Test: Hyundai Ioniq Hybrid mit Apple CarPlay und Google Android Auto

Man macht nichts verkehrt: Jenseits der günstigen Basisversion lohnt es sich, für den Ioniq Hybrid von Hyundai die Style- oder Premium-Variante in den Blick zu nehmen. Statt eines mager ausgestatteten Audiosystems mit kleinem Monitor (5 Zoll) bekommt man nämlich eine Anlage, die nicht nur mit größerem Display (8 Zoll) glänzt. Auch die technische Ausstattung bietet erheblich mehr, nämlich ein eigenständiges Navigationssystem und zudem die Unterstützung der Smartphone-Systeme von Google und Apple.

Stromlinienförmig: Hyundai Ioniq Hybrid Fotos Hersteller

Der Monitor des größeren Systems ist berührungsempfindlich, damit Googles Android Auto und Apples Carplay einwandfrei funktionieren. Zudem spendiert Hyundai zwei zusätzliche Lautsprecher, so dass insgesamt acht an Bord sind. Mit den Menütasten unterhalb der Anzeige kommt man schnell in die passende Abteilung, ob nun mit Smartphone-Anbindung oder ohne.

Wir haben zunächst Apple und Google außen vor gelassen – und fanden eine gute Standardausstattung. Der Kopilot bietet eine flinke Routenberechnung, nachdem man das Ziel über die virtuelle Bildschirmtastatur eingegeben hat. Er zeichnet eine detaillierte Karte, und die Untermenüs haben alle nur denkbaren Optionen für die Feineinstellung von Route und Bildschirmanzeige. Zugegeben, die Hinweise kommen in einer etwas betulichen Sprache, und das oft gegebene Kommando, „der Streckenführung“ zu folgen, nervt. Aber die Anzeige macht diese kleinen Mängel wieder wett, zumal man nicht nur den nächsten, sondern auch den übernächsten Abbiegevorgang auf einen Blick sieht. Die Verkehrsinfos sind laut Hyundai Echtzeitdaten, also präzise und zudem für die ersten sieben Jahre des Autolebens unentgeltlich. Überzeugend waren sie nicht immer. Für unseren Geschmack wurde zu oft aufgefordert, die Autobahn zu verlassen und eine Alternativroute zu nehmen. Als wir genau das nicht taten, kamen wir trotz kleinerer Störungen rasch zum Ziel. Die Ausweichstrecke hätte mehr Zeit in Anspruch genommen. Auch lassen sich nur Staudaten entlang der Route einblenden.

Kontaktfreudig: Google Android Auto auf dem Bordsystem

Was fehlt? Eine Spracherkennung zur Eingabe des Navigationsziels. Sie wurde auch im Telefonmenü vermisst. Immerhin gibt es dort das Pflichtprogramm, nämlich Zugriff auf die Anruflisten und eine recht komfortable Suchfunktion, nicht nur nach Namen, sondern auch nach Nummern. In einem Hybrid-Fahrzeug darf natürlich die Darstellung des Kraftstoffverbrauchs und Energieflusses nicht fehlen, hierfür gibt es ein eigenes Menü mit schicker Visualisierung aller Daten.

Die Akustik der Anlage ist ganz in Ordnung, wenn man Rock und Pop lieber als Klassik oder Jazz hört. Es fehlt ein bisschen an Strahlkraft und Präzision, vor allem bei der Wiedergabe von Orchestermusik. Gelungen wiederum sind die Möglichkeiten der Personalisierung. Die Generation Smartphone kommt hier voll auf ihre Kosten. Wie im Land Rover kann man sich sein eigenes Startmenü mit großen Schaltflächen selbst zusammenstellen, das funktioniert mit Fingergesten und einer Steuerung, die dem Verschieben von Menüsymbolen auf dem Handy gleicht. Mit induktiver Ladeschale vor dem Wählhebel des Automatikgetriebes wird das Telefon zudem drahtlos mit frischer Energie bestückt, was allerdings derzeit für nur wenige Modelle in Frage kommt.

Mehr Begeisterung wecken Android Auto und Carplay, die nach Anbindung des jeweiligen Smartphones mit dem USB-Kabel problemlos funktionierten. Nun ergibt auch die Spracherkennungs-Taste am Lenkrad endlich Sinn: Sie startet den Erkenner der jeweiligen Apple- oder Google-App, die fortan den Bildschirm kontrolliert. Beide Dienste sind nicht besonders leistungsfähig und so konzipiert, dass die Ablenkung des Fahrers möglichst klein bleibt. Man kann sich neue SMS-Nachrichten vorlesen lassen oder diktieren, den eigenen Musikbestand wiedergeben lassen und ausgewählte Apps starten. Beide Fahrzeuganwendungen führen wie das Hyundai-Navi ebenfalls zum Ziel. Google mit sehr guten Verkehrsinformationen, Apple mit schönen Ansagen. So gesehen, hat man dann sogar mehr als nur ein Navi an Bord des Ioniq.

