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Test: Remote Touch im Lexus RX 450h

Man kann ihn als Geländewagen fürs grüne Gewissen verstehen, den Lexus RX 450h, der mit einem V6-Benziner und zwei E-Motoren eine beeindruckende Systemleistung von 220 kW (299 PS) bietet. Aber auch bei der Kommunikationstechnik beschreitet die Toyota-Tochter neue Wege. Das Stichwort lautet „Remote Touch“ und ist ein Bediensystem, das mehr Ergonomie und weniger Ablenkung bei der Steuerung von Navigation, Telefon, HiFi- und Klimaanlage verspricht. Das zentrale Bedienelement nennt Lexus „Remote Touch“, und das ist quasi eine übergroße Computer-Maus auf der Fahrerseite der Mittelkonsole.

Remote Touch im Lexus: Funktioniert wie eine übergroße Computer-Maus (Foto Hersteller)

Nahezu automatisch landet die Hand auf der erhabenen Fläche, und die Finger legen sich auf eine Art Trackpoint, der in alle Richtungen stufenlos bewegbar ist. Mit diesem Instrument steuert man den Cursor auf dem Monitor. Die Return-Taste links liegt in Reichweite des Daumens, und wenn der Beifahrer eingreifen will, muss er sich zwar ein bisschen nach links herüberbeugen, findet aber auf seiner Seite ebenfalls eine Return-Taste. Der Trackpoint bietet zudem ein in mehreren Stufen einstellbares haptisches Feedback. Auf diese Weise landet der Cursor präziser auf einzelnen Monitor-Schaltflächen. Und das Display ist nun, im Unterschied zu anderen Lexus-Modellen, nicht mehr berührungsempfindlich. Wir fanden das Konzept überzeugend: Die Anzeige bleibt frei von Fingerfett, und man muss sich nicht mehr nach vorn beugen, um mit dem Finger präzise kleine Schaltflächen zu treffen.

Jetzt mit Cursor-Steuerung: Nicht der Finger kommt zum Einsatz, sondern Remote Touch (Foto Hersteller)

Dazu kommt die gelungene Darstellung auf dem hochauflösenden 20-Zentimeter-Monitor: Im Unterschied zu Audi und BMW findet man kein verschachteltes Menüsystem vor, sondern geht vom Hauptmenü aus in die einzelnen Funktionsabteilungen. Eine Menü-Taste am oberen Rand von „Remote Touch“ fungiert als Startpunkt – alles andere ergibt sich nahezu von allein. Indes wird der schlichte und eingängige Auftritt mit etlichen Nachteilen erkauft, wenn es um die Funktionalität der einzelnen Module geht. Da ist vieles nicht mehr Stand der Technik. Zum Beispiel die Sprachbedienung, die keine akustische Erfassung des Navigationsziels vorsieht. Für die Eingabe von Ort und Straße muss man also in Handarbeit jeden einzelnen Buchstaben eingeben. Oder das Kontaktverzeichnis der Telefonabteilung: Hier sind alle Adressen stets nach dem Vornamen sortiert, und die Suchfunktion beschränkt sich auf die Anfangsbuchstaben. Davon einmal abgesehen, erledigt der elektronische Kopilot seine Aufgabe sehr ordentlich, in Kreuzungsnähe baut sich ein Zoom auf, allerdings fehlen Fahrspurassistenten, und als Datenlieferant für Verkehrsinformationen kommt nur das Gratisangebot von TMC zum Einsatz. Mehr Spaß hat man mit der HiFi-Anlage, die ebenso wie der Bluetooth-Freisprecher zur Serienausstattung gehört. Und dank des Blauzahn-Funks gelingt problemlos die Musikübertragung vom Smartphone ins Fahrzeug.

