungs-Balken am rechten Rand des Bildschirms ist keine große Hilfe und wirft mit seiner Darstellung mehr Fragen auf, als er beantwortet. Insgesamt meinen wir, dass Tom Tom die vorhandenen Staudaten für den Nutzer besser aufbereiten sollte. Eine zusammenfassende Analyse – etwa mit Sprachausgabe – könnte ein Pluspunkt sein.

HD Traffic für die Tom-Tom-App kostet 5 Euro im Monat oder 30 Euro im Jahr. Zu den gleichen Konditionen kann man auch Informationen über Gefahrenstellen hinzubuchen. Allerdings laufen diese Dienste nur auf einem einzigen Gerät. Wer zwischendurch das iPad zur Routenführung einsetzen möchte, muss ein zweites Abonnement abschließen. Hier scheint Tom Tom die Spielregeln der Apple-Welt noch nicht verstanden zu haben. Alles in allem: Die Navi-App lohnt sich vor allem in Verbindung mit den Verkehrsinformationen. Denn die Routenführung an sich gibt es anderswo besser und günstiger.

Die Konkurrenz:

Die Navigon-App mit europäischen Landkarten ist für 75 Euro (derzeit: 60 Euro) zu haben und überzeugt vor allem mit klaren und präzisen Hinweisen. Wer in unbekannten Gefilden sicher und stressfrei zum Ziel geführt werden will, ist hier bestens aufgehoben. Die nahezu identische „Select“- Edition steht für Kunden der Telekom gratis zur Verfügung. Die Stau-Informationen von Navigon reichen allerdings nicht an Tom Tom heran. Sehr günstig ist „GPS Navigation 2“ von Skobbler für 1,60 Euro. Der Trick: Diese App nutzt die Gratis-Karten von „Open Street Map“. Die neueste Version hat auch einen Onboard-Modus, der ohne Mobilfunkverbindung auskommt. Dann enstehen aber weitere Kosten für das vorab zu ladende Kartenmaterial.

Test: TomTom Go 1000

„Wir haben die besten Verkehrsdaten“, schwärmt Tom-Tom-Vorstand Alain de Taeye und zeigt uns stolz das „Go 1000“, ein Navi für die Windschutzscheibe. Das war vor einigen Wochen, und wir sind damit mehr als 1000 Kilometer durch Deutschland gefahren. Die besten Verkehrsdaten zur Umfahrung von Staus und zur Optimierung der Reiseroute: Dafür arbeiten die niederländischen Nachrüst-Spezialisten mit einem Potpourri verschiedener Systeme.

Mit Fahrspur-Assistenten: Tom Tom Go 1000 (Foto: Hersteller)

Zunächst kommt Floating Car Data (FCD) zum Einsatz. Hier werden automatisch generierte Stauinformationen über Mobilfunk an eine Zentrale übertragen, abermals auf Stichhaltigkeit überprüft und mit statistischen Modellrechnungen zu einem Lagebild verknüpft. Damit ist sogar eine Vorhersage von Staus möglich. Der Besitzer eines Tom-Tom-Routenführers mit Mobilfunkeinheit ist also ein anonymer Staumelder. Aber nicht nur das: In Zusammenarbeit mit Vodafone werden Bewegungs- und Verkehrsdaten aus den Mobilfunknetzen gewonnen, diese Technik heißt Floating Phone Data (FPD). 30 Millionen Handy-Kunden hat Vodafone in Deutschland. Sobald jemand telefoniert und sich dabei mit einer gewissen Geschwindigkeit bewegt, also im Auto aufhält, lassen sich Hinweise auf die Verkehrslage ablesen. Tom Tom registriert dabei nicht den Zellenwechsel, also den Übergang von einer Mobilfunk-Basisstation zur nächsten, sondern setzt auf ein genaueres Verfahren, das die Entfernung zur Basisstation misst.

Dazu kommt eine dritte Technik der Stauforscher: Tom Tom sammelt seit 2006 Daten und Statistiken zu jedem einzelnen Straßenabschnitt in Deutschland samt den dort erzielten Geschwindigkeiten. Aus diesem historischen Material wurden die „IQ Routes“ erstellt, Tempoprofile einzelner Segmente in Abhängigkeit von der Tageszeit. Zu jeder Straße kennen die Niederländer das typische Fahrtempo, und zwar, man höre und staune, im Fünfminuten-Takt. Diese IQ Routes werden bei der Streckenplanung ebenfalls eingesetzt. Das System „ahnt“ also, dass es am Freitagnachmittag auf der A5 kritisch werden könnte. Mittlerweile sind so viele Tom-Tom-Navis mit Mobilfunk im Einsatz, dass sich der Hersteller nun weit aus dem Fenster lehnt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen könnten Autofahrer, die das Tom-Tom-Paket mit Mobilfunk („HD Traffic“) nutzen, ihre Fahrzeit im Durchschnitt um 15 Prozent reduzieren. Aber nicht nur das: Würden zehn Prozent aller Autofahrer HD Traffic einsetzen, stelle sich ein „kollektiver Effekt“ ein, der zu einer Verkürzung der Reisezeit aller Verkehrsteilnehmer um bis zu fünf Prozent führe. Anders ausgedrückt: Wer eine klug berechnete Umleitung fährt, reduziert den Verkehr auf überlasteten Straßen.