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Test: Comand Online im Mercedes-Benz GLC

Viel online gegangen, wenig gefahren: Ein Blick auf die Kommunikationstechnik im jungen GLC von Mercedes-Benz zeigt bewährte Technik ohne Schnickschnack. Um ins Netz zu kommen, war in unserem Fahrzeug die Anbindung eines Smartphones erforderlich. Eine fest eingebaute Sim-Karte gibt es nur dann, wenn man das Ausstattungspaket Auto-Telefonie (für 830 Euro) wählt. So nahmen wir das iPhone, das schneller als in den Vorgängermodellen die Verbindung mit Comand Online (teure 3500 Euro) aufbaut, allerdings fortan die Nutzung vieler Dienste nur im stehenden Fahrzeug erlaubt. Zudem muss man sich anfangs mit Namen, Anschrift und weiteren Daten registrieren.

Mercedes-Benz GLC. Fotos Hersteller

Zum Glück ist bei dieser Prozedur nicht jeder Buchstabe einzeln mit dem Controller zu erfassen. Das berührungsempfindliche Touchpad hinter dem Drehsteller erlaubt das Buchstabenmalen mit dem Finger. Wie beim Smartphone kann man sogar Ein- und Zweifingergesten verwenden. Das Touchpad gehört zu Comand Online dazu und kostet sonst einen Aufpreis von 130 Euro.

Anschließend zeigt der Web-Browser im Stand die Inhalte aus dem Netz durchaus gut, erscheint indes als Anwendung für den Verkaufsraum oder Zeitvertreib für Taxifahrer. Man ist mit dem Handy doch meist schneller am Ziel. Interessanter ist das Internetradio, das über die App Tune-in und eine Datenverbindung realisiert wird. Zur Senderwahl sucht man nach diversen Kriterien, Sparten oder örtlichen Angeboten.

Mercedes-Benz GLC mit Blick auf Comand Online. Fotos Hersteller

Weitere Apps finden sich in einem eigenen Menü, darunter der Wetterbericht, Nachrichten und eine Sonderziel- und Online-Suche mit dem Kartendienst Here. Auch kann man Yelp als Restaurantfinder bemühen. Adressen und Telefonnummern lassen sich an Navi und Handy-Abteilung weiterleiten.

Wer auf dem Handy Mercedes Me installiert, kann bei seinem Händler Auto und App miteinander verknüpfen. Anschließend lassen sich alle nur denkbaren Fahrzeugdetails auf dem Smartphone abrufen, zum Beispiel Tankfüllstand und Reifendruck, der Stand des Wischwassers, der Status der Verriegelung von Fenstern und Türen – und selbst die nach dem Abstellen vergangene Zeit, oft ist es die Parkdauer. Die Fahrzeugposition lässt sich ermitteln und anzeigen, es gibt zudem eine Fußgängernavigation, die einem auf den letzten Metern zum Auto helfen soll. Ferner lassen sich Zieladressen ans Navi-System senden.

Mit Controller, Touchpad und Sprachsteuerung ist Comand Online gut zu bedienen. Es wirkt etwas altbacken, und sein 21-Zentimeter-Bildschirm ist im GLC weder einfahrbar noch berührungsempfindlich. Auch die beiden konkurrierenden Smartphone-Lösungen von Apple und Google, Carplay und Android Auto, fahren im Mercedes-Benz nicht mit. Kommt Comand Online mit seinem hohen Basispreis nicht in Frage, werfe man einen Blick auf die Verbindung aus dem günstigen Audio-20-Paket (120 Euro) und dem Garmin Map Pilot, der weitere 600 Euro kostet. Auf diese Weise erhält man ein vollwertiges Navigationssystem zum kleinen Preis.

In unserem Fahrzeug war das zu Comand Online gehörende Standard-Audiosystem verbaut, mit dem man bereits jede Menge Spaß haben kann. Wir hörten „Chaos and the Calm“, das Debütalbum des 26 Jahre jungen James Bay und waren mit dem ausgeglichenen und transparenten Klangbild überaus zufrieden. Die schöne Mischung aus Blues, Rock und Pop stand präzise im Raum, die Bässe hatten genug Druck, die Akustik überzeugte. Für weitere 920 Euro gibt es im GLC ein Surround-Soundsystem von Burmester, das mit 13 Lautsprechern vorfährt, einen digitalen 9-Kanal-Verstärker mit 590 Watt Systemleistung hat und eine Sitzplatzoptimierung bietet. Das könnte ein hörenswertes Extra sein.

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Was kommt nach WhatsApp? Ein Blick auf Signal, Threema und andere Alternativen

Wer seine Nachrichten nicht mehr mit dem zu Facebook gehörenden Whatsapp teilen will und eine sichere Alternative sucht, werfe einen Blick auf die Rivalen. Einer ist sehr empfehlenswert.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Als Facebook 2014 den Messaging-Dienst Whatsapp übernahm, genehmigten die europäischen Kartellbehörden diesen Schritt nur unter der Voraussetzung, dass kein Datenaustausch zwischen beiden Unternehmen stattfinden würde. Facebook willigte ein. Im August vergangenen Jahres war das alles Makulatur: Facebook setzte sich plötzlich über Recht und Gesetz hinweg und begann, die Handynummern von Whatsapp-Nutzern an seine Zentrale in Kalifornien zu übertragen, unabhängig davon, ob die jeweilige Person auch in dem sozialen Netz aktiv ist. Ferner wurden alle Nummern aus dem Whatsapp-Telefonbuch ebenfalls nach Amerika geschickt.

