An der Spitze wird die Luft dünn. Wenn es um das professionelle digitale Diktieren geht, landet der Arzt oder Anwalt unweigerlich bei den hochwertigen Geräten von Philips oder Olympus. Es sind Arbeitsinstrumente für den Dauereinsatz, überzeugend in Anmutung, Ergonomie, Verarbeitung und Bedienung. Wer sein Diktiergerät rund um die Uhr nutzt, will keinen Kompromiss in der Hand halten. Die beiden Referenzgeräte in der Oberklasse, das DPM 9600 von Philips und das DS 5000 von Olympus, sind mittlerweile fast fünf Jahre alt.
Nun steht der Wachwechsel an, zunächst bei Olympus. Das neue DS 7000 ist bei uns seit einigen Wochen im Einsatz, und der Fortschritt soll sofort sichtbar sein: Als erstes Profigerät hat es ein TFT-Farbdisplay. Was bringt das? Ehrlich gesagt: nicht viel. Olympus hat die gewohnte Menüführung beibehalten, nun sind die einzelnen Einträge unterhalb der Karteireiter etwas besser voneinander abgesetzt und schneller zu identifizieren. Aber ein großer Schritt nach vorn ist das nicht. Denn mit einem Diktiergerät geht man weder ins Internet, noch schaut man Fotos. Im Gegenteil, die farbige Anzeige hat sogar einige Nachteile: Sie muss früher dunkel schalten als das monochrome Pendant, und ihr Stromverbrauch ist höher. Aber Olympus hat beim Akku alles richtig gemacht und verwendet seine Lithium-Ionen-Batterie aus den Digitalkameras. Der Kraftspender hält um die 30 Stunden durch und hat damit eine Ausdauer, die deutlich über der des Philips DPM 9600 mit Monochromdisplay liegt. So muss man sich nur an die fortwährende Abdunklung der Anzeige gewöhnen.
Meisterstück der Feinmechanik
Die Hardware des neuen DS 7000 ist – wie beim Vorgängermodell – über jeden Zweifel erhaben. Der Body aus Metall ist teilweise mit schwarzem Kunststoff überzogen, das Akkufach ist gegen unbeabsichtigtes Öffnen durch einen Riegel geschützt, und der abermals verbesserte Schiebeschalter, der auf Rollen gleitet, darf als Meisterstück der Feinmechanik gelten. Er arbeitet im Unterschied zur Konkurrenz geräuschlos und fährt absolut leichtgängig und geschmeidig auf seine vier Positionen. Bei diesem Hauptbedienelement spürt man sofort den Unterschied zwischen einem Profigerät und billigen Möchtegern-Apparaten. Bei Bedarf lässt sich der Stand des Schalters auf dem Display visualisieren, so dass der ungeübte Nutzer eine optische Rückmeldung bekommt.
Die zweite Neuerung ist das modifizierte Mikrofon, das mit einer nach oben herausgezogenen Kapsel und einer Feinabstimmung für die Spracherkennung aufwartet. Damit Dragon Naturally Speaking bessere Ergebnisse liefert, hat Olympus zusammen mit dem Softwarehersteller Nuance das Frequenzspektrum des Mikros optimiert. Wir haben mit dem Philips in der linken und dem Olympus in der rechten Hand ein Probediktat aufgenommen und anschließend der PC-Software vorgesetzt. Das Ergebnis: Obwohl die Aufnahme des Olympus in der subjektiven Wahrnehmung besser klingt, gab es hinsichtlich der Erkennungs- und Fehlerrate nicht den geringsten Unterschied – weder in sehr leiser Umgebung noch bei dezent im Hintergrund laufender Musik. Das bestätigt unsere These, wonach eine ordentliche Aussprache bei der Spracherkennung hilfreicher ist als ausgeklügelte Mikrofontechnik.
In gewisser Hinsicht gibt es beim neuen Olympus sogar ein Mikrofonproblem. Denn die Klinkenbuchsen für ein Zusatzmikrofon und den Ohrhörerausgang wurden von der Oberseite des Geräts auf die linke Seitenfläche gelegt. Zugegeben, das sieht nun schicker aus. Aber ein Aufsteckmikrofon mit Nebengeräuschunterdrückung lässt sich jetzt nicht mehr sinnvoll mit dem DS 7000 verwenden, landen doch Zeige- und Mittelfinger nahezu automatisch über der Buchse. Was sich die Japaner dabei gedacht haben, möchte man doch gern wissen. Mit den kleinen Aufsteckmikros erstellt man nämlich auch im Auto, in der Bahn oder am Flughafen eine spracherkennungstaugliche Aufzeichnung. Ohne die Nebengeräuschunterdrückung hörten sich unsere DS-7000-Aufnahmen im Auto durchaus gut an, aber die Fehlerrate bei der Spracherkennung ist indiskutabel. In diesem Sinne ist es gewiss klug, das ältere DS 5000 und seine ID-Variante (mit biometrischem Fingerabdruckscanner) noch eine Zeitlang im Markt zu belassen.
Alle weiteren Details des neuen DS 7000 entsprechen nahezu dem Vorgängermodell. Aufgezeichnet wird, wie bei jedem Profigerät, in den Formaten DSS und DSS Pro, beides sind quasi die MP3-Pendants für Sprache. Ein Diktiergerät ist ein Spezialist und kein Audio-Generalist. Dateien lassen sich mit 256-Bit-AES-Verschlüsselung vor unbefugtem Zugriff schützen, bis zu zehn Autoren und 20 Diktattypen sind direkt am Gerät administrierbar. Die typische Olympus-Marotte, neben der SD-Speicherkarte ein zweites Micro-SD-Laufwerk unterhalb des Akkufachs unterzubringen, wurde beibehalten.
Die kleine Karte lässt sich nur mit chirurgischem Werkzeug aus ihrem Fach herauspfriemeln. Da Speicherplatz weder knapp noch teuer ist, sehen wir hier keinen Gewinn und den Nachteil, dass beim Andocken an Windows gleich zwei störende „Was soll ich nun mit dem Laufwerk anfangen?“-Meldungen aufploppen. Auch irritiert, dass man – wie gehabt – zwischen verschiedenen USB-Klassen umschalten muss. Wer das DS 7000 zusammen mit Dragon Naturally Speaking einsetzt, erhält mit der ebenfalls neuen Zusatzsoftware Olympus Dictation Management System (ODMS) ein sehr leistungsfähiges Programm, das einen ausgefeilten Workflow vom Diktat über die Spracherkennung bis hin zum Versand der transkribierten Dateien per E-Mail oder FTP bietet.
Ganze Befehlsketten und Regeln sind programmierbar, auch in Abhängigkeit vom Diktierer und seinem Kürzel. Es gibt zwar noch einige kleine Fehler, aber insgesamt ist das Gebotene sehr üppig. Die Software eignet sich nicht nur für den Einzelplatz, sondern auch für große Arbeitsgruppen, Dragon lässt sich zudem als Hintergrund-Anwendung integrieren.