Das von uns erprobte Go 1000 empfängt Verkehrsinformationen alle zwei Minuten über Mobilfunk. Die Routenplanung erfolgt zudem mit Unterstützung von Tom-Tom-Servern. Auf diese Weise lässt sich der Korridor, der für eine Reise infrage kommt, deutlich vergrößern. Für rund 300 Euro ist der Apparat im Handel. Die Mobilfunk-Dienste werden zwei Jahre lang unentgeltlich bereitgestellt und kosten danach jährlich 50 Euro.

Unsere längste Tour führte von Butzbach nach Bad Driburg, zwei Stunden und 17 Minuten zeigt Google Maps für 222 Kilometer über die A5 und die A7. Ein geringfügig kürzerer Weg (193 Kilometer) über die Bundesstraße 252 soll drei Stunden und 12 Minuten dauern, also keine Alternative. Das sieht Go 1000 aber ganz anders. Geradezu trotzig will uns der Apparat in Richtung Marburg über die Bundes- und Landstraßen führen, obwohl auf der Autobahn kein einziger Stau in Sicht ist. Der Zeitvorteil soll fünf Minuten betragen. Wir nehmen trotzdem die bequeme Autobahnstrecke – und kommen 30 Minuten früher als berechnet an, obwohl wir die 200-km/h-Marke nicht einmal überschreiten. Tom Tom erklärt dazu: Der Routenberechnung liegt ein Autobahn-Tempo von 110 km/h zugrunde. Daraus resultiere die kuriose Streckenwahl. Für den Langstreckenfahrer auf deutschen Autobahnen ist das ein K.o.-Kriterium, zumal sich auch der Wert vom Kunden nicht ändern lässt.

Die Ansagen und die Hinweise auf dem Display sind zudem nicht immer gut. Altbekannte und typische Tom-Tom-Unzulänglichkeiten wurden auch bei diesem aktuellen Produkt nicht behoben. Da kommt etwa auf einer Landstraße nachts die Meldung „Abbiegung links vor Ihnen“. Wir sehen nichts und bremsen vorsichtshalber. Tatsächlich ist die Kreuzung noch mehr als einen Kilometer entfernt. Da gibt es beim Autobahnwechsel den Hinweis, dass man auf die Autobahn fahren möge, obwohl man sich unzweifelhaft schon darauf befindet. Da ändern wir zwecks besserer Übersicht den Kartenzoom – und ärgern uns, dass er sich wenig später von allein auf den Standardwert zurückstellt. Obwohl die Hinweise auf Gefahrenstellen von Tom Tom ausführlich beworben werden („Voranzeige von Standorten mobiler Radarkameras, Aktualisierung in Echtzeit“), erreicht uns nicht eine einzige Meldung. Die Hinweise beim Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit kommen schon bei wenigen km/h, eine Toleranzgrenze lässt sich im Unterschied zu anderen Navis nicht programmieren. Wie bei Tom Tom üblich, sind die Menüs tief verschachtelt, und wenn man nur eine Kleinigkeit ändern will, muss man etliche andere Parameter immer wieder und aufs Neue bestätigen. Kurzum: Man kommt ans Ziel, aber deutlich schlechter als mit anderen Nachrüst-Navis, hier fehlen der Feinschliff und die Liebe zum Detail.

Aber nun zu den guten Seiten, den Verkehrsinfos, die wir einige Wochen lang im Frankfurter Raum abgerufen und geprüft haben. Sie sind in der Tat bemerkenswert präzise. So wurde uns erstmals der morgendliche Stau auf der Saalburgchaussee bei Bad Homburg angezeigt. Selbst teure Anlagen der Werksausstattung mit Floating Car Data sind nicht in der Lage, dieses Dauerproblem der Pendler aus dem Vordertaunus korrekt wiederzugeben. Auch die detailreiche Darstellung des Verkehrsgeschehens rund um Frankfurt gefiel. Während andere Navis einen schon bei kleinsten Störungen von der Autobahn A5 lotsen, hielt sich Go 1000 dezent zurück, und das war fast immer richtig. Im Unterschied zur Konkurrenz waren längere Routen durch die Stadt klug gewählt. Hier merkt man, dass Tom Tom mehr über den Verkehr weiß als andere. Alles in allem entsprach die Routenwahl im Frankfurter Raum zu unterschiedlichen Tageszeiten ungefähr dem Erfahrungswissen eines Ortskundigen à la „hier geht’s mittags flott voran, aber im Berufsverkehr steht man ewig“. Die Verkehrsdaten können also durchaus ein starkes Kaufargument sein, der Mehrwert ist klar erkennbar. Wer sich vorab über die Güte der Staumeldungen in seiner Region informieren will, kann HD Traffic live im Internet mitverfolgen. Während unseres Tests ist übrigens schon der Nachfolger Go 1005 erschienen, und die (fehlende) Warnung vor Unfallschwerpunkten wird mittlerweile nicht mehr beworben.