Die europäischen Datenschützer wehren sich, und seit Anfang November pausiert Facebook gnädigerweise mit Datenweitergabe. Wie immer der Streit zwischen den Datenschützern und EU-Behörden einerseits und dem amerikanischen Konzern andererseits ausgeht: Der gute Ruf ist ruiniert. Begeisterte Whatsapp-Nutzer müssen sich darauf einstellen, dass Facebook stärker denn je Einfluss auf den zugekauften Messenger nehmen wird. Das schnörkellose, werbefreie Whatsapp-Design könnte schon bald verschwinden.

Ein zweites Problem mit Whatsapp schien sich im Januar anzudeuten: Zwar gilt die Datenübertragung zwischen den Nutzern des Messengers als abhörsicher, weil die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zum Einsatz kommt. Dennoch stand der Vorwurf eines Hintertürchens beim Schlüsseltausch im Raum. Whatsapp legte überzeugend dar, dass von einer Sicherheitslücke keine Rede sein könne. Führende Kryptographen aus aller Welt pflichteten bei.

Unzählige Alternativen, doch nur wenige mit guter Verschlüsselung
Aber das Unbehagen wächst. Whatsapp ist in den vergangenen Jahren fast schon „zu gut“ geworden und hat sich als nahezu alternativlose Plauderplattform für Allzeitvernetzte tief in den Lebensalltag von mehr als einer Milliarde Nutzern eingeklinkt. Ohne Whatsapp geht in den meisten Beziehungen, Familien, Vereinen und Freundeskreisen fast nichts mehr. Es ist die wichtigste App, am meisten geladen, am häufigsten verwendet. Der Erfolg basiert auf dem Netzwerkeffekt: Der Nutzen eines Dienstes für den Einzelnen ist umso größer, je höher die Gesamtnutzerzahl steigt. Je mehr Menschen dem jeweiligen Netz angehören, desto mehr potentielle Gesprächspartner hat man.

Aus dieser Nummer wieder herauszukommen ist schwer. Natürlich gibt es Alternativen zu Whatsapp. Aber Freunde und Bekannte müssen auch mitgehen. Das ist das Hauptproblem. Ein Blick auf die Konkurrenz lohnt sich dennoch. Wer nach anderen Systemen sucht, die Facebook und alle weiteren großen Internetkonzerne außen vor lassen, um schon einmal zu sondieren, was nach Whatsapp oder zumindest neben Whatsapp interessant sein könnte, findet Hunderte von Angeboten. Tatsächlich ist die Auswahl jedoch nicht so groß, wenn die Sicherheit im Vordergrund steht. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gehört unabdingbar dazu. Damit sind dann populäre Dienste mit 300 Millionen Nutzern wie Skype oder das in Asien beliebte Wechat (850 Millionen) gleich außen vor.

Ein Konkurrent wird auch von Edward Snowden empfohlen

Wer alle Whatsapp-Rivalen durchbuchstabiert und auf die Details achtet, landet über kurz oder lang bei Signal von Open Whisper Systems. Es ist der Messenger, den Edward Snowden wiederholt empfohlen hat, es ist der Favorit der Netzelite. Die Software ist Open Source und auf Github verfügbar, also einsehbar, im Unterschied etwa zu Telegram (100 Millionen Nutzer) oder Threema, deren Sicherheitsversprechen man glauben muss, weil man sie nicht prüfen kann. Threema mit fünf Millionen Nutzern hat zudem ein weiteres Problem: Die geplante Schweizer Vorratsdatenspeicherung würde das Unternehmen zwingen, nahezu sämtliche Kommunikationsdaten den staatlichen Behörden herauszugeben.

Signal wurde maßgeblich von dem Sicherheitsforscher Moxie Marlinspike entwickelt. Open Whisper Systems, das Unternehmen hinter Signal, finanziert sich durch private Spenden und wird von Stiftungen wie der Freedom of the Press Foundation unterstützt. Signal gibt es als Gratis-App für iOS und Android, und wie bei Whatsapp ist das eigene Messaging-Konto an die Handynummer gebunden. Folglich benötigt Signal den Zugriff auf das eigene Telefonbuch. Wer die Rufnummer kennt, kann einen erreichen.

Die Optik der App wirkt etwas altbacken, sie hat den trockenen Charme der Nerds, damit muss man wohl leben. Wie in jedem anderen Messenger lassen sich Textnachrichten schreiben, aber auch Bilder oder Audionachrichten senden. Mit den verschwindenden Nachrichten, der Name sagt es bereits, löschen sich gesendete und empfangene Nachrichten einer Konversation nach einer wählbaren Zeit automatisch. Das Menü zur Überprüfung von Sicherheitsnummern erlaubt es, den kryptographischen Fingerabdruck von Gesprächspartnern zu kontrollieren. Entweder vergleicht man eine eingeblendete Zahlenfolge, oder man scannt einen QR-Code ein. Audio-Telefonate von Signal zu Signal gelingen ebenfalls, Video-Telefonie wie bei Whatsapp oder Skype ist im Versuchsstadium implementiert. Die Sprachübertragung ist ebenfalls verschlüsselt, bei unseren Versuchen war die Akustik indes deutlich schlechter als mit Whatsapp.