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IAA 2011: Das Auto im Zeichen der App

Twitter, Facebook, Wireless-Lan und Internet: Das Fahrzeug der Zukunft ist eine rollende Kommunikationszentrale. „Die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen.“

Nachdem in den vergangenen Jahren das Internet ins Auto eingezogen ist, zeigt nun die IAA in Frankfurt den nächsten Schritt: Im Fahrzeug der Zukunft tummeln sich die „Apps“, die Zusatzprogramme, wie man sie vom iPhone oder Tablet PC kennt. Diese Spezialisten mit engumrissenen Aufgabengebieten sind in Mode. Nach dem Smartphone mit seinen Apps konnte man auf der just zu Ende gegangenen Funkausstellung in Berlin das TV-Gerät mit Apps bewundern.

Und jetzt das Ganze im Auto: Der digitale Lebensstil erobert das Fahrzeug, und „die Web-Anbindung wird bald ähnlich wichtig für die Kaufentscheidung sein wie das Design oder die Fahrleistungen“, sagt Bharat Balasubramanian, der bei Daimler die „Direktion Produktinnovationen“ leitet. Solche Anwendungen mit Internetbezug sind ein Mittel der Distinktion und Individualisierung. Wie man sein Handy mit ausgewählten Apps schmückt, wird vielleicht der Mercedes-Fahrer demnächst die Trumpfkarte der „besten Twitter-App“ ziehen. Und der stolze BMW-Besitzer kontert mit der perfekten Musik-Streaming-App für seinen neuen 5er.

Mercedes-Benz: Comand Online fährt vor (Fotos Hersteller)

Das Internet ins Auto zu holen: Das ist mit den aktuellen Mobilfunktechniken wie UMTS, HSPDA und dem besonders schnellen LTE kein Hexenwerk. Die Herausforderung besteht darin, die Inhalte passend aufzubereiten. Die erste Fahrzeuggeneration mit Netzzugang setzte auf eine 1:1-Adaption: Auf dem Monitor des Navigationssystems werden die gewohnten Inhalte des Web eingespielt. Adressen gibt man mit dem Controller ein, gleichzeitig dienen fleißiges Drehen und Drücken zur Navigation auf der Seite. Diese Technik ist jedoch gescheitert, denn sie ist ganz überwiegend nur im stehenden Fahrzeug nutzbar und bringt dem Fahrer unterwegs so gut wie gar nichts.

Finger-Handschrift während der Fahrt

Im zweiten Anlauf dreht sich nun alles darum, die Inhalte besser darzustellen. Man soll auch als Fahrer sicher darauf zugreifen können. Die Ablenkung muss minimiert werden, und dazu bedarf es innovativer Verfahren, die mit Sprachsteuerung, Gesten und Berührungen arbeiten. Neue Wege der Web-Integration in das vorhandene Bediensystem beschreitet beispielsweise Audi. Auf einer Sensorfläche (“Touchpad“) kann man während der Fahrt mit dem Finger einen Buchstaben nach dem anderen malen. Die Finger-Handschrift wird erkannt, und das Ganze geht deutlich schneller als die Buchstabenauswahl mit dem Controller. Auf diese Weise kann der Fahrer etwa eine Google-Suche starten, ohne den Blick von der Straße nehmen müssen.

Für Fingermaler: Das Touchpad von Audi

Auch Mercedes-Benz entwickelt Sensorfelder, auf denen man mit dem Finger schreibt, Zahlen, Web-Adressen oder Navigationsziele eingibt. Vom Smartphone und Tablet PC wird die Idee der Wischbewegungen übernommen: Man soll Funktionen mit einer Geste ein- und ausschalten, und Mercedes-Entwickler Balasubramanian spricht bereits von einer „dematerialisierten Schnittstelle“, die ganz ohne Schalter und Knöpfe auskommt und allein Kameras und Gestenerkennung verwendet. Das betrifft auch die herkömmliche Fahrzeugbedienung. Lese- und Innenlicht wird man bei Mercedes-Benz künftig durch eine Wischbewegung entlang der Dachbedieneinheit aktivieren.