Signal auf dem Smartphone. Foto Hersteller

Kommunikation trotz Internetzensur

Wer sich das Leben mit einem Messenger einfach macht und seine Nachrichten nicht am Smartphone, sondern im Browserfenster am PC unter Zuhilfenahme von Maus und Tastatur schreibt, kann diesen Komfort auch für Signal haben. Allerdings auf kleinen Umwegen: Man muss den Chrome-Browser von Google verwenden und Signal Private Messenger als Chrome-Erweiterung installieren. Am Smartphone ist über die Einstellungen die Verknüpfung vorzunehmen, dabei wird ein QR-Code gescannt, der im Browser-Fenster erscheint. Noch ist die Software im Beta-Status und lief bei uns nicht ohne kleinere Probleme. Die Browser-App ist in Javascript geschrieben, und ihr Code ist abermals bei Github einsehbar.

Wenn Open Whisper Systems gezwungen wird, Daten von Nutzern und ihrer Kommunikation herauszugeben, kann das Unternehmen nur deren Registrierungsdatum sowie den Zeitpunkt des letzten Einloggens liefern. Alles andere wird nicht gespeichert oder ist wie die Inhalte von Nachrichten verschlüsselt und damit nicht einsehbar.

Chrome-Erweiterung für Signal. Foto Spehr

Dass die eingesetzten Verfahren der Verschlüsselung greifen und nicht nur theoretisch sicher sind, können jene Regierungen dieser Welt bezeugen, die versuchen, die Nutzung von Signal zu unterbinden. Zuletzt hatte dies im Dezember Ägypten probiert. In Ländern mit wenigen Internet-Service-Providern, die wiederum von Regierungen gezwungen werden, Filter für einzelne Programme einzusetzen, können solche Blockaden gelingen. Die Reaktion von Open Whisper Systems folgte nahezu umgehend: Mit einer neuen Version der App wurden Dienste wie Google und die Cloud-Angebote von Amazon genutzt, um die Kommunikation über Signal zu verschleiern. Für die Filtersoftware in Ägypten sah die Signal-Nachricht fortan wie eine normale Anfrage über Google aus. Die Technik nennt sich Domain-Fronting. Wenn Regierungen auch gegen diese Huckepack-Reise verschlüsselter Nachrichten vorgehen wollen, gibt es dafür nur eine Möglichkeit: Sie müssen das gesamte Internet in ihrem Land abschalten.

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Nokia kehrt zurück

Eine Besinnung auf die gute alte Zeit vor dem Smartphone? War früher alles besser? Solche Fragen liegen geradezu auf der Hand, wenn man die jüngste Nokia-Begeisterung mitverfolgt. Nokia? Ja, die leben wieder auf, jedenfalls der Name. Die stolze Geschichte des einstigen Mobilfunk-Pioniers endete 2013, als die gesamte Handy-Sparte der Finnen an Microsoft verkauft wurde. Microsoft beerdigte das alte Symbian-Betriebssystem, setzte auf den Wechsel zur mobilen Windows-Variante – und das Experiment ging gründlich schief. Nokia ist tot, Windows Phone ist tot, Symbian sowieso. Doch nun scheint Nokia wiederaufzuleben. Nicht mit Smartphones, sondern mit jenen einfachen Telefonen, die in der Anfangszeit den Mythos Nokia begründeten: Langlebig, robust, einfach, und der Akku hält gefühlte Ewigkeiten.

Das erste Gerät ist bereits im Handel und seit zwei Wochen in der Redaktion. Wir haben es nie ausgeschaltet, mit der ersten Akku-Ladung läuft es noch immer. Das Nokia 150 kostet 40 Euro und wird in Deutschland von Mobilcom-Debitel vertrieben. Sein Display hat eine Auflösung von 240 × 320 Pixel und ist nicht berührungsempfindlich. Bedient wird es allein mit der Tastatur und einer Vier-Wege-Wippe. Die Kamera mit mickriger Auflösung von 0,3 Megapixel taugt nichts. Die insgesamt 16 Menüs lassen sich einfach vom Hauptbildschirm aus starten, darunter sind so praktische Dinge wie ein Radioempfänger, eine Taschenlampe, ein Rechner und natürlich das legendäre Nokia-Spiel Snake. Man kann mit dem Telefon telefonieren und bekommt noch ein paar Extras dazu, das ist die Idee dieses Fossils. Hinter Nokia steckt das Unternehmen HMD Global Oy. Es hat die Namensrechte von Microsoft für zehn Jahre gekauft und ist eine Tochterfirma des chinesischen Auftragsfertigers Foxconn, der wiederum unter anderem für Apple arbeitet.

Nun soll auch das Nokia 3310 wiederaufleben, HMD will es angeblich am kommenden Wochenende auf der Mobilfunkmesse in Barcelona vorstellen. Die neue Version des 3310 soll 60 Euro kosten. Das Original kam Ende 2000 auf den Markt und wurde mit 126 Millionen verkauften Exemplaren einer der großen Erfolge der Finnen. Sein Display war noch nicht farbig, sondern schwarzweiß, und es hatte eine Auflösung, die man heute nur als armselig bezeichnen kann. Sie liegt noch weit unterhalb der des Nokia 150 und beträgt gerade mal 84 × 48 Pixel.

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Wirkungslose Wächter: Weg mit Antivirensoftware

Die Empfehlung hört sich geradezu verrückt an: Man kaufe für seine Rechner keine Antiviren-Software, und die bereits vorhandene deinstalliere man. Mit Ausnahme des Defender von Microsoft, der zur Serienausstattung von Windows gehört. Wer dergleichen rät, scheint ahnungslos zu sein und konterkariert geradezu fahrlässig das Credo bisheriger IT-Sicherheitsrichtlinien: Ein guter und aktueller Virenschutz ist demnach unerlässlich. Viren, Trojaner und Phishing-Angriffe sorgen für ein latentes Gefährdungspotential, jeder ist betroffen. Selbst wer mit größter Vorsicht im Internet surft, ist vor Schadprogrammen nicht gefeit. Niemand sollte mit einem ungeschützten System ins Netz gehen.