Bluetooth-Mobiltelefon wird im Auto zum Internetmodem

Die Apps wiederum bieten die Möglichkeit, das Fahrzeug schnell und einfach mit aktuellen Entwicklungen aus dem Bereich Infotainment aufzurüsten. Es muss nicht mehr die gesamte Anlage in der Werkstatt auf den neuesten Stand gebracht werden. Vielmehr holt man sich die Zusatzprogramme von einem Server des Fahrzeugherstellers, und dazu muss man nicht einmal im Auto sitzen. Die Idee von Mercedes-Benz: Inhalte oder Apps werden zu Hause am Smartphone oder PC konfiguriert.

BMW hat diese Vorstellungen schon aufgegriffen und präsentiert in Frankfurt seine iPhone-App „BMW Connected“. Sie wird mit dem eigenen Fahrzeug gekoppelt und erlaubt auf der Menüseite „BMW Apps“ den Zugriff auf viele Online-Dienste wie Twitter, Facebook und Internetradio. Der Clou dabei: Was man auf dem iPhone eingerichtet hat, zeigt während der Fahrt das Display des iDrive-Systems. Die Software ist also ausgelagert ins Smartphone, die Anzeige übernimmt der große Monitor im Auto. Auch Mercedes-Benz bringt vom Herbst an neue Apps für sein „Comand Online“, das mit der aktuellen C-Klasse im Frühjahr an den Markt ging. Facebook, Google Streetview und Googles Bilderdienst Panoramio sind die ersten Angebote, ein Dutzend weiterer wie Twitter oder der Musikdienst Pandora folgen.

Panoramio auf dem Navi-Display: Das System von BMW

BMW wiederum erweitert sein Connected-Drive-Portfolio um „BMW Live“: Ein Bluetooth-Mobiltelefon des Fahrers wird im Auto zum Internetmodem. Nachrichten, Wetterinformationen, eine Google-Suche sowie ebenfalls Streetview und Panoramio stehen im Vordergrund eines Angebots, das mit dem neuen 1er-BMW an den Start geht.

Alles ist individualisierbar

Wie sinnvoll gerade die sozialen Netzwerke im Auto der Zukunft nutzbar sind, hängt maßgeblich von der Qualität der Apps und den Möglichkeiten der Individualisierung ab. Geht es nur darum, „wir haben jetzt auch Facebook und Twitter“ in das Marketing-Portfolio einzubringen, wird der Fahrer auch weiterhin unterwegs auf sein Smartphone gucken. Denn ein ungefilterter Nachrichtenstrom auf dem Monitor des Autos hat überhaupt keinen Sinn. Die Fahrzeug-Apps müssen also eine sorgfältige Feinjustage erlauben, so dass beispielsweise während der Fahrt nur jene Meldungen gezeigt werden, die es auch auf das Smartphone-Display schaffen.

Ford geht mit seiner schicken Studie „Evos Concept“ noch einen Schritt weiter und greift das aktuelle Thema der Cloud-Dienste im Internet auf. Der Evos verspricht eine „nahtlose Vernetzung“ zwischen dem Fahrzeug auf der einen Seite und der persönlichen Datenwolke des Besitzers auf der anderen. Alles ist individualisierbar: die Bedienelemente, die Fahr- und Komforteigenschaften und die Abstimmung des Antriebs. Selbst das zu Hause vor der Fahrt ausgewählte Musikprogramm wird beim Betreten des Fahrzeugs „mitgenommen“, aber das alles ist vorerst nur eine Studie. Deutlich näher an der Realität ist Ford Sync, ein System mit Spracherkennung von Nuance, das im kommenden Jahr in Europa erhältlich sein wird. In den Vereinigten Staaten ist Sync seit Jahren sehr erfolgreich, und auf der IAA kann man seine Vorzüge ausprobieren. Die Sprachsteuerung in der Musikabteilung soll selbst Musikgruppen wie Inxs, Mötley Crüe oder Ke$ha auf Zuruf erkennen.