Das alles bleibt richtig. Aber nunmehr wird die Frage aufgeworfen, wie gut kommerzielle Antiviren-Software ist. Der Ratschlag, diese nicht zu kaufen, stammt von dem früheren Firefox-Entwickler Robert O’Callahan, der erst nach seiner aktiven Zeit bei Mozilla den Mut fand, ein Problem anzusprechen, das unter Fachleuten schon lange diskutiert wird: ob Antiviren-Software von Drittanbietern sowohl mit ihrer Systemarchitektur wie auch mit fortwährenden Qualitätsproblemen selbst Sicherheitsprobleme verursacht und der Umsetzung effektiver Schutzmechanismen im Wege steht. Sicherheits-Software wird oft gleichsam per Definition als sicher erachtet. Die schlimmste Gefahr für einen Rechner besteht jedoch nicht darin, dass Antivirenprogramme einen Schädling übersehen, sondern dass die Antiviren-Software selbst zum Einfallstor wird.

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Test: Windows 10 Creators Update / Redstone 2

Im April kommt das nächste große Update: 3D für jedermann heißt das Motto, mit dem 400 Millionen Windows-Geräte ein neues Betriebssystem erhalten.

Nein, es kommt vorerst kein Windows 11, sondern Microsoft aktualisiert sein Windows 10 mit jährlichen großen Updates, die neue Funktionen und manche Verbesserung bringen. Statt einer einmal zu erwerbenden Software erhält man ein Produkt, das fortwährend angepasst wird. Die Version 1511 von Windows 10 kam im November 2015, das Anniversary Update 1607 brachte im Juli vergangenen Jahres mehr als hundert weitere Funktionen und Fehlerbeseitigungen. Die Versionsnummer gibt Jahr und Monat des Updates an. Welche Version auf dem eigenen Rechner läuft, erfährt man in den Windows-Einstellungen.

Nicht jeder ist mit dieser Vorgehensweise von Microsoft einverstanden, zumal sich die automatischen Updates nicht komplett deaktivieren lassen. Bisweilen beginnt ein längerer Update-Prozess im ungünstigsten Moment, laufende Arbeit wird unterbrochen, der Rechner steht 30 Minuten und länger nicht zur Verfügung. Oft werden Einstellungen des Nutzers von Microsoft wieder zurückgesetzt, damit man zum Beispiel den hauseigenen Browser aus Redmond nutzt und nicht etwa die Alternativen Firefox oder Chrome. Ferner geht es ums Prinzip: Einen Rechner kaufen, mit Betriebssystem ausstatten und in Ruhe laufen lassen, das geht jetzt nicht mehr.

Der nächste große Sprung heißt Creators Update, wird intern auch Redstone 2 genannt und geht wahrscheinlich im April an den Start, trägt also die Kennziffer 1704. Im Oktober vergangenen Jahres gab Microsoft bereits einen ersten Einblick. Demnach soll die verjüngte Windows-Plattform das Rüstzeug für die dreidimensionale Realität bieten und sich problemlos mit der Hololens und Windows-VR-Brillen bedienen lassen. 3D für jedermann heißt die Maxime. Zum Erstellen eigener 3D-Objekte dient eine überarbeitete Version der Software Paint, und das Smartphone wird mit einer App zum 3D-Scanner. Auch hinsichtlich der Updates gibt es mit dem Update ein Update: Sie lassen sich bis zu 35 Tage lang aufschieben. Allerdings werden Sicherheits-Updates und die Datenbanken der Virenabwehr namens Windows Defender weiter installiert, die Pause funktioniert also nur für neue Funktionen und weniger wichtige Aktualisierungen.

Neu ist das Windows Defender Security Center. Es handelt sich um eine App-Version des Windows Defender, der bislang über das Startmenü zu erreichen ist. In diesem Sicherheitszentrum lassen sich Einstellungen zur Firewall und für den Netzwerkschutz vornehmen. Die neue Zentrale bietet mehr Übersicht. Mit der Schaltfläche Viren- und Bedrohungsschutz sieht man sofort, wie viele Dateien geprüft und welche Bedrohungen erfasst wurden. Nach wie vor gilt: Dank Windows Defender kann man getrost auf andere Virensoftware von McAfee oder Kaspersky verzichten.

Über das Untermenü Geräteleistung und -integrität kann man Programme löschen, die zugehörigen Einstellungen und Dateien bleiben indes erhalten. Mit dem Offline-Scan gibt es die Möglichkeit, den Rechner in einer Defender-Umgebung hochzufahren, ohne Windows zu starten. Das funktioniert im Prinzip bereits mit Windows 10 Version 1607, bietet hier aber nun eine deutlich einfachere Möglichkeit, den Rechner nach Schadsoftware zu scannen, die huckepack mit Windows gestartet wird. In der Sicherheitszentrale nimmt man sodann auch die Einstellungen für die Familienkonten vor.

Mehr Leistung und Laufzeit versprechen die neuen Energiespareinstellungen mit einem Power Slider genannten Tool. Dank Schieberegler soll sich einstellen lassen, wie viel Leistung für das Betriebssystem zur Verfügung steht. Voraussetzung für mehr Energieeffizienz ist freilich, dass die Hersteller der einzelnen Hardware-Komponenten ihre Treiber aktualisieren.

Im wiederbelebten Startmenü lassen sich künftig Ordner für die Kachel-Icons erstellen. Man zieht dafür eine Kachel-App im Startmenü auf eine andere, wie beim Smartphone. Die Größe der Kacheln ist anpassbar. Der bislang erfolglose Browser Edge soll besser bedienbar werden: Fährt man mit der Maus über einen Tab, zeigt sich eine Vorschau der Internetseite. Nicht mehr benötigte Tabs lassen sich beiseiteschieben und einfacher denn je wieder öffnen. Mit dem Kontextmenü von Edge in der Taskleiste gelingt das Öffnen neuer Fenster. Wie in anderen zeitgemäßen Browsern ist künftig das automatische Abspielen von Flash-Elementen blockiert, schon aus Gründen der Sicherheit. Nur nach ausdrücklicher Bestätigung startet die Wiedergabe. Im Zweitjob soll Edge künftig als E-Book-Reader dienen. Microsoft will eine neue Buchhandlung in Windows 10 einrichten, und der Browser soll als Lesegerät dienen.

Zu den kleineren Verbesserungen gehört die Option, dass sich Bereiche des Bildschirms mit der Tastenkombination Windows plus Shift plus S als Screenshot in der Zwischenablage speichern lassen. Programme und Icons werden besser dargestellt, insbesondere bei hohen Bildschirmauflösungen. Mit Storage Sense lässt sich automatisch Festplattenplatz freischaufeln. Ferner kann Windows temporäre Dateien und solche im Papierkorb automatisch löschen. Die Sprachassistentin Cortana wird tiefer ins Betriebssystem eingebunden, sie soll mehr Apps unterstützen. Wer Cortana einsetzt, muss viel von sich preisgeben. Aber vielleicht leistet das ebenfalls neu gestaltete Privacy-Dashboard mit besserer Übersicht und mehr Optionen die notwendige Überzeugungsarbeit.

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Test: Ford Focus 2016 mit Sync 3, Applink und Touchscreen

Die Preisliste umfasst üppige 44 Seiten in kleiner Schrift, und wir haben für den Ford Focus einen Weg durchs Dickicht der Kommunikationstechnik geschlagen. Im Grunde genommen muss man nur eine einzige Entscheidung fällen: Benötigt man ein eigenständiges Navigationssystem, das unabhängig vom Smartphone jederzeit zur Verfügung steht, keine Mobilfunk-Anbindung erfordert und einfach zu bedienen ist?

Ford Focus Modelljahr 2016. Foto Hersteller

Wer diese Frage bejaht, weil er oft in ihm unbekannte Regionen fährt und auf der sicheren Seite bleiben will, bestelle das Ford Navigationssystem mit Ford Sync, Applink und Touchscreen. Das ist die lange Bezeichnung für ein Extra, das je nach Modellvariante zwischen 350 und 1600 Euro kostet. Auf der großen berührungsempfindlichen Anzeige mit einer Diagonale von 20,5 Zentimeter zeigt sich die elektronische Landkarte in schöner Übersicht, die Menüführung des Systems lässt kaum Fragen offen. Die Sync-Spracherkennung, die früher Dreh- und Angelpunkt des Ford-Systems war, erfasst fast alle Kommandos auf Anhieb und in einem Rutsch.

Ein Michelin-Reiseführer mit Hotel- und Restaurantinformationen gehört dazu, Darstellung und Ansagen sind gelungen. Abzüge gibt es für die Qualität der Verkehrsinfos, denn TMC Pro ist zwar besser als der Basisdienst TMC, kann aber mit den Echtzeitdaten anderer Anbieter nicht mithalten. Ein weiterer Minuspunkt: Im Telefonmodul fehlt eine Namenssuche, indes umschifft abermals die Ford-Spracherkennung diese Klippe.

Für ordentlichen Klang sorgen sechs Lautsprecher, und wir waren überrascht: Die Stimme von Gwen Stefani stand präzise und klar im Raum, gute Laune ist garantiert. Neugierig geworden, ließen wir schwere Kost vorfahren, Wagners Parsifal in der Solti-Einspielung von 1972. Gar nicht mal so schlecht, lautete das Urteil, wenngleich ein bisschen mehr Transparenz und Klarheit insbesondere den Mitten guttun würde. HiFi-Freunde sollten die Premium-Ausstattung Probe hören, sie bringt neun Sony-Lautsprecher mit: vier Tieftöner in den Türen, vier Hochtöner und ein weiterer auf dem Armaturenbrett. Der Fünf-Kanal-Audioverstärker leistet dann 125 Watt. Für einen Aufpreis von 700 bis 1200 Euro könnte sich dieses Extra lohnen.