Aktuelle Benzinpreise oder der Wetterbericht als App

Wem das alles zu App-gefahren erscheint, der darf sich bei den aktuellen Neuvorstellungen der IAA auch auf bodenständige Informationen freuen, die einen beim Fahren tatsächlich besser voranbringen. Alle großen Hersteller haben erkannt, dass die Gratis-Verkehrsnachrichten von TMC bei der Routenführung „um den Stau herum“ keine Hilfe mehr sind. Aktualität und Qualität der Daten lassen sehr zu wünschen übrig. Künftig kommen bei der Navigation hochwertige Verkehrsinfos zum Einsatz, sie stammen von externen Dienstleistern, die nicht nur Autobahnen und Schnellstraßen erfassen. Ferner werden die Bewegungs- und Positionsdaten von Fahrzeugen und Mobilfunkteilnehmern anonym ausgewertet, um in Echtzeit auf Stau oder stockenden Verkehr hinzuweisen. Die Aktualisierung der Informationen erfolgt im Abstand weniger Minuten, und die gesamte Technik erfordert ebenfalls eine Internetverbindung im Auto. BMW kündigt auf der IAA sein neues RTTI (Real-Time Traffic Information) an, Audi verwendet, zunächst im neuen A6, die Daten des kleinen amerikanischen Anbieters Inrix.

Nahezu jede Straße erfasst: Premium-Verkehrsinfos, hier bei BMW

Google-Daten und -Straßenaufnahmen sind in den kommenden Tagen auf etlichen Navi-Anzeigen in den Frankfurter Messehallen zu sehen. Die dreidimensionale Darstellung der Umgebung erfreut zumindest das Auge. Ob sie dem Fahrer hilft, sei dahingestellt. Deutlich mehr Nutzwert verspricht die Google-Suche, etwa nach aktuellen Adressen für den Routenführer oder die Übertragung von Navigationszielen vom heimischen PC in die Navi-Abteilung des Fahrzeugs mit Google Maps.

SMS auf dem Bildschirm: Frische Ideen von Toyota

Diese Technik, die bislang nur in Anlagen der Oberklasse verfügbar war, wird nun erschwinglich. Toyota beispielsweise bringt im neuen Yaris ein System namens „Touch & Go“ das den Kontakt zu Google-Servern ebenfalls über ein Mobiltelefon mit Bluetooth aufnimmt. Auch hier stehen künftig die Apps im Vordergrund: Mit ihnen lassen sich dann die aktuellen Benzinpreise oder der Wetterbericht abrufen. Und natürlich gibt es eine Facebook-App, um den Kontakt mit den Freunden zu halten.

Test: DVD-Navi im Toyota RAV 4

Schickes SUV: Toyota RAV 4 Modelljahrgang 2010 (Foto Hersteller)

Ab ins Gelände, wollten wir dem Toyota RAV 4 entgegenrufen, aber dafür war er uns dann doch zu schade. So blieb es nur bei einigen heftigen Fahrten durch den Schnee, die der Kompakt-SUV mit permanentem Allradantrieb ordentlich meisterte. Jenseits der Straße hätte uns auch das Navigationssystem nicht viel geholfen, denn eine echte Offroad-Routenführung mit der Markierung von Wegpunkten ist leider nicht zu haben. Aber, was soll’s, echte Kerle verlassen sich ohnehin in der Wildnis auf ihren Kompass, und der ist hier in einer elektronischen Variante durchaus an Bord.

Die Zentrale: DVD-Navi im Toyota RAV 4 (Foto Spehr)

Serienmäßig bringt der RAV 4 in den beiden gehobenen Modellreihen „Life“ und „Executive“ ein Audiosystem mit Bluetooth-Freisprecher mit. Die Navigation kostet natürlich einen ordentlichen Aufpreis. Für 1600 Euro erhält man im „Life“ ein DVD-Navigationssystem mit 16,5-Zentimeter-Farbdisplay und Rückfahrkamera. Wer den „Executive“ wählt, muss das teurere Festplatten-Navi für 1900 Euro nehmen, das einen etwas größeren Farbmonitor (17,8 Zentimeter in der Diagonale) und vor allem das Kartenmaterial auf einer 30-Gigabyte-Festplatte vorhält. Die wiederum lässt 10 Megabyte frei für eigene Musik, ein schöner Luxus.

Wir haben das kleinere System geprüft, und uns in Sachen Unterhaltung vor allem auf das von beiden Anlagen gebotene Musik-Streaming mit Bluetooth konzentriert. Dabei wird das Smartphone zweimal angekoppelt: im Freisprechbetrieb und zum anderen zur Medienwiedergabe mit dem Blauzahn-Protokoll A2DP. Betritt man das Fahrzeug, startet die Wiedergabe der Stücke vom Taschentelefon automatisch, nur dort lassen sich Alben oder Listen auswählen. Die doppelte Anbindung ist aber ein bisschen kompliziert. Mit dem iPhone 4 gelang sie nach zwei, drei Anläufen, mit einem Android-Smartphone bastelten wir deutlich länger. Der Klang der HiFi-Anlage ist für Rock und Pop durchaus ordentlich, klassische Musik bereitete weniger Vergnügen.

Das Festplatten-Navi nutzt eine berührungsempfindliche Anzeige, klar beschriftete Tasten ringsum führen in die Hauptmenüs. Bei der Routenführung durch ganz Europa überzeugt der Kopilot mit einer flinken Zieleingabe und flotter Streckenberechnung. Die Ausstattung ist top, man kann Favoriten für den Schnellzugriff programmieren oder eine automatische Suche nach den nächstgelegenen Orten vornehmen. Das Navi bietet stets drei verschiedene Routen an, zwei schnelle und eine kurze, und mit dem Beginn der Fahrt staunt man über die gelungene Bildschirmdarstellung. Nicht nur, weil hier markante Sehenswürdigkeiten der Großstädte in liebevoll gezeichneten Symbolen auftauchen, sondern weil man sämtliche Inhalte individuell konfigurieren kann. So stehen etwa eine zwei- oder dreidimensionale Kartendarstellung parat, wahlweise um Zusatzinformationen oder Abbiegelisten ergänzt, und in Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Schemadiagramm des Straßenverlaufs auf.

Eine TMC-Funktion hilft beim Erkennen und Umfahren von Staus. Jedoch könnte die Beschreibung der einzelnen Verkehrshindernisse etwas detailreicher ausfallen, und es fehlen Hinweise auf das aktuell geltende Tempolimit. Weitere Kritik: Zwar ist eine Sprachbedienung vorhanden, aber sie versteht nur wenige Kommandos, geschweige denn die gesprochene Eingabe von Straße und Ort. In der Telefonabteilung ist mit Sprache nicht einmal eine Rufnummer wählbar, das ist schwach. Ferner kamen zwei Mal (auf rund 1500 Kilometer) Hinweise auf den nächsten Abbiegepunkt mit falscher Entfernungsangabe. Wo es „500 Meter“ hätte heißen müssen, lag die Autobahnausfahrt angeblich 2,5 Kilometer voraus. Davon einmal abgesehen ist das Gebotene durchaus überzeugend und spielt auf hohem Niveau.

Die Auto-News der CES in Las Vegas 2011

Audi

Audi hatte einen großen Auftritt auf der CES, Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler sprach vom vernetzten Automobil der Zukunft. Man arbeite an “Weiterentwicklungen” des Head-up-Displays (das Audi aber bislang nicht anbietet) und der Anbindung von LTE ans Fahrzeug. Neben Google Earth, das jetzt schon im Audi mit MMI sichtbar ist, komme auch Streetview dazu. “Je realistischer die Präsentation, desto geringer die Ablenkung”, sagte Stadler. Das meine ich nicht: Je mehr Details, desto mehr Ablenkung.