Ford Sync 3 im Ford Focus. Foto Spehr

Soll es nicht die große und etwas teurere Lösung sein, weil man ohnehin nur selten in die Ferne schweift, reicht vielleicht die Smartphone-Lösung für den Focus: Sync 3 mit Applink und Touchscreen gehört entweder zur Serienausstattung oder kostet, je nach Modellvariante, zwischen 350 und 1400 Euro. Ein iPhone oder ein neuerer Androide mit Google-Betriebssystem müssen dazu per Kabel angebunden werden. Anschließend laufen Carplay oder Android Auto. Die Besonderheit der beiden Auto-Systeme aus Amerika hatten wir bereits des Öfteren geschildert: Sie übernehmen mit ihren Smartphone-Daten das Bordsystem, man bedient sie in erster Linie mit der Google- oder Apple-Sprachsteuerung. Es gibt nur wenige Optionen auf dem Display, das mit seiner reduzierten Darstellung und Funktionalität den Fahrer möglichst wenig ablenken soll. Das Navi von Google und Apple erfüllt durchaus seinen Zweck, lässt aber an Übersicht vermissen, das ist der größte Nachteil.

Vom Sommer an zieht noch ein dritter Assistent der amerikanischen Internetkonzerne in den Ford ein: Amazons Alexa wird derzeit in Sync integriert und ermöglicht im Auto das Abspielen von Hörbüchern, Musik und Nachrichten sowie eine Ortssuche oder das Einkaufen bei Amazon. Die sprachgesteuerten Amazon-Geräte für zu Hause (Echo oder Echo Dot) bieten die Option, noch in der Küche nach dem Kraftstoffvorrat des Autos zu fragen oder die Türen zu entriegeln. Eine schöne Zukunft mit Google, Alexa, Siri und Snyc. Man muss nur aufpassen, dass man jedem der vier Spracherkenner die richtigen Kommandos gibt. Sonst unterhalten sie sich vielleicht noch untereinander.

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Gaming PC: Spiel am Limit

Leistung satt, laut wie ein Sportwagen und ein martialisches Design: Wenn aus braven Windows-Rechnern ein Gaming PC wird, fährt Hardware in den Grenzbereich.

Eine Höllenmaschine mit viel Dampf ist angesagt. Groß, laut, heiß und vor allem schnell. Power pur und Tempo sind das Gebot der Stunde; übertakten und im Grenzbereich fahren ist das Ziel. Also bitte keine Stromspar-Prozessoren und keine kastrierten Grafik-Chips. Wer im Geschwindigkeitsrausch von solchen Rechner-Boliden träumt, will nicht etwa als Forscher mit seinem PC die letzten Geheimnisse der Wissenschaft lüften, sondern ist jung oder jung geblieben und braucht das Adrenalin für einen Spielerechner, der neudeutsch Gaming PC heißt.

Man muss das Stichwort Gaming PC nur in den Raum werfen, um sofort Widerspruch zu ernten. Jugendliche kennen das Problem: Die neunmalklugen Eltern wiegeln ab, sie haben etliche Einwände: Eine Spielekonsole wie die Playstation 4 oder die Xbox One kostet weniger als 300 Euro, ist schnell in Betrieb genommen, muss nicht aufwendig konfiguriert werden, hat keine Treiber-Probleme, lässt sich dezent im Fernsehmöbel verstauen und hat alles, was das anspruchsvolle Spielerherz begehrt. Warum sollte man sich den Tort antun, einen eigenen Rechner für Spiele zu konfigurieren, der nicht nur teuer ist, sondern vermutlich auch laut, einen hohen Stromverbrauch hat und sich nicht ins Wohnzimmer einfügt?

Wer vom Gaming PC träumt, lässt sich von diesen Bedenken nicht aufhalten. Ein moderner, schneller PC ist deutlich leistungsfähiger als die Konsolen, beginnt die Gegenrede, und er biete einen riesigen Vorteil, auf den man in der Welt von Xbox und Playstation verzichten müsse: Multitasking mit der Möglichkeit, mitten im Spiel zu anderer Software zu wechseln, schnell etwas im Internet nachzusehen oder sich mit den Mitspielern auszutauschen. Mit einem Spielerechner unter Windows hätte man mehr Auswahl bei der Software, viele Programme wie etwa Simulationen, und die meisten Team-Rollenspiele liefen ohnehin nur auf dem Computer. Zudem seien die einzelnen Pakete deutlich günstiger als ihre Pendants in der Konsolenwelt.

Alte Abenteuer bekommen neuen Charme

Online-Spiele sind am Rechner ohne monatliches Abonnement von Premiumdiensten nutzbar, und nicht zuletzt gibt es für bewährte Computertechnik die Mods, also kostenlose Erweiterungen, die begeisterte Spielefreunde erstellt haben. Mit Mods entstehen neue Level oder Charaktere, andere Mods stellen das Spielekonzept komplett auf den Kopf und werden damit zu eigenständigen neuen Abenteuern. Aus dem Strategiespiel Warcraft 3 entstand so die Taktiktüftelei Defense of the Ancients, kurz Dota.

Viele Mods von Hobbyentwicklern werden meistgespielte Spiele, und viele alte Abenteuer erhalten durch die Auffrischung mit neuen Inhalten einen jungen Charme. Apropos alte Spiele: Wer auf den Windows-Rechner als Daddelmaschine schwört, mag als weiteren Vorteil dieser Plattform die Option sehen, selbst betagte Schätzchen noch weiterhin in Betrieb zu nehmen. Für Playstation und Xbox endet die Kompatibilität mit jeder neuen Generation. Auch in Richtung Zukunft fährt man mit dem PC besser, lautet ein letztes Argument, denn die neuen VR-Brillen passen eher zum Rechner denn zur Konsole, und überhaupt: Bei den Eingabegeräten erlaubt der PC nicht nur mit Maus und Tastatur deutlich mehr Flexibilität, sondern auch bei der Wahl des passenden Controllers oder sonstiger Gerätschaften, die für das jeweilige Spiel angesagt sind. Die Hardware des PC bietet per se mehr Freiraum, sie lässt sich zudem mit wenigen Handgriffen aufrüsten und nach eigenem Gusto erweitern.