Rupert Stadtler, Vorstandsvorsitzender Audi, auf der CES 2011 (Foto: Audi)

Deutlich interessanter und näher an der Realität ist  indes das vorgeführte neue MMI mit Tegra-Chipsatz von Nvidia. Im Foto von Engadget sieht man, dass das Touchpad (das es bislang in Deutschland nur im A8 und im kommenden A6 gibt) ersetzt wird durch eine berührungsempfindliche Fläche im Controller. Das System soll zuerst im A3 kommen. (Meine Spekulation: in den großen Modellen bleibt es beim Touchpad, in den kleinen wird es in den Controller integriert). Hier der aktuelle Stand der Dinge bei Audi im A8, Baujahr 2010.

Ford

Das in den US sehr erfolgreiche Sync-System mit Sprachbedienung ist zwar in Europa nicht erhältlich. In den Vereinigten Staaten macht es indes Karriere und wird jetzt ergänzt um “Sync Destinations”, eine App, die es erlaubt, eine Routenplanung am Smartphone vorzunehmen: Engagdget. Auch für den neu vorgestellten “Focus Electric” gibt es eine “App”. Ferner bekommt auch der Ford Mustang ab Baujahr 2012 das Ford Sync eingebaut. Hier der Stand der Dinge bei deutschen Ford-Modellen am Beispiel des Galaxy.

Mini

Für den Mini Cooper Countryman der BMW-Tochter gibt es in den US “Mini Connected”, eine App, die den in den Vereinigten Staaten sehr populären Musikdienst Pandora ins Fahrzeug bringt. Mit dem iPhone kann man dann Pandora über die Bedienelemente des Fahrzeugs steuern.

Chrysler

Auch Chrysler US bringt eine App für Android, Blackberry und iOS.

Mercedes-Benz

Mit der US-App “mbrace” für das iPhone kann man, wie bei der BMW-App, sein Fahrzeug aus der Ferne öffnen, schließen und orten. Ferner gibt es weitergehende, kostenpflichtige Premium-Services.

Toyota

Auch Toyota will den amerikanischen Pandora-Musikdienst in seinen US-Fahrzeugen anbieten, das Ganze läuft unter Toyotas Entune-Multimedia-System. Entune wurde auf der CES neu vorgestellt, es verbindet ein Smartphone mit der Infrastruktur des Autos, inklusive Datenaustausch etc. Ob Entune nach Europa kommt, ist noch nicht klar.

Test: HiFi und Navi im Lexus LS 600h

11 bis 12 Liter Super im täglichen Verbrauch: Das ist ein respektabler Wert für diese Oberklasse-Limousine, die ein Leergewicht von fast 2,4 Tonnen mitbringt und mit ihrem Achtzylindermotor in nur 6,9 Sekunden den Standardspurt auf 100 km/h zurücklegt. Das Geheimnis ist der Hybridantrieb des Lexus LS 600h, der vor allem in der Stadt, beim Anfahren oder langsamen Dahingleiten den Verbrauch drastisch reduziert. Aber auch in Sachen Kommunikation und Unterhaltung weiß der teure Lexus – Basispreis 109 400 Euro – mit insgesamt 327 kW (445 PS) durch einige Extras zu überzeugen.

Das Konzertgebäude: Lexus LS 600h (Fotos: Hersteller)

Das wohl spektakulärste davon ist die Ambience-Ausstattung für 16 250 Euro. Sie bietet nicht nur eine feinere Lederausstattung, sondern den hinten Sitzenden voll elektrifizierte Sessel (mit Massagefunktion) sowie einen DVD- und Fernsehbildschirm, der motorbetrieben aus dem Dachhimmel ausfährt. Drahtlose Kopfhörer gehören ebenfalls dazu. Doch auch Fahrer und Beifahrer müssen auf gute Unterhaltung nicht verzichten. Serienmäßig bringt der Lexus LS 600h eine High-End-Audioanlage der amerikanischen Spezialisten von Mark Levinson mit: 19 Lautsprecher spielen mit bis zu 450 Watt auf, Surround-Sound und sechsfach-DVD-Wechsler inklusive.

Hier sitzt der Dirigent: Taktstock und einiges mehr

Dieses mobile Hörstudio hat es uns im zweiwöchigen Fahrbetrieb angetan: Bei jeder Musikrichtung war der Auftritt souverän, die Anlage ist nicht auf schnell ermüdende Effekte aus, sondern bietet einen sehr präzisen und ausgewogenen Klang. Gezupfte Kontrabässe oder satt getretene Bass Drums kommen geradezu mühelos aus den Lautsprechern, bei Stimmen oder Soloinstrumenten steht jedes musikalische Detail mit anstreckender Frische und Lebendigkeit im Raum. Eine feine Leistung, man sollte den Lexus Probe hören.

Als Zuspieler für die Musik kommt neben der CD oder der mit MP3-Titeln bestückten DVD auch die Festplatte des Navi-Systems zum Einsatz. Von ihren 40 Gigabyte bleiben zehn für eigene Stücke übrig. Audio-CDs lassen sich also “rippen”, sie werden automatisch in das platzsparende WMA-Format eingedampft (128 KBit/s) und bei Bedarf mit Titelinformationen aus der im Lexus hinterlegten Gracenote-Musikdatenbank versehen. Die private Bibliothek lässt sich mit geradezu unendlich vielen Möglichkeiten sortieren, man kann Wiedergabelisten anlegen und sich den Bestand beispielsweise nach Genre oder Interpret anzeigen lassen.

Wer all diese angenehmen Verwaltungsaufgaben rund um die Musik lieber am iPod oder iPhone erledigt, kommt ebenfalls zum Zug. Die Apple-Produkte docken mit einem USB-Kabel an, ihre Musikbibliothek ist sodann mitsamt Alben und Wiedergabelisten über den berührungsempfindlichen Bildschirm zugänglich. Noch mehr Annehmlichkeiten gefällig? Wer ein iPhone oder ein anderes Smartphone mit dem Bluetooth-Profil A2DP hat, überträgt Titel und Alben drahtlos an die HiFi-Abteilung des Lexus, muss aber auf die komfortable Steuerung mit dem Touchscreen verzichten.

In Sachen Telefonie und Navigation bietet der Lexus gute Mittelklasse-Leistungen, das gesamte Paket gehört zur Serienausstattung und wird weitgehend mit dem Touchscreen bedient, der bei Bedarf übrigens auch den Energiefluss der Hybridanlage schön visualisiert. Klar beschriftete Tasten rings um das LED-beleuchtete Display führen in die Hauptmenüs. Bei der Routenführung durch ganz Europa überzeugt der Kopilot mit flink zu erledigender Zieleingabe und flotter Streckenberechnung. Die Ausstattung ist ordentlich wie bei anderen Toyota-Anlagen. Das Navi bietet bei Bedarf drei verschiedene Routen an, zwei schnelle und eine kurze, und mit Beginn der Fahrt lassen sich sämtliche Inhalte individuell konfigurieren. So stehen etwa eine zwei- oder dreidimensionale Kartendarstellung parat, wahlweise um Zusatzinfos oder Abbiegelisten ergänzt, und in Kreuzungsnähe baut sich automatisch ein Schemadiagramm des Straßenverlaufs auf.

Eine TMC-Funktion hilft beim Erkennen und Umfahren von Stauungen. Nur könnte die Beschreibung der einzelnen Verkehrshindernisse etwas detailreicher ausfallen, und es fehlen Hinweise auf das gerade geltende Tempolimit. Weitere Kritik: Zwar ist eine Sprachbedienung vorhanden, aber sie versteht nur wenige Kommandos, geschweige denn die gesprochene Eingabe von Straße und Ort. Das präzisere TMC-Pro ist für den Lexus nicht zu haben, und wer bei “Oberklasse” an Gimmicks wie einen Internetzugang, E-Mail oder gar ein Head-up-Display denkt, liegt hier falsch. Der Fokus der Japaner liegt also ganz klar auf der Musikanlage und der Unterhaltung für die Fond-Passagiere. Vermutlich, weil man sich in diesem Premiumfahrzeug ohnehin am besten chauffieren lässt. (F.A.Z. vom 16.11.10)