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Tempolimit und Radarfalle: Sind Blitzer-Apps verboten?

Dutzende von Gratis-Programmen sollen vor mobilen Geschwindigkeitsmessanlagen warnen. Die Blitzer-Apps sind schnell aufs Smartphone geladen. Aber die Tücke liegt im Detail.

Tempolimit und Radarfalle: Immer öfter wird in Deutschland geblitzt. Wer unschöne Porträtfotos auf amtlichen Dokumenten vermeiden will, lädt eine Blitzer-App auf sein Smartphone. Sie warnt den Autofahrer vor der Falle. Man begibt sich jedoch in eine juristische Grauzone. Geräte, die dazu bestimmt sind, Anlagen zur Geschwindigkeitsmessung anzuzeigen, dürfen nicht im Auto mitgeführt werden. Das besagt jedenfalls Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung. Dennoch gibt es immer mehr dieser Programme fürs Smartphone. Manches Navigationsgerät im Auto hat die Warnung vor Starenkästen sogar gleich ab Werk eingebaut.

Ein Blick auf die Technik zeigt die Hintergründe. Wird die Blitzer-App überhaupt vom Geltungsbereich der Straßenverkehrsordnung erfasst? Wenn das Navi oder Handy vor dem Blitzer warnt, sucht es nämlich keineswegs nach Radargeräten, mit denen die Geschwindigkeit eines herannahenden Autos ermittelt wird. Auch die Sensor- und Lasergeräte der Polizei kann die Software nicht erfassen. Sie sieht ebenfalls nicht die in der Fahrbahndecke zu Messzwecken eingelassenen Induktionsschleifen oder Piezo-Messstreifen.

Der Radarwarner per Software arbeitet allein mit den Standortdaten der rund 4300 stationären Blitzer in Deutschland, und gegebenenfalls kennt er auch Einsatzorte der mehr als 10.000 mobilen Messgeräte. Die Einnahmen aus solchen Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung lagen im vergangenen Jahr übrigens bei rund 600 Millionen Euro.

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Test: Porsche Design Huawei Mate 9

Die Lederhülle riecht nach einem neuen Porsche. Vermutlich ein 911. Wer sich lieber an der Optik orientiert, sieht den Schriftzug „Porsche Design“ am oberen Gehäuserand und auf der Rückseite das Logo des Studios. Die Rede ist von der Porsche-Design-Modellvariante des Huawei Mate 9. Nachdem viele Jahre der Blackberry von Porsche Design veredelt wurde, ist nun der chinesische Hersteller mit seinem Flaggschiff an

Porsche Design Huawei Mate 9, Foto Hersteller

der Reihe. Ein Smartphone dieser Kollektion ist wie gehabt teuer. 1400 Euro sind hier aufgerufen, doppelt so viel wie für das Ausgangsprodukt.
Porsche Design hat etliche Änderungen am chinesischen Original vorgenommen: Die Anzeige mit einer Diagonale von 5,5 Zoll ist etwas kleiner als die 5,9 Zoll des Mate 9, aber die Auflösung wurde von Full HD auf 2560 × 1440 Pixel erhöht. Mit den leicht abgerundeten Seiten erinnert das Porsche-Mate an ein Samsung. Auch der unterhalb der Anzeige plazierte Home-Button trägt zu diesem Eindruck bei. In ihm befindet sich der biometrische Fingerabdruckscanner, der sonst auf der Rückseite liegt.

Weiterhin hat Porsche Design dem Neuen mehr Arbeitsspeicher spendiert, 6 statt 4 Gigabyte, und der Flash-Speicher wuchs von 64 auf spektakuläre 256 Gigabyte. Die zusätzliche Speicherkarte ist also selbst dann überflüssig, wenn man üppigste Foto- oder Musikbibliotheken auf dem Gerät hortet. Somit lassen sich die beiden Schächte des Kartenhalters für Nano-Sim-Karten nutzen, das Betriebssystem unterstützt dies. Schließlich wandert in der Porsche-Variante der Kopfhöreranschluss von der Ober- an die Unterseite.

Alle weiteren Details bleiben: die gute Leica-Kamera mit 20 Megapixel, die lange Akkulaufzeit und das Android-Betriebssystem 7. Es wird von Huawei mit dem hauseigenen Aufsatz Emui in der Version 5 verschönert. Wenn es etwas an diesem hochwertigen und bestens verarbeiteten Nischenprodukt zu kritisieren gibt, dann ist es dies: dass keiner der beiden Hersteller auf die Idee gekommen ist, ein Emui-Designschema des Bediensystems zu entwickeln, das zu der teuren Hardware passt. Diese Schemata lassen sich bei Huawei-Geräten leicht wechseln, es gibt ein eigenes Menü dafür. Die beiden aufgespielten Porsche-Themen sind mit heißer Nadel gestrickt und passen nicht zu diesem Schmuckstück.